Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 16. Dezember 2014

Kummers Kindergeschichten von Britta Kummer




Buchbeschreibung
Bücher sind etwas ganz Besonderes. Sie bieten Jung und Alt eine interessante Reise durch ihre eigene Welt an und verbinden dadurch sogar Generationen.
Fantasie ist die stärkste und schönste Kraft, die Kinder besitzen. Deshalb ist es auch so wichtig, sie so früh wie möglich an Bücher heranzuführen. Denn hier können sie anhand der erzählten Geschichte ihre eigene Kreativität sowie Vorstellungskraft frei entfalten.
Kummers Kindergeschichten laden Sie zum Vor- oder Selbstlesen ein. Mal spannend, mal nachdenklich oder lustig. Eine bunte Sammlung für jedes Alter.
http://brittasbuecher.jimdo.com/startseite/
Erhältlich bei Amazon oder BoD.




Puck
Puck war ein Zwerg und lebte mit vielen Gleichgesinnten im Wald. Oberzwerg Sepp hatte ihm die verantwortungsvolle Aufgabe gegeben, auf die Tiere des Waldes aufzupassen. Jedoch hatte er keinen Spaß an dieser Arbeit, blieb lieber morgens in seinem Bett liegen oder döste in der Sonne.
Dies gefiel dem Oberzwerg überhaupt nicht und er schimpfte Puck vor versammelter Mannschaft aus: „Schau dir an, wie fleißig alle sind. Nur du, du bist faul: So kann das nicht weitergehen. Wenn du dich jetzt nicht zusammenreißt, wird das Konsequenzen für dich haben! Jetzt geh endlich in den Wald und schau nach den Tierkindern. Das ist doch nicht zu viel verlangt.“
„Ja, ja schon gut. Nur keinen Stress“, war Pucks Antwort und er machte sich von dannen. Er ging in den Wald und tat so, als wenn er endlich seiner Arbeit nachgehen wollte. Seine List klappte. Keiner folgte ihm. Sie nahmen ihm sein Täuschungsmanöver ab.
Etwas tiefer im Wald legte er sich unter einen Busch und fau-lenzte. Wieso arbeiten? Hier ist doch alles in Ordnung, dachte er sich. Was soll schon passieren? Hier war alles ruhig und er machte sich keine weiteren Gedanken.
Auf einmal wurde er von einem lauten Schrei geweckt. Er sprang auf und rannte in die Richtung, von wo das Gejammer kam. Mutter Hase saß ihm Gras und weinte bitterlich. „Was ist los?“, fragte Puck.
„Meine kleine Susi ist weg. Ich habe sie nur kurz aus den Augen gelassen und dann war sie verschwunden. Was soll ich denn jetzt tun?“
„Ähm, ja … weiß ich auch nicht“, stotterte der Zwerg. Und noch bevor er sich weiter Gedanken machen konnte, stand Sepp neben ihm und schaute ihn böse an.
„Solltest du nicht bei den Kleinen nach dem Rechten sehen. Ich weiß nicht mehr, was ich mit dir machen soll. Schau dir nur die verzweifelte Mutter an. Was ist, wenn ihrem Kind etwas Schlimmes zugestoßen ist? Kannst du das mit deinem Gewissen vereinbaren?“
Puck schaute in die verweinten Augen der Häsin, senkte den Kopf und machte sich Vorwürfe. Das schlechte Gewissen zog ein.
„Du hast noch eine letzte Chance. Suche die Kleine und wenn ihr etwas zugestoßen ist, wirst du verbannt. So jemanden können wir hier nicht gebrauchen. Wir Zwerge haben eine große Verantwortung im Wald, und wenn du das nicht begreifst, musst du eben gehen“, erwiderte Sepp und ohne Puck noch einmal anzuschauen, drehte er sich um und ging.
Puck sammelte sich, schaute Mutter Hase an und sagte: „Ich bringe dir dein Kind zurück, versprochen“, und spurtete in den Wald.
„Susi, Susi, wo bist du?“, rief der Zwerg immer wieder, aber es kam keine Antwort. Puck kämpfte sich durchs Unterholz, drang immer tiefer in den Wald hinein, aber von dem kleinen Hasenmädchen war nichts zu sehen.
Es wurde dunkel. Puck legte sich unter einen Strauch. Früh morgens machte er sich wieder auf die Suche. Er hatte Hunger, sein Magen knurrte, aber das ignorierte er. Er rannte kreuz und quer durch den Wald. Fehlanzeige, es gab kein Anzeichen eines Hasenkindes. Dann hörte er ein lautes Bellen und erschrak.
Oh Gott, was ist, wenn der Hund die Kleine erwischt hat. Ich will gar nicht daran denken, schoss es Puck in den Kopf. Er nahm die Beine unter den Arm und rannte weiter durch den Wald. Immer und immer wieder rief er ihren Namen, aber er bekam keine Antwort.
Völlig erschöpft setzte der Zwerg sich unter einen Busch. Was mach‘ ich nur? Er wusste nicht mehr ein und aus, also machte er sich auf den Rückweg. Mit gesenktem Kopf kam er in sein Dorf zurück.
„Sepp, ich habe Susi nicht gefunden. Es tut mir wirklich leid. Ich habe überall gesucht. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Ich habe versagt und hole meine Sachen. Bin sofort verschwunden.“
„Stopp, so schnell kommst du nicht davon. Du musst der Mutter noch sagen, dass du ihr Kind nicht gefunden hast. Ich mache das nicht!“
„WAS?! Das ist doch nicht dein Ernst. Das kann ich nicht. Niemals!“
„Doch das machst du. Ich komme mit. Aber du sprichst mit ihr.“
Sepp blieb hart. Er packte Puck am Arm, damit dieser nicht ausbüxen konnte und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu Mutter Hase und was Puck da sah, konnte er nicht glauben. Er rieb sich die Augen, aber er sah immer noch das Gleiche. Da saß Klein Susi und lachte ihn an.
„Wa-wa-was soll das?“, stottert Puck.
„Das war ein kleiner Denkzettel für dich. Vielleicht nimmst du deine Arbeit jetzt ernst und begreifst, wie wichtig sie ist. Wie sollten wir es dir sonst begreiflich machen. Wir wussten keinen anderen Weg und es hat doch geklappt.“
„Du bist so gemein. Weißt du, was ich für eine Angst hatte, dass die Kleine tot ist?“
„Ja, das weiß ich. Aber jetzt weißt du wenigstens, wie sich die Eltern fühlen, wenn ihr Kind verschwunden ist, nur weil du einfach zu faul bist. Eine harte Methode, aber sie hat gewirkt. Oder?“
„Oh ja und wie. Das heißt, ich werde nicht verbannt?“
„Nein. Diesmal noch nicht, aber dies ist deine allerletzte Chance. Nutze sie.“
Und Puck nutzte sie. Er war einer der Ersten, der zur Arbeit ging und einer der Letzten, der zurückkam. Er kniete sich voll in seinen Job und erledigte ihn mit Bravour. Denn das, was er an Angst und Sorge durchstehen musste, wollte er niemand anderem zumuten. So hatte Sepps kleine List genau das erreicht, was er wollte.
© Britta Kummer

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