Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 20. Juni 2017

Geschichten unterm Regenschirm von Christina Stöger

Klappentext:
Können Regenschirme sprechen? Haben Steine ein Herz?
Ihr wisst es nicht?
Dann lasst euch von diesen sechs zauberhaften Geschichten in eine Welt voller Fantasie entfuhren. Begleitet einen neugierigen Regenwurm auf seinem gefahrlichen Ausflug, jagt mit drei
Mause-Detektiven einen Kirchendieb, bangt mit dem Marienkafer um seinen verlorenen Punkt und fühlt mit einer hungrigen Schnecke. Diese sechs wundervoll illustrierten Geschichten sind nicht nur fur Kinder zum Vorlesen und Selberlesen geeignet, sondern auch für junggebliebene Erwachsene, die nicht verlernt haben, mit dem Herzen zu sehen.
Erhältlich bei Amazon.



Umbri, der Regenschirm
 
Mein Name ist Umbri und ich bin ein Regenschirm. Hört mir zu, dann erzähle ich euch meine Geschichte und die meiner Freunde. Ihr wundert euch sicher, dass ich sprechen und euch von meinem Abenteuer erzählen kann, stimmt's? Ja, mich wundert das auch, das könnt ihr mir glauben. Normalerweise können Gegenstände nämlich nicht sprechen. Nur manchmal passiert es, dass Dinge zum Leben erwachen und die Menschen sie hören können. Dazu braucht es viel Fantasie und ein reines Herz voller Liebe, Licht und Vertrauen.
* * *


 Zu dem Zeitpunkt, als meine Geschichte begann, befand ich mich in einer großen, zugigen Halle, zusammen mit ganz vielen anderen Schirmen. Ich spürte das harte Gummi der Transportbänder unter meinem hölzernen Rücken und hörte die tiefen Stimmen der Männer, die uns ›betreuten‹. Nun, sagen wir mal, sie waren so etwas wie Geburtshelfer. Wobei man bei Regenschirmen weniger von Geburt, als von Produktion spricht.
Einfach ausgedrückt: Sie stellten uns her. Immer wieder konnte ich ein Wort ganz genau verstehen: ›Umbrella‹. Ich wusste intuitiv, dass dieses Wort ›Regenschirm‹ bedeutete und beschloss daher, dass dies wohl mein Name war. Menschen brauchen für alles Namen und so hatte ich nun auch einen. ›Umbrella‹, klingt doch wirklich schön, oder? Allerdings war er mir zu lang. Daher wählte ich den Spitznamen ›Umbri‹.
Natürlich wisst ihr, wie ein Regenschirm aussieht und habt ganz bestimmt auch einen bei euch zu Hause. Ich jedenfalls bestehe aus einem langen Stock, an dem die Männer mir acht Streben befestigten. Sozusagen meine Arme. Darüber wurde ein buntes Dach aus dickem, wasserdichtem Stoff gespannt, das den Regen abhalten soll. Ich fühlte mich wirklich sehr schön und hätte sofort meine Aufgabe als Schirm aufnehmen können, doch die Männer hatten andere Pläne. Ich wurde wieder zusammengefaltet, bekam eine durchsichtige Hülle aus Plastik über mich gestülpt und wurde, mit tausend anderen meiner Sorte, die ebenso aussahen wie ich, über ein Fließband geschoben. Nach und nach landeten wir, einer nach dem anderen, in einem Pappkarton. Dicht an dicht lag ich zusammen mit meinen Brüdern und Schwestern in der Finsternis und wartete darauf, was mit uns geschehen sollte. Der Karton wurde geschlossen, hochgehoben und auf einen Wagen geladen. Durch einen kleinen Schlitz im Deckel des Kartons, konnte ich all das erkennen. Doch plötzlich wurde es dunkel um mich herum und die lange Reise begann. Innerlich angespannt, versuchte ich, es mir so bequem wie möglich in dieser Kiste zu machen. Ich wusste schließlich nicht, wie lange ich hier liegen musste, bevor ich endlich meine Arbeit als Regenschirm aufnehmen konnte.
»Aua!«, hörte ich plötzlich ein helles Stimmchen neben mir. »Mach dich doch nicht so breit«, maulte ein anderer Schirm.
Ich erschrak. Auch dieser konnte sprechen? War ich doch nicht so besonders, wie ich dachte? Das musste ich wissen. Daher drehte ich mich ein Stückchen zur Seite und sagte in die Richtung, aus der ich die Stimme vermutete: »Hallo? Kannst du mich verstehen? Mein Name ist Umbri und ich bin ein Regenschirm. Du auch?«
»Ach nee. Natürlich bist du das. Was sonst? Hier liegen nur Regenschirme herum. Klar bin ich auch einer, du Schlaumeier. Mein Name ist Bella.«
Im ersten Moment war ich so baff, dass ich nichts antworten konnte.
»Was ist los? Hat es dir die Stimme verschlagen, Umbri?«, fragte Bella, dieses Mal jedoch etwas netter.
»Ich, ähm, nein«, stotterte ich verlegen, bis mir einfiel, dass sie vorhin »aua« gesagt hatte. Ich erinnerte mich an meine guten Manieren, die ich zweifellos besaß, und fragte: »Bella, was ist los mit dir? Tut dir was weh?«
»Danke der Nachfrage. Ja, ich habe mir den Kopf an der dummen Schachtel angestoßen. Das tut voll weh, aber bis wir angekommen sind, ist es bestimmt verheilt.«
Bella schien echt nett zu sein. Wusste sie, was uns erwartete? Wo wir hingebracht wurden? Woher? Genau das fragte ich sie und sie kicherte leise.



