Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 5. Juni 2012

Träumkatzen, Traumgeschichten von Wolfgang Schwerdt




Zusammenfassung
Träumkatzen, Traumgeschichten, das sind Fabeln, Märchen und Geschichtchen über Katzen, geheimnisvoll, lustig, eigenwillig, so wie Katzen eben sind. Da treffen wir den geschwätzigen Kater, die kleine Katze, die gerne groß werden wollte oder die tyrannische Beraterkatze. Ein Katzengeist aus vergangenen Zeiten, die unsichtbare Katze und Katerchens Mondlied bilden den Abschluss der Träumkatzengeschichten.



Wolfgang Schwerdt: Träumkatzen, Traumgeschichten 21 Standardbuchseiten. Mit 6 farbigen digital art Illustrationen von Wolfgang Schwerdt. August 2011, erhältlich bei amazon




Leseprobe: Der Geschwätzige Kater

Es war einmal ein Kater, der, wie jeder ordentliche Kater gerne durch die Gegend streifte. Abenteuer erleben war das Größte für den kleinen Kater. Und so war ihm keine Hecke zu dicht, kein Gestrüpp zu undurchdringlich. Denn dort raschelten und wuselten die Mäuse, die Vögel und allerlei anderes Getier.
Und wenn der Kater von seinen Streifzügen zurückkehrte, ein wenig zerzaust und zerrupft, dann erzählte er seinen Menschen mit großem Mautzen und Schnattern von seinen kleinen und großen Abenteuern.
Und die Menschen freuten sich und antworteten, vor allem aber wurde der Kater gebührend gelobt und gestreichelt.
Aber irgendwie hatte der Kater das Gefühl, dass die Menschen gar nicht so richtig verstanden, was er ihnen erzählte, denn sie reagierten immer gleich. Ob er sich lautstark über ein anderes Katzentier, das in sein Revier eingebrochen war beschwerte, ob er ganz vertraulich über sein nächtliches amouröses Abenteuer schwatzte, oder ob er einfach nur erzählte, dass gar nichts los gewesen war, immer legten die Menschen das gleiche Verhalten an den Tag.
Natürlich war es schön, gelobt und gestreichelt zu werden, aber der Kleine fühlte sich unverstanden.
Und so wagte er es schließlich dem Waschbären, dem er ansonsten vorsichtshalber immer aus dem Weg gegangen war, seine kleinen Geschichten zu erzählen. Der aber ließ ihm einfach links liegen, fauchte kurz und meinte dann, dass er Wichtigeres zu tun hätte, als Katerchens albernes Geplapper zu erdulden.
Natürlich war der Kater beleidigt und ging von nun an dem Waschbären wieder aus dem Weg. Und beim Fuchs war es noch schlimmer. Der hörte sich Katerchens Geschichten, die vor allem davon handelten wie er ein besonders listiges Mäuschen gefangen oder ein junges Karnickel verschleppt hatte, an. Als Katerchen aber schließlich eine kleine Pause einlegte, da sprach der Fuchs mit lauerndem Gesichtsausdruck.
"Interessant, interessant, deine Geschichten. Mäuse und Kaninchen sind auch meine Lieblingsspeise. Aber ich will Dir mal erzählen, was ich mache, wenn die Nahrung im Winter knapp wird und meine Kleinen vor Hunger schreien. Dann mache ich Jagd auf fette Hauskatzen wie dich."
Von da an ging der Kater auch dem Fuchs wieder aus dem Weg. Und irgendwie hatte er auch vergessen, beleidigt zu sein.

Eines Tages, der Kater war gerade wieder in eines seiner kleinen Mäuseabenteuer vertieft, da zog ein gewaltiges Gewitter auf. Waschbär und Fuchs waren längst in ihrem sicheren Bau verschwunden, aber für Katerchen war es zu spät, nach Hause zu laufen. Er hätte sowieso nicht laufen können, denn seine Beine versagten ihm vor Angst den Dienst. Und so saß er mit schreckgeweiteten Augen, der Ohnmacht nahe unter einem Busch, der zwar einigermaßen Schutz vor dem Hagel, kaum aber vor dem folgenden Platzregen bot. Die Blitze zuckten um den kleinen Kerl herum und das Krachen und Donnergrollen ließen den Kater jedes Mal heftig zusammenzucken. Der Kleine wäre fast gestorben vor Angst, wäre er nicht schließlich in einen tranceartigen Zustand verfallen.

Der Kater begann zu träumen. Er träumte, ein gewaltiges Untier komme auf ihn zu, mit donnerndem Gebrüll und riesigen blitzenden Augen. Und er, der Kater, er war bereit, sein größtes Abenteuer zu bestehen. Er stand auf, machte einen Buckel, so dass er wuchs und wuchs, bis er so riesig und gewaltig wurde, dass er dem donnernden Ungeheuer ebenbürtig war. Und dann stimmte er seinen Kampfgesang an. Zunächst ein dumpfes Grollen nur, dann ein Gebrüll, dass die Stimme des Untieres darin unterging. Und wenn der Kater mit seinen gewaltigen Tatzen auf den Boden stampfte, dass es donnerte, dann bebte der Boden.
Das Untier wurde immer kleiner, leiser. Und als der kleine Kater aufwachte und vorsichtig seine Nase unter dem schützenden Schwanz hervorzog, da war das Unwetter verschwunden. Lediglich ein leichter Nieselregen und große Wasserpfützen kündeten noch von dem Unwetter.
Als Fuchs und Waschbär ihren Bau verließen, da stand der kleine Kater völlig durchnässt aber stolz und selbstbewusst da. Und Fuchs und Waschbär wussten, er hatte dem Unwetter standgehalten, während sie in ihrem sicheren Bau lagen. Was für ein Kerl. Und Katerchen wusste es noch besser. Er hatte das gewaltige Untier besiegt!
Seit diesem Tag hatte der Kater es nicht mehr nötig, allen von seinen kleinen Abenteuern zu erzählen. Stolz setzte er sich stundenlang mitten auf die kleine Lichtung, träumte von seinem größten Abenteuer und Fuchs und Waschbär gingen ihm geflissentlich aus dem Weg.



