Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 1. August 2017

Tilda und das Glitzerding von Annika Bützler

Klappentext
Kennt ihr schon die kleine Schildkröte namens Tilda?
Nein? Na, dann wird es aber höchste Zeit! Kommt mit in die fantastische Unterwasserwelt und erlebt mit Tilda ihr erstes Abenteuer und was sie dort für eine geheimnisvolle Entdeckung macht. Lernt mit ihr zusammen den grummeligen Oktopus Hanno kennen und seid dabei, wie die beiden das Rätsel um Tildas Entdeckung lüften.
Erhältlich bei  BoD und im FanZauberShop
ISBN ISBN-13: 978-3-9470-8301-5







Tilda und das Glitzerding

„Hey, du, was machst du da?“
Die kleine Schildkröte Tilda zuckte erschrocken zusammen. Sie hatte doch nur einmal nachgeschaut, was da so schön glitzerte. Dort unten am Meeresboden, zwischen all den Muscheln und den Korallen.
„Wer, ich?“ Tilda drehte sich mit großen Augen langsam um.
„Ja, genau, du“, sagte der Oktopus genervt und verdrehte die Augen. „Oder siehst du hier etwa noch jemanden, der den Kopf in den Sand steckt? Also ich jedenfalls nicht.“ Er schüttelte sichtbar mit dem Kopf.
Tilda versuchte, sich zu erklären. Sie konnte dem Oktopus doch nichts von ihrer geheimen Entdeckung erzählen. „Ich … hm … ja …, ich wollte doch nur …“, stotterte die kleine Schildkröte.
„Meine Güte, stottere hier doch nicht so herum“, raunzte der rotfarbene Oktopus ungehalten und fuchtelte mit seinen acht Armen. Die kleine Schildkröte fasste ihren ganzen Mut zusammen.
„Ich habe hier nur etwas gesucht, mehr nicht“, antwortete sie, ohne Luft zu holen, und etwas unfreundlich. Tilda war selbst erstaunt über sich, denn eigentlich war die kleine Schildkröte sonst sehr schüchtern.

Der Oktopus schaute sie entsetzt an, mit dieser patzigen Antwort hatte er nicht gerechnet. Er senkte den Kopf und schwamm plötzlich davon. Seine acht Arme hingen dabei traurig an ihm herunter.Die kleine Schildkröte Tilda schaute ihm überrascht hinterher. „Was habe ich denn nur falsch gemacht?“, fragte sie sich und kratzte sich am Kopf. Sie blickte dem Oktopus noch eine Weile nach und überlegte eifrig, aber es wollte ihr einfach nicht einfallen.
„Na, egal“, dachte sie sich irgendwann. „Er war ja auch nicht gerade freundlich zu mir, der Herr Oktopus“, sagte sie und zuckte mit den Schultern.
Tilda schaute sich wieder nach ihrer Entdeckung um. Sie wollte ja zu gerne wissen, was da unten Geheimnisvolles im Sand lag. „Es sieht wunderschön aus, wie es glitzert und blinkt, ein wahrer Traum“, dachte Tilda laut und griff danach. Als sie es in ihren Flossen hielt, drehte und wendete sie es ein paarmal hin und her. „Was ist denn das überhaupt für ein Glitzerding?“, fragte sich die kleine Schildkröte. „Hm, es ist ganz rund und fühlt sich wunderbar glatt an“, fachsimpelte Tilda vor sich hin. „Und es steckt ein Stein darauf, der in einem wunderschönen Rot funkelt“, fuhr sie fort. „Ach.“ Tilda ärgerte sich. „Hätte ich doch bloß den Oktopus gefragt. Der weiß bestimmt, was das für ein Ding ist“, meinte sie. Sanft berührte sie mit der linken Flosse den rot schimmernden Stein. Dann hatte Tilda eine Idee: Sie würde den Oktopus suchen und ihn einfach fragen, um was es sich bei diesem Glitzerding handelt. „In welche Richtung ist er denn bloß geschwommen?“, überlegte sie angestrengt.

Vita:
Annika Bützler lebt mit Mann und Tochter auf dem Land. Sie arbeitet gerne kreativ mit Schmuck und stellt nach Kundenwünschen Lesezeichen und Co her.
Basteln und Malen mit ihrer Tochter empfindet sie als pure Entspannung. Als ihre Tochter von einem Film über eine Meeresschildkröte erzählte, der in der Schulklasse gezeigt wurde, ließ sie diese Schildkröte einfach nicht mehr los. So enstand die erste Geschichte mit der kleinen Schildkröte Tilda. Mittlerweile ist Band zwei in Arbeit, dem hoffentlich noch viele Geschichten von Tilda und anderen Figuren folgen werden.
https://www.facebook.com/AnnikaBuetzler/

Dienstag, 21. Februar 2017

Harry, die kleine Schildkröte - Der Aggelos von Katharina Hallmann

Klappentext:

Eines Tages purzelt Harry, die kleine Schildkröte, vor die Füße der Henne Berta, die bis dahin sein Ei gewärmt hat. Harry gibt sich alle Mühe, es seiner Hühner-Mama recht zu machen und ein richtiges Huhn zu werden. Aber es will ihm einfach nicht gelingen, auch wenn er das erste Schildkrötenhuhn auf der Welt ist. So verabschiedet er sich schweren Herzens von seinen Hühnergeschwistern und begibt sich auf Wanderschaft. In Carapaxi findet er nicht nur viele neue Schildkrötenfreunde, sondern erfährt auch von einem geheimnisvollen Schutzstein. Ein großes Abenteuer beginnt für Harry, die kleine Schildkröte,Erhältlich bei Tredition und Amazon





Das erste Schildkrötenhuhn der Welt
E
s war ein schrecklich lautes Geräusch, von dem Harry wach wurde. Er hatte in seinem Ei geschlafen - bis eben. Bis eben war es auch warm und gemütlich gewesen. Jetzt war es nur noch kalt!

Die kleine Schildkröte Harry ahnte noch nichts von seinem Schicksal. Er wusste nicht, dass sein Ei auf einer Wiese lag, einsam und alleine. Weit und breit lag kein anderes Ei. Und kein Tier das zu dem Ei gehörte war in der Nähe.
Harry wunderte sich sehr, dass es auf ein Mal so kalt war! „Hoffentlich wird es bald wärmer“, sagte er sich, „sonst sehen meine Flossen bald aus wie Stieleis!“ Harry war tapfer und turnte in seinem Ei herum. Er machte Vorwärts- und Rückwärtssaltos ohne Ende. Durch die Bewegung wurde ihm wieder etwas wärmer. Doch es wurde ihm auch schwindlig davon. Deswegen musste er bald aufhören, sich zu drehen. Und schon war ihm wieder kalt.

Die Henne Berta fand bei ihrem Abendspaziergang das Ei und beschloss, es zu bebrüten. Welch ein Glück für den kleinen Harry!
Harry spürte, wie sein Ei herumgerollt wurde. Dann wurde es auf einmal wunderbar warm und gemütlich, da die Henne sich auf das Ei gesetzt hatte. Das gefiel Harry schon viel besser, und er genoss die Zuwendungen der Henne sehr.
Doch nach neun Tagen in seiner kuschligen Behausung wurde ihm auf einmal schrecklich langweilig. Außerdem war es inzwischen ziemlich eng um ihn herum geworden. Er wollte hinaus und die Welt erkunden. So begann er ein kleines Loch in das Ei zu beißen. Das war furchtbar anstrengend, aber er wollte unbedingt noch am selben Tag in die Welt hinausschlüpfen.
Geschafft! Doch was war das? Ein fürchterlicher Gestank drang durch das kleine Loch zu Harry herein.
Er linste mit einem Auge durch das Loch. Vielleicht konnte er so etwas erkennen? Ein Auge blickte ihm entgegen.
„Bäh was ist denn das für eine Müffelei“ schrie er dem Auge entgegen. „Hey du da! Hilf mir doch mal hier raus!“
Die Henne Berta, deren Auge er gesehen hatte, war jedoch der Meinung, dass Harry es allein schaffen musste. Harry hatte es nun mächtig eilig. Ihm war schon ganz schlecht von dem Gestank. Da es ihm gar nicht schnell genug gehen konnte, fing er an das Ei von innen zu boxen. Wie ein Weltmeister bearbeitete und schlug er das Ei kaputt. Anschließend war Harry fix und fertig von der großen Anstrengung.
Müde blickte er sich um und schaute direkt in zwei runde Augen, die ihn mit starrem Blick ansahen.
„Hallo“, begrüßte ihn Berta.
„Wer bist du?“, fragte Harry neugierig. „Ich bin ein Huhn. Mein Name ist Berta. Ich habe dein Ei auf der Wiese da hinten gefunden und bebrütet. Du bist keiner von uns, aber du kannst hier bei uns wohnen.“ Dabei zeigte Berta mit dem rechten Flügel auf eine Wiese, auf der ein paar Apfelbäume standen.
Harry überlegte kurz, ob er das Angebot annehmen sollte, denn er mochte den Hühnergestank nicht. Doch wo sollte er sonst hingehen? Daher entschied er sich, bei den Hühnern zu wohnen.
„Okay“, antwortete Harry. „Aber ich würde erst mal gerne baden, Hühner-Mama. Gibt es hier einen Teich oder etwas anderes, worin ich schwimmen kann? Du solltest dich übrigens auch mal waschen!“, sagte er und hielt sich sein linkes Vorderbein vor die Nase.
„Baden?! Wasser?!“, entgegnete sie entsetzt. „Hier wohnen nur Hühner und wir Hühner baden nicht in Wasser! Nimm ein Staubbad!“

Etwas enttäuscht lief Harry hinter der Hühner-Mama Berta her. Doch schon bald siegte seine Neugierde.
Berta zeigte ihm sogleich, wie er ein Staubbad nehmen sollte. Sie ging zu einem trockenen Erdloch, legte sich hinein und wälzte sich zu allen Seiten.
Harry tat es ihr nach. Doch er fühlte sich nur noch schmutziger und nun stank er obendrein ganz schrecklich nach Huhn!
Zum Glück hatte die Henne Berta zur selben Zeit noch andere Eier bebrütet. Und so hatte Harry neun Halbgeschwister. Mit denen hatte er sehr viel Spaß und sie spielten den ganzen Tag lang. Dadurch wurde es ihm nur selten langweilig. Sie spielten Fangen, Verstecken, nahmen Staubbäder und tranken Wasser aus Schälchen. Er verstand sich gut mit seinen Halbgeschwistern. Sie waren sehr nett zu ihm.
Wenn niemand hinsah, legte sich Harry auch mal heimlich in eine Wasserschale. Dort wusch er sich den ganzen Staub, Schmutz und Hühnergestank ab. Das fühlte sich gut an. Doch Harry war auch oft traurig, dass er nicht im Wasser baden durfte, wann immer er wollte.
Einmal erwischte ihn seine Hühner-Mama beim Baden in der Trinkschale. Da gab es ziemlichen Ärger. „Harry! Wir Hühner baden nicht im Wasser! Wasch die Schale sauber und befülle sie neu, damit wir wieder daraus trinken können.“ Sie war ziemlich sauer auf Harry und verstand nicht, warum er so gerne in Wasser badete. Harry hingegen mochte den Gestank, der sie alle umgab überhaupt nicht. „Die sollten sich gefälligst auch mal baden.“ Plötzlich hatte Harry eine tolle Idee.
In der Nacht blieb er wach, bis alle schliefen. Dann schlich er vor das Hühnerhaus und begann dort ein Loch zu buddeln. Das Loch musste so breit und so tief sein, dass alle Hühner dort hineinpassten. Damit hatte er ziemlich viel Arbeit. Erst kurz bevor die Sonne wieder aufging, war er damit fertig. Dann füllte er, so schnell es ging, Wasser in das Loch. Nachdem er noch eine Runde gebadet hatte, ließ er sich im Hühnerhaus ins Stroh fallen und schlief sofort tief und fest ein.
Auf einmal wurde er von lautem Gegacker und Geschrei geweckt. „Hiiilfe! Hiiiilfe! Iiiiih, ist das nass!“, hörte er Berta rufen. Und auch Harrys Halbgeschwister waren in der selbst gebauter Badewanne gelandet und planschten unfreiwillig darin. Harry hatte den Rand des Lochs mit Schneckenschleim bestrichen. Jedes Mal wenn ein Huhn versuchte, aus der Wanne zu steigen, rutschte es ab und landete platsch wieder im Wasser. Die Hühner veranstalten einen Heidenlärm…

