Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 9. Dezember 2014

Ricci & Co: Wir werden das Schaf schon schaukeln von Tina Zang




Ricci, Bernie und Alice lösen einen kniffligen Fall:
In Oxford häufen sich höchst merkwürdige Vorkommnisse. Ein Schaf sitzt nachts in einem Auto. Blümchenunterhosen verschwinden von einer Wäscheleine und tauchen später als Dekoration eines Denkmals wieder auf. Katzen spielen in einem Sandkasten verrückt.
Nachdem Ricci und Bernie das Schaf befreit haben, tippt Alice auf einen Serientäter. Die Kinder beschließen, Nachforschungen anzustellen, denn die Streiche werden immer gefährlicher. 
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Kapitel 3: Wer blökt denn da?

In der folgenden Nacht träumte ich, dass eine Herde Schafe Felicity und Trevis über das Kricketfeld jagte und dabei laut „Husch, husch!“ rief. Allmählich ging das „Husch!“ in ein schafgerechtes „Mäh“ über, irgendwann war es statt einer ganzen Herde nur noch ein Schaf, und schließlich war ich wach und das „Mäh“ tönte immer noch durch die Dunkelheit.
Ich setzte mich im Bett auf, knipste die Nachttischlampe an und schaute mir mein Schlafschaf ganz genau an. Nein, es war nicht lebendig geworden. Ich drehte den Kopf hin und her, um das Geräusch zu orten, ging schließlich ans Gaubenfenster und öffnete es. Jetzt, wo das Blöken nicht mehr durch die Glasscheibe gedämpft war, glaubte ich einen verzweifelten Unterton darin zu vernehmen.
Klare Sache, ich musste nachsehen, was los war. Ich würde niemals ein Schaf im Stich lassen. Allein wollte ich aber nicht nach draußen, das wäre unvernünftig gewesen, und Mum hatte mir eingeschärft, mich immer vernünftig zu verhalten, vor allem dann, wenn ich Unfug machte.
Also ging ich Bernie wecken. Er war nicht begeistert, als ich ihn am großen Zeh kitzelte. „Hey, spinnst du? Hast du eine Ahnung, wie spät es ist?“
„Klar, drei Uhr morgens. Du musst mir helfen, ein Schaf zu retten. Es blökt wie verrückt.“
Er zog die Füße unter die Decke. „Das mit dem Schaf war gestern. Du hast bestimmt davon geträumt.“
„Nein, ich habe das Blöken laut und deutlich gehört. Komm in mein Zimmer, dann hörst du es auch.“
Seufzend stieg er aus dem Bett und folgte mir. Wir brauchten nur ein paar Sekunden zu warten, dann ertönte wieder das verzweifelte „Mäh“.
„Hörst du, wie erbärmlich es klingt?“
„So klingen Schafe immer“, meinte Bernie.
Da war etwas dran, aber wenn ich nicht nachsah, würde es mir keine Ruhe lassen.
„Bitte, komm mit nach draußen. Ich schenke dir dafür meinen neuen Teddy.“ Ich hielt das rosa Ungetüm hoch.
Bernie hob abwehrend die Hände. „Nein danke, aber ich komme auch so mit. Du gibst sonst ja doch keine Ruhe. Ich wette, bis ich mich angezogen habe, hat das Blöken sowieso aufgehört.“
Doch er irrte sich. Das Blöken wurde sogar flehender, hilfloser, verzweifelter. Meine Nerven lagen blank. Ich war heilfroh, als wir uns endlich auf den Weg machten. Mit zwei Taschenlampen bewaffnet gingen wir so leise wie möglich die knarrenden Holztreppen hinunter. Bernie schloss die Tür auf und spähte hinaus.
Ich trat hinter ihm auf die menschenleere Straße und lauschte. „Es muss ganz in der Nähe sein, aber nicht im Freien, denn es klingt ein wenig dumpf.“
„Ein Schaf mit Schalldämpfer“, meinte Bernie grinsend.
Ich leuchtete mit der Taschenlampe die Straße rauf und runter. Kein Schaf weit und breit. Nicht mal das klitzekleinste Lämmchen. Ich ging ein Stück die Straße entlang und sprang vor Schreck an die Hauswand, als plötzlich eine Autohupe losging und wie eine Alarmsirene durch die nächtliche Stille schnitt.
Gerade hatten wir noch geflüstert, jetzt schrie Bernie, um den Krach zu übertönen: „Da drüben, in dem Jeep!“
Ich traute meinen Augen kaum. Ein Schaf war auf dem Fahrersitz festgeschnallt. Da Schafe nicht wirklich zum Sitzen gebaut sind, strampelte es heftig und versuchte, sich zu befreien. Für das Blöken hatte sich niemand interessiert, aber jetzt, wo das Schaf hupte, weil es immer heftiger zappelte und dabei mit den Vorderhufen gegen das Lenkrad stieß, gingen plötzlich viele Fenster auf.
„Was soll der Krach?“
„Was zur Hölle …?“
„Wenn das nicht aufhört, hole ich die Polizei!“
„Ja, tun sie das!“, rief ich zu dem Fenster hoch, als die Hupe zwischendurch still war. „Jemand hat ein Schaf in ein Auto gesperrt.“

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