Und hier der Link zur Hörprobe.



Was die Leser sagen:

“Schwerdt schenkt jungen wie älteren Lesern mit seinen Katzenparabeln Kraft, selbstbewusst zu sein und den eigenen Traum zu leben (...)"

“Liebe, Furcht, Verständnis, Ablehnung und das eigene, entstehende Ich spielen eine große Rolle in den liebevoll erzählten Geschichten.” 

“Das ist tolles Material, um es den Kindern vorzulesen, zumal sie zauberhaft illustriert sind, oder selbst ein bisschen die Seele baumeln zu lassen.” 

„Dieses Buch ist für alle Katzenliebhaber, wie mich, ein Muss und uneingeschränkt empfehlenswert!!!“ 
  
„Mein Fazit: Eine lohnenswerte Lektüre für zwischendurch oder den besinnlichen Abend - am besten mit der schnurrenden Katze auf dem Schoß.“ 

Dienstag, 29. Mai 2012

Jori, der kleine Troll von Marita Sydow Hamann

Klappentext:


Glaubst du an Trolle?
Es gibt ja viele Märchen und Geschichten über Trolle, aber es sind eben nur Märchen und Geschichten, sagen die Erwachsenen. Ich sage: Und Trolle gibt es doch!
Sie wohnen in den Wäldern von Schweden und Norwegen, sind gerade mal so groß wie ein halber Bleistift und sehr, sehr scheu.
Der Troll von dem ich euch erzählen will heißt Jori und wohnt mit seinen Eltern unter einer alten Baumwurzel. Jori ist fünf Jahre alt und kommt nun zur Schule. Und dort soll er so seltsame Dinge lernen, wie leise gehen und sich unsichtbar machen!
 
Geschichte zum Vorlesen mit vielen bunten Bildern. Empfohlen für Kinder ab 4 Jahre,
ca. 25 Seiten, 2310 Wörter, erhältlich bei Amazon.

Link zur Seite der Autorin.

Und Trolle gibt es doch!


Glaubst du an Trolle?
Es gibt ja viele Märchen und Geschichten über Trolle, aber es sind eben nur Märchen und Geschichten, sagen die Erwachsenen. Ich sage: Und Trolle gibt es doch!





Sie wohnen in den Wäldern von Schweden und Norwegen, sind gerade mal so groß wie ein halber Bleistift und sehr, sehr scheu. Der Troll, von dem ich euch erzählen will, heißt Jori und wohnt in einem kleinen Trolldorf in Småland - natürlich im Wald. Was sagst du? Du hast noch nie einen Troll gesehen? Du glaubst mir kein Wort?
Tja, das liegt vielleicht daran, dass es bei den Trollen ein sehr, sehr wichtiges oberstes Gesetz gibt. Das Gesetz sagt nämlich, dass Menschen niemals, nie, einen Troll sehen dürfen! Die Trolle glauben, dass die Menschen sie sonst fangen, untersuchen und sogar einsperren würden. Welcher kleine Junge oder kleines Mädchen hätte wohl nicht gerne einen kleinen Troll als Haustier? Du doch bestimmt, oder? Oder du?
Ja, aber Trolle haben überhaupt gar keine Lust, Haustiere zu sein. Niemals, nie! Also darf kein Mensch wissen, dass es tatsächlich und ganz in echt Trolle gibt. Wie eben zum Beispiel Jori!

                                    

Der kleine Troll Jori wohnt mit seinen Eltern unter einer alten Baumwurzel. Alle Waldtrolle wohnen unter irgendwelchen Baumwurzeln.
Wenn Jori seinen Freund Trann besuchen will, darf er nicht einfach zum nächsten Baum laufen - Trann wohnt nämlich unter der Nachbarwurzel - nein, er muss den unterirdischen Gang nehmen, der von einer Wurzel zur anderen führt. Es gibt viele solche Gänge unter der Erde.
Du fragst, warum Jori nicht einfach zu Trann hinüber spazieren darf?
Ja, weißt du, da Trolle so Angst davor haben, von Menschen gesehen zu werden, dürfen Trollkinder niemals, nie ohne einen Erwachsenen an die Oberfläche! Erst wenn sie eine Hand voll, also fünf Jahre alt geworden sind, dürfen sie alleine hinaus, aber nur nachts, wenn es dunkel ist, und sie müssen sehr, sehr vorsichtig sein!