Autorenvita:
1980 in Hamburg geboren, lebt Christina Stöger nun glücklich verheiratet im Süden Deutschlands. Ob im Café oder beim Spaziergang mit ihrem Hund – immer ist sie bereit, von Freunden erlebte Geschichten, ebenso wie eigene Gedanken, mit großer Emotion zu Papier zu bringen. Lyrik und Prosa schreibt sie mit viel Herz und Gefühl. Seit 2010 widmet sie sich dem geschriebenem Wort.

Dienstag, 23. Mai 2017

Schwimmen macht Spaß! Von Veronika Aretz



Klappentext

Schwimmen macht Spaß! – Wie Jana ihre Angst vor dem Wasser verliert

Die fünfjährige Jana hat Angst vor dem Wasser. Selbst die tolle Rutschbahn im Freibad kann sie nicht dazu bringen, ihre Furcht zu überwinden. Als ihre Mama sie zu einem Schwimmkurs anmeldet, glaubt Jana nicht daran, dass sie das Schwimmen jemals lernen wird. Doch dann ist der Kurs viel cooler, als sie es für möglich gehalten hätte …

Eine Geschichte darüber, wie aus einem Angsthäschen eine kleine Wasserratte wird.

Link zum Taschenbuch Amazon: https://www.amazon.de/dp/3944824644


Leseprobe (ab Seite 12):

Endlich ist es soweit: Zusammen gehen wir zur neuen Wasserrutsche. Viele Leute stehen dort schon Schlange.
„Na, wer will denn mal mit mir rutschen?“, fragt Papa unternehmungslustig.
„Ich!“, ruft Max sofort.
Ich zögere. Mama sieht es und lächelt. „Ich schau mir erst einmal an, ob ihr heil unten ankommt. Bleibst du bei mir, Jana?“
Ich nicke und bin froh, dass ich noch nicht rutschen muss.

Papa und Max kommen aus der Rutsche gesaust und platschen ins Wasser. Das Wasser spritzt bei ihnen besonders hoch. „Noch mal!“, ruft Max begeistert. Er zerrt Papa an der Hand.
Ich drehe mich weg, mir ist gar nicht gut.
„Wir Frauen gehen erst einmal im Kinderbecken planschen“, sagt Mama.

