Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 24. Mai 2016

Lulea und die Schule der gestohlenen Magie von Felizitas Montforts


Klappentext:

»Es roch nach verbranntem Holz, nach Magie, nach Angst ...«
Luleas magisches Zuhause wurde entdeckt. Verwüstet und verlassen gibt es keine Spur von ihrer Familie. Nur der Hexenrat scheint mehr zu wissen ...

Ein düsteres Geheimnis wirft seine Schatten auf den idyllischen Wunschelwald und führt die junge Hexe hinaus in die Welt der Menschen und in ein dunkles Gemäuer. Die Schule der gestohlenen Magie!

Noch spannender und temporeicher lässt das zweite Abenteuer der jungen Hexe einen kaum zu Atem kommen.

Frech, spritzig und unverkennbar Lulea!
Erhältlich bei Amazon


Leseprobe:
Kapitel 1

»Lu, lass mich runter. Oh je, ich glaube, mir wird
schlecht. Das ist viel zu hoch, viel, viel zu hoch.
Ich rutsche, Lu, ich werde sterben, ich werde mir
den Hals brechen«, jammerte der Kater mit vor
Aufregung gesträubtem Fell.
»Klecks, beruhige dich! Mach die Augen auf,
dann wird dir auch nicht schlecht«, antwortete
die junge Hexe ihrem Vertrauten.
Voller Angst krallte Klecks sich auf dem Besenstiel
fest. Seit Monaten hatten die Beiden das nun
trainiert, aber mit einem am Boden liegenden Stiel
zu üben, oder auf einem schwebenden zu stehen,
war ein himmelweiter Unterschied.
»Krall dich nicht so doll fest! Du weißt, dass
Kalax das nicht mag. Du zerkratzt ihn.« Kalax
war ihr Hexenbesen, den sie zu ihrem dreizehnten
Geburtstag bekommen hatte.
Es war vor fast einem Jahr ganz schön knapp
gewesen für Lulea. Ihre beiden Vertrauten, der
junge Kater Klecks und der Sperlingskauz Schru
Schru hatten sich sehr viel Zeit gelassen, sie zu
finden. Ohne Vertrauten gab es für Hexen keinen
Besen und auch nicht die Erlaubnis, das Zaubern
zu lernen. Aber all diese Sorgen waren lang vergessen.
Plötzlich rutschte eine von KlecksVorderpfoten
ab und kratzte unsanft über das Holz. Kalax
tat einen überraschenden Ruck nach vorne und
der Kater verlor vollends das Gleichgewicht. Mit
einem jämmerlichen Mauzen stürzte er hinab.
»Hast du dir was getan?«, fragte Lulea besorgt.
»Ich habe mein Leben an mir vorbeiziehen
sehen«, jammerte Klecks, der kaum einen halben
Meter unter Luleas Füßen im Gras hockte.
»Das muss aber ein reichlich kurzes Leben
gewesen sein, bei der enormen Höhe«, erklang
eine glockenhelle Stimme, die Mühe hatte, ein
Lachen zu unterdrücken.
Im gleichen Moment, als Lulea nach ihrer kleinen
Freundin Ausschau hielt, kam die Fee Flitze
bereits als Lichtblitz auf sie zugeflogen. Die Sonnenstrahlen
glitzerten auf ihren Flügeln und ließen
sie für einen Moment wie schimmerndes Glas
aussehen.
Bei ihrer ersten Begegnung hätte niemand
gedacht, dass aus der jungen Hexe und der frechen
kleinen Fee mal beste Freundinnen würden.
Flitze hatte Lulea bei einer Begegnung im
Wald mehrfach schmerzhaft an den roten Locken
gezogen, woraufhin die zwei wie Gewitterhexen
aufeinander losgegangen waren. Dies hatte zur
Folge, dass sie durch einen missglückten Zauber
geschrumpft wurden und Lulea, klein wie eine
Maus, von einem Kauz entführt wurde. Damit
aber nicht genug. Von einer Spinne gefesselt, von
Feen gefangen genommen und beinahe von einer
Elster gefressen, mussten die Freundinnen viele
Gefahren überstehen, um nun gemeinsam durch
dick und dünn zu gehen.
»Lu, frag doch mal deine Mutter, ob sie einen
Zauber gegen Höhenangst weiß«, stichelte Flitze
weiter.
Klecks war froh, dass man dank seines Fells
nicht sehen konnte, wie er aus Verlegenheit rot
wurde. Es war auch wirklich peinlich, als Katze
Höhenangst zu haben – besonders als Vertrauter
einer Hexe. Er wollte Lulea und Schru Schru auf
ihren Ausflügen so gerne begleiten, doch anstatt
mit ihr zusammen auf dem Besen zu fliegen,
musste er am Boden bleiben und zuschauen. Jedes
Mal, wenn er den kleinen Sperlingskauz mit der
Hexe zwischen den Bäumen verschwinden sah,
wurde Klecks richtig neidisch. Dass Luleas beste
Freundin Flitze auch fliegen konnte, machte das
Ganze nicht besser.
Klecks schämte sich dafür, dass er auf die beiden
eifersüchtig war, und hatte es sich deswegen
in den Kopf gesetzt, seine Höhenangst zu überwinden.
Aber das war viel leichter gesagt als
getan.
»Wo habt ihr denn Schru Schru gelassen?«,
fragte
Flitze in diesem Moment.
»Er wechselt sein flohverseuchtes Gefieder«,
antwortete Klecks.
»Er tut was?«
»Er ist in der Mauser«, kam Lulea einem weiteren
Kommentar von Klecks schnell zuvor. In
letzter Zeit gab es immer wieder Streitereien zwischen
ihren beiden Vertrauten und sie konnte die
ständigen Sticheleien wirklich nicht mehr hören.
Vielleicht war das der Grund, warum Hexen
normalerweise nur einen Vertrauten hatten. Lulea
musste dringend eine Lösung für dieses Problem
finden und das möglichst schnell, denn sonst
würde sich ihre Mutter einmischen. Dass Klecks
und Schru Schru sich vertrugen, war die einzige
Bedingung gewesen, die sie einhalten mussten,
um bei ihr bleiben zu dürfen. Lulea fürchtete
sich vor den Konsequenzen, wenn Chrisanne der
Geduldsfaden riss. Wegnehmen konnte man ihr
wegen ihrer magischen Verbindung zwar keinen
ihrer Vertrauten, wie Lulea jedoch wusste, gab es
andere magische Mittel und Wege, tierische Streitereien
zum Verstummen zu bringen.
»Lulea, hast du nicht etwas vergessen?« Flitze
ließ sich auf ihrer Schulter nieder und betrachtete
ganz unschuldig ihre winzigen Fingernägel.
»Oh, NEIN!!! Hättest du mich nicht sofort daran
erinnern können? Mist, Mist, Mist! Ich bekomme
bestimmt Flugverbot, oder … keine Ahnung, was
sie mit mir machen. Das ist jetzt schon das dritte
Mal, dass ich diesen Monat zu spät zum Unterricht
komme.« Lulea raufte sich die Haare, sodass
ihre Locken noch wilder als sonst vom Kopf
abstanden. »Klecks, willst du mitfliegen? Nein,
schon gut. Dann lauf schon mal los.«
Im nächsten Moment hatte Lulea sich Kalax
geschnappt, der bereits startbereit über dem
Boden schwebte und Klecks war als geflecktes
Fellknäuel von der Lichtung gestürmt und im
Wald verschwunden.
Lulea schüttelte den Kopf über ihre Dusseligkeit.
Sie konnte jetzt schon das Donnerwetter hören,
welches auf sie wartete. Seit ihrem dreizehnten


Geburtstag hatte sich für Lulea vieles verändert.
Endlich musste sie nicht mehr zur Waldschule
gehen und sich dem Gespött der anderen Schüler
aussetzen. Dafür hatte sie nun zwei unerbittliche
Lehrerinnen. Nämlich ihre Mutter und ihre Großmutter.
Vor fast einem Jahr sahen ihre Pläne noch
ganz anders aus. Kaum dass sie zaubern und fliegen
durfte, wollte sie in die Hauptstadt ziehen
und dort eine der angesehenen Hexenschulen
besuchen.
Leider stellte sich die Leiterin der Hexenschule
als ziemlich verbohrt heraus. Klar war es Hexen
erlaubt mit ihren Vertrauten in der Schule zu
wohnen, ja man hätte ihr sogar erlaubt, mit beiden
Vertrauten dort ihr Zimmer zu beziehen. Wo
man ihr aber kein bisschen entgegen kam, war
bei Flitze. Besten Freundinnen, die keine Hexen
waren, war der Zugang nicht gestattet.
Voller Zuneigung beobachtete Lulea Flitze, wie
diese neben ihr in einem Höllentempo herflog. Es
hatte viele hitzige Diskussionen mit ihrer Mutter
gegeben. Ob sie nicht in die Stadt ziehen könnten.
Aber Chrisanne wollte ihren Hexenbaum partout
nicht verlassen. Schlussendlich musste sich Lulea
entscheiden. War ihr der Besuch einer Hexenschule
oder ihre Freundin wichtiger? Lulea hatte
sich schon einmal für die Fee entschieden und
diese Entscheidung nie bereut. So fiel auch dieses
Mal die Wahl auf Flitze und Lulea wurde fortan
von ihrer Familie in der Hexenkunst unterrichtet.
Ob sie sich dadurch einsam fühlte? Nein! Warum
auch? Fast ununterbrochen war sie in Gesellschaft
ihrer drei Freunde, was sie unglaublich glücklich
machte.
»Glaubst du, Mama lässt mich jetzt wieder
stundenlang die geistige Kontrolle über einen
Putzlappen üben? Ich weiß wirklich nicht, was
das soll. Wo das doch mit einem kurzen Zauberspruch
viel einfacher geht.«
»Deine Mutter wird schon ihre Gründe haben,
warum du das lernen sollst«, meinte Flitze.
Einen Grund mochte ihre Mutter bestimmt
haben, aber er war für Lulea einfach nicht ersichtlich.
Sie hörte regelrecht die Belehrungen auf sie
niederprasseln. »Lulea, das besondere Geschick
einer Hexe ist es, nicht mit Worten, sondern durch
reine Willenskraft zaubern zu können. Das unterscheidet
uns unter anderem von den Magiern. Sie
machen sich die Magie durch die Macht der Worte
untertan und brauchen immer Hilfsmittel, um sie
zu beherrschen. Der mächtigste Magier kann nur
so mächtig sein wie sein Hilfsmittel. Nimmt man
es ihm weg, ist er nur ein normaler Mensch. Aber
wir Hexen tragen die Magie in uns und können
sie allein durch unseren Willen lenken. Mit viel
Übung ist dein kleiner Finger so mächtig, wie der
Zauberstab eines Magiers und … man kann ihn
dir nicht wegnehmen!«
Lulea konnte zwar schon ein Lied von dem Vortrag
singen, trotzdem trieb sie Kalax an, damit er
sich beeilte. Nach fast einem Jahr Fliegen kannte
sie den Wunschelwald besser aus der Luft als vom
Boden aus. Hier war ein Ast abgebrochen und
hing tot von einem sonst grünen Baum, da gab es
eine kleine Schneise, weil ein Bach sich seinen Weg
durch den Wald suchte. Eine kleine Baumgruppe
hatte es ihr ganz besonders angetan. Sie sah aus
wie eine Familie, die sich zusammenkuschelte.
Zwei große Tannen mit drei kleinen, aber dicken
Jungbäumen. Immer wenn sie diese Gruppe sah,
wusste Lulea, dass sie bald zu Hause war. Eilig
sauste sie an der Baumfamilie vorbei und hoffte,
dass sie nicht allzu lange gebraucht hatte.

