Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 17. März 2020

Ostern mit Nepomuck und Finn von Britta Kummer und Christine Erdic



Klappentext

Hast Du Lust, das Osterfest mit Nepomuck und Finn zu feiern?
Der Kobold macht sich auf den Weg, um seine Mäusefreunde zu besuchen. Natürlich geht es dabei turbulent zu, und alle Nepomuck-Finn-Fans kommen wieder voll auf ihre Kosten!
Neben einer spannenden Geschichte warten diesmal unter anderem tolle Basteltipps auf Dich! ISBN-13: 978-3750407725
Verkaufslinks: BoD und Amazon


Leseprobe:

Rache ist süß
Vor der Scheune ruft Finn alle zu sich. „Was im Haus neben dem Färben der Eier passiert ist, bleibt unter uns. Die Frauen müssen nicht alles wissen. Sonst lassen sie uns nie wieder fort. Ist das klar?“
„Und wie klar das ist“, antwortet Nepomuck. „Können wir uns auf euch verlassen, Kinder?“
„Aber sicher.“
„Also dann wollen wir mal!“
„Da sind wir wieder!“, ruft Finn freudestrahlend.
Susi und Lilly kommen sofort angelaufen. „Hat alles geklappt?“, wollen sie wissen.
„Na sicher. Es waren doch Profis am Werk.“
„Ihr seht aber sehr müde aus. Ich denke. ein Nickerchen tut euch allen gut.“ Das lassen sie sich nicht zweimal sagen. Nepomuck verstaut die Eier nur noch in einer Holzkiste, die er draußen gefunden hat, und dann fallen auch ihm die Augen zu.
Bis zum Nachmittag bleibt es mucksmäuschenstill in der Scheune. Man hört nur hier und da ein leises Schnarchen.
Luis ist der Erste, der wach wird. Er zieht Nepomuck am Ohr. „Aufstehen. Wir müssen die Eier doch noch fertig machen.“
„Wie - fertig machen?“, fragt der Kobold schläfrig.
„Du hast doch gesagt, wir malen noch etwas drauf.“
„Ja, stimmt. Dann weck mal die anderen.“
„Aufstehen!“, brüllt er durch die Scheune. „Die Eier warten!“ Das Geschrei verfehlt seine Wirkung nicht. Nach und nach kommen alle schlaftrunken an.
„Wie, die Eier warten?“, will Amanda wissen. „Was meinst du?“
„Habt ihr es denn vergessen? Nepomuck hat doch gesagt, wir dürfen auf die Eier noch Motive pinseln.“
„Stimmt ja, aber womit?“ Fragend schaut sie den Kobold an.
„Ich habe im Haus des Bauern Wasserfarbe und Pinsel gefunden. Die habe ich mir ausgeliehen.“
„Ausgeliehen“, empört sich Susi. „Das ist Stehlen.“
„Nein. Ich bringe sie ja wieder zurück. Das fällt überhaupt nicht auf.“
„Dürfen wir dann jetzt malen?“
„Also gut. Setzt euch mal alle da hinten hin. Dann bringe ich euch die Eier und Farbe.“
Voller Erwartung schauen die Mäusekinder ihren Freund an.
„So, hier sind ein paar Töpfchen mit Wasser. Da die Pinsel für euch zu groß waren, habe ich die Haare herausgezogen und an kleinen Ästen befestigt. Damit müsste es gehen. Nun müsst ihr sie nur noch ins Wasser tunken, dann in die Farbe und lospinseln. Ich gehe mal zu euren Eltern. Viel Spaß!“
