Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 21. Februar 2017

Harry, die kleine Schildkröte - Der Aggelos von Katharina Hallmann

Klappentext:

Eines Tages purzelt Harry, die kleine Schildkröte, vor die Füße der Henne Berta, die bis dahin sein Ei gewärmt hat. Harry gibt sich alle Mühe, es seiner Hühner-Mama recht zu machen und ein richtiges Huhn zu werden. Aber es will ihm einfach nicht gelingen, auch wenn er das erste Schildkrötenhuhn auf der Welt ist. So verabschiedet er sich schweren Herzens von seinen Hühnergeschwistern und begibt sich auf Wanderschaft. In Carapaxi findet er nicht nur viele neue Schildkrötenfreunde, sondern erfährt auch von einem geheimnisvollen Schutzstein. Ein großes Abenteuer beginnt für Harry, die kleine Schildkröte,Erhältlich bei Tredition und Amazon





Das erste Schildkrötenhuhn der Welt
E
s war ein schrecklich lautes Geräusch, von dem Harry wach wurde. Er hatte in seinem Ei geschlafen - bis eben. Bis eben war es auch warm und gemütlich gewesen. Jetzt war es nur noch kalt!

Die kleine Schildkröte Harry ahnte noch nichts von seinem Schicksal. Er wusste nicht, dass sein Ei auf einer Wiese lag, einsam und alleine. Weit und breit lag kein anderes Ei. Und kein Tier das zu dem Ei gehörte war in der Nähe.
Harry wunderte sich sehr, dass es auf ein Mal so kalt war! „Hoffentlich wird es bald wärmer“, sagte er sich, „sonst sehen meine Flossen bald aus wie Stieleis!“ Harry war tapfer und turnte in seinem Ei herum. Er machte Vorwärts- und Rückwärtssaltos ohne Ende. Durch die Bewegung wurde ihm wieder etwas wärmer. Doch es wurde ihm auch schwindlig davon. Deswegen musste er bald aufhören, sich zu drehen. Und schon war ihm wieder kalt.

Die Henne Berta fand bei ihrem Abendspaziergang das Ei und beschloss, es zu bebrüten. Welch ein Glück für den kleinen Harry!
Harry spürte, wie sein Ei herumgerollt wurde. Dann wurde es auf einmal wunderbar warm und gemütlich, da die Henne sich auf das Ei gesetzt hatte. Das gefiel Harry schon viel besser, und er genoss die Zuwendungen der Henne sehr.
Doch nach neun Tagen in seiner kuschligen Behausung wurde ihm auf einmal schrecklich langweilig. Außerdem war es inzwischen ziemlich eng um ihn herum geworden. Er wollte hinaus und die Welt erkunden. So begann er ein kleines Loch in das Ei zu beißen. Das war furchtbar anstrengend, aber er wollte unbedingt noch am selben Tag in die Welt hinausschlüpfen.
Geschafft! Doch was war das? Ein fürchterlicher Gestank drang durch das kleine Loch zu Harry herein.
Er linste mit einem Auge durch das Loch. Vielleicht konnte er so etwas erkennen? Ein Auge blickte ihm entgegen.
„Bäh was ist denn das für eine Müffelei“ schrie er dem Auge entgegen. „Hey du da! Hilf mir doch mal hier raus!“
Die Henne Berta, deren Auge er gesehen hatte, war jedoch der Meinung, dass Harry es allein schaffen musste. Harry hatte es nun mächtig eilig. Ihm war schon ganz schlecht von dem Gestank. Da es ihm gar nicht schnell genug gehen konnte, fing er an das Ei von innen zu boxen. Wie ein Weltmeister bearbeitete und schlug er das Ei kaputt. Anschließend war Harry fix und fertig von der großen Anstrengung.
Müde blickte er sich um und schaute direkt in zwei runde Augen, die ihn mit starrem Blick ansahen.
„Hallo“, begrüßte ihn Berta.
„Wer bist du?“, fragte Harry neugierig. „Ich bin ein Huhn. Mein Name ist Berta. Ich habe dein Ei auf der Wiese da hinten gefunden und bebrütet. Du bist keiner von uns, aber du kannst hier bei uns wohnen.“ Dabei zeigte Berta mit dem rechten Flügel auf eine Wiese, auf der ein paar Apfelbäume standen.
Harry überlegte kurz, ob er das Angebot annehmen sollte, denn er mochte den Hühnergestank nicht. Doch wo sollte er sonst hingehen? Daher entschied er sich, bei den Hühnern zu wohnen.
„Okay“, antwortete Harry. „Aber ich würde erst mal gerne baden, Hühner-Mama. Gibt es hier einen Teich oder etwas anderes, worin ich schwimmen kann? Du solltest dich übrigens auch mal waschen!“, sagte er und hielt sich sein linkes Vorderbein vor die Nase.
„Baden?! Wasser?!“, entgegnete sie entsetzt. „Hier wohnen nur Hühner und wir Hühner baden nicht in Wasser! Nimm ein Staubbad!“

