Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 7. Juni 2016

„Keylam: Die Ankunft“ von Anne Schmitz


Klappentext
Im Tal der Tallinge herrscht große Aufregung. Der Zauberer hat für diese Nacht die Ankunft eines neuen Tallings vorausgesagt.
Hoffentlich kann der Neue ihnen im Kampf gegen den bösen Skarkorok und seinen Drachen helfen!
Auf die jungen Tallinge Saomi und Keylam wartet ein fantastisches Abenteuer voller Magie ...
Empfohlenes Lesealter: ab 8 Jahre
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe

Auf der Tallingwiese

„Pst, so seid doch bitte leiser!“ Verzweifelt bemühte sich Häuptling Romwald, die Tallinge zu beruhigen, die auf der Dorfwiese beisammen standen und sich aufgeregt unterhielten.

Romwald raufte sich die weißen Haare. „Meine lieben Mitbürger“, versuchte er es erneut, „ich weiß ja, ein wundersames Ereignis steht uns bevor.“ Er trommelte mit den Fingern auf das Rednerpult, in der Hoffnung, dass die Tallinge zur Ruhe kommen würden. Doch niemand beachtete ihn.

Der Häuptling strich über seinen weißen Bart, der ihm bis auf den runden Bauch herabhing. Er ließ seinen Blick über die Bewohner des kleinen Dorfes Tallingheim schweifen und betrachtete dann die Äste des mächtigen Tallingbaumes, die sich sacht in der warmen Abendluft wiegten.

Vor ein paar Tagen war Romi, die Fledermaus, mit einer Nachricht von Zauberer Nu in sein Haus geflattert. Der Zauberer hatte die Ankunft eines neuen Tallings für die heutige Nacht vorausgesagt. Nun gab es für die Dorfbewohner kein anderes Thema mehr. Es war eine Sensation! Seit Saomis Ankunft vor zehn Jahren war kein weiterer Talling mehr bei ihnen eingetroffen. Damals hatte noch niemand geahnt, dass der Frieden in ihrem Tal bald ein Ende haben würde.

„Die Zeiten sind schlecht!“, beschwerte sich jemand.

„Irgendwer muss Skarkorok aufhalten!“, forderte ein anderer.

„Vielleicht kann uns ja der Neue helfen!“, hoffte der Schreiberling. „Oder die Neue!“ mischte sich eine Tallingfrau ein.

„Oder die Neue!“, wiederholte der Schreiberling etwas genervt. „Das spielt doch keine Rolle. Wir brauchen auf jeden Fall einen Zauberling oder einen Wächterling!“ Da waren sich alle einig. Der Häuptling wusste, dass die Dorfbewohner große Hoffnungen in den Neuen setzten. Aber leider gab es nur wenige Zauberlinge. Wächterlinge kannten sie sogar nur aus alten Sagen.

„Bitte, bitte!“ Flehend sprach Romwald auf die Dorfbewohner ein. „Ihr müsst still sein! Skarkorok wird uns hören und dann …“ An das, was passieren würde, wenn der böse Zauberling Skarkorok ihre Versammlung bemerken würde, wollte er lieber nicht denken. Er schüttelte seinen Kopf, um die schlechten Gedanken zu vertreiben. Es gab noch eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Auf dem Rednerpult stand ein kleines, eher unscheinbares Glöckchen. Allerdings war es ein ganz besonderes, da der Klöppel aus einem grünen Kristall gefertigt war. Mit zitternden Fingern streckte Romwald seine Hand langsam danach aus. Vorsichtig hob er das Glöckchen an.

Hoffentlich hört Skarkorok es nicht, dachte der Häuptling
noch, dann ließ er es einmal erklingen. Der Ton war hell und rein. Er sauste von Talling zu Talling, von Ohr zu Ohr. Er erreichte die Vögel im Baum, das Eichhörnchen in seinem Kobel, ja sogar die Regenwürmer in der Erde. Schnell huschte er weiter ins Dorf, wo ihn Ziegen und Schafe, Hühner und Pferde hörten und schließlich verklang er in der Dämmerung. Erschrocken blickten die Tallinge sich an. Jetzt erst bemerkten sie, in welche Gefahr sie sich und die Ankunft, durch ihr lautes Geschwätz, gebracht hatten. Leise nahmen die Dorfbewohner nun auf den Sitzsteinen Platz. Der Bäckerling ging zu seinem Karren und holte die eigens für diese Nacht gebackene Sternenstreusel hervor. Lehrlinge füllten Wasser und Lebeliasaft aus Fässern ab. Gemeinsam bewirteten sie die schweigenden Tallinge.

Da erklang der Ruf einer Eule. Romwald flüsterte: „Die Nacht ist da. Die Ankunft steht kurz bevor.“

Es war eine warme Nacht. Grillen zirpten. Ein Mäuschen flitzte piepsend über die Dorfwiese, angelockt vom köstlichen Duft des Gebäcks. Eine leichter Wind rüttelte sacht an den sternförmigen Blättern des mächtigen Tallingbaumes, dessen Äste die Dorfwiese überspannten, ganz so, als wolle er die versammelten Tallinge beschützen.

Der majestätische Baum stand schon seit Anbeginn der Zeit im Tal der Tallinge. Sie nannten ihn ihren Lebensbaum. Sein Stamm war so gewaltig, dass sieben Tallinge nötig waren, um ihn einmal zu umfassen. Das Wundersamste am Lebensbaum waren jedoch die Kugeln. An den mächtigsten und stärksten Ästen wuchsen weiß schimmernde, matt leuchtende Kugeln. Es gab sie in allen Größen. Manche waren noch klein, wie Äpfel, andere waren so groß wie prall gefüllte Getreidesäcke. Eine Kugel jedoch war größer als alle anderen und leuchtete auch heller. Unter ihr war eine Hängematte aus reißfestem Lebeliatuch aufgespannt worden. Dies war der Ort der Ankunft.



Vita
Die Autorin wurde 1978 in einer Kleinstadt des Bergischen Landes geboren. Hier verlebte sie ihre Kindheit und Jugend. Ende der 1990er Jahre zog sie nach Köln, wo sie eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin absolvierte. Nachdem sie einige Zeit in einem Kindergarten gearbeitet hatte, schrieb sie sich für ein Studium der Diplom Sozialpädagogik ein. Seit der Geburt ihres ersten Sohnes kümmert sie sich um die Belange ihrer Familie. Sie lebt heute mit ihrem Mann und drei Kindern in der Nähe von Köln.
Homepage: www.anne-schmitz.com

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