Dienstag, 22. Mai 2012

Spuk, Musik und Kriminelle von Eva Markert

 
Klappentext:
Eines Tages begegnet Nico auf dem Schulhof einem Jungen, den er noch nie zuvor dort gesehen hat. Er heißt Walter, und es stellt sich heraus, dass er vor ungefähr fünfzig Jahren lebte. Nico freundet sich rasch mit ihm an. Walter kann viele nützliche Dinge, zum Beispiel schweben, durch Türen und Wände gehen und ihm unbemerkt die Lösungen von Matheaufgaben vorsagen.
An Mut fehlt es den beiden nicht. Das zeigt sich, als sie zwei Rowdys beschatten, die sie verdächtigen, nachts die Schule verwüstet zu haben. Offenbar planen sie nun, das ganze Gebäude in Brand zu setzen. Mit allen Mitteln versuchen Nico und Walter, dies zu verhindern.
Bleibt auch noch die Frage, wieso nur Nico Walter sehen und hören kann und sonst niemand. Welches geheimnisvolle Band besteht zwischen ihnen? Ist es nur ihre Begeisterung für Musik oder steckt noch mehr dahinter?
„Spuk, Musik und Kriminelle“ ist eine spannende, witzige und zugleich bewegende Geschichte für Kinder ab 6 Jahren. Erhältlich bei Amazon.
Leseprobe:
Kapitel 1
Kleidung und Klavierspielen
In der ersten großen Pause saß Nico Holten etwas abseits auf der kalten Metallstange des Geländers, das den Schulhof der Kopernikus-Schule vom Parkplatz trennte. Es war ungemütlich kühl und die Luft schien nur aus winzigen Tröpfchen zu bestehen. Er zog den Reißverschluss des Anoraks hoch.
„He!“ Sein Freund Bastian lief an ihm vorbei. „Komm, spiel mit!“
„Nee, ich guck lieber zu.“ Nico machte sich nichts aus Fußball.
Er schaute zur Seite. Jemand hatte sich neben ihn gesetzt. Diesen Jungen hatte er noch nie hier gesehen. Auf den ersten Blick konnte man meinen, er wäre sein Bruder: Er hatte dieselben dunklen Haare, braune Augen und auch ein Grübchen im Kinn.
Aber er war sehr merkwürdig angezogen: Seine braune Kordhose schlotterte, sein dunkelgrüner Pullover, der selbstgestrickt aussah, war ebenfalls viel zu weit. Die Füße des Jungen steckten in dicken, wollenen Strümpfen und halbhohen Schuhen, die vorn ganz abgestoßen waren. Einen Anorak oder eine warme Jacke trug er nicht.
Nico blickte auf seine neuen Turnschuhe. Klasse sahen die aus! Auch seine Jeans waren brandneu. „Das kann doch nicht wahr sein, dass du schon wieder was zum Anziehen brauchst!“, hatte seine Mutter gestöhnt. Nico wuchs nämlich sehr schnell, und deshalb musste sie ihm andauernd neue Sachen kaufen.
Er schielte wieder zu dem Jungen hinüber. Der war sehr blass, er sah beinahe …  Wie könnte man es beschreiben? Nico überlegte. Ja, das war das richtige Wort: Er sah beinahe durchsichtig aus. Ob er krank war?
„Ist dir nicht kalt?“, fragte er.
Der fremde Junge schüttelte den Kopf. Nico fiel noch etwas Seltsames auf. Obwohl die Luft feucht war, sahen die Haare des Jungen und seine Kleidung trocken aus.
„Bist du neu hier?“, fragte er weiter.
Wieder schüttelte der Junge den Kopf.
„Kannst du eigentlich sprechen?“, wollte Nico gerade hinzufügen. Da sagte der andere: „Ich bin schon lange hier.“
„Und wie kommt es, dass ich dich noch nie gesehen habe?“
Der Junge zuckte die Achseln und sprang vom Geländer.
Nico tat es ihm nach. Sie waren beide ungefähr gleich groß. „Warte!“, rief er. „Lauf nicht weg! Wie heißt du?“
„Walter.“
„Und in welcher Klasse bist du?“
„In der 6 b.“
„Ich bin in der 5 a.“
Irgendwie machte dieser Walter Nico neugierig. „Was ist dein Lieblingsfach?“, erkundigte er sich.
„Rechnen.“
„Du meinst Mathe.“
„Ich meine Rechnen“, wiederholte Walter. „Und deins?“
„Musik.“
„Singen mochte ich auch. Und Klavierspielen.“
„Oooh“, sagte Nico sehnsüchtig. „Du kannst Klavier spielen?“
„Hm.“
„Hast du es gut! Ich hätte so gern Klavierstunden.“
„Und warum hast du keine?“
„Es ist zu teuer.“
„Mein Vater hatte ein Klavier“, erzählte der Junge. „Darauf durften mein Bruder und ich spielen. Mein Bruder hatte keine große Lust. Aber ich! Ich habe jeden Tag geübt.“
„Du sagst, du hast geübt. Hast du aufgehört mit dem Klavierspielen?“
Walter nickte.
„Ich würde nie aufhören“, sagte Nico im Brustton der Überzeugung. „Mein Opa hat übrigens auch ein Klavier“, erzählte er weiter. „Aber darauf kann ich nicht üben. Meine Großeltern wohnen zu weit weg.“
Es klingelte.
„Ich muss los zur Turnhalle“, rief Nico. „Treffen wir uns in der nächsten Pause wieder?“
„Vielleicht.“
Von hinten kam Lukas angerannt. Für einen Augenblick schien es, als würde er Walter anrempeln. Aber der verzog keine Miene und auch Lukas tat so, als wäre nichts gewesen.
„Beeil dich, Nico“, rief er. „Sonst wird der Sommerfeld wieder sauer.“
„Ich komme.“ Er wandte sich zu Walter um. „Der Sommerfeld kann es nicht leiden, wenn man …“ Das Wort blieb ihm im Halse stecken, denn der Junge war verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt!
„Was wolltest du sagen? Wenn man ...?“ Verwirrt schaute Lukas ihn an.
„Wenn man was?“ Nico war genauso verwirrt. Dann fiel bei ihm der Groschen. „Wenn man zu spät kommt“, beendete er den Satz.(...)

Dienstag, 15. Mai 2012

Klein Henning und der Delphin von Angela Planert



Klappentext:
 
Klein Henning wird eines Abends von einem Delphin aufgesucht. Dieser nimmt ihn mit auf eine lehrreiche Reise in das Mittelmeer. Hier wartet eine ganz besondere Überraschung auf Klein Henning.

