Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Freitag, 24. Juli 2015

„Das Wunderwasser“ von René Deter


Klappentext:


Der vorliegende Band enthält 22 Märchen und Geschichten, die im mythischen Harz spielen. Dabei greift der Autor Motive der Harzer Sagenwelt auf und adaptiert sie in seinen Texten. Aber auch neue Stoffe lässt er in seine Werke einfließen

Folgen Sie dem Autor in eine wundersame Welt und lassen Sie sich von den vielfältigen Märchen und Geschichten einfach begeistern!

Eine kleine Auswahl dessen, was Sie erwartet::
- Auf der Suche nach einem Wunderwasser erlebt ein Mann eine besondere Überraschung.
- Ein Wanderer erfährt vom Wind, warum jener auf dem Blocksberg sehr wichtig ist.
- Ein junges Mädchen begegnet der grauenhaften Hexenkatze.
- Ein Jäger erlebt eine große Überraschung, als er auf einen sprechenden Luchs trifft.
- Ein Kräuterweiblein beschwört den Zorn des Himmel, als es durch die hochmütigen Bewohner eines Schlosses abgewiesen wird.
- Ein kleines Mädchen erhält wundersame Hilfe, als es in einem Moor zu versinken droht.

Der Autor wünscht Ihnen viel Freude beim Lesen des vorliegenden Buches.
Erhältlich bei Amazon, sowie in allen anderen bekannten Ebookshops

  
Der König der Luchse

In alter Zeit, als es noch viele Luchse im Harz gab, da wurden die edlen Tiere häufig gejagt, um als Trophäen das Herz manch edlem Herren zu erfreuen.
Eines Tages war dann auch Jäger Bertram im Auftrag seines Herren, einem reichen Grafen, unterwegs, um einen Luchs für jenen zu erlegen. Das Fell sollte das Arbeitszimmer des Herrn einen würdigen Glanz verleihen und die Gäste beeindrucken, wenn man dort wichtige Angelegenheiten besprach.
Nun, eigentlich war es dem Jäger egal, was mit dem geschossenen Tier passiert. Er würde davon rein nichts haben. Sein Lohn war karg und auch nicht mit dem Erlegen eines Luchses konnte er steigen. Da war der Graf sehr eigen.
Eigentlich verabscheute Jäger Bertram aber die ausufernde Jagd auf die Luchse. Deren Bestand hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich vermindert, was er als Waidmann nicht gutheißen konnte. Aber es galt, den Befehlen seines Herrn zu gehorchen. Sonst würde man wohl die längste Zeit dessen Jäger sein und müsste fortan mit seiner Familie am Hungertuch nagen. Es gab genug weitere Jäger, die nur zu gerne diese Arbeit ausüben würden.
Wenn der Lohn auch eher karg war, so lebte Bertram davon noch besser als viele andere im Lande. Es musste nicht sein, dass seine Familie und er die Nächsten waren, die zu den Ärmsten der Armen zählen. Die goldenen Zeiten waren längst vorbei und jeder musste sehen, wie er mit der Situation klar kam.
So machte er sich mit den düsteren Gedanken um seine Zukunft auf die Pirsch. Das Wetter war gut und versprach, angenehm zu bleiben. So würde Jäger Bertram zumindest nicht nass werden und auch nicht schwitzen oder frieren. Es war optimales Jagdwetter. Selten genug in den Weiten des Harzes!
Natürlich war dieses Wetter kein Garant, auch wirklich einen Luchs aufzuspüren und zu erlegen. Aber es machte die Sache ein wenig einfacher.
Er hatte von einem Wanderer einen Hinweis bekommen, wo er eventuell einen Luchs finden könnte, aber ob auf diesen Tipp Verlass war, das stand woanders geschrieben. Ihm war schon so vieles erzählt worden, was sich dann als unsinnig herausstellte. Darauf konnte man als Jäger nur selten zählen. Das Wild hatte einen durchaus eigenen Kopf und richtete sich nicht danach, was die Menschen einander erzählten.
Der Wanderer mochte ihn gesehen haben, doch das bedeutete nicht, dass sich das Tier noch immer dort befand.

