Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 17. Mai 2016

Abenteuer Amselrettung von Doris Thomas

Klappentext:

Eines Tages machen Tanja und ihr Bruder Andreas eine Entdeckung: Unter dem Amselnest in ihrem Garten liegt ein kleines, nacktes Küken. Es lebt, aber es gibt keinen Ton von sich. Was sollen sie tun? Die Geschwister wollen das hilflose Küken nicht seinem Schicksal überlassen. So beginnen aufregende Tage um die Rettung einer kleinen Amsel. Eine Begebenheit, die sich wirklich so zugetragen hat, wird zu einem echten Abenteuer. Das liebevoll illustrierte Buch liefert dir auch Sachinformationen über das Leben einer Amsel.
Ab 8/9 Jahre
Erhältlich bei Verlag an der Este und bei Antolin


Das Unglück geschieht


Regelmäßig schauen die Kinder nach dem Nest. Als sie vom Spielplatz kommen, machen sie eine schlimme Entdeckung. Ein Küken liegt unter dem Nest. „Mama! Mama!“, brüllen sie und rennen ins Haus. Tanja weint beinahe, aber Andreas bleibt ruhig: „Wir müssen sie retten, Mama!“

Sofort kommt die Mutter mit hinaus. „Das schaffen wir nie. Es ist ja so winzig“, meint sie. „Doch Mama, bestimmt. Wir helfen auch kräftig mit!“ Andreas und Tanja betteln so lange, bis ihre Mutter schließlich sagt: „Na gut, wir können es ja versuchen!“

Das Küken ist fast nackt und die wenigen Federn stecken noch in den Federstielen. Die Mutter besteht darauf, dass Andreas Gartenhandschuhe anzieht, bevor er den Vogel in die Hand nimmt. Vielleicht ist er ja krank! Vorsichtig nimmt Andreas das Küken in die Hand. „Die Kleine ist ja total leicht.“ - „Zerdrück sie bloß nicht!“, ermahnt ihn Tanja.
Wohin jetzt mit dem kleinen Vogel? Tanja flitzt in den Keller und  holt einen Suppenteller aus Plastik. Mit einem Geschirrtuch polstern sie den Teller aus. Andreas setzt das Küken behutsam in das Ersatznest. Es gibt keinen Ton von sich. Sein Schnabel ist fest geschlossen.

Die Mutter überlegt: „Andreas, du suchst Regenwürmer! Tanja, du holst eine Pinzette aus dem Badezimmer!“ Beide Kinder sausen los. Andreas findet einige kleine Würmchen im Beet. Jetzt wollen sie das Amselküken mit Hilfe der Pinzette füttern,  aber es will einfach nicht den Schnabel aufmachen.


Tanja tippt mit der Pinzette an den platten Schnabel. Nichts passiert. Die Kinder sind verzweifelt. Andreas will sich neben das Nest setzen und stößt dabei mit dem Knie an den Plastikteller. Plötzlich reißt die kleine Amsel den Schnabel auf. „Füttere sie, schnell!“, ruft Andreas seiner Schwester zu.

Tanja ist ganz aufgeregt. Ihre Hand zittert, als sie dem Vogel die Pinzette mit den Würmchen in den Schnabel steckt. Geschafft! „Juhu! Juhu! Die Kleine hat gefressen!“ Auf einmal hebt das Küken seinen federlosen Po. Flatsch!
Auf Tanjas T-Shirt hängt ein dicker Klumpen Kacke. „Iih, wäh!“, kreischt sie entsetzt. „Das ist ja eklig.“

Andreas krümmt sich jedoch vor Lachen. Die Mutter grinst und bringt Tanja Küchentücher aus Papier: "So eines solltet ihr auch noch ins Nest legen. Das könnt ihr wegschmeißen, wenn es dreckig ist."
Abends tragen sie die kleine Amsel hinunter in den Heizraum. Dort ist es warm genug. Ob sie morgen noch lebt?
Doris Thomas

Seit über 25 Jahren ist die Autorin im Wal- und Delfinschutz aktiv und hat bisher meist Bücher über die Meeressäuger geschrieben. Vielen Lesern sind die Abenteuer des Schwertwals Zabu bekannt. Aufgrund dieser Arbeit, die zum Teil auch in Englisch veröffentlicht wurde, hat sie bereits den Titel "Whale Writer" erhalten.

Die Autorin hält Vorträge über Wale und will auch mit ihren Büchern, die immer mit eigenen Ölbildern, Aquarellbildern, Bleistiftzeichnungen oder auch einmal mit Fotos illustriert werden, die jungen Leser mit spannenden Geschichten fesseln und gleichzeitig für Umweltthemen sensibilisieren. In vielen der Fanbriefe, die Schüler an sie geschrieben haben, erwähnen die Kinder, dass sie nun Walfans sind und diese tollen Tiere schützen möchten. Kann es ein größeres Kompliment für eine Arbeit geben?

