Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 16. August 2016

Mia-Maries Herzenswunsch

Die Anthologie „Mia-Maries Herzenswunsch“ enthält zehn traurige und nachdenklich machende Geschichten über Kinder. Das Kurzgeschichten-Projekt wurde für die an Krebs erkrankte Mia-Marie ins Leben gerufen, die einen inoperablen Gehirntumor hat. Ein Teil des Erlöses geht direkt an die 8-Jährige, damit ihr Herzenswunsch, so viele schöne Erlebnisse und damit Erinnerungen wie möglich zu sammeln, umgesetzt werden kann.

Erhältlich bei Amazon



Ein Buch mit Geschichten für Kinder und Geschichten für Erwachsene.


Finnjas Wünschehund

von Annette Paul

„Holt eure Stifte heraus. Wir schreiben einen Rechentest.“ Frau Rehder, Finnjas neue Klassenlehrerin, verteilte schnell einen Aufgabenzettel.
Finnja holte ihre Federtasche aus dem Ranzen. Warum musste sie gleich am ersten Tag in der neuen Schule eine Arbeit schreiben?
Zuerst kamen einfache Malaufgaben. Die rechnete sie schnell aus. Dann folgte eine Textaufgabe. Sie las sie zweimal durch, ohne sie zu verstehen. Wie sollte sie die bloß lösen?
Sie schaute auf. Melanie neben ihr schrieb und rechnete ohne Pause. Der Junge mit dem Strubbelkopf vor ihr kaute auf seinem Stift herum. Er schien ähnliche Probleme wie sie zu haben.
Eine blöde Schule! Warum konnte sie nicht auf ihre alte gehen? Nur weil Papa versetzt worden war. Hier kannte sie niemanden und gleich in der zweiten Stunde musste sie eine Mathearbeit schreiben. Sie beugte sich wieder über ihr Heft und versuchte, wenigstens die letzten drei Aufgaben zu lösen. Als es klingelte, sammelte Frau Rehder die Hefte ein.
„Kommst du mit?“ Melanie sah sie fragend an.
Finnja nickte und holte schnell ihr Brot und ihre Trinkflasche aus dem Ranzen.
„In der nächsten Stunde haben wir Deutsch, du kannst ja nachher den Stundenplan von mir abschreiben.“ Melanie führte Finnja über den großen Schulhof. In der hinteren Ecke befand sich ein Spielplatz mit Sandkasten, Balancierbalken und einem Klettergerüst.
Die neuen Klassenkameraden näherten sich Finnja und löcherten sie mit Fragen: „Wo kommst du her?“ – „Wie heißt du?“ – „Seit wann wohnst du hier?“ Finnja beantwortete die Fragen, so gut sie konnte. Sie hatte das Gefühl von hundert fremden Kindern umringt zu sein. Ständig schaute sie in ein neues Gesicht.
„Lass uns balancieren“, schlug ein Mädchen vor und einige Kinder lösten sich aus dem Kreis. Jetzt konnte Finnja den Jungen mit dem Stubbelhaar in einer Ecke auf einem Stein sitzen sehen. Er war da ganz allein und machte ein trauriges Gesicht. Sicher hatte er die Arbeit verpatzt.
Als der Balancierbalken frei wurde, setzte er sich darauf. Gleich darauf erschienen zwei kräftige Kinder und riefen ihm etwas zu. Dann lachten sie laut.
„Wer ist das?“, fragte Finnja Melanie.
„Oh, Fabian, der ist komisch, den mag keiner. Das andere sind Tim und Sven.“
Finnja folgte Melanie auf das Klettergerüst. Es bestand aus einem Mast, an dem ein Gitter aus Seilen befestigt war. Geschickt kletterte sie mit Melanie bis ganz nach oben.
„Gefällt es dir hier?“, fragte Melanie.
„Der Schulhof ist toll. Mehr kenne ich noch gar nicht. Wir sind erst vorgestern eingezogen. Gestern haben wir eingekauft. Anschließend haben wir das Wichtigste ausgepackt. Wir mussten die Kleidung und die Schulsachen suchen. In meinem Zimmer stehen die Möbel, aber mein Spielzeug ist in den Kartons.“
„Wir können zusammen zur Schule gehen, die Eichenstraße ist ganz in unserer Nähe“, schlug Melanie vor.
„Das ist fein“, freute sich Finnja. „Dann muss ich nicht allein gehen.“
In der nächsten Stunde hatten sie Deutsch und sie lasen eine Abenteuergeschichte. Als Fabian dran kam, stotterte er herum, als wäre er in der ersten Klasse. Hinten lachte jemand. Finnja drehte sich um. Tim und Sven schnitten Grimassen und feixten.
„Das nächste Mal übst du besser“, sagte Frau Rehder streng. Sie nahm Melanie dran, die den Text fließend und richtig betont vorlas.
Fabian senkte den Kopf, seine Ohren wurden ganz rot.
Nach der letzten Stunde traf Finnja ihn an Schultor. „Ich kann auch nicht gut lesen“, sagte sie, um ihn zu trösten.