Eine ganze Weile war Jäger Bertram mittlerweile im Revier des Grafen unterwegs, doch er hatte bisher weder einen Luchs selbst noch dessen Spuren auffinden können. Auch dieses Mal hatte sich der Hinweis als falsch herausgestellt. Er hatte es nicht anders erwartet.
Er wusste nicht, ob er fluchen oder sich freuen sollte. Ihm war es eigentlich ganz recht, denn einen Luchs schoss er nur sehr ungern. Viel zu selten war die Katzenart mittlerweile aufzufinden. Zudem sahen die Luchse mit ihren Pinselohren einfach majestätisch aus, waren ein Stück weit die Könige der Harzer Wälder.
Doch genau dieser Umstand führte auch zu dem Verhängnis, gejagt zu werden, um sich mit dem Fell zu schmücken. Nicht jeder Herr war eine Majestät, aber trotzdem wollte er sich wie eine solche führen.
Nach dem Misserfolg bezüglich des Tipps suchte er nach und nach weitere Stellen ab, auf denen sich die Tiere aufhalten konnten. Aber auch dort war ihm kein Erfolg beschert. Es gab einfach viel zu wenige Tiere. Diese hielten sich im Gebirge gut versteckt.

Als Bertram fast schon die Jagd für dieses Mal aufgeben wollte, hörte er plötzlich ein Rascheln, das ihm verdächtig vorkam. War das nicht...
Er sollte sich nicht täuschen, denn tatsächlich erschien ein großes Tier vor seinen Augen.
Ein Luchs! Der prachtvollste Luchs, den er je gesehen hatte.
Alles an dem Tier wirkte majestätisch. Seine Fellzeichnung, die Ohren mit den Pinseln, ja die ganze Gestalt hatte etwas Erhabenes. Es gab nichts Schöneres!
Er wollte sein Gewehr zücken, um auf das Tier anzulegen. Doch irgendetwas tief in seinem Inneren hinderte Jäger Bertram daran, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dieses Tier durfte er nicht schießen, auch wenn es genau das Richtige für den Grafen wäre. Es hatte etwas Besonderes an sich.
Im nächsten Moment drehte das prachtvolle Tier dem Jäger seinen Kopf zu und schien ihn direkt anzustarren. Die Augen fixierten Bertram in ihren Blicken. Aber konnte das wirklich sein?
Der Jäger fühlte sich unsicher. Diesem Luchs schien etwas Besonderes inne zu wohnen. Sein erster Gefühl hatte ihn nicht getäuscht.
Da hörte er auf einmal eine tiefe Stimme, die vom Luchs herzukommen schien. Er schien mit ihm sprechen zu wollen.
Bertram schreckte auf. Es kam völlig unerwartet für ihn. Bisher hatte noch nie ein Tier mit ihm gesprochen. Oder täuschten ihn da seine Ohren? Auch wenn er einfacher Mann war, so wusste er, dass Tiere nicht sprechen konnten.
Zwar gab es alte Legenden und Weissagungen, die von sprechenden Tieren redeten, aber es selbst zu erleben, das war etwas völlig anderes. Das war keine alte Geschichte, sondern die Wirklichkeit, der er sich nun unerwarteterweise stellen musste.
Die Situation wurde ihm unheimlich und er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Doch dann sprach erneut die Stimme. Jäger Bertram konnte sie nun eindeutig dem majestätischen Luchs zuordnen.
Du hast wohl daran getan, nicht auf mich zu schießen“, meinte das Tier. „Ich weiß von der Leidenschaft eurer Herren, uns zu präsentieren. Zu viele meiner Art mussten schon ihr Leben lassen. Aber sei dir gesagt: Wenn ich sterbe, dann sterben auch alle anderen Luchse des Harzes und niemand wird uns jemals mehr hier sehen können.“
Die Stimme hielt inne und der Jäger war noch mehr geschockt In was für eine seltsame Geschichte war er da nur hinein geraten?.
Indirekt sprach ihm das Tier aus der Seele, denn er mochte es nicht, dass die Luchse so stark beschossen wurden. Auch wenn er Jäger war und seinem Herrn gehorchen musste, konnte er das wahllose Töten nicht gutheißen. Es widersprach jeder Jagdregel und galt oftmals lediglich der puren Lust am Töten und dem Aufstellen sinnloser Jagdtrophäen.
Als Jäger musste man auch ein Freund der Natur sein. Mochten die Luchse auch ab und zu Schaden in den Wildbeständen verursachen, der Mensch verursachte ungleich mehr. Dessen war er sich in den vergangenen Jahren immer bewusster geworden.
Dann sprach die Stimme weiter.
„Weiser Jäger, ich bin der König der Luchse des gesamten Harzgebirges und danke dir für deine Gnade!“
Das machte den Jäger sprachlos.
Hatte er als Jäger überhaupt Dank verdient, wenngleich er diesen Luchs auch nicht geschossen hatte? So recht mochte er sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Trotzdem war es aus der Sicht des Luchses so.
Die Stimme verstummte mit diesen Worten und der Luchs entschwand ohne ein weiteres Wort im Unterholz.
So schnell, wie er vor dem Jäger aufgetaucht war, hatte er auch wieder das Weite gesucht.
Jäger Bertram rieb sich unterdessen ungläubig die Augen. Hatte er eben gerade wirklich einen sprechenden Luchs gesehen?
Kaum jemand würde ihm diese Geschichte abnehmen. Ein sprechender Luchs war schon etwas Außergewöhnliches und in den Gedanken der Menschen nicht vorgesehen.
Im Moment würde Jäger Bertram keinen weiteren Luchs mehr finden. Im Prinzip war er sogar froh darüber. Das Tier, dieser König aller Luchse des Harzes, hatte ihn sehr beeindruckt.
Der Graf würde es mit Sicherheit nicht verstehen. Daran hatte Bertram Kaum einen Zweifel. Für den Grafen zählte die Trophäe und sonst nichts. Da war es egal, ob das Tier selten war oder nicht. Ganz im Gegenteil. Je seltener die Trophäe war, umso wertvoller mutete sie im Auge des Betrachters an.
Wenig später beendete der Jäger dann endgültig seinen Pirschgang. Dem Grafen berichtete er, keinen Luchs gefunden zu haben. Das stimmte jenen nicht gerade froh, da er sich fest auf den Erfolg seines Jägers verlassen hatte. Aber er nahm es insgesamt doch recht gelassen  hin und hoffte, dass dem Jäger in Zukunft mehr Jagdglück bezüglich dieser Sache beschieden war.