Und schon legen die Kinder los. Sie sind nicht zu bremsen, schnell sind Sterne, Blumen und Punkte auf die Eier gezeichnet.
„Mein Ei sieht aber viel schöner aus als deins“, neckt Lukas seine Schwester Luise.
„Stimmt ja gar nicht!“ Und noch bevor er weiß, was geschieht, bespritzt sie ihn mit Wasser.
Das lässt er sich natürlich nicht gefallen und macht auch sie nass. Und schon ist eine wilde Wasserschlacht im Gang, denn auch die anderen Kinder lassen es sich nicht nehmen, mit Wasser herumzuspritzen.
Bei dem ganzen Durcheinander merkt keiner, dass Willi und Fridolin sich entfernen. Als sie zurück kommen, haben beide Strohhalme bei sich.
Luise fällt es als erste auf, und sie fragt interessiert nach, was sie damit vorhaben.
„Das ist eine Überraschung für Luis“, verkünden sie.
„Eine Überraschung für mich? Das ist aber toll! Was ist es denn?“
„Das verraten wir dir, wenn du zu uns kommst. Wir wollen es nicht so laut sagen, damit es die anderen nicht mitbekommen.“
Etwas skeptisch schaut Luis die Zwei an, aber dann siegt die Neugierde. Und ehe er sich versieht, wird er überwältigt und gefesselt. Und damit er nicht schreien kann, bindet Willi ihm auch noch vorsichtig das Schnäuzchen zu.
Luis begreift gar nicht, was los ist. Dann verkündet Fridolin laut: „Leute, hier haben wir ein besonders schönes Ei! Das müssen wir auch noch bemalen!“
Diese Einladung lassen sich die anderen Kinder natürlich nicht entgehen. Und schon machen sich auf Luis Fell rote, blaue und grüne Tupfer breit. In diesem Moment taucht Nepomuck mit Finn im Schlepptau auf. „Was macht ihr denn da?“, will er wissen.
Alle zucken zusammen. „Ja – ähm, also wir dachten, Luis sieht mit Farbe besser aus. Du musst zugeben, das Bunte unterstreicht sein Aussehen noch mehr“, feixt Willi.
Und noch bevor der Mäusejunge sich versieht, greift Nepomuck ihn und drückt ihn mit dem Popo in die lila Farbe. „Na, wie gefällt dir das? Also ich finde, Lila steht dir außerordentlich gut.“ Ein schallendes Gelächter ist zu hören.
In der Zwischenzeit hat Finn seinen Sohn befreit und schaut Willi böse an.
Reumütig sagt der: „Tut mir leid, Luis. Ich konnte einfach nicht anders. Die Verlockung war zu groß. Bitte nicht böse sein.“ Er hat noch nicht ganz ausgesprochen, da fliegt ein Wasserbecher auf ihn zu. Bevor Willi sich versieht, ist er platschnass.
Luis hält sich den Bauch vor Lachen. „Ja, lieber Bruder, ich konnte auch nicht anders! Hab dich aber trotzdem lieb!“
Überrascht schaut Willi ihn an und stimmt dann in das Lachen ein.
Finn schaut seine Söhne belustigt an. „Na, das wird bestimmt ein besonders buntes Osterfest. Wenn es jetzt schon so farbenfroh ist!“
© Kummer/Erdiç
Vita
Britta Kummer