Vor der Schule wartete Mutter und ihre Schwester Marie. Marie ging in die erste Klasse und hatte nur vier Stunden gehabt. Fröhlich hüpfte sie neben ihnen her. Sie durfte gleich spielen, da sie ihre Hausaufgaben schon erledigt hatte.
„Wie gefällt dir deine neue Klasse?“, fragte Mutter.
 „Ich weiß nicht.“ Finnja schüttelte den Kopf.
„Haben die dich geärgert?“, fragte Marie. „Meine Klassenkameraden sind nett. Ein Mädchen hatte Gummibärchen mit und hat mir welche abgegeben.“
„Nein, mich nicht, aber die ärgern einen Jungen. Sie lassen ihn auch nicht mitspielen.“
„Und wie waren sie zu dir?“, fragte Mutter.
„Nett, sie wollten alles Mögliche von mir wissen. Ich sitze neben der Klassenbesten. Die soll mir helfen, wenn ich irgendetwas noch nicht kann. Melanie ist nett. Sie wohnt in unserer Nähe. Morgen wollen wir zusammen zur Schule gehen.“
„Wie ist Melanie zu dem Jungen?“, fragte Marie.
„Sie hat nicht mitgemacht, aber sie hat auch nicht mit ihm gesprochen.“ Finnja schob ihre Hand in die Hand ihrer Mutter.
„Du kannst ihn zu uns einladen. Ihr habt noch keine Spielkameraden, da ist es doch nett, wenn ihr miteinander spielt.“

Gleich am nächsten Tag fragte Finnja in der Pause Fabian: „Hast du Lust, nachher mit mir zu spielen? Wenn du willst, können wir auch die Hausaufgaben zusammen machen. Vorher darf ich nämlich nicht spielen.“
Fabian versprach, sofort nach dem Essen zu kommen.
„Fabian ist blöd, mit dem sprechen wir nicht“, meinte Sina, als sich Finnja auf ihren Platz setzte.
„Und warum?“, fragte Finnja.
„Wir mögen ihn nicht“, erklärte Sina.

Finnja aß noch, als es an der Tür klingelte und Fabian davor stand.
„Möchtest du auch etwas essen?“, fragte Mutter. Sie stellte einen weiteren Teller hin. Fabian schlug kräftig zu.
„Hast du noch gar nichts gegessen?“, fragte Marie verwundert.
„Doch, ich habe mir ein Brot gemacht. Meine Mutter arbeitet, deshalb essen wir abends warm.“
Nachdem sie den Tisch abgedeckt hatten, machten sie Hausaufgaben. Sie mussten ihren Rechentest berichtigen. Finnja war über ihre Vier sehr unglücklich.
„Solche Textaufgaben hast du noch nie gerechnet, dafür ist die Arbeit in Ordnung“, tröstete Mutter sie.
Sie half ihnen bei einigen Aufgaben. Bevor sie spielen durften, fragte Mutter außerdem das Einmaleins ab und ließ sie vorlesen. Als Fabian den Text zum dritten Mal las, sprach er klar und flüssig.
„Warum übst du nicht?“, fragte Finnja.
Fabian schaute aus dem Fenster. „Es macht keinen Spaß.“
„Aber es ist blöd, wenn man es in der Schule nicht kann.“ Finnja packte ihre Schulsachen in den Ranzen.
Fabian nickte. „Meine Mutter ist abends immer zu müde, um mit mir zu üben.“
„Kann dein Vater nicht helfen?“
„Der wohnt woanders.“
„Dann eben am Wochenende. Am besten lernen wir beiden miteinander.“, schlug Finnja vor.
(...)