Doch beim Kinderbecken wartet eine böse Überraschung auf uns: Es ist gesperrt!
Enttäuscht sehe ich Mama an.
„Macht nichts“, sagt sie. „Ich zieh dir die Schwimmflügel an und wir gehen in das große Becken.“
Damit bin ich einverstanden. Doch da pfeift der Schwimmmeister und sagt: „In das Schwimmerbecken dürfen nur Kinder, die schon schwimmen können!“
Ich schaue mir die Kinder im großen Schwimmbecken an. Sie planschen, toben und springen. Manche werfen sich einen Ball zu. Alle haben Spaß.
Mama guckt ratlos. „Jana, du musst endlich mal Schwimmen lernen!“, sagt sie.
Aber mir reicht es jetzt. „Ich will nicht! Schwimmen ist doof!“, schreie ich.
Mama schüttelt ratlos den Kopf und geht mit mir zurück zu unserem Platz.




Vita:
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit mehreren Jahren als Selbstständige. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt sie in der Nähe von Aachen. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
www.va-verlag.de, www.kinder-lernen-schwimmen.de


Dienstag, 2. Mai 2017

Das Zaubersaxophon - wie der kleine grüne Frosch endlich einen Namen bekam - erzählt von Marion von Vlahovits



Illustriert von Angelika Niklas

Was macht ein Frosch alleine auf dem Mars?

Er hüpft einsam umher und wird immer blasser.
Doch dann passiert etwas Wunderbares.

Er verlässt sein gewohntes Umfeld.
Er entdeckt seine Bestimmung.
Er rettet  eine Froschprinzessin.
Er bekommt einen Namen.

Das Zaubersaxophon ist eine Geschichte über den Zauber der Musik,
über den Mut sich auf etwas Neues und Unbekanntes einzulassen,
über Freundschaft und darüber, wie wichtig es ist, in einer Gemeinschaft mit anderen zu leben.


Klappentext:


Der kleine grüne Frosch lebt alleine auf dem Mars. Er ist einsam. Außer ihm gibt es kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.
Doch eines Tages entdeckt er ein unbekanntes Flugobjekt und so beginnt das größte Abenteuer seines Lebens.
Er findet seine Bestimmung und am Ende erhält er endlich einen eigenen Namen.
Erhältlich bei Amazon und BoD, außerdem kann das Buch kann in jeder Buchhandlung bestellt werden und ist als Taschenbuch und als eBook erhältlich.


Leseprobe:
Auf dem Mars lebte einmal ein kleiner grüner Frosch. Seine Haut hatte die Farbe von frischem Gras und seine Augen leuchteten goldgelb wie Sterne in der Nacht.
Der kleine grüne Frosch lebte schon so lange er denken konnte alleine auf dem Mars. Deshalb hatte er auch keinen Namen. Es gab ja niemanden, der ihm einen Namen hätte geben können.
Der kleine Kerl fühlte sich sehr einsam. Jeden Tag hüpfte er auf seinen grünglänzenden, spindeldürren, langen Beinen auf dem Mars herum. Aber ganz gleich wie weit er auch sprang - und er war ein sehr guter Springer- er fand kein anderes Lebewesen.
So wurde er immer einsamer und einsamer. Seine Haut glänzte nicht mehr und das Leuchten verschwand aus seinen Augen. Der kleine grüne Frosch wurde immer blasser und schwächer.
Eines Tages, als er müde und traurig auf dem Mars herum hüpfte, entdeckte er etwas, was er noch nie zuvor gesehen hatte. Direkt hinter einem großen Felsbrocken befand sich ein sehr, sehr großes, merkwürdiges Etwas. Himbeerrot war es und stand auf vier schwarzen Ringen. An beiden Seiten befanden sich lilablassblaue Flügel und vorne war sogar ein Propeller angebracht. Aufgeregt hüpfte der kleine grüne Frosch zu diesem seltsamen Ding. Es bewegte sich nicht vom Fleck und so traute er sich vorsichtig immer näher heran.
Aufgeregt hopste er einmal um das Flügel-Propeller-Ding herum und betrachtete es sehr genau.
„Was kann das nur sein? Wo kommt es nur her?“