Britta Kummer wurde 1970 in Hagen (NRW) geboren. Heute lebt sie im schönen Ennepetal und ist gelernte Versicherungskauffrau.
Die Freude am Schreiben hat sie im Jahre 2007 entdeckt und seit dieser Zeit bestimmt es ihr Leben. Es macht ihr einfach großen Spaß, sich auf diese Art und Weise auszudrücken.
Erst wurden ihre Werke im Bekanntenkreis herumgereicht und die Resonanz darauf war sehr positiv.
Es dauerte nicht lange und schon hielt sie ihr 1. Buch "Willkommen zu Hause, Amy" in Händen. Dieses Buch wurde im Januar 2016 mit dem Daisy Book Award ausgezeichnet. Der Kärntner Lesekreis "Lesefuchs" vergibt in unregelmäßigen Abständen diese Auszeichnung für gute Kinder- und Jugendliteratur.
Mehr Infos unter: http://brittasbuecher.jimdofree.com/

Christine Erdiç:
Christine Erdiç wurde 1961 in Deutschland geboren. Sie interessierte sich von frühester Kindheit an für Literatur und Malerei. Schon damals verfasste sie oft kleine Geschichten und Gedichte, die sie jedoch nie veröffentlichte.
Nach dem Abitur war sie in unterschiedlichen Bereichen tätig und reiste viel. Seit 1986 ist sie verheiratet, hat zwei Töchter und lebt seit dem Millennium in der Türkei.
Unter anderem gab sie Sprachtraining an der Universität von Izmir, machte Übersetzungen und verfasste Berichte für die Türkische Allgemeine, eine ehemalige Zeitschrift in deutscher Sprache, und gibt private Deutschstunden.
Mehr Infos unter:
Bücher- und Koboldecke https://christineerdic.jimdofree.com/
Reisetipps und Literatur https://literatur-reisetipps.blogspot.com/


Dienstag, 25. Juli 2017

Mit Nepomuck auf Weltreise von Christine Erdiç



Wie funktioniert eigentlich ein Heißluftballon, und wie leben die Eskimos heute? Was passiert, wenn ein norwegischer Kobold auf einen irischen Leprechaun trifft, und was kann man im Karina-Verlag so alles anstellen? Begleitet den lustigen Kobold Nepomuck auf seinen Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Afrika und Australien und lernt Menschen, Tiere und verschiedene Kulturen hautnah kennen. Folgt ihm auf den Spuren der Hobbits, und werft mit ihm seinen ersten Bumerang. Die tollsten Abenteuer warten auf euch, denn wo Nepomuck sein Unwesen treibt, da wird es nie langweilig!

Für Kinder ab 5 Jahre
Erhältlich bei Amazon, Karina Verlag, Bücher.de, Weltbild und Thalia




Leseprobe:


Hobbits und Pinguine
Nepomuck kennt die Hobbits aus den Filmen „Der Hobbit” und „Herr der Ringe”. Fasziniert begutachtet er die 44 Hobbithöhlen, die geschickt in ein grünes Auengelände eingepasst und durch Wege miteinander verbunden sind. Es gibt außerdem Mini-Seen, kleine Bäche, eine klappernde Wassermühle, eine steinerne Brücke und liebevoll mit Blumen und Obstbäumen bepflanzte Gärten mit Holzzäunen und Minibriefkästen. Ganz wie im Film. Alle sind begeistert. Der große Eichenbaum vor Bilbos Haus besteht allerdings nur aus Plastik.
„Der ist ja gar nicht echt!“, ruft Nepomuck etwas enttäuscht. Dafür hat man von hier oben aber einen schönen Blick über ganz Hobbingen. Das entschädigt. Ein guter Platz für ein Picknick mit Keksen und Limonade, findet der Kobold.
„Die Hobbits haben auch immer Hunger, genau wie Nepomuck“, lacht Kathy.
„Wo sind denn nun eigentlich die Hobbits?“, erkundigt sich der Koboldjunge, der nur auf ein Stichwort gewartet hat.
„Aber Nepomuck, die Hobbits sind doch nur Filmfiguren“, erklärt der Vater dem fassungslosen Kobold schmunzelnd.
„Ich habe sie doch selbst gesehen, dann muss es sie auch geben!“
Auch die Hobbithöhlen sind nur Attrappen: In ihnen befinden sich keine Räume mit Einrichtung, sondern nur halb ausgebuddelte Erdlöcher, stellen sie fest, als sie erwartungsvoll eine der farbigen runden Holztüren öffnen.
„Sicherlich sind die Hobbits nur einfach weitergezogen – so wie meine Vorfahren damals“, überlegt Nepomuck halblaut. Er bekommt plötzlich feuchte Augen. Zu sehr erinnert ihn Hobbingen an sein Kobolddorf in Norwegen. So lange bin ich nun schon unterwegs!
Ich habe viele schöne Länder gesehen, war in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien. Aber nun wird es für mich wohl Zeit, endlich heimzukehren. Der kleine Kobold hat plötzlich starkes Heimweh.
Reka legt tröstend den Arm um ihn. „Ich schenke dir meinen Delfin. Er wird dich sicher wieder nach Hause geleiten“, flüstert sie ihm ins Ohr, und Nepomuck fühlt, wie ihm die Kette um den Hals gelegt wird. Dankbar schaut er das Mädchen an und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem linken Auge. Na! Hoffentlich hat sonst keiner etwas gemerkt.
„Damit ihr nicht allzu enttäuscht seid, gehen wir jetzt in den „Green Dragon“, die Kneipe der Hobbits“, schlägt Vater aufmunternd vor. Ob er doch etwas ahnt?
Der „Grüne Drache“ ist ein rustikales Gasthaus im Hobbit-Stil. Die Überraschung ist wirklich gelungen! An den Wänden kann man Bilder, Hüte und Mäntel der Hobbits bewundern.
„Ich wusste doch, dass es sie gibt“, triumphiert der Kobold mit glänzenden Augen.