Dienstag, 28. Juni 2016

Die Wunschtraum-Maschine von Sina Kongehl-Breddin



Nach einem Umzug in die Kleinstadt Bismark freundet sich der dreizehnjährige Max Wunderlich schnell mit seinem Nachbarn Herrn Seik an. Der alte Herr erfindet seit dem Tod seiner Frau allerlei wahnwitzige Maschinen, welche ausschließlich dem Wohl der Menschheit diesen sollen. Eine seiner neusten Erfindungen ist eine Wunschtraummaschine, die die unerfüllten Wünsche der Menschen wahr werden lassen soll. Als sich Max in seine neue Mitschülerin Lilly Engel verliebt, scheint die neuste Erfindung von Herrn Seik eine geeignete Lösung zu sein, um sich gegen seinen heuchlerischen Konkurrenten Martin Feldmann durchzusetzen. Doch wie es bei Neuerfindungen und der ersten Liebe so üblich ist, geht natürlich nicht immer alles glatt.
Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich oder unter www.sina-kongehl-breddin.de zu erwerben.

Leseprobe
Die Wunschtraummaschine

Wie alles begann…
Karl Seik hatte nicht geglaubt, dass ihm jemals eine so große Erfindung, wie die Wunschtraummaschine, in den Sinn kommen würde. Bisher hatte er sein erfinderisches Schaffen, eher auf kleine nutzvolle Gerätschaften des Alltags beschränkt.
Falls es ihm jedoch gelang, dass seine neuste Erfindung auch noch funktionierte, wäre das wahrhaftig eine menschliche Sensation.
Der alte Herr, jenseits der Fünfundsechzig, wusste längst nicht mehr, wie viele Stunden er bereits am Bau seiner Wunschtraummaschine zugebracht hatte.
Die aufwendigen Arbeiten daran, hatten ihm allerdings jede Menge endloser Nächte beschert. Endlose Nächte, in denen ihm sein früherer Beruf, als Maschinenbauingenieur zu Gute kam.
In den letzten Wochen verspürte der alte Herr plötzlich einen ungebremsten Erfinderdrang, den er selbst auf den Neueinzug seiner Nachbarn zurückzuführen glaubte.
Herr Seik hatte sich von Anfang an, gut mit Sandra Wunderlich und ihren Kindern verstanden. Besonders Max, der dreizehnjährige Sohn der Nachbarsfamilie, zeigte großes Interesse an seinen technischen Neuerfindungen, sodass die Beiden des Öfteren zusammen in der Erfinderscheune des alten Herrn tüftelten.
Doch in letzter Zeit schien Max ein wenig abwesend zu sein. Da Karl Seik ein feinfühliger Mensch, mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung war, wusste er genau, dass dieses sonderbare Verhalten meist mit der Liebe zu tun hatte.
Er spürte, dass seine Wunschtraummaschine möglicherweise schon bald von größerem Nutzen sein könnte.