Eine Gute Nachtgeschichte mit vielen Bildern zum Weiterträumen für kleine Delphinfans und alle, die es werden wollen.
Das Buch ist bei amazon und beam erhältlich. 







Leseprobe:

„Er erinnert mich an einen Fisch aus Papas Aquarium - nur größer.“ Klein Henning versuchte, das Muster des Fisches zu erkennen.
„Es ist ein Katzenhai“, belehrte ihn der Delphin. „Sonst sind Haifische auch größer. Der Katzenhai bleibt so klein. Siehe dort! Da ist das Weibchen vom Katzenhai und es legt gerade Eier. Unter den verschiedenen Haiarten gibt es die eierlegenden und es gibt die lebendgebärenden Arten, das bedeutet, die Eier werden im Leib der Mutter ausgebrütet. Aber nun müssen wir uns beeilen, sonst kommen wir zu spät.“
„Zu spät zu was?“ Hoffentlich ging es nicht schon wieder zurück. Es war doch aller hier so aufregend.
Der Delphin antwortete nicht, er tauchte an der Wasseroberfläche auf, um Luft zu holen, dann tauchte er kurz unter, um erneut aus dem Wasser zu schießen. Im hohen Bogen ging es dann unter Wasser weiter. Das wiederholte er ein paarmal. Klein Henning fand daran großen Spaß. Über dem Wasser schien die warme Mittelmeersonne, es war einfach herrlich.


Leserstimmen: 

"Eine wundervolle Kindergeschichte von einem kleinen Jungen, der auf dem Rücken eines Delfins ins Traumland reitet, erzählt Angela Planert in ihrem Vorlesebuch für Kinder. (...)"

" (...) In der vorliegenden Erzählung geht ein kleiner Junge mit dem Tier auf Reisen und erlebt in dessen Welt etwas ganz Besonderes. Die lieben, kindgerechten Zeichnungen ergänzen die kleine Gute-Nacht-Geschichte ganz wunderbar."

Dienstag, 8. Mai 2012

Von Feen, Zauberern und Zwergen von Ingrid Mayer


Klappentext: 

Vier Geschichten rund um zauberhafte Wesen
Mit Illustrationen von Hans Sölch
Zwistien und Zankistan - Seit langer Zeit herrscht Streit zwischen den Königreichen Zwistien und Zankistan. Der geheimnisvolle neue Hofzauberer in Zankistan bringt die Königstocher Gerlind schließlich auf eine Idee.
Der erste Tag
- Annabel hat die Prüfung bestanden – nach langer Ausbildung darf sie nun endlich als Fee arbeiten. Doch gleich ihr erster Arbeitstag bringt ungeahnte Aufregung.
Die Blumenwichtel
- Es ist schon recht merkwürdig – dort, wo gestern noch eine Pflanze an Teresas Zimmerfenster stand, ist nun das Fensterbrett leer. Ob Teresas seltsamer Traum daran schuld ist?
Zirkus Pimpinelli
- Zirkusdirektor Pimpinelli macht einen seltsamen Fund im Wald, der reichlich Aufruhr in seinen Zwergenzirkus bringt.

Das Buch ist bei Amazon erhältlich. Altersempfehlung: ca. 7 bis 10 Jahre. Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ihrer Homepage.


Leseprobe aus „Der erste Tag“

Annabel wollte schon immer eine gute Fee werden, ganz so wie ihre Mutter. Und auch ihre Großmutter war eine gute Fee. So kam Annabels Berufswunsch gar nicht so überraschend. Ihre Mutter hatte schon gehofft, dass Annabel in ihre Fußstapfen treten würde, aber sie wollte ihre Tochter nicht drängen. Umso mehr freute sie sich, als Annabel ihr ihren Entschluss verkündete.
„Wie schön!“, rief sie aus. „Ich melde dich gleich morgen zur Ausbildung bei Harriet an.“

Annabel wurde es ein bisschen mulmig zumute. Die alte Harriet war bestimmt eine der besten Feen im ganzen Land, aber sie galt als sehr streng. Die Zweifel schienen ihr ins Gesicht geschrieben, doch ihre Mutter sprach ihr Mut zu: „Du wirst es schon schaffen. Harriet ist nicht so schlimm, wie alle sagen. Sie ist eine gute und gerechte Lehrerin.“
„Du hast ja Recht“, entgegnete Annabel.
Es gab so viele Geschichten über Harriet, dass nicht alle davon wahr sein konnten. Annabel schob ihre Angst beiseite und besann sich lieber wieder auf ihren Wunsch, Fee zu werden. Schon sah sie die Augen glücklicher Menschen vor sich, denen sie alle drei Wünsche erfüllen hatte können. Denn jeder Mensch, der einer guten Fee begegnete, hatte drei Wünsche frei.

Bis Annabel selbst in der Lage war, Wünsche zu erfüllen, verging jedoch noch eine lange Zeit. Zunächst musste sie eine Prüfung über sich ergehen lassen, damit Harriet bestimmen konnte, ob sich Annabel überhaupt zur Fee eignete. Da sie aber schon von klein auf harmlose Zaubereien ausführte, die sie ihrer Mutter oder Großmutter abgeschaut hatte, gelang es Annabel mühelos, alle Aufgaben zu bewältigen: Nacheinander ließ sie Regentropfen verschwinden, machte aus einem Stück Kuchen zwei und zauberte schließlich noch einem dreiblättrigen Kleeblatt ein viertes Blatt dazu. Harriet war zufrieden und erklärte sich bereit, Annabel bei sich zur Ausbildung aufzunehmen.