Aber auch andere Tierarten liegen der Autorin am Herzen. Ob es nun die Robbe Tippo oder eine kleine Amsel ist, mit jedem Buch finden die jungen Leser einen ganz besonders einfühlsamen Zugang zu der Tierart, selbst wenn es sich um Wildtiere handelt.

Gerade sucht Doris Thomas einen Verlag für ein spannendes, reich illustriertes Kinderbuch über einen jungen Elefanten.

Übrigens gibt es zu allen Büchern einen Fragesatz bei Antolin.

Homepage: www.doris-t.de

Dienstag, 6. November 2012

Oh, wie hässlich! – Eine Geschichte vom Anderssein von Evelyn Sperber-Hummel, Coverbild von Krisi Sz.-Pöhls



 
Inhaltsangabe:

Die Krokodilseltern Krokelia und Krokus warten ungeduldig darauf, dass auch ihr letztes Kind aus dem Ei schlüpft. Doch als es dann endlich aus dem Ei krabbelt, sind sie entsetzt, denn dieses Krokodilsbaby sieht ganz anders aus als ihre anderen Kinder. Es ist nicht grün, sondern schwarz, es hat einen roten Borstenbüschel auf dem Kopf und eine breite Schnauze. Die anderen Krokodilskinder finden ihr neues Geschwisterchen potthässlich. Und Vater Krokus verbietet ihnen, mit diesem „Ungeheuer“ zu spielen. Nur Krokelia kümmert sich  um ihre seltsame Tochter, und weil sie so glänzend schwarz ist, nennt sie sie Lackschuh.
Lackschuh ist anders als ihre Geschwister. Und weil Vater Krokus sie für ein Ungeheuer hält, darf sie nicht bei den Krokodilen wohnen. Aber sie möchte auch geliebt und geknuddelt werden. Krokelias Herz gewinnt das kleine pfiffige Persönchen schnell. Lackschuh hat viele Fragen, Krokelia beantwortet sie alle. Nur auf eine Frage weiß sie keine Antwort. Lackschuh möchte wissen, wer sie ist. Denn eines steht fest: Ein Krokodil ist sie nicht. Wird sie deshalb immer allein sein müssen? Die Antwort darauf gibt diese Geschichte vom Anderssein. Und diese Geschichte endet glücklich.
Erhältlich bei Amazon.


     
 Leseprobe
Ein seltsames Baby schlüpft aus dem Ei
"Immer noch nichts?" Krokodilsvater Krokus runzelte die Stirn.
Mutter Krokelia schüttelte den Kopf und starrte auf das Ei, das in der Sandkuhle vor ihr lag. Alle anderen  Babys waren inzwischen geschlüpft, dieses Ei rührte sich nicht. Ein paar Mal hatte sie es vorsichtig mit ihrer großen Schnauze hochgehoben in der Hoffnung, das kleine Krokodil im Innern aufzuwecken. Vergebens. "Ich mache mir langsam Sorgen", sagte sie.
Vater Krokus klopfte vorsichtig gegen die schwarz gepunktete dunkelgrüne Eierschale. "Soll ich ein bisschen nachhelfen?", fragte er.
"Ja, vielleicht." Krokelia seufzte. Noch nie hatte ein Kind so lange auf sich warten lassen.
Krokus schlug  vorsichtig gegen die Schale. Er legte sein Ohr ans Ei und horchte. "Du, da drin bewegt sich was", sagte er.
In dem Moment knackte es, ein feiner Riss zog sich über die Eierschale, und kurz darauf wurde ein großes Stück herausgebrochen. Ein Köpfchen kam zum Vorschein, schmal, glänzend und mit winzigen Knopfaugen, die neugierig umherspähten.
"Das ist ja entsetzlich!" Krokus sprach aus, was Krokelia zur gleichen Zeit wie er dachte. "Das ist ja entsetzlich", wiederholte er und starrte auf das schwarz glänzende Figürchen, das aus dem Ei kroch.
Das Figürchen stellte sich auf die kurzen Hinterläufe, reckte sich und ließ ein wohliges "Aaaaaah!" ertönen. "Hallo", sagte es.
Als niemand antwortete, fügte es hinzu: "War ganz schön eng in dem Ding da." Dabei zeigte es auf die zerbrochene Eierschale. "Sagt mal, hat es euch die Sprache verschlagen? Ihr habt doch sonst pausenlos gequasselt, manchmal konnte ich kaum schlafen, und jetzt schweigt ihr und tut so, als sei euch ein Ungeheuer begegnet."
Bei diesen Worten zuckten Krokus und Krokelia zusammen. Ein Ungeheuer! Das war es. Ein schwarzes Ungeheuer. Abwehrend streckten beide ihre Vorderpranken aus.
"Hey, was soll das denn? Wollt ihr mich nicht umarmen? Ich bin ein Baby, und Babys wollen gekuschelt werden." Das kleine Ding trippelte auf die Krokodilseltern zu.
Krokus und Krokelia wichen zurück, erst langsam, dann immer schneller und schließlich rannten sie davon, so schnell ihre Beine sie tragen konnten. Erstaunt schaute das schwarze Wesen ihnen nach.