©by Christine Erdic


Autorenvita:
Christine Erdiç wurde 1961 in Deutschland geboren.
Sie interessierte sich von frühester Kindheit an für Literatur und Malerei und verfasste schon damals oft kleine Geschichten und Gedichte, die sie jedoch nie veröffentlichte.
Nach dem Abitur war sie in unterschiedlichen Bereichen tätig und reiste viel.
Seit 1986 ist sie verheiratet, hat zwei Töchter und lebt seit dem Millenium in der Türkei.
Unter anderem gab sie Sprachtraining an der Universität von Izmir, machte Übersetzungen und verfasste Berichte für die Türkische Allgemeine, eine ehemalige Zeitschrift in deutscher Sprache und gibt heute noch private Deutschstunden

Homepage: http://christineerdic.jimdo.com/


Dienstag, 14. Oktober 2014

Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde von Christine Erdic




Dieses Buch lädt den Leser mit seinen märchenhaften und lehrreichen Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Feen zu einer Reise in die bunte Welt der Fantasie ein. Mit seinen lustigen Ausmalbildern ist es für Kinder ebenso geeignet wie für all jene, die im Herzen jung geblieben sind.
Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde gibt es bei dem Onlinehändler Ihrer Wahl, im Bücherladen auf Bestellung und bei Amazon.
Weitere Infos und Bücher der Autorin hier:
http://christineerdic.jimdo.com/