So sehr sich Annabel auch auf die Ausbildung freute, so groß war ihre Furcht. Denn sie sorgte sich darüber, ob sie es überhaupt schaffen würde, die vielen Fähigkeiten zu erlernen, die sie als richtige gute Fee brauchte. Einen Liebeszauber zu bewirken, Goldregen herbeizurufen oder ausgefallene Haare wieder wachsen zu lassen – das waren nur einige der Dinge, die sie in ein paar Jahren beherrschen musste.
Aber Annabel war eine fleißige und gelehrsame Schülerin. Vor Harriet fürchtete sie sich anfangs ein wenig, doch bald stellte sich heraus, dass die strengen Worte ihrer Lehrerin meist anderen Schülerinnen galten, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten oder zu spät zum Unterricht kamen. Annabel erschien stets pünktlich zum Unterricht und hatte auch immer ihre Hausaufgaben gemacht, deshalb schimpfte Harriet nie mit ihr und brummte ihr auch keine Strafen auf.

Die Schulzeit verging Annabel viel zu rasch. Nach und nach lernte sie, alle möglichen Wünsch zu erfüllen. Nach sieben Jahren war es dann schließlich soweit: Annabel hatte ihre Abschlussprüfung zur guten Fee bestanden! Wie sehr sie sich freute! Ihre Mutter und Großmutter strahlten vor Stolz und erinnerten sich an den Tag, an dem sie selbst die Feenschule erfolgreich abgeschlossen hatten.

Doch nun begann eine ganz neue Zeit in Annabels Leben. Sie musste hinaus in die Welt ziehen und durfte ihren Beruf endlich ausüben. Ihre Mutter gab ihr so viele Ratschläge mit auf den Weg, dass sie sich gar nicht alle merken konnte. Und Großmutter weinte sogar ein bisschen, als sie ihre Heimat verließ, obwohl Annabel oft heimkehren würde, denn auch gute Feen brauchen gelegentlich Urlaub.

Annabel zog also los, ein kleines Bündel mit Reiseproviant auf dem Rücken, und war auf einmal schrecklich aufgeregt. Tausend Fragen schwirrten ihr durch den Kopf. Wohin sollte sie überhaupt gehen? Und wie sollte sie einen Menschen finden, dessen Wünsche sie erfüllen konnte? Oder verhielt es sich so, dass nicht sie die Menschen finden musste, sondern dass sie sich finden lassen musste? Sie hatte zwar während ihrer Ausbildung gelernt, alles Mögliche herbeizuzaubern, verschwinden zu lassen oder zu verändern, doch auf solcherlei Fragen hatte sie weder von Harriet noch von ihrer Mutter jemals vernünftige Antworten erhalten.
„Das wird sich alles fügen“, hatte es geheißen, oder „Lass’ dich nie von deinem Weg abbringen“.
Annabel ärgerte sich nun darüber, dass ihr niemand genau erklärt hatte, wie sie nun vorgehen sollte. Sie flog den ganzen Tag über durch den Wald, bis sie gegen Abend an eine Blumenwiese gelangte. Dort suchte sie sich eine große Margaritenblüte als Nachtlager aus.
Als es dunkel wurde und die Blüte sich über Annabels Kopf zu einer Knospe schloss, schoss ihr plötzlich ein beunruhigender Gedanke durch den Kopf: Wie sahen Menschen eigentlich aus? Sie wusste es nicht einmal genau. Zwar mussten sie wie sie selbst auch Arme, Beine und einen Kopf besitzen, aber mehr war ihr vom Aussehen der Menschen nicht bekannt. Wenn sie nun keinen davon erkannte, wie sollte sie dann seine Wünsche erfüllen? Eine Weile dachte sie darüber nach, bevor sie, erschöpft von der anstrengenden Reise, endlich einschlief.

Als am nächsten Morgen die Sonnenstrahlen Annabel wach kitzelten, schlug sie die Augen auf und blickte erstaunt um sich, bis ihr einfiel, dass sie ja nicht mehr zuhause war. Sie stand auf und reckte und streckte sich gähnend. Dann zuckte sie auf einmal erschrocken zusammen, denn sie hatte etwas Unglaubliches am Ende der Wiese entdeckt.


Leserstimmen:
„Sehr schöne kindgerechte Geschichten mit wunderbaren Zeichnungen. (...)“
„(...) Die Autorin hat Phantasie, kann bildhaft erzählen und findet den für Kinder geeigneten Ton.
Zauberhafte Geschichten, den den Namen auch verdienen. (...)“



Dienstag, 24. April 2012

Kai, der Auserwählte von R.D.V. Heldt






Der 10-jährige Kai Hellsing lebt mit seinen Eltern in der Stadt, bis sie durch eine Erbschaft  ein Bauernhaus in einem Dorf beziehen. Kai muß mit der Trennung von seinem besten Freund, einem Schulwechsel und einer völlig neuen Umgebung fertig werden. Dies fällt ihm überhaupt nicht leicht, darum flüchtet er sich immer öfter in einen, an das Haus angrenzenden Wald. Hier fühlt er sich wohl.
Als er eines Tages gedankenverloren im Wald herumirrt, gelangt er auf wundersame Weise in das Elfenreich und trifft Serafina.

Die Geschichte entführt den Leser in eine Welt von Fabelwesen, Zauber und Abenteuer, dies jedoch auf eine gewaltfreie Art.

Das Buch ist bei Amazon erhältlich.



Kai, der Auserwählte


Einleitung zum besseren Verständnis der Geschichte

Nach dem Tod von Tante Resi erben der 10-jährige Kai und seine Eltern ihr Haus. Sie ziehen aus der Stadt in einer ländlichen Gegend.
Der Verlust seiner gewohnten Umgebung und die Anpassung an die neue Situation machen Kai schwer zu schaffen. Er möchte allein sein und verbringt immer mehr Zeit in dem nahegelegenen Wald. Als er hier jedoch eines Tages stürzt und sein Bewusstsein verliert, erwacht er in einer, ihm unbekannten Welt. So lernt er Serafina, eine Elfe kennen.