Kapitel 1

Ein ganz normaler Septembermorgen

Obwohl es bereits September war, erreichten die Temperaturen noch immer Spitzenwerte, wie im Hochsommer. Die Hitze hing wie eine Dunstglocke über der kleinen Stadt Bismark. Besonders in den Mittagsstunden brannte die Sonne gnadenlos über den roten Ziegeldächern.
 Erst in den Abendstunden, als die langen Schatten der Fachwerkhäuser, nach und nach zu einer kühlenden Gasse verschmolzen, wich die Hitze und verschaffte seinen Bewohnern etwas Erleichterung.
Hier wohnte nun auch der dreizehnjährige Max Wunderlich mit seiner Mutter und den fünfjährigen Zwillingsschwestern Mia und Klara, und das seit fast sechs Wochen.
In dieser kurzen Zeit hatte sich die kleine Familie erstaunlich gut in ihrer neuen Umgebung eingelebt.
Sie hatten eine geräumige Mietwohnung in einem der alten Fachwerkhäuser bezogen, sodass jedes Kind ein eigenes Zimmer besaß. Außerdem gab es noch eine Wohnstube, eine Küche, ein Bad, eine winzige Abstellkammer sowie eine kleine Sitzecke auf dem Hof. 
Obwohl Familie Wunderlich große Bedenken wegen des Umzuges von Salzwedel nach Bismark hatte, war es umso schöner, dass es nun allen so prima im neuen Zuhause gefiel.
Vielleicht lag es auch an ihrem neuen Nachbarn Herrn Seik, der sich ausgesprochen freundlich ihnen gegenüber verhielt.
 Nur unter den Bismarker Bewohnern galt der alte Herr aus der Alten Straße, als etwas seltsam. Man nannte ihn den zerstreuten Professor.
In einer Kleinstadt wurde eben viel geredet und gemunkelt.
Herr Seik war ein älterer Herr, mit grauem Bart, kleiner Nickelbrille und einem löchrigem Strohhut. Mag sein, dass er für die Einheimischen, in der Tat etwas seltsam ausschaute.
Nach dem Tod seiner Frau, tüftelte Herr Seik, wie besessen an den wahnwitzigsten Erfindungen. Er fertigte Maschinen, die ausschließlich dem Wohl der Menschheit dienen sollten. 
So tüftelte er neben einer Fensterputzmaschine, an einen automatischen Bügelassistenten und einer Kohlrabi-Kontrollmaschine. Letztere Erfindung sollte den Kohlrabi stets auf  Beschaffenheit und Größe kontrollieren, damit dieser rechtzeitig vor dem Aufplatzen geerntet werden konnte. 
Neben weiteren merkwürdigen Erfindungen, lag dem alten Herrn, eine in Arbeit befindende Maschine jedoch besonders am Herzen. Es handelte sich um eine Wunschtraummachine.
Diese Wunschtraummaschine sollte allen Menschen ihre bisher unerfüllten Träume wahr werden lassen.
Doch der alte Herr war nicht nur als Erfinder tätig, sondern auch sehr naturverbunden.
So aß er beispielsweise kein Fleisch, weil ihm das Schlachten der Tiere leid tat.
Im Sommer baute Herr Seik stattdessen Gemüse in seinem Garten an, sammelte Kräuter, während er im Winter eisbadete und sich um die Wintervögel kümmerte.
Im Grunde genommen war Herr Seik, der friedlichste Mensch, den es auf Erden gab.
Da er sonst niemanden hatte, der sich um ihn kümmerte, bot er der Nachbarsfamilie gern seine Freundschaft und Hilfe an.
Und weil Familie Wunderlich ihren Nachbarn ebenso akzeptierte, wie er war, leisteten Max und seine Schwestern ihm oft Gesellschaft.
Besonders der dreizehnjährige Max zeigte großes Interesse an den Erfindungen.
Auch wenn der alte Herr kein Vaterersatz sein konnte, freute sich der Junge, nach der Trennung seiner Eltern, einen Freund an seiner Seite zu haben.


Vita
Sina Kongehl-Breddin wurde 1975 in Stendal geboren. Bereits seit frühster Kindheit interessiert sie sich für unzählige künstlerische Dinge. Doch erst im Jahr 2006 veröffentlichte sie aufgrund eines Schreibaufrufes den ersten Kurzkrimi, mit welchem sie spontan den dritten Platz belegte. 2016 veröffentlicht sie mit ihrem Kinderbuch Die Wunschtraummaschine im Verlag Kern bereits ihr sechstes Buch in Folge. Alle ihre Bücher haben Bezug zu ihrer Heimat, der Altmark, und wurden von ihr selbst illustriert.

Dienstag, 21. Juli 2015

Alltagsgeschichten von Henry-Sebastian Damaschke



Klappentext:

Der Regenbogen-Elch ist der Einzige seiner Art – weltweit. Deshalb ist er ganz besonders. Er saß eines Tages auf der Fensterbank des Autors und von da an blieb er bei ihm und dem Schaf, dem schwarzen. Der Regenbogen-Elch wurde der beste Freund vom Schaf. Gemeinsam erleben sie viele bunte Abenteuer in dem ganz großen Abenteuer Leben.

Im Band 2 geht es um Träume, Wünsche, Respekt und den Umgang mit Werbung und dass man alles mit Köpfchen meistern kann.