Autorenvita
Als Tochter eines Piloten bin ich die ersten Jahre meines Lebens viel herumgekommen. Bücher und Geschichten waren in dieser Zeit für mich eine Art Heimat neben meiner Familie. Seit fast 30 Jahren lebe und arbeite ich nun schon hier im Landkreis Regensburg. Ich bin Lehrerin an einem Förderzentrum und liebe die Arbeit mit den Kindern. Sie sind meine besten und kritischsten Zuhörer. Wenn mir neue Geschichten einfallen sind sie oft inspiriert durch Erlebnisse mit meinen Schülern. Bei meinem Hundekrimi ist das jedoch anders.
Die Idee dazu entstand während der Spaziergänge mit meiner eigenen Hündin Laila und ihrem Freund Gino.
Facebook https://www.facebook.com/pages/Gino/441654182575372
Homepage https://marionsgeschichtenwerkstatt.jimdo.com

Dienstag, 25. April 2017

"Sieben goldene Tränen" von Marianne Schaefer



Warum sitzt ein kleiner Prinz mit einer Pudelmütze auf dem Kopf, die seine grünen Haare verbergen, allein am Strand und spricht mit einem Stück Holz?
An seinem zehnten Geburtstag muss Robert erkennen, dass sich sein Leben gänzlich verändern wird. Er muss sich eine neue Heimat suchen, denn man hat ihn aus dem Königreich gewiesen, dass eigentlich ihm gehört. Alles, was ihm bleibt, ist eine Reisetasche und seine geliebte Flöte. Er landet auf dem Schiff der Hexe Bösina, die seltsamerweise seinen Namen kennt und offenbar mit seiner geliebten Zofe etwas gemeinsam hat. Nur was?  Er begegnet dem dreiköpfigen Seeungeheuer Justus und den Märchenerzähler Arek, die sich beide als Diebe herausstellen, ohne wirklich böse zu sein. Fehmi aber, ein winziges Regentröpfchen in Gummistiefeln, mit einer lustigen Schleife im Haar, wird seine Vertraute. Bald sind sie zu einer festen Gemeinschaft geworden und bestehen miteinander viele Abenteuer. Es gelingt ihnen, die wirklich Bösen zu bestrafen und das Schloss des kleinen Prinzen zu erobern.
Die liebevollen Illustrationen von Claudia Quiske machen das Buch zu einem Lesevergnügen nicht nur für Kinder.