Sie führt ihn in ihrem Reich herum und erklärt Kai, dass er ein Auserwählter ist, ein Auserwählter der Elfen.
Es beginnt für Kai ein großes Abenteuer.

Wenn Kai nachts schlief, besuchte Serafina ihn und ließ Traumsand in seine Augen rieseln. Die Träume die er dann hatte, führten ihn in eine Zauberwelt. Hier ritt er auf einem Einhorn, rettete Delphine aus einem Fischernetz, beschützte einen Drachen vor den Jägern.

Aus Dankbarkeit erhielt er in jedem Traum einen Kristall, den er am Morgen als Stein neben seinem Bett wiederfand.

Ein Kristall fehlte aber noch. Den Hinweis, wo er diesen finden würde, erhielt er in dem letzten Traum. Er sollte beim Grab von Tante Resi danach suchen.

Nun war er im Besitz von vier Kristallen, einem weißen, einem blauen, einem roten und einem braunen. Als er diese zusammenlegte, enthüllten sie einen Schlüssel, den Schlüssel zur Truhe in Kais Zimmer






Die letzte Prüfung
Am nächsten Morgen hatte Kai es ziemlich eilig. Er wollte schnellstmöglich zu Serafina. Hastig aß er sein Frühstück auf und machte sich gleich auf den Weg. Im Elfenland wurde er bereits erwartet.Er erzählte Serafina von all den schönen Dingen und von dem Buch, in dem alles beschrieben war.Nun konnte Serafina ihm auch einige Erklärungen abgeben und sie begann zu berichten: „ Als DeineTante Resi auf dem Sterbebett lag war Alana bei ihr. Sie legte ihr den Zweig des Glockenbäumchens in die Hände. Als dieser erblühte und der Klang ertönte, entschlief Deine Tante ruhig und friedlich. Für Alana war dies ein trauriger Moment und sie trauert auch heute noch. Allen Elfen ist bewusst, dass ihr Mensch eines Tages gehen muss. Sie haben zwar viele Zauberkräfte, jedoch keine Macht über den Tod und auch sie müssen es hinnehmen, wenn die Lebensuhr abgelaufen ist.

Bevor Alana Deine Tante verließ, schloss sie noch den Zweig weg, der inzwischen wieder seineursprüngliche Gestalt angenommen hatte. Den Rosenstrauch hat Alana auf das Grab gepflanzt undim Geist wird Deine Tante immer bei ihr bleiben. Dies habe ich Dir nur erzählt, um Dir ein Beispiel zu nennen, was die einzelnen Gegenstände bewirken können. Bis zuletzt erweisen sie ihren Dienst, wenn man sie richtig einsetzt und auch wir Elfen bleiben ein Leben lang treu und verbunden.“

Kai ging diese Erzählung sehr nah und er schluckte ein wenig. Er erinnerte sich, dass sein Vater gesagt hatte, Tante Resi sei mit einem Lächeln gestorben und nun wusste er auch warum.

„Das Medaillon mit dem Elfenhaar bewirkt,“ fuhr Serafina fort „ dass ich immer da bin, wenn Du mich brauchst. Egal wo Du Dich gerade aufhältst und wenn es in einem anderen Land ist. Berührst Du das Elfenhaar, sind wir im Geist miteinander verbunden und ich kann Dir helfen.“

Ähnlich wie die Sache mit der Blutsbruderschaft, dachte Kai bei sich. Nur ist es hier viel, vielintensiver.

„ Aber nun Kai“ riss Serafina ihn aus seine Überlegungen „ steht Dir noch eine letzte Prüfungbevor. Vieles hast Du bereits kennengelernt und erreicht, doch wenn Du diese Aufgabe meisterst, bistDu am Ziel angekommen. Vorher hole aber noch die Kristalle von zu Hause, denn Du wirst sie für die Bewältigung der Dinge die auf Dich warten brauchen.“

Kai folgte der Anweisung und kam mit den Kristallen im Rucksack wieder zurück. Jetzt war er bereit für die Herausforderung, die auf ihn wartete. 

Mit Hilfe des Lichtstabes, den Serafina einsetzte, erschien die Öffnung zu einer Höhle und Serafinaerklärte: „Du musst insgesamt vier Höhlen durchqueren, die alle verschlossen sind. Jede dieserHöhlen verbirgt den Schlüssel zur nächsten. Nur wenn Du alle Schlüssel findest und die damitverbundenen Rätsel löst, gelangst Du ans Ziel. Es wird nicht einfach sein, aber mit Überlegung undGeschick kannst Du es schaffen.Solltest Du scheitern, hast Du erst wieder in einem Jahr die Möglichkeit diese Prüfung zu wiederholen.Mache alles mit Bedacht. Ich wünsche Dir viel Glück.“ Mit diesen Worten schickte sie Kai auf den Weg ins Ungewisse.

Kai betrat die erste Höhle. Hier erwartete ihn eine Schlangengrube. Der ganzeHöhlenboden wimmelte von zischenden Reptilien und es gab nur einen einzigen Weg auf die andereSeite zu gelangen, wo Kai den Schlüssel entdeckte, der ihn weiterbrachte.Dieser Weg war eine gemauerte Brücke, die über die Grube führte. Es wäre ganz einfach gewesen, wenn nicht diese Flammen wären. Die Brücke brannte lichterloh.