Etwas enttäuscht lief Harry hinter der Hühner-Mama Berta her. Doch schon bald siegte seine Neugierde.
Berta zeigte ihm sogleich, wie er ein Staubbad nehmen sollte. Sie ging zu einem trockenen Erdloch, legte sich hinein und wälzte sich zu allen Seiten.
Harry tat es ihr nach. Doch er fühlte sich nur noch schmutziger und nun stank er obendrein ganz schrecklich nach Huhn!
Zum Glück hatte die Henne Berta zur selben Zeit noch andere Eier bebrütet. Und so hatte Harry neun Halbgeschwister. Mit denen hatte er sehr viel Spaß und sie spielten den ganzen Tag lang. Dadurch wurde es ihm nur selten langweilig. Sie spielten Fangen, Verstecken, nahmen Staubbäder und tranken Wasser aus Schälchen. Er verstand sich gut mit seinen Halbgeschwistern. Sie waren sehr nett zu ihm.
Wenn niemand hinsah, legte sich Harry auch mal heimlich in eine Wasserschale. Dort wusch er sich den ganzen Staub, Schmutz und Hühnergestank ab. Das fühlte sich gut an. Doch Harry war auch oft traurig, dass er nicht im Wasser baden durfte, wann immer er wollte.
Einmal erwischte ihn seine Hühner-Mama beim Baden in der Trinkschale. Da gab es ziemlichen Ärger. „Harry! Wir Hühner baden nicht im Wasser! Wasch die Schale sauber und befülle sie neu, damit wir wieder daraus trinken können.“ Sie war ziemlich sauer auf Harry und verstand nicht, warum er so gerne in Wasser badete. Harry hingegen mochte den Gestank, der sie alle umgab überhaupt nicht. „Die sollten sich gefälligst auch mal baden.“ Plötzlich hatte Harry eine tolle Idee.
In der Nacht blieb er wach, bis alle schliefen. Dann schlich er vor das Hühnerhaus und begann dort ein Loch zu buddeln. Das Loch musste so breit und so tief sein, dass alle Hühner dort hineinpassten. Damit hatte er ziemlich viel Arbeit. Erst kurz bevor die Sonne wieder aufging, war er damit fertig. Dann füllte er, so schnell es ging, Wasser in das Loch. Nachdem er noch eine Runde gebadet hatte, ließ er sich im Hühnerhaus ins Stroh fallen und schlief sofort tief und fest ein.
Auf einmal wurde er von lautem Gegacker und Geschrei geweckt. „Hiiilfe! Hiiiilfe! Iiiiih, ist das nass!“, hörte er Berta rufen. Und auch Harrys Halbgeschwister waren in der selbst gebauter Badewanne gelandet und planschten unfreiwillig darin. Harry hatte den Rand des Lochs mit Schneckenschleim bestrichen. Jedes Mal wenn ein Huhn versuchte, aus der Wanne zu steigen, rutschte es ab und landete platsch wieder im Wasser. Die Hühner veranstalten einen Heidenlärm…