Erhältlich beim Verlag



Sieben goldene Tränen
5. Kinderbuch

Kapitel 1
Prinz Robert wird verbannt

Als Prinz Robert an seinem zehnten Geburtstag die Augen öffnete, ahnte er, dass sich sein Leben ab heute verändern würde. Ihm waren die traurigen Augen seiner Lieblingszofe Frederike und das Getuschel der anderen Angestellten in den letzten Tagen nicht entgangen.
Da öffnete sich auch schon die Tür und die Zofe erschien, um ihm beim Anziehen zu helfen. Ihr Gesicht war ernst und in ihren Augen standen Tränen.
„Guten Morgen, mein Liebling“, flüsterte sie ihm leise ins Ohr und strich ihm über die Wangen. „Herzlichen Glückwunsch,
mein Kleiner! Ich soll dich gleich zum neuen Herrscher, deinem Onkel Reinald, in den Thronsaal bringen.“
Nun kullerten der Zofe doch Tränen übers Gesicht, die sie allerdings vor Robert zu verbergen suchte. Es gelang ihr nicht.
„Warum weinst du, Frederike?“, wollte er wissen.
„Oh, es geschieht nur aus Sorge um dein Wohlergehen.”
Der kleine Prinz tröstete sie: „Ich weiß, mein Onkel ist streng, aber warum sollte er mir Böses wollen! Sicher möchte er nur zum Geburtstag gratulieren!“
Die Zofe holte tief Luft, schwieg und kleidete Robert an. Dann nahm sie ihn bei der Hand. Sie waren schon fast an der Tür, da rannte der Prinz zurück, griff nach seiner Mütze, die auf einem Stuhl neben dem Bett lag, und stülpte sie sich über den Kopf. Er war nämlich nicht wie andere Kinder, sondern hatte mit grünen Haaren das Licht der Welt erblickt. Es gab nicht viele, die davon wussten – nur seine verstorbenen Eltern, Onkel Reinald und Frederike. Sie schnitt ihm eigenhändig die Haare und sorgte dafür, dass kein grünes Härchen unter der Mütze hervorlugte.
Der kleine Prinz war ein einsames Kind. Seiner grünen Haare wegen durfte er nicht mit den Kindern der Höflinge spielen, nie jemand zu sich einladen. Sein einziger Zeitvertreib war eine Blockflöte, die ihm die Eltern vor ihrem so plötzlichen Tod geschenkt hatten. Wenn er im Schlossgarten darauf spielte, stellten selbst die Vögel das Zwitschern ein und die Bienen vergaßen das Summen, so lieblich klangen seine Melodien.
Mit klopfenden Herzen betraten Frederike und Robert den Thronsaal.
König Reinalds Rede war kurz und knapp. „Deine Eltern haben vor ihrem Tod bestimmt, dass ich so lange regiere, bis du alt genug bist, selbst den Thron zu besteigen. Doch heute ist erst dein zehnter Geburtstag. Deshalb wirst du die nächsten Jahre in einem fremden Land verbringen und erst zurückkehren, wenn ich es für richtig halte. Deine Zofe hat auf meinen Befehl hin alle Vorbereitungen zur Abreise getroffen. Draußen wartet die Kutsche, die dich in die Fremde bringen wird!“
Der kleine Prinz hätte gerne aufbegehrt, doch er wusste, es war zwecklos. Onkel Reinald war ein hartherziger Mensch. Als seine Eltern im letzten Jahr verunglückten, durfte er sie kein letztes Mal sehen und niemals deren Grab besuchen. Er wusste nun, warum man im Palast getuschelt und warum Frederike geweint hatte. Der Plan des neuen Herrschers, ihn wegzuschicken, war dem Hofstaat bereits zu Ohren gekommen. Aber wie hart der Onkel auch sein mochte, einen Geburtstagswunsch würde er ihm doch nicht verwehren!
Und so sagte Robert: „Bitte erlaube mir, an das Grab meiner Eltern zu treten, um mich zu verabschieden.“
Frederike blickte den Prinzen entsetzt an, als habe er etwas Furchtbares ausgesprochen.
König Reinald wurde blass. Sein Gesicht verzerrte sich.
„Das kann ich dir nicht gestatten“, antwortete er und zur Zofe gewandt befahl er: „Bring ihn weg!“
Der kleine Prinz wollte nicht weinen, er wollte tapfer sein, doch plötzlich rannen Tränen über seine Wangen. Sieben an der Zahl. Sie fielen als goldene Perlen zu Boden. Von des Königs Blicken, denen der Zofe und Roberts verfolgt, rollten sie durch den Thronsaal und schlüpften unter der Saaltür hindurch. Deutlich hörte man das Klicken der Perlen, als sie auf der breiten Treppe von einer Stufe zur nächsten hüpften. Danach herrschte Stille.
König Reinald saß wie versteinert auf seinem Thron. Das Klicken der goldenen Tränen hallte in seinen Ohren wieder. Die Zofe und den Neffen schien er vergessen zu haben. Frederike ergriff die Hand ihres Schützlings und eilte mit ihm nach draußen.
„Frederike, was war das? Was ist mit meinen Tränen geschehen?“, fragte Robert verwundert. „Wohin sind sie gerollt?“
Was sollte die Zofe dem Prinzen antworten? Das Herz war ihr schwer genug wegen des Abschieds und gleichzeitig hätte sie jubeln können. Die goldenen Tränen, die Robert geweint hatte, waren ein Zeichen ihrer Schwester Sapralotta. Es bedeutete: Mach dir keine Sorgen um den Prinzen, ich passe auf ihn auf! Frederike nahm daher Roberts kleine Hand in die ihre, drückte sie und sagte: „Die goldenen Tränen bedeuten Glück. Alles wird gut, mein Liebling!“
Kurz darauf saß Robert in der Kutsche. Der Kutscher ließ die Peitsche knallen und los ging die Fahrt ins Ungewisse. Solange es möglich war, winkte Robert der weinenden Frederike zu, die immer kleiner und kleiner wurde …
Robert war noch ein Kind, doch schon klug genug, um zu erkennen, was sein Onkel mit ihm vorhatte: Ab jetzt war er nicht mehr Prinz Robert, der einmal den Thron besteigen sollte, sondern nur noch Robert, der Junge mit den grünen Haaren, ohne Anrecht auf Krone und Reich.
Die lange Fahrt ging vorbei an Wiesen, Wäldern und Seen. Irgendwann wurde der kleine Prinz schläfrig, seine Augen wurden immer kleiner und dann war er eingeschlafen. Auch der Kutscher vorn auf dem Bock wurde schläfrig. Zuletzt fielen ihm ebenfalls die Augen zu und sein Kopf sank auf die Brust. Die Pferde trotteten im gleichen Tempo weiter, als sei ihnen der Weg bekannt.
Sobald die Kutsche über eine besonders holprige Straße rollte, wurde Robert wach und blickte nach draußen. Auf dieser Seite dehnte sich ein großes Meer. Es lockte ihn mit seinen weiß-schaumigen Wellenkronen. Einem inneren Drang folgend, öffnete er die Tür, warf seine Reisetasche nach draußen und sprang hinterher. Die Kutsche holperte weiter und bald war sie seinen Augen entschwunden.
Der Weg über den Strand bis zum Wasser war nur kurz. Robert warf die Tasche in den Sand, zog Schuhe und Strümpfe aus, bohrte die Zehen in den feuchten Untergrund und ließ sie sich von den anrollenden Wellen wieder sauber spülen. Ach, war das herrlich! Er vergaß alle seine Sorgen. Als er sich genug vergnügt hatte, nahm er die Flöte aus der Tasche und spielte. Aber diesmal gerieten ihm die Melodien so traurig, dass es einen Stein hätte erweichen können …

Marianne Schaefer wurde am 12.01.1938 in Landsberg/Warthe
geboren. Nach der Vertreibung aus der Heimat verbrachte sie ihre Kindheit
in Mittelfranken.
Sie arbeitete als Glasbläserin, Keramikmalerin, Verwaltungsangestellte,
und bis zum Ruhestand in einem Heim für geistig und körperlich
behinderte Menschen. Seit 25 Jahren wohnt sie in der Nähe von
Lahr/Schwarzwald. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder, neun Enkelkinder   
und sieben Urenkel. 
Seit Jahren schreibt sie Geschichten für Erwachsene und Märchen für
Kinder, die in verschiedenen Anthologien veröffentlicht wurden.
Ihre bisher veröffentlichten Kinderbücher haben teilweise mehrere
 Auflagen.
 „Sami, der kleine Elefant“, Sperling - Verlag.
„Annegret und der Zaubersee“, Sperling - Verlag.
„Schneeflocken außer Rand und Band“, Sarturia - Verlag.
„Der zerbrochene Spiegel“, im Sarturia - Verlag.
„Sieben goldene Tränen, Karina – Verlag – Wien.
„Erzählungen vom Winterkind“, Karina – Verlag – Wien.
 „Lilly und der Potzemockel“, Karina –Verlag – Wien.
Weitere Kinderbücher sind in Arbeit.
Homepage

Dienstag, 11. April 2017

Zacki Zack Ostereierei von Margareta Schenk

Ostereierei
Ein Austausch-Hase sorgt für Aufregung im Hasenland. Erst kommt er nicht rechtzeitig, dann verschwindet er wieder. Und auch beim Eier färben und verstecken - da ist er nur hinderlich. Wie wird das noch enden?
Ein Dieb im Hasenland
Max möchte seine Erfindung den anderen Hasen vorstellen. Aber - sie wird gestohlen. Zusammen mit seinen Freunden sucht Zack nach dem Dieb. Gelingt es ihnen, die kostbare Maschine zu finden und zurückzuholen?
PLUS Bastelanleitung für ein Memo-Spiel
Erhältlich bei Amazon




Der Austauschhase
 Zack zeigte seinen Freunden voller Stolz das Diplom der Hasenakademie. Er hatte es geschafft. Er war Osterhase!
„Morgen beginnen die Vorbereitungen für mein erstes Fest als Osterhase. Wir kriegen auch einen Austauschhasen aus dem Norden, einen Schneehasen. Sein Name ist Bodo. Morgen kommt er an. Max ist gestern schon abgereist.“
Leonie und Mathilde hörten aufmerksam zu und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Ein Osterhasentausch. Davon hatten sie noch nie gehört.
Am nächsten Morgen versammelten sich alle Tiere aus Wald und Feld in der Nähe des Bahnhofs. Es dämmerte und der erste Güterzug rollte langsam ein.  Ein paar Waggons wurden angehängt. Dann rumpelte der Zug wieder aus dem Bahnhof.
Doch wo war Bodo? Kein Schneehase weit und breit.


Ein Dieb im Hasenland
Zack tollte mit seinen Freunden auf der Hasenwiese. Sie spielten Verstecken und Fangen.
 Mathilde war am leichtesten zu finden. Sie konnte einfach ihren Schnabel nicht halten und gackerte auch in ihrem Versteck munter drauf los.
Bei Leonie war es schon schwieriger. Klein und wendig wie sie war, fand sie immer ein gutes Versteck. Vor lauter Neugier lugte sie aber immer wieder hervor, um zu sehen, wo Zack gerade suchte. So war es nicht verwunderlich, dass auch
sie bald gefunden wurde.
Mitten im Spiel tauchte Max auf.  Er hatte ein Talent, Dinge zu erfinden. Der kleine Hase hüpfte ganz aufgeregt herum, denn jemand hatte seine Eierwurfmaschine gestohlen.







Die Autorin:
Margareta Schenk, geb. 1952 im Saarland, lebt mit ihrer Familie in Bayern. Bereits als Kind erzählte sie ihren Geschwistern ihre erfundenen Geschichten. Später schrieb sie kleine Gedichte über alltägliche Begebenheiten.
Die ausgebildete Krankenschwester und Vorsitzende des Vereins „Future for children e.V.“ aus Schrobenhausen, hat  eigene Erlebnisse und fantasievolle Ideen in zahlreiche Geschichten und Märchen verwandelt.
Sie absolvierte ein Schreibstudium und veröffentlichte schon nach kurzer Zeit ihr erstes Märchenbuch Mias Traum. Die Fortsetzung Mias Abenteuer  ließ nicht lange auf sich warten.
Kurzgeschichten, Märchen und fantastische Erzählungen sind ihre bevorzugten Genres.