4 abgeschlossene Geschichten, 8 Farb-Illustrationen – für Kinder von 6 – 109 Jahren


Die Geschichte/Leseprobe gibt es illustriert als PageFlip zum Blättern.
Erhältlich bei Amazon,




Leseprobe (komplette 1. Geschichte):

Das schwarze Schaf, Fernsehen und Werbung

An diesem Tag saß das schwarze Schaf vor dem Fernseher und schaute die Sendung „Gute Schafe – schlechte Schafe“. So ein Blödsinn, dachte es und begann zwischen den Programmen hin und her zu schalten. In einem Programm lief „XY Schafe ungelöst“, im nächsten „Schafe hinter Gittern, der Schafsknast“. So ein Müll, dachte das Schaf, das schwarze. Es schaltete weiter, es lief gerade „Schafe am Mittag“ und zwischendurch immer diese Werbeblöcke. Alles Dinge, die man im Grunde überhaupt nicht braucht. Da versprachen sie ewige Schönheit, Schafsfaltenglätteprogramme für alternde Schafsdamen, neue Diäten für eh schon schlanke Schafe, da gab es Windeln für angeblich unglückliche Schafskinder, da wurde den Schafen erzählt, wie sie zu sein haben, damit sie erfolgreich, schön und jung sind. Das nannten sie dann auch noch „dynamisch“. Weiterhin gab es diese Mammutserien, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.
Das schwarze Schaf dachte bei sich: Die veräppeln die Schafe aber sehr. In dem Moment kam der Regenbogen-Elch wie immer um die Ecke, ließ sich in einen Sessel fallen und sagte:
„Och, du guckst Fernsehen.“
„Ja“, murmelte das Schaf, das schwarze, „ich denke gerade darüber nach, wie sehr hier Schafe veräppelt werden.“
„Stimmt“, antwortete der Regenbogen-Elch, „das ist nur eine Berieselung, nichts Echtes, nichts Wirkliches, außer den Nachrichten vielleicht, aber für die interessieren sich die wenigsten, weil die ja auch immer oder meistens ausschließlich negativ sind.“
„Genau“, erwiderte das schwarze Schaf, „aber schau dir das mal an, da gehen Leute in Sendungen aufeinander los und schreien sich öffentlich an – und die Schafe gucken sich das an!“
Der Regenbogen-Elch lachte.
„Ja, das ist geradezu peinlich und völlig daneben. Ich würde da nie hingehen.“
„Ich auch nicht“, bestätigte das schwarze Schaf, „das ist ja richtig schlimm. Die diskutieren dort auch noch öffentlich ihre Familienprobleme.“ 
Darauf erwiderte der Regenbogen-Elch:
„Schau, da wird wieder geworben für Schafsklingen aus Solingen, für das Beste im Schaf.“
Das Schaf lachte.
„Anständige Schafe tragen Bart und brauchen keine Klingen.“
„Ja, und hier gibt es Werbung für Schafsgummibären. Die sollen alle froh machen, in Wahrheit machen sie dick und die Zähne kaputt“, erklärte der Regenbogen-Elch. Das Schaf schaltete weiter.
„Richtig, hier wird aber auch für Obst geworben, das erscheint vernünftig und gesund“, meinte das Schaf.
„Aber da werben sie für Tabletten, die zwar Schmerzen nehmen, aber Nebenwirkungen haben, die noch schlimmer sind als die Schmerzen.“
„Ja“, murmelte das Schaf, „und all das Zeug, was man nicht braucht. Schafsklopapier, aus dem man eine Hängematte bauen kann, weil es so super-reißfest ist. Wer baut schon Hängematten aus Klopapier? So verrückt ist doch keiner.“
„Hier, schau nur“, sagte der RegenbogenElch, der sich die Fernbedienung vom Schaf geschnappt hatte und erneut durch alle Programme schaltete, „da werben sie für Schafsdeo. Damit soll man erfolgreich sein bei Schafsdamen.“
Das Schaf, das schwarze, lachte und antwortete:
„Das ist ja der Witz überhaupt. Ich habe trotz der Benutzung von Deo noch nie erlebt, dass mich ganze Herden von Schafsdamen verfolgen, das tun die aus anderen Gründen. Aber so schlimm wie die Werbung sind auch diese schrecklichen Gerichtsserien am Nachmittag: Richterin Barbara Schaf verurteilt täglich Leute in der Öffentlichkeit, gefolgt von Richter Schaf Unhold, der noch schärfer verurteilt. Jeder, der schon mal in einem richtigen Gerichtssaal war, weiß, dass es da keineswegs so zugeht. Und da, schau nur, da berät Angelika Oberschaf Leute mit Problemen, öffentlich. Wen interessiert das eigentlich alles?“, fragte das Schaf, das schwarze.
„Tja, die breite Masse der Schafe scheint es zu interessieren, und man sieht ja den Erfolg. Es wird immer mehr gekauft und gekauft und immer mehr Fernsehen geschaut, egal was, Hauptsache, das Ding läuft“, erwiderte der Regenbogen-Elch.
„Und 80 % davon ist Schrott!“, erklärte das Schaf. „Könnte man nicht mal was Vernünftiges zeigen oder mal für sinnvolle Dinge werben wie Bücher, eine gesunde Umwelt anstatt für Plastikmüll?“
„Klar, das wäre toll“, bestätigte der Regenbogen-Elch, „aber das machen sie nicht, denn dann müssten sie ja weg von ihrer Alles-ist-schön-auf-der-Welt-Darstellung und müssten berichten, dass viele Kinder, sogar in unserem Land, arm sind. Dann müssten sie zugeben, dass sie etwas zeigen, was gar nicht so ist. Dann müssten sie berichten von Problemen und Schwierigkeiten, die keiner mehr in den Griff bekommt oder nur mit viel Mühe. Sie müssten zugeben, dass sie Fehler gemacht haben – und das ist wohl das schlimmste. Vor Jahren sprach man vom Ozonloch, heute redet man kaum noch darüber, aber weg ist es deshalb nicht. Wale sterben im Meer, plötzlich und völlig ohne Grund, und alle sind entsetzt, aber nur für einen Moment, dann sind die Wale vergessen und man wendet sich lieber den schönen Dingen zu, indem man danach für ewige Schönheit wirbt. Oder aber man wendet sich dem Krieg zu, der in der Welt tobt, organisiert gegen den Terror. Jedoch kann man Gewalt nicht mit Gewalt bekämpfen.“
„Ja“, erwiderte das Schaf, das schwarze, „ich erinnere mich an ein Schaf Namens Gandhi. Das hat es vorgemacht: den gewaltlosen Widerstand – ein bewundernswertes Schaf.“
„Stimmt“, bestätigte der Regenbogen-Elch, „aber solche gibt es eben nur einmal und nicht so oft.“
„Es gab viele gute Schafe“, murmelte das Schaf, das schwarze, „aber auf die wird nicht gehört. Jeder denkt nur an sich und an seine Vorteile.“
„Nehmen ist offensichtlich besser als Geben“, schlussfolgerte der Regenbogen-Elch, „und das ist falsch. Es muss beides sein, damit es im Gleichgewicht bleibt.“
Das Schaf, das schwarze, schaltete den Fernseher aus und fragte:
„Was kann man tun?“ 
„Einiges: nicht auf diese Werbung reinfallen, nicht diesen Serien glauben, die die Wirklichkeit verfälschen und den Schafskindern irgendwelche Dinge zeigen, damit sie es angeblich besser machen können. Mehr nachdenken anstatt planlos zu kaufen – eben einen gewaltlosen Widerstand proben, indem man nicht kauft, was andere sagen, indem man nicht auf Werbung hört, nur weil eine Firma ihr Produkt an das Schaf bringen will. Lieber mal ein Buch lesen anstatt ins Fernsehen zu schauen. Lieber mal einen Waldspaziergang machen anstatt auf Laufbändern im Keller zu rennen. Und natürlich immer schön Schaf bleiben, mit einer eigenen Meinung. Oder eben Elch bleiben“, grinste der Regenbogen-Elch.
„Genau“, sagte das Schaf, das schwarze, „man sollte immer man selbst sein, mit eigener Meinung und eigenem Kopf.“