Kai überlegte. Durch die Grube konnte er nicht, da er hier unweigerlich von den Schlangen gebissen würde. Über die Brücke konnte er aber auch nicht, solange diese Feuersbrunst herrschte. Er erinnerte sich an die Kristalle, die sich im Rucksack befanden. Nachdemer diesen geöffnet hatte, sah er einen Kristall rot leuchten. Ihm fiel ein, was er in dem Buch gelesen hatte und zwar, dass jeder Kristall aktiviert würde, sobald er mit seinem Element in Berührung kommt. Diesen Kristall hatte er von dem Drachen erhalten und es war der Kristall des Feuers.

Kai nahm ihn heraus und er fing noch kräftiger an zu leuchten. Mit jeder Bewegung die Kai mit demKristall in der Hand verursachte, veränderten sich die Flammen. Als Kai den Arm hob, loderte das Feuer noch viel höher und je weiter er den Arm senkte,umso weniger tobte der Brand. Mit nach hinten ausgestrecktem Arm hatte Kai das Feuer besiegt. Ohne seine Haltung zu verändern, überquerte er nun die Brücke zum Eingang in die zweite Höhle.

Auf der anderen Seite angekommen, verstaute er den Kristall im Rucksack und die Flammen stiegenwieder auf. Er bemächtigte sich des Schlüssels und öffnete den Eingang zur zweiten Höhle.


Leserstimmen:
   
"Es ist vom Aufbau und vom Ablauf der Geschichte schlüssig geschrieben, wobei man merkt, dass die Autorin mit Leidenschaft und viel Einfühlungsvermögen ihre Geschichte zu Papier gebracht hat."

Dienstag, 17. April 2012

Die Kaliberkipper von Tine Sprandel


Kaliberkipper sind Monster. Kaliberkipper sind gefährlich und schlau. Sie toben durch den verwunschenen Wald der einsamen Stimmen und verwüsten ihn. Kiki, Simona und Dirk werden gerufen, den Wald vor diesen Monstern mit überdimensionalen Kräften zu retten. Doch sie erfahren nicht einmal wer der Chef im Wald ist: Fusulus, das Fuchsmännchen oder NockNock, der Buntspecht mit den Morsezeichen oder wer? Der Wald der einsamen Stimmen ist für die Kinder verwirrend, paradiesisch und gefährlich – alles in einem. Und genau deswegen wollen sie ihn retten.

Hier können Sie direkt bestellen: amazon.

Mehr über die Autorin erfahren Sie auf Tines Blog: www.asprandel.de, und bei twitter: storykom, google+: Albertine Sprandel, Facebook: Albertine Sprandel


Leseprobe aus dem zweiten Kapitel: Kiki Grashüpfer

Kiki langweilte sich tatsächlich. Das Baumhaus war wunderschön. Aber wann durfte sie endlich allein in den Wald? Sie war schon 12! Trotzdem beharrten ihre Eltern darauf, dass sie nur mit Freunden loszog. Zum verrückt werden. Außer Angeber-Dirk, wollte niemand mit ihr zu tun haben.

Da sah sie einen silbrig glänzenden Fuchsschwanz durch das Geäst blitzen. Und noch einmal. Der Fuchs zog immer engere Kreise, dann verschwand er wieder.

Kiki schüttelte sich, sie glaubte zu träumen. Nie näherte sich ein Fuchs so sehr, nicht tagsüber.

Er tauchte wieder auf. Sein Kopf zuckte und das rechte Ohr wackelte. Das war doch ein Wink, oder? Kiki zögerte. Sollte sie oder sollte sie nicht?

Majestätisch drehte das Tier sich um und schritt langsam in den Wald. Die Nachmittagssonne verbreitete weiches Licht. Es war warm und versprach ein langer, lauer Abend zu werden. Wer sollte schon erfahren, dass sie sich auf den Weg gemacht hatte? Ihre Eltern wussten, dass sie das verlängerte Wochenende bei Omi verbringen wollte. Sie war gerne bei ihr, und die Eltern waren froh wenn Omi nicht so allein war. Aber ihnen war nicht klar, dass Omi so vergesslich geworden war, dass es ihr vielleicht erst morgen früh auffiel, wenn Kiki fehlte.

Kiki zog ihr Seil unter dem Stuhl hervor, steckte sich zwei Äpfel aus dem Vorrat, der immer im Baumhaus lagerte, in den Rucksack und kletterte auf die Baumhausdachterrasse. Sie befestigte das Seil mit einem Spezialknoten, den sie von unten lösen konnte und ließ sich langsam daran herunter, so dass sie hinter dem Gartenzaun direkt im Wald landete. Herrlich! Wieso war sie nicht schon eher auf die Idee gekommen?

Kein Fuchs weit und breit. Kiki wickelte sich das Seil um die Schulter und lief vorsichtig weiter. Sie versuchte lautlos zu schleichen, aber heute gelang es ihr nicht. Jeder Schritt verursachte ein Rascheln, das in der Stille des Nachmittags wie Flugzeuggetöse klang. So zog sie sich ihre Turnschuhe aus und lief barfuß weiter. Zuerst stieß sie auf einen geraden Forstweg, an einer Gabelung bog sie auf einen Trampelpfad ab. Nach dem eintönigen Wald mit hohen, kahlen Fichten folgte ein verschlungener Mischwald. Plötzlich stand sie vor einem Wurzelwerk, das so hoch wie ein zweistöckiges Haus war. Der Weg endete hier.

Kiki griff sich in die Haare. Da war nichts. Kein Durchgang, kein Hinweis. Als ob sie im Niemandsland ausgesetzt war. Sie war sich nicht mal sicher, ob sie den Weg nach Hause finden würde.

Blitzartig leuchtete der silbrig graue Fuchsschwanz durch die Wurzeln durch. Gelbe Augen starrten sie skeptisch an. Jetzt oder nie, dachte Kiki. Sie schob die Wurzelhaare zur Seite und kletterte über einen quer liegenden Ast ins Gewirr.

Kiki kroch und kroch und kroch.

Erdklumpen über ihr wackelten, als ob sie jeden Moment auf sie nieder rieseln würden. Kiki robbte auf allen Vieren weiter. Um sie herum wurde es immer dunkler. Feine Wurzelhärchen kitzelten am Hals.

Nach einer Ewigkeit öffnete sich das Gestrüpp und sie richtete sich langsam auf. Der Rücken schmerzte vom langen Bücken. Kiki horchte. Ächzen, Stöhnen und Gemurmel. Dazwischen Getöse, als ob eine Herde Büffel in weiter Entfernung vorbei raste. Es stank nach Maggi und duftete gleichzeitig nach grünem Wackelpudding.

Die Luft zitterte. Kiki auch. Vor Glück oder vor Aufregung oder vor Staunen. Sie ging einige Schritte aufrecht und fand sich in einer kleinen Lichtung wieder. Helle Sonnenstrahlen begrüßten sie und das hohe Gras schwang leicht hin und her. Die Lichtung war fast kreisrund und immer wieder wölbten sich moosbedeckte Steine aus dem Gras, wie kleine Stühlchen.

„Was willst du im Wald der einsamen Stimmen?“, krächzte jemand vom Boden.

Kiki suchte. War es das Männchen da hinten, halb so groß wie sie? Mit der ausgefransten Felljacke und Flickenhose? Das Wesen hob die Nase und sog mit langem Schnaufen Luft ein, drei Barthaare zu jeder Seite zuckten. Dann hob es abwehrend so etwas wie eine Hand. Zum Glück war Kiki weit weg, doch das Männchen kam näher.

„Wie bist du überhaupt hergekommen?“

„Ich – äh – durch den Wald“, stotterte Kiki.

Das Männchen musterte sie stumm.

„Was kannst du?“

Kikis Hände wurden feucht.

„Du bist doch ein Menschenkind, oder? Menschen können irgendetwas.“

„Ja, ja“, stotterte Kiki wieder. Wenn sie nur wüsste was sie antworten sollte. „Was muss ich denn in diesem Wald können?“, fragte sie um Zeit zu gewinnen.

„Am besten du scherst dich dahin wo du herkommst, und zwar sofort“, knurrte das Männchen und stellte seine Ohren spitz auf.

Nein, so schnell nicht, dachte Kiki. So einfach würde sie sich von diesem krummbeinigen Fuchsmännchen nicht vertreiben lassen. Hier war die Wildnis. Hier sprachen die Tiere in einer Sprache, die sie verstehen konnte, hier wackelten die Grashalme zur Begrüßung...

„Ich kann klettern und schleichen, ich kenne fast alle Pflanzen im Wald und weiß welche giftig sind, ich kann ...“

„Pah, das können wir auch. Das hilft uns nicht weiter“, bellte das Fuchsmännchen.

„Kiki ist schlau, sie kann rechnen wie ein Wiesel und kennt alle Tricks, um im Wald zu überleben“. Die Stimme drang aus dem Unterholz. Es knackte, Ästchen flogen zur Seite, dann stand schwer atmend der dicke Dirk in der Lichtung. Wie vorhin trug er Jeans und T-Shirt. Eine Lederjacke über seiner rechten Schulter, ein Rucksack mit einer Trinkflasche über der Linken.

„Soso“, sagte das Fuchsmännchen. Seine gelben Augen hüpften von Kiki zu Dirk und von Dirk zu Kiki.

„Angeber“, zischte Kiki. Dirk war ihr gefolgt! Trotzdem war sie irgendwie froh, dass er sie unterstützte.

„Soso“, wiederholte das Fuchsmännchen, „ihr habt hier nichts verloren. Menschenkinder dürfen nicht in den Wald der einsamen Stimmen, sie können gar nicht hier her kommen. Sie werden in der Großen Wurzel aufgehalten.“

„Aber wir sind hier“, sagte Kiki leise.

„Wir sind eben ganz besondere Menschenkinder“, setzte Dirk hinzu und grinste.

„Warum?“

„Wir haben, was nur Menschen haben: Grips“, sagte Dirk. Leise zu Kiki fügte er noch hinzu: „Das sagt deine Großmutter immer.“ Kiki wunderte sich. Sie wusste gar nicht, dass Dirk mit Omi redete.

„Was soll das dem Wald bringen?“

„Naja“, Dirk zögerte. „Wer Verstand hat, kann viel mehr erreichen, als wer nur Kraft hat.“

„Wir können zum Beispiel etwas heben, das viel schwerer ist, als wir selber“, fügte Kiki hinzu. Sie überlegte wie sie diesem Wicht beweisen konnte, wie man einen Hebel baute oder einen Flaschenzug. Dann hielt sie inne, so ein Quatsch, das war in diesem Wald bestimmt nicht wichtig.

„Also gut.“ Das Fuchsmännchen strich an den Bäumen entlang. „Nun seid ihr schon mal da. Aber nehmt euch vor den großen dicken Schweineborstenmantelträgern in Acht. Und noch eines: Dies ist der Wald der einsamen Stimmen. Hier ist jeder allein, alles ist erlaubt, ihr dürft nur nicht stören. So ist es und so soll es bleiben.“

...

Leserstimmen:

"Das Buch ist bereits zum Lieblingsbuch meines Enkels geworden. Eine wunderbare und lehrreiche Geschichte, die von Kiki, die einmal Waldflüsterin werden will, erzählt. .."

"Schon der Titel 'Kaliberkipper' ist göttlich, verspricht aber nicht zu viel. Mit viel Fantasie, Spannung und Humor hat die Autorin dieses Buch geschrieben, das sich für Kinder, Jugendliche und junggebliebene Erwachsene eignet."