Roona
 
Der Junge legte seine Finger an die Lippen: „Psssst, sie darf uns nicht hören.“ „Und du bist dir ganz sicher, dass da wirklich eine Hexe wohnt?“, flüsterte das Mädchen und sah seinen Begleiter zweifelnd an. „Na klar, wirst schon sehen Laura, brauchst aber keine Angst zu haben.“ Er griff beruhigend nach der Hand des Mädchens. „Pfff … ich habe eh keine Angst.“ Vorsichtshalber behielt Laura aber doch lieber Nicks Hand in ihrer. Die beiden kannten sich schon aus der Krabbelstube und gingen auch jetzt zusammen in die zweite Klasse der nahegelegenen Grundschule. Im Dorf waren sie als die Unzertrennlichen bekannt. Das alte Haus lag etwas abseits, dort wo das Dorf schon fast zu Ende war. Und wie konnte es anders sein, dahinter lag ein tiefer dunkler Wald. Es war den Kindern verboten, allein dort hin zu gehen, sie könnten sich verlaufen und nicht wieder zurückfinden. Aber das Haus lag ja noch davor. „Warum wohnt denn die Hexe nicht im Wald, wie bei Hänsel und Gretel?“, fragte Laura erstaunt. „Na, sie ist doch schon alt und es wäre zu weit zum Einkaufen.“ Das war einleuchtend. „Und warum klebt kein Lebkuchen an ihrem Haus?“, bohrte das Mädchen weiter und betrachtete das alte Fachwerkhaus mit der grün gestrichenen Eingangstür skeptisch. „Ruhig jetzt“, warnte der Junge. „Wir schleichen uns von der Seite an, da ist ein Loch im Zaun.“ Geduckt schlichen die Zwei weiter. Nick bog einen Busch zur Seite und verschwand durch die Lücke im Drahtzaun in den Garten der Hexe. Laura folgte ihm, blieb aber mit dem Rock im Draht hängen. Der Stoff gab ein zärtliches RIIIIIIIIIIIIITSCH von sich und ein dreieckiger roter Fetzen schmückte das Gitter. Nick drehte sich ungeduldig um und übersah eine Baumwurzel am Boden. Er schlug der Länge lang hin und gab ein leises Jammern von sich. „Das war die Hexe“, klagte er und umklammerte seinen schmerzenden Fuß. „Quatsch, das warst du, weil du nach hinten geguckt hast statt nach vorn!“, lachte Laura. „Schau, mein Rock ist zerrissen.“ „Was ziehst du auch einen Rock an heute. Aua, es tut so weh.“ Laura stützte den humpelnden Nick bis zum Haus. „Die Fensterscheiben sind nicht aus Zuckerguss“, stellte sie sachlich fest. „Das ist mir ganz egal, machen wir lieber, dass wir hier wegkommen, eh sie uns erwischt“, maulte Nick. „Wir müssen bis zur Gartentür, durch das Loch krieche ich nicht noch mal“, sagte Laura. Da ging plötzlich die grüne Eingangstür auf. Erschrocken sahen die Kinder die alte Frau an, die sich auf einen Stock stützte und langsam herauskam. Ihre grauen Haare schauten unter einem schwarzen Tuch hervor, überhaupt war alles schwarz, der lange Rock, die Strickjacke und die Katze neben ihr, die einen Buckel machte und fauchte. „Schau an, Hänsel und Gretel“, lachte die Alte mit heiserer Stimme. „Seid mir willkommen!“ „Wir sind nicht Hänsel und Gretel! Wir sind Nick und Laura! Und wenn du eine Hexe bist, dann kannst du Nicks Fuß heilen. Vielleicht ist er gebrochen.“ Laura sah der alten Frau fest in die Augen. Nein, sie hatte keine Angst. Und Nick? Der stand zitternd und bleich neben Laura und sagte keinen Ton. ‚Aber vielleicht ist es auch nur der Schmerz‘, dachte Laura. „Dann kommt rein, ich schau mir den Fuß mal an. Übrigens hat meine Katze Junge.“ Das klang freundlich und Laura fragte sicherheitshalber nochmal nach: „Du bist doch eine Hexe, oder?“ „Jedenfalls behaupten viele Leute das“, schmunzelte die Alte und zeigte beim Lächeln einen einzigen schwarzen Zahn. „Übrigens könnt ihr mich Roona nennen.“ „Hast du auch eine schwarze Krähe?“, fragte Laura neugierig und sah sich in der Wohnküche um. Hier gab es eine alte offene Feuerstelle, über der ein Kupferkessel hing, in dem etwas brodelte, einen alten dunklen Schrank, eine Truhe und eine Sitzecke mit einem großen Tisch. „Nein, habe ich nicht“, erwiderte Roona und schob Nick auf die Sitzbank. Der sagte noch immer nichts. Die Hexe befühlte den Fuß und nickte zufrieden. „Es ist nichts gebrochen, nur der Knöchel ist verstaucht. Das tut aber auch ziemlich weh. Ich werde etwas draufschmieren, damit es nicht anschwillt.“ Sie machte sich am Schrank zu schaffen und holte ein Stück Brot heraus. Das tränkte sie mit Olivenöl und legte es auf Nicks Knöchel. Dann band sie ein Tuch ganz fest darum. „So!“ Nick hatte aufgehört zu zittern und sah sich mit großen Augen im Raum um. In der Ecke stand ein Korb mit Katzenbabys, die schwarze Katze saß daneben und beobachtete die Kinder ganz genau. Roona winkte Laura heran und staunend betrachtete sie die fünf Katzenbabys. „Nein, du bleibst da sitzen, der Fuß braucht Ruhe“, warnte sie Nick mit strenger Stimme. „Das hier ist eine Glückskatze, sie hat alle Farben: weiß, rot und schwarz“, sagte Laura. „Die ist so schön, die würde ich gern mitnehmen.“ „Die Babys sind noch zu klein, sie brauchