Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Freitag, 10. Juli 2015

Der Gospondar von Broscec von Wolfgang Schwerdt



Klappentext
Sieghelm ist ein verarmter fahrender Ritter. Seine Reisen führen ihn zu fremden Kulturen und gefährlichen Abenteuern. Sieghelm kämpft nur in allergrößter Not mit dem Schwert. List, Mut, Klugheit und sein wunderbares Lautenspiel sind sein Kapital.
Eine seiner erste Reisen führt den Ritter in das Land der Wenden zu jener Zeit, als die deutschen Könige dabei sind, die Ostkolonialisation in Angriff zu nehmen und die slawischen Gebiete zwischen Elbe und Oder als Mark in das Deutsche Reich einzuverleiben. Im Dienste des Gospondar von Broszec erlebt Sieghelm zahlreiche Abenteuer, bis schließlich die Ritter des Deutschen Ordens den Herrschaftssitz des slawischen Herrschers stürmen.

E-Book Kindle-Edition. Umfang ca. 40 Standardbuchseiten, mit 6 Illustrationen von Wolfgang Schwerdt  http://www.amazon.de/Gospondar-von-Broscec-Wolfgang-Schwerdt-ebook/dp/B005R0D5VY


Leseprobe:

Das Feuer wollte einfach nicht angehen, zu feucht und kalt waren die Gräser das Reisig und das Holz. Und zu klamm waren inzwischen seine Finger, um aus Schwamm und Stahl noch Funken zu schlagen.
Wehmütig griff Sieghelm nach seiner treuen Begleiterin, der Laute. Ein wenig unbeholfen schlug er die ersten Töne mit seinen vor Kälte steifen und zittrigen Fingern an. Und auch die ersten Töne, die sich aus seiner Kehle lösten glichen eher einem Krächzen. Sieghelm sang ein Lied, bei dem einem warm ums Herz wurde, und je länger er spielte und sang, desto wärmer und beweglicher wurden seine Finger, desto klarer seine Stimme, bis schließlich Klänge und Harmonien in die düstere Landschaft hinausströmten und selbst das schwarze Wasser in mildem Glanz erstrahlen ließen, sogar die finsteren Erlen sich zur Melodie wiegten und hier und da im modrigen Boden des bereits in die Dunkelheit der Nacht gehüllten Sumpfes kleine Lichtlein aufglühten.

Ein heftiges Plätschern und Rauschen direkt vor Sieghelm beendete die friedliche Stimmung jäh: “Wer wagt es da meine Nachtruhe zu stören”, grollte eine tiefe Stimme mitten aus dem Wasser, “und wer wagt es, in meinem Reich zu jagen.” Der wilde Wassermann, dessen Haupt sich nun wie ein riesiger schwarzer Schemen aus der Tiefe erhob, hielt vorwurfsvoll Sieghelms Angel in seiner glitschigen Faust. Die Erlen, die sich eben noch genussvoll in der Melodie von Sieghelms wundervollen Lied gewiegt hatten, erstarrten und die kleinen Lichtlein, die den finsteren Sumpf in ein mildes Licht getaucht hatten, verloschen erschrocken eines nach dem anderen.

Bedächtig legte Sieghelm seine Laute beiseite. “Ihr habt einen sehr rüden Ton an Euch, nennt Ihr das etwa Gastfreundschaft?” Sieghelm wusste, dass mit Wassermännern nicht zu spaßen ist, aber er gehörte eben nicht zu jenen Schlagetots, die sofort nach dem Schwert griffen.
“Gastfreundschaft?” Das Lachen des Wassermanns glich einem wilden Gebrüll, “Gastfreundschaft? Wer hat Dich denn eingeladen, Herr Gast?”
Sieghelm antwortete ungerührt: “Niemand hat mich eingeladen, aber ich bin ein fahrender Ritter und drohe zu erfrieren und zu verhungern und ich benötige Eure Gastfreundschaft, denn es scheint hier niemanden sonst zu geben.”
Das Wasser des kleinen Flussarmes begann bedrohlich anzuschwellen, als sich der wilde Wassermann ganz aus den Fluten erhob und in voller Größe vor Sieghelm aufbaute.
“Du bist ganz schön dreist, fahrender Ritter”, die Stimme des Wassermanns ließ selbst die finsteren Erlen erzittern. “Aber sage mir, fahrender Lumpenritter ohne Pferd, ohne Rüstung und ohne Tross, wie könntest Du mir die Gastfreundschaft vergelten?”
“Nun, wilder Wassermann”, Sieghelm zog langsam sein blitzendes Schwert - eine herrliche Waffe, um die ihn selbst wohlhabende Ritter beneideten und nach seiner Laute das wertvollste, was er jemals besessen hatte - und legte es bedächtig quer über seine Knie. Des Wassermanns Blicke wurden begehrlich. “Nun wilder Wassermann, als Gegenleistung werde ich Euch nicht töten.”
Der Wassermann erstarrte ebenso wie sein Blick, der Sieghelm zu durchdringen schien. Furcht breitete sich in den Augen des Wassermanns aus und mit einem gewaltigen Rauschen verschwand er in der Tiefe der schwarzen Fluten.
Damit hatte Sieghelm nicht gerechnet. Klar, er wollte den Wassermann beeindrucken und er war sich auch sicher, dass es ihm gelingen würde. Aber hinter dieser Reaktion, dem blanken Entsetzen in den Augen des wilden Wassermanns musste etwas anderes stecken.
Blitzschnell drehte sich der Ritter um und im Bruchteil einer Sekunde glaubte er hinter sich aufgerichtet einen gewaltigen Drachen zu erkennen. Einen Drachen, wie er ihn noch nie gesehen hatte, mit riesigem Schlangenleib, wehender Mähne, gewaltigen Klauen und Zähnen, so dick wie seine Oberschenkel und auf dem fürchterlichen Haupt blitzte eine goldene Krone.
Ein Augenzwinkern nur und die schreckliche Erscheinung war verschwunden. Stattdessen wand sich vor ihm eine kleine Schlange, eine Schlange, wie es viele gab in dieser Gegend.
Reglos stand die Schlange mit aufgerichtetem Hals vor Sieghelm und starrte den Ritter an. Und Sieghelm starrte zurück.

Kurzvita Autor:
Geboren 1951 in Berlin, publiziert der studierte Betriebswirt Wolfgang Schwerdt als Historiker, Buchautor und Journalist seit den frühen 80er Jahren zu den Themenbereichen Archäologie und Kulturgeschichte. Ab 2002 kam der Publikationsbereich Internet hinzu. Heute betreibt Schwerdt 10 Blogs und Internetmagazine zu den Themen Katzen, Kultur, Seefahrt und Geschichte und hat ca. 20 E-Books und Taschenbücher veröffentlicht.

Neben Sachbüchern zur Kulturgeschichte veröffentlicht Schwerdt seit den 2010er Jahren auch Fantasy sowie Kurzgeschichten und Romane zu Katzen und Seefahrt. Insbesondere hier versucht der Autor über spannende Abenteuerinhalte auch Kinder und Jugendliche zu erreichen, unterhaltsam ein wenig geschichtliches Wissen zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Mit seinem Projekt Rotbartsaga hat der Autor seit 2014 seinen literarischen Schwerpunkt für die nächsten Jahre gefunden. Derzeit ist der zweite Band „Schiffbruch vor Sumatra“ in Arbeit, der voraussichtlich im Frühjahr 2016 erscheinen wird.                                    

Der Rotbartsaga-Projektblog: http://rotbartsaga.com
Der Autor auf Facebook: http://www.facebook.com/wschwerdt

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