Kurzvita

Katharina Hallmann liebt vegetarisches Sushi und Bücher. Letzteres hat sie bereits als Kind früh entdeckt, wobei sie damals nach Astrid Lindgren und Paul Maar eher Stephen King verschlang, welcher ihr so manch schlaflose Nacht bereitete. Mit 9 Jahren begann das erste Mal ein Buch zu schreiben. Später erheiterte sie mit selbsterfundenen Schildkröten-Comics ihre Mitschüler.
K. Hallmann lebt mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Kindern in Kiel wo sie auch Soziale Arbeit studiert.
„Harry, die kleine Schildkröte. Der Aggelos“ ist das erste Buch ihrer Kinderbuchreihe und wurde im Januar 2017 veröffentlicht.
Derzeit schreibt sie unter anderem an ihrem zweiten Buch rund um die kleine Schildkröte Harry.

Dienstag, 14. Februar 2017

Terry und Mikesch – der Zirkus kommt! von Artus Greifhand



Klappentext Buch  3. Buch:
Terry und Mikesch – Hund und Katze – erleben zusammen mit ihren Freunden neue Abenteuer. Im Buch „Der Zirkus kommt!“ helfen die Freunde den Zirkustieren die an Falldurch erkrankt sind. Zu den Freunden gehört nun auch „die Maus, die hinter dem Busch wohnt“.
Erzählt von  dem 8-jährigen Max, der die Sprache der Tiere versteht. Aufgeschrieben von Artus Greifhand.
Erhältlich bei Amazon, bücher.deThalia, ebook.de, Libri oder den Verlag.



Leseprobe 3. Buch 
Fünf Freunde im Zirkus

Am Abend versammelten sich die fünf Freund in dem großen Garten vor dem Haus in dem Terry, Mikesch und der kleine Benny wohnen. Terry war von seinem Ausflug mit den Menschen zurück und hörte begeistert zu, als die anderen von dem Zirkus und Menschen, Tiere, Sensationen erzählten.
“Was sind eigentlich Sensionen?”, fragte der kleine Benny schüchtern.
Alle blickten sich ratlos an.
“Keine Ahnung”, knurrte Terry. “Laß uns hingehen, dann werden wir das schon erfahren!”
Begeistert stimmten die anderen zu, und so machten sie sich auf den Weg.
Schon von weitem sah man das große Zelt und hörte die Stimmen der Tiere. Ein Löwe brüllte, ein Elefant trompetete laut und Pferde wieherten.
Vor dem Eingang standen viele Menschen und es hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet.
“Wie kommen wir da rein”?, miaute die Katze mit den drei Beinen. “Da braucht man eine Eintrittskarte, die kostet Geld und das haben wir nicht?”
“Kommt alle mit”, brummte der Dackel Waldemar. “Wir gehen einfach um das Zelt herum. Bestimmt finden wir irgendwo einen Spalt, wo wir hindurch sehen können”.
Gesagt, getan. Leise schlichen die fünf Freund um das Zelt und suchten nach einer Öffnung.
“Was macht ihr da?”
Erschrocken blieben sie stehen. Die laute Stimme gehörte zu einem großen, schwarzen Hund, der plötzlich hinter einem Zirkuswagen hervorgekommen war.
“Wir möchten den Zirkus sehen”,     alle miauten und bellten gleichzeitig los. “Tiere, Sationen, Menschen, Zirkus.”
“Ruhe!”, knurrte der große Hund. “Einer redet, die anderen halten die Klappe.” ...



AutorenVita:
Artus Greifhand ist 1952 geboren.
Von 1972 bis 1976 studierte er an der Freien Akademie für Erkenntnis und Gestaltung A.L. Merz, Stuttgart.
Nach langjähriger Ausbildung zum Heilpraktiker praktiziert er seit 1984 in eigener Naturheilpraxis in Sindelfingen und betreut dort auch viele kleine Patienten.
Artus Greifhand schreibt, zeichnet und fotografiert.


Dienstag, 7. Februar 2017

Das kleine Gespenst GISO von Rotraud Falke-Held




 Die „GISO“-Abenteuer sind spannende, etwas andere Gespenstergeschichten zum Vorlesen ab etwa 5 Jahren. Aufgrund der großen Schrift eignen sie sich auch sehr gut zum ersten Selbstlesen in den ersten beiden Grundschuljahren.
Beide Bücher sind im A4-Format erschienen und haben große Schwarz-Weiß-Bilder zum Ausmalen.
Die beiden GISO-Abenteuer können unabhängig voneinander gelesen werden.


 
- Giso im Zauberwald -

Das kleine Gespenst Giso ist traurig. Er möchte so gerne ein Freund der Menschenkinder sein, aber alle haben Angst vor ihm. Mit der weisen Eule Coralie macht er sich im Zauberwald auf die Suche nach einer Lösung. Er findet neue Freunde, muss aber auch einige Gefahren überstehen.
Das Buch hat 74 Seiten und viele große Bilder zum Ausmalen von Michael Klapper



Leseprobe:

Der Zauberwald ist nicht leicht zu finden.
Nur ganz besondere Wesen können ihn überhaupt sehen. Geister und Zauberwesen und Geschöpfe der Nacht, wie Coralie.
Für Menschen bleibt er fast unsichtbar.
Und so gehen sie an ihm vorbei, ohne ihn zu bemerken. Aber vielleicht ist es auch besser so. Denn im Zauberwald warten nicht nur schöne Feen und gute Wesen, sondern auch viele Gefahre­n.
„Komm, Giso. Und pass auf, wohin du schwebst. Im Zauberwald sind die Dinge nicht wie sie schei­nen. Sogar ein Baum kann ein Zauberwesen sein. Oder ein Pilz“, warnte
Coralie.
„Ich passe auf. Außerdem bin ich ein Ge­spenst. Wie kann mir ein Baum etwas anha­ben. Ich könnte einfach durch ihn hindurch schweben.“
Coralie seufzte. Giso war eben noch ein kleines Gespenst und hatte nicht viel Ahnung von den Gefahren hier im Wald. Wie gut, dass sie mitgekommen war.
So flogen sie tiefer in den Wald hinein.
Coralie hatte keine Ah­nung, wo sie Giso hinführen sollte. Sie vertraute darauf, dass sie einem Wesen begegnen würden, das ihnen weiter­half.
Sie sah sich nach Giso um, der hinter ihr herschwebte und in der Gegend herumblickte. Der Wald war ein bisschen unheimlich. Viele Bäume hatten Gesichter.
Aus der Erde wuchsen seltsame Wurzeln.
Kleine Knollen rannten emsig umher.
Und irgendwie waren die Farben eigenartig. Den Himmel konnte Giso schon gar nicht mehr sehen, so dicht war der Wald.
„Giso, pass auf, wo du hinschwebst!“, rief Coralie.
Bums! Da war es schon passiert. Plötzlich stieß Giso gegen etwas Hartes. Was war das? Erschrocken schüttelte er sich.
„Wer wagt es, mich zu stören?“, brummte der Baum. Es war ein sehr alter Baum. Ein dicker, knorriger Baum. Und sehr freundlich schien er auch nicht zu sein.
„I – i – ich. Giso. Ich bin ein Gespenst“, stotterte Giso ängstlich. „Es – es tut mir sehr leid. A – aber normalerweise fliege ich durch Wände und Bäume einfach hindurch.“
Coralie war inzwischen neben Giso gelandet.
„Es tut mir leid, alter Baum. Es war keine Absicht. Giso ist zum ersten Mal im
Zauberwald. Er hat nicht auf den Weg geachtet“, erklärte sie.
„Das sollte er aber tun!“, brummte der Baum un­freundlich. „Was sucht ihr hier überhaupt?“
„Giso sucht die Antwort auf eine Frage.“
„Auf eine Frage?“ Der Baum war verwundert.
„Er möchte gerne ein Freund der Menschen sein. Aber leider haben alle Angst vor ihm“, erklärte Coralie.
Da begann der Baum zu lachen. 


Rotraud Falke-Held wurde 1964 in Bad Driburg geboren.
Schon in der Grundschulzeit entdeckte sie die Freude am Schreiben.
Doch zunächst absolvierte sie eine solide kaufmännische Ausbildung und kann heute auf eine 20jährige Berufstätigkeit zurückblicken.
Nach der Geburt ihrer Kinder - in den Jahren 2000 und 2001 – gab sie ihre Berufstätigkeit auf. Sie begann, sich spannende Geschichten auszudenken – zunächst nur für ihre eigenen Kinder.
2009 erschien ihr erstes Kinderbuch „Der kleine Bär Tapp“ im Monolith Verlag.
Seither sind einige Kinder- und Jugendbücher von ihr erschienen, altersmäßig wachsen die Geschichten mit dem Alter ihrer eigenen Kinder.
Rotraud Falke-Held lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und der Hundedame Cacy in Büren. 


Dienstag, 31. Januar 2017

DER ROTE HAHN von Klaus Kurt Löffler


Klappentext 
Michas Tante, die in St. Wolfgang einen kleinen Laden betreibt, erhält einen Erpresserbrief, der mit ›Der Rote Hahn‹ unterschrieben ist. Die Jungen übernehmen den Fall. Während Micha mit der Polizei Kontakt aufnimmt, stößt Max auf eine Gruppe von Tierschützern, deren Anführer ein großer Bursche in einem Hahnenkostüm ist. Max vermutet einen Zusammenhang mit der Erpressung und lässt sich anwerben. Gemeinsam treiben sie mit den Passanten grobe Späße, mit denen sie zeigen wollen, wie sich die geschundenen Tiere fühlen. Gelingt es Max, den Fall auf eigene Faust zu lösen oder hat Micha am Ende die Nase wieder vorn? 
Erhältlich als E-Book und Taschenbuch bei Amazon.