Autorenvita:

Henry-Sebastian Damaschke, Jahrgang 1960, verbrachte seine Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet. Nach dem Abitur entschied er sich für die Sozialpädagogik. Sucht- und Drogenprävention wurde einer seiner Arbeitsschwerpunkte.
Anfang 2004 zog er an den Rhein, in seine neue Wahlheimat Köln.
2006 begann er mit seinen Illustrationen und damit entstand die Kinderbuch-Serie “Abenteuer vom Regenbogen-Elch“. Daneben schreibt er Krimis und Satiren und schöpft weitere Figuren für neue Kindergeschichten.
Sein Motto: “Träume sind mächtiger als Tatsachen."

Zu den Printausgaben wurde ein passendes, laminiertes Lesezeichen hergestellt, was kleine und große Leseratten vom Autor direkt erhalten können.

Dienstag, 5. November 2013

ElfenZauberei von Heidi Dahlsen







Frederic wird von seiner Mutter ständig mit Geschenken überhäuft, sodass er eigentlich wunschlos und zufrieden sein müsste.
Als er eines Nachts außer sich vor Wut einen Wunsch ausspricht, der umgehend in Erfüllung geht, wird sein bisher sorgenfreies Leben total umgekrempelt.
Schon bald beginnt er darüber nachzudenken, worauf es wirklich ankommt, um glücklich sein zu können.
Ob eine Elfe mit etwas Zauberei nachgeholfen hat?
Erhältlich bei amazon als Print oder E-Book.


Leseprobe:


Schnellen Schrittes, immer gleich zwei Stufen auf einmal nehmend, eilt Frederic die große Freitreppe der Villa nach oben. Er ist absichtlich spät dran, denn einerseits wollte er den Nachmittag lieber mit seinen Freunden verbringen und andererseits hat er absolut keine Lust auf die ihm bevorstehende Party in Gesellschaft der versnobten Menschen, die seiner Mutter so wichtig sind.
„Das wird ja Zeit, dass du endlich nach Hause kommst“, wird er ziemlich unfreundlich von ihr empfangen. „Zieh dich um! Die Gäste werden gleich eintreffen.“
„Das ist mir doch egal“, murmelt er vor sich hin.
„Ich hoffe, dass du dich wenigstens heute etwas zusammenreißt und standesgemäß benimmst. Die von Rabensteins bringen ihre Kinder mit. Um die hast du dich zu kümmern, verstanden?!“
„Ich bin doch kein Kindermädchen“, antwortet Frederic entrüstet. „Brigitte kann die doch beschäftigen.“
„Nein, sie ist Haushälterin und muss die Gäste bewirten. Frederic, enttäusche mich nicht, sonst wirst du es bitter bereuen.“
„Ja, ja, ja … bla, bla, bla“, gibt er von sich und verdreht seine Augen.
Er eilt in sein Zimmer und zieht sich um. Die Aussicht, den Nachmittag und vielleicht noch Abend mit den Kleinen der Familie von Rabenstein zu verbringen, nervt ihn gewaltig.
Wenn er sich an die bisherigen „Pflicht“-Veranstaltungen erinnert, dann sieht er zwei ständig schreiende Kinder vor sich, die immerzu Chaos verursachen.
Er schüttelt die Erinnerungen ab und lächelt verträumt, als er das Gesicht von Cecilia vor sich sieht. Sie hat ausgerechnet heute zum ersten Mal eine seiner Einladungen angenommen und ist am Treffpunkt der Clique erschienen. Sie ist in seiner Klassenstufe das attraktivste Mädchen, das einen sehr persönlichen, perfekten Style zur Schau trägt. Mit ihr kann man sich überall sehen lassen und steht automatisch mit im Mittelpunkt. Am liebsten hätte er sie bereits heute seiner Mutter vorgestellt. Er ist sich sicher, dass sie hocherfreut gewesen wäre, denn beide verbindet die Liebe zum Luxus und zur höheren Gesellschaft. Leider hatte er sich nicht getraut, Cecilia zu fragen und ärgert sich jetzt wegen seiner Feigheit. Außerdem hatte es nur zu einem kurzen `Hallo´ gereicht, weil sie in dem Moment ankam, als er los musste.
Seine Mutter hatte darauf bestanden, dass er anlässlich ihres 40. Geburtstages pünktlich neben ihr im Foyer der Villa die geladenen Gäste empfängt.
„So ein Mist“, denkt er wütend.  
„Frederic!!!“, hört er sie laut rufen.
„Ich komme ja schon“, antwortet er genervt.