Kurzvita

Katharina Hallmann liebt vegetarisches Sushi und Bücher. Letzteres hat sie bereits als Kind früh entdeckt, wobei sie damals nach Astrid Lindgren und Paul Maar eher Stephen King verschlang, welcher ihr so manch schlaflose Nacht bereitete. Mit 9 Jahren begann das erste Mal ein Buch zu schreiben. Später erheiterte sie mit selbsterfundenen Schildkröten-Comics ihre Mitschüler.
K. Hallmann lebt mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Kindern in Kiel wo sie auch Soziale Arbeit studiert.
„Harry, die kleine Schildkröte. Der Aggelos“ ist das erste Buch ihrer Kinderbuchreihe und wurde im Januar 2017 veröffentlicht.
Derzeit schreibt sie unter anderem an ihrem zweiten Buch rund um die kleine Schildkröte Harry.

Dienstag, 15. April 2014

Die Tränen der Feuergöttin von Codename Kolibri



Klappentext:
Im zweiten Band der Kinderbuchreihe liest der alte Forscher Barnabas Rosenstengel seinen Nachbarskindern Emily und Noah eine atemberaubende Geschichte vor, die in der Südsee spielt. Keanu, die kleine Hawaiigans, möchte unbedingt den spektakulärsten Sportwettbewerb der Inseln, den Iron Goose, gewinnen. Alles hätte so gut laufen können, aber nicht nur die weiße Gans Nalu macht ihm das Leben schwer - Keanu wird einfach vom Pech verfolgt. Immer wieder muss er Rückschläge einstecken, die sein Ziel gefährden. Zusammen mit seinem besten Freund Kaami, einer Suppenschildkröte, sucht er Hilfe bei einer Mönchsrobbe, die auf der weit entfernten Insel Nihoa lebt. Nun gilt es viele Abenteuer zu bestehen und zu guter Letzt mischen sich auch noch die Götter ein und treiben ihr Unwesen. Hat Keanu überhaupt noch eine Chance den Wettbewerb zu gewinnen …?
Erhältlich bei Amazon.


 



Ein Gespräch unter Freunde



Lustlos stocherte Keanu in seinem Essen herum, er bekam keinen Bissen herunter.
„Ich gehe noch etwas an den Strand“, verkündete er schlecht gelaunt und sprang auf. Aus dem Schuppen holte er rasch sein Surfbrett, das er vorhin erst dort untergestellt hatte. Er benötigte jetzt dringend eine Beschäftigung, bei der er seinem Ärger Luft machen konnte.
Als er die kleine Bucht erreichte, stand die Sonne schon tief. Durch die wieder aufkommende Flut rollten bereits riesengroße Wellen auf den Strand zu. Das war genau das, was er jetzt brauchte. Keanu watete einige Meter ins kristallklare Wasser und paddelte mit seinem Brett hinaus in die Brandung. Dort wartete er auf die nächste turmhohe Welle und glitt auf ihr zurück ans Ufer. 

Viele Male wiederholte er dieses Spiel, bis er schließlich erschöpft und ausgepumpt im noch immer warmen Sand liegen blieb.
Er war restlos mit seinen Kräften am Ende, aber der Aufwand hatte sich gelohnt. Er fühlte sich besser. Seine Wut auf sich, Nalu und die Welt war verflogen und er konnte wieder klar denken.
Diese Niederlage konnte und wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Er würde schon allen beweisen, wie gut er war.

Im Rauschen der Wellen war ihm eine Idee gekommen. In sechs Wochen fand der Iron Goose statt. Ein Wettbewerb, der jedes Jahr einmal ausgetragen wurde. Das war nur etwas für harte Kerle, eine echte Herausforderung. Ausdauer, Talent und ein aufwendiges Training wurden den Sportlern abverlangt, deshalb auch der Titel Eiserne Gans.

Der Wettbewerb setzte sich aus drei verschiedenen Sportarten, den Disziplinen Schwimmen, Laufen und Fliegen, zusammen, die man hintereinander bestreiten musste:

1.     2000 Meter schwimmen - einmal bis zur Schildkröteninsel und wieder zurück.
2.     3-mal um den großen Vulkan der Insel Maui laufen.
3.     10 Kilometer fliegen, und zwar bis zur Insel Big Island und wieder zurück.