Leseprobe: DER ROTE HAHN

AUSZUG AUS DEM ZWEITEN KAPITEL

 Max begleitete seinen Freund noch bis zur Nebenstraße, die zur Gendarmeriestation führt. Dann kehrte er um. Er hatte Glück, obwohl es anfangs gar nicht so aussah. Vor der Gemeindeverwaltung hatte sich auf der Straße inzwischen eine Menschengruppe gebildet, die einer Darbietung zusah.
Als der Junge herantrat, stoben die Zuschauer plötzlich mit großem Geschrei auseinander und machten einem riesigen Hahn Platz, der ein Opfer für einen Angriff suchte. Max kam da gerade recht. Ehe er es sich versah, stürzte sich das Tier auf ihn und hieb mit seinem großen Schnabel auf Schulter, Rücken und Arme ein. Max hatte alle Hände voll zu tun, sich zu schützen. Schließlich wurde ihm auch noch Spreu ins Gesicht geblasen, sodass er nichts mehr sehen konnte.
Währenddessen rief eine Stimme von einem Tonband:
»So schlägt die Natur zurück!« Können wir der geschundenen Kreatur verdenken, dass sie Rache an den Menschen nimmt?! Was heute noch ein Spiel ist, kann morgen ernst werden. Schließen Sie sich unserem Protest gegen Massentierhaltung und Tierversuche an und füllen sie unseren Spendentopf! Bitte die ausliegende Liste unterschreiben!«
Der Sprecher verstummte, worauf der Hahn sich unter dem Gelächter der Leute ein anderes Opfer suchte und das Ganze von vorne begann.
Max versuchte wütend, sich von der Spreu zu befreien, die überall an seinen Sachen hing. Auf einmal spürte er geschickte Hände auf seinem Rücken, die ihn säuberten. Als er sich umsah, blickte er in ein paar tiefblaue Augen, die ihn unter langen blonden Locken aus einem grünen Gesicht anstrahlten.
»Entschuldige«, äußerte das seltsame Geschöpf mit melodischer Stimme. »Er war wohl zu grob. Es stimmt schon. Der Rote Hahn schießt gern mal übers Ziel hinaus.« Die Sprecherin war als Henne verkleidet, hatte aber jetzt ihren Tierkopf zurückgeklappt. 
Max war nicht nur über die verschmutzte Kleidung, sondern auch über die Demütigung verärgert, die ihm widerfahren war. Er wollte die Hilfe gerade harsch zurückweisen, als ihm aufging, wie der Anführer der Chaostruppe genannt worden war. ROTER HAHN war doch der Name, mit dem der Erpresser den Drohbrief an Tante Sofie unterzeichnet hatte. Und hinter ihm verbarg sich ein Tierschützer, der auch vor radikalen Mitteln nicht zurückschreckte, wie Max soeben am eigenen Leib verspürt hatte. Hier musste er dranbleiben. Wenn er es richtig anstellte, konnte er eine Menge erfahren.
 Er schluckte deshalb seinen Zorn hinunter. »Ich kann euer Anliegen verstehen«, äußerte er gespielt sanftmütig und fügte dann unvorsichtig hinzu. »Ich habe mich selbst schon für den Umweltschutz eingesetzt und würde es sofort wieder tun.«
Die Henne strahlte. »Ja, wirklich? Das trifft sich gut. Der Bursche, der den Stier spielen sollte, hat uns im Stich gelassen. Da kommt deine Hilfe gerade recht.« Sie packte Max und zog ihn hinter eine behelfsmäßige spanische Wand, die zum Umkleiden vor einem Campingbus aufgestellt worden war. Sie bestand aus einer Stange auf zwei Ständern, über die eine Decke gehängt worden war. Das gab den Anschein von Intimität, die natürlich nicht gewährleistet war. Ohne viel Federlesen machte sich das Mädchen daran, den Jungen von seinen Sachen zu befreien.
»Muss das sein?«, fragte Max widerstrebend. Er war schon lange aus dem Alter heraus, in dem weibliche Hände ihm aus der Kleidung helfen mussten.
Die Henne ließ sich in ihrem Werk nicht stören. »Ja, sonst wird´s zu eng und zu heiß! … Mensch, zier dich nicht so«, fuhr sie ihn schließlich an, als er sich weiterhin sträubte. »Ich habe schon mal einen nackten Mann gesehen.«
Max gab seinen Widerstand auf. Er durfte nicht zimperlich sein, wenn er Erfolg haben wollte. Mitmachen war genau die richtige Methode, um das Vertrauen der Tierschützer zu gewinnen und in ihre Pläne eingeweiht zu werden. Es wurde dann auch nicht so schlimm, wie er befürchtet hatte. Er durfte seine Unterwäsche anbehalten. Mit vereinten Kräften gelang es beiden, ihn in das enge Kostüm hineinzuzwängen, das für einen viel kleineren Akteur bestimmt war. In der Zwischenzeit hatte ihm die Henne, die Cynthia hieß, noch einmal den Sinn der Darbietung erläutert. Sie sollte deutlich machen, dass es mit der Geduld und der Friedfertigkeit der Tiere bald ein Ende haben werde, wenn die Menschen ihre Einstellung zu ihnen nicht änderten.
Wenig später tapste Max mit geschwärztem Gesicht als Stier umher und trieb seine Späße mit den Zuschauern, die sich dies lachend gefallen ließen. Durch einen Spalt im Kopf konnte er seine Opfer auswählen. Mit der Zeit begann ihm seine Rolle Spaß zu machen. Er tänzelte auf den Hinterbeinen hin und her, als sei er ein Tanzbär. Ab und zu ließ er sich auf seine Hände herab und griff das Publikum an. Das hatte jedes Mal den Erfolg, dass die Zuschauer lachend und kreischend zurückwichen.
 Es war fast wie bei einem Straßenfest in Spanien, wenn der Stier auf die Straße gelassen wird und die Menschen vor sich hertreibt. Max war stolz, dass er auch wie ein solcher brüllen konnte. Inzwischen war noch ein Esel erschienen, der ihn unterstützte, aber mit seinen schauspielerischen Talenten ihm nicht das Wasser reichen konnte.
 Plötzlich sah Max unter der Menschenmenge Micha, der seine Aufgabe wohl schon erledigt hatte. Er schaute belustigt dem grotesken Treiben auf der Straße zu, nicht ahnend, dass sein Freund einer der Hauptakteure war. Max wollte ihm auf die Sprünge helfen. Er posierte vor seinen Augen und machte allerlei Kunststücke. Die Verkleidung war aber so gut, dass Micha ihn nicht erkannte. Deshalb entschloss er sich, an seinem Freund einen Spaß auszuprobieren, der den Höhepunkt der Vorführung bilden sollte. Er setzte aber voraus, dass man an das Opfer nahe genug herankam. Dafür war Micha gerade der Richtige. Er stand wie ein Fels in der Brandung, ohne das Hin- und Herlaufen der anderen Zuschauer mitzumachen.
Max näherte sich seinem Ziel behutsam. Er trieb mal hier und da seinen Spaß und änderte mehrfach die Richtung. Schließlich blieb er - wie es schien ganz zufällig - vor seinem Freund stehen und rieb seinen aufgesetzten Kopf an ihm. Als er die richtige Position erreicht hatte, hob er das hintere Bein und löste damit einen Mechanismus aus. Ein Behälter entleerte sich mit sanftem Strahl auf die Hose. Sie wurde nass und nässer, bis sie durchweicht und triefend am Bein klebte. Ein schadenfrohes Gelächter erhob sich, vom Klatschen und Gröhlen der Zuschauer begleitet.
Micha war von der Attacke völlig überrascht worden Er begriff erst dann, was vor sich gegangen war, als er die Feuchtigkeit am Bein spürte. Dann schaute er verblüfft auf den durchnässten Stoff herab. Die Ursache dafür wurde ihm wohl erst nach und nach klar, als das Gelächter der Umstehenden nicht abriss und sogar der Stier wiehernde Geräusche abgab. Schließlich wandte er sich mit hochrotem Kopf um und bahnte sich einen Weg durch die brüllende und johlende Menge, die einen Kreis um ihn gebildet hatte.
Max hatte inzwischen ein schlechtes Gewissen bekommen. Wenn die Aktion darauf gerichtet gewesen war, Micha vor allen Augen lächerlich zu machen, dann war sie voll geglückt. Na, da konnte er was erleben, wenn Micha erfuhr, wer da seinen Spaß mit ihm getrieben hatte. Hoffentlich begegnete er ihm heute nicht mehr.

Klaus Kurt Löffler:
Als studierter Jurist war ich zuletzt als Vorsitzender Richter am Landgericht tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich während eines Aufenthalts in St. Wolfgang am Wolfgangsee mit dem Schreiben von Jugendbüchern angefangen. Der Schauplatz und meine beruflichen Erfahrungen wollten es, dass es Detektivgeschichten wurden, in denen die Landschaft eine entscheidende Rolle spielt. Es steht bei mir aber nicht das Verbrechen, sondern das hinter ihm stehende Rätsel im Vordergrund. Denn meine Junior- Detektive lösen ihre Fälle mit Köpfchen.