Mit einem bezaubernden Lächeln steht seine Mutter in der Eingangstür der imposanten Villa und begrüßt ihre Gäste.
„Frau von Rabenstein, herzlich willkommen. Frederic wird sich sehr gern um ihre reizenden Kinder kümmern. Nicht wahr, Frederic?“ Sie schaut ihren Sohn aufmunternd an.
„Ja, sehr gern“, antwortet er und reicht auch den Kleinen die Hand.
„Anastasia und Alexander, benehmt euch“, werden sie von ihrer Mutter ermahnt.
„Jahaaa“, antworten beide im Chor und stürmen die Treppe nach oben, um sogleich in Frederics Zimmer auf dem riesigen Bett herumzuspringen.
„Zieht wenigstens eure Schuhe aus“, sagt Brigitte im Vorbeigehen, die in der oberen Etage noch schnell etwas erledigt hat.
Frederic schlägt nach dem Eintreten die Tür laut zu, sodass beide erstaunt aufschauen und kurz innehalten.
„Wir haben viel schönere Zimmer als du“, sagt Anastasia und streckt Frederic die Zunge heraus.
„Schön für euch“, sagt Frederic.
Als Alexander besonders hoch springt, löst sich einer seiner Schuhe, der in hohem Bogen in Richtung Fernseher fliegt, diesen jedoch knapp verfehlt.
Frederic atmet hörbar ein und schaut ihn warnend an.
„Wollt ihr einen Film sehen?“, fragt er, weil er sich dadurch etwas Ruhe erhofft.
„Nein!!!“, schleudern ihm beide gleichzeitig entgegen.
Das Rumgehopse ist ihnen auf Dauer zu langweilig, sodass sie aus dem Zimmer rennen und das Haus erkunden. Frederic schaut von der Empore aus in die Eingangshalle und sieht Brigitte, die die beiden fest im Griff hat, um sie an der üppig gedeckten Tafel neben ihrer Mutter auf die Stühle zu schieben.
Er sendet ihr einen dankbaren Blick zu, den sie lächelnd erwidert.
Nach dem Essen hält die Kinder nichts mehr am Tisch. Bevor Frederic seine Serviette ordentlich zusammengefaltet hat und ihnen nacheilen kann, ist lautes Geschrei aus dem Kellergeschoss zu vernehmen.
Brigitte hastet nach unten und sieht Anastasia wild rudernd und um Atem ringend mitten im Pool. Alexander steht am Rand und lacht lauthals.
Frederic springt hinein, bekommt sie zu fassen und übergibt sie am Beckenrand Brigitte.
„Oh je, das kann ja heute noch heiter werden“, sagt sie und seufzt.
Anastasia schreit verängstigt und schlägt um sich.
„Alexander hat mich rein gestoßen. Er wollte mich ermorden.“
„Nö, ich wollte doch nur ein bisschen Spaß.“
„Das ist kein Spaß“, sagt Brigitte ernst zu ihm. Sie hüllt die Kleine in ein großes Badetuch und setzt sie auf eine Liege. „Warte hier. Ich hole dir trockene Sachen.“
Alexander ist unterdessen in Frederics Zimmer geeilt und haut auf die Tasten des Flügels. Frederic tut jeder Schlag in der Seele weh, obwohl er das Klavierspiel hasst. Na ja, eigentlich nicht … nur, dass seine Mutter ihn ständig zum Üben zwingt und dem Lehrer vorschreibt, welche Stücke er mit ihm einstudieren muss, das mag er nicht. Nur heimlich kann er spielen was er gern möchte.
Alexander öffnet alle Schränke, kramt darin herum. Mit lautem Getöse fallen Hunderte CDs sowie unzählige PC-Spiele aufs Parkett.
„Wow. Ich will das hier“, ruft er aus und wedelt mit einem Spiel Frederic vor der Nase rum.
„Das ist erst ab 18“, sagt dieser, „da bekomme ich mächtigen Ärger, wenn ich dich damit spielen lasse. Das wirst du doch nicht wollen, oder?“ Er sucht selbst und findet ein altersgerechtes Spiel. „Hier, das darfst du spielen.“
Alexander lacht höhnisch: „Das ist doch für Babys. Das kannst du selber spielen. Ich will ein anderes!!!“
Frederic schaut nach einer Alternative und legt ein Action-Spiel ein, in der Hoffnung, dass der Kleine dann ein Weilchen Ruhe gibt, damit er endlich aus den nassen Klamotten kommt und sich umziehen kann.
Alexander setzt sich an den PC und versinkt in den Weiten des Weltalls.
Frederic nimmt sich eine Jeans und ein T-Shirt aus dem Schrank und rubbelt sich nebenbei die Haare trocken. Er grinst.
„Als Kinderbändiger muss man sich leger kleiden“, denkt er, „auch wenn Mutter das gar nicht in den Kram passen wird. Dann soll sie doch einen Babysitter einstellen.“
„Cool, die Alien werden sich wundern“, ruft Alexander aufgeregt aus. „Die knalle ich alle ab.“
„Wenigstens er ist vorerst beschäftigt“, denkt Frederic und überlegt, was er der verwöhnten Anastasia Interessantes zum Spielen geben könnte, denn über Mädchenspielkram verfügt er nicht.