Im letzten Monat war Keanu drei Jahre alt geworden und genau so alt musste man sein, um am Iron Goose teilnehmen zu können.
Dieser Wettkampf war das spektakulärste und größte Ereignis auf den Inseln. Nur die Allerbesten wagten sich hier, mit der Konkurrenz zu messen.
Es war auch nicht ganz ungefährlich, das wusste Keanu nur zu gut, denn sein Vater hatte regelmäßig bei den Wettbewerben mitgemacht. Vor zwei Jahren jedoch war er nach dem Schwimmwettbewerb nicht wieder an Land zurückgekehrt. Keiner wusste, was passiert war, keiner hatte etwas gesehen. Vielleicht hatten ihn einfach die Kräfte verlassen, was jedoch eher unwahrscheinlich war, denn sein Vater hatte sich wie immer in Topform befunden. Eine andere Möglichkeit bestand darin, dass er räuberischen Fischen zum Opfer gefallen war, worauf die meisten Gänse tippten.

Seine Mutter würde nicht begeistert sein, dessen war sich Keanu bewusst, aber er wollte sich durchsetzten. Sein Plan stand fest. Gleich morgen früh würde er sich auf den Weg in das kleine Städtchen Kipahulu machen und sich für den Wettkampf anmelden.

Während er so in seinen Gedanken vertieft war, hatte er überhaupt nicht gemerkt, dass er Gesellschaft bekommen hatte.
„Du siehst nicht gerade glücklich aus, Keanu … Ich habe mit meinen Eltern beim Wettbewerb zugeschaut. Das ist heute aber gar nicht gut gelaufen für dich. Diese weiße Gans hat dir die Schau gestohlen!“
Schreckhaft schaute Keanu auf und stellte verwundert fest, dass Kaami, sein bester Freund, noch schnaufend von der großen Anstrengung, neben ihm lag. Mühselig hatte die junge Suppenschildkröte sich durch den Sand bis zu ihm vorgeschoben. Mit dem schweren Panzer auf ihrem Rücken kam die Schildkröte an Land nur im Schneckentempo von der Stelle.
„Aloha, Kaami! Ich habe dich gar nicht kommen hören. Ja, das war wirklich ein schrecklicher Tag für mich. Ich war schon gut, aber leider nicht gut genug. Dieser Nalu konnte bei den Schiedsrichtern gewaltig punkten.“
„Ja, man erzählt sich viel über den Neuen, aber er soll nicht besonders beliebt sein. Nur bei den Mädchen hinterlässt er einen guten Eindruck, die stehen wohl auf weiße Federn.“
Keanu verzog das Gesicht.
„Ach, fang du nicht auch noch mit dem Quatsch an!“ Schnell versuchte er, das Thema zu wechseln. „Lass uns lieber über etwas anderes reden. Ich habe nämlich einen Entschluss gefasst. Morgen werde ich mich für den Iron Goose eintragen. Was sagst du dazu?“
Empört reckte die Schildkröte ihren faltigen Hals empor.
„Das ist nicht dein Ernst! Du weißt genau, was mit deinem Vater passiert ist. Deine Mutter wird das niemals zulassen.“
„Ich bin drei Jahre alt und kann somit frei entscheiden, ob ich mitmache oder nicht!“, erklärte Keanu trotzig.
„Oje, das riecht gewaltig nach einem Familienstreit, da herrscht bei euch aber in den kommenden Wochen dicke Luft. Deine Mutter wird einen Tobsuchtsanfall bekommen, vielleicht solltest du besser noch mal darüber nachdenken. Schade, aber es bleibt keine Zeit mehr zum Quatschen, ich muss mich jetzt auf den Weg nach Hause machen, die Sonne ist schon untergegangen. Wenn ich in einer Viertelstunde nicht auf der Schildkröteninsel bin, bekomme ich auch Ärger mit meinen Eltern. Wir sehen uns morgen!“ Damit verabschiedete sich Kaami und robbte schwerfällig wieder zurück ins Wasser.
Die Schildkröteninsel war ein kleines Eiland, nahe vor der Südspitze Mauis gelegen, und wurde ausschließlich von Suppenschildkröten bewohnt.
„Aloha, Kaami, mach’s gut. Man sieht sich!“, rief Keanu seinem Freund noch hinterher und begab sich ebenfalls auf den Heimweg.
Das würde eine harte Auseinandersetzung mit seiner Mutter werden. Aber sein Plan stand fest und er wollte alles tun, um seinen Traum, die nächste Iron Goose von Hawaii zu werden, zu verwirklichen.