Mürrisch zupfte Schru Schru an einigen seiner
Federn herum. Er sah aus wie ein gerupftes Huhn,
das in einen Herbststurm geraten war. Hier juckte
es und da pikste es. Die Mauser war eine Qual
und man musste eigentlich gar nicht besonders
erwähnen, dass auch seine Eitelkeit empfindlich
angeknackst war.
Bereits seit Tagen mied er seine Freunde, denn
er hatte die ständigen Spötteleien dieser vierbeinigen
Nervensäge Klecks und der Fee gehörig satt.
Lulea vermisste er jedoch sehr. Als Vertrauter
bestand ein ganz besonderes Band zwischen ihm
und der Hexe. Beide sehnten sich nach der Nähe
des anderen, als wäre man nur zusammen ein
Ganzes und dieses Sehnen wurde immer unerträglicher,
je länger er von Lulea getrennt war.
»Ach Quatsch! Ich mach mir einfach Sorgen!
Wenn ich nicht wäre, würde diese Hexe doch
ständig in Schwierigkeiten stecken«, rückte sich
der Sperlingskauz selber den Kopf zurecht. »Dieser
unreife Möchtegernvertraute von Kater kann
ihr doch keine Ratschläge geben. Dieser Angsthase
… dieser … dieser!«
Schru Schrus struppiges Gefieder sträubte sich
vor Ärger. Tief durchatmen, dachte er und versuchte,
sich durch bewusste, langsame Atmung
wieder zu beruhigen. So konnte ihn nur Klecks
auf die Palme bringen und dafür musste der Kater
noch nicht mal in der Nähe sein. Schru Schru
fühlte sich einfach verantwortlich für Lulea. Es
war seine Aufgabe, auf sie, nein auf alle drei, aufzupassen,
und er nahm diese Aufgabe sehr ernst.
Auch wenn ihn die Fee und der Kater oft zur
Weißglut trieben.
»Also, Schru Schru, bist du eine Eule oder eine
Maus? Mauser hin oder her, reiß dich zusammen!
Lulea braucht dich. Also flieg los«, versuchte er
sich in seiner kleinen dunklen Baumhöhle, in der
er hockte, Mut zuzureden. Es wirkte.
»Lu, ich komme!«
Zögerlich wackelte er ins Freie, stieß sich vom
Ast ab und erhob sich in die Lüfte, um als kleiner,
dunkler und struppiger Punkt in der Ferne
zu verschwinden.


Über die Autorin:
Felizitas Montforts wurde im Februar 1983 geboren. Als Kind entdeckte sie zeitgleich ihre Begeisterung für das Lesen wie auch für das Schreiben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, ihren Zwillingen und einer sehr anhänglichen Katze in Viersen am Niederrhein. In ihrer Freizeit widmet sie sich dem Schreiben und ihrem Food-Blog.
Weitere Informationen finden Sie auf Facebook, Google, Twitter und ihrer Autorenseite.

www.felizitas-montforts.de

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