Jäger Bertram schoss nie in seinem Leben einen Luchs. Zu mahnend hatten die Worte des Königs der Luchse geklungen, zu sehr lag ihm der Fortbestand der Katzenart im Harz am Herzen.
Doch irgendwann musste doch ein Waidmann den König der Luchse erlegt und die Weissagung in Erfüllung gebracht haben.
Die Luchse verschwanden aus dem Harz und erst in jüngster Zeit wurden wieder welche gesichtet.
Der Mensch, der sie bejagt hatte, hat sie zurück in den Harz gebracht. Und wenn man Glück hat, dann findet man ihre Spuren in den Harzer Wäldern oder bekommt die scheuen Tiere sogar einmal zu Gesicht. Mag den Tieren das Glück für lange Zeit beschieden sein.



René Deter wurde 1974 im mecklenburgischen Städtchen Grevesmühlen geboren und lebt heute im nördlichen Teil des Biosphärenreservats Schaalsee, ca 20 km von der alten Hansestadt Lübeck entfernt. Schon früh entdeckte er die Liebe zum Lesen und Schreiben. Zunächst waren es Gedichte, bald darauf folgten auch Märchen, Kurzgeschichten und längere Erzählungen und kurze Romane. Diese Liebe hat ihn bis heute nicht losgelassen. Dabei bewegt er sich in ganz unterschiedlichen Genres, vorwiegend im fantastischen Bereich. Aber auch die Lyrik gehört zu seinem Metier.
Inspiration für seine Geschichten und Gedichte findet der Autor u. a. in der Natur seiner Heimat, aber auch im Urlaub oder durch besondere Ereignisse, die ihn bewegt haben.Natürlich gibt ihm das Leben in allen seinen Facetten Stoffe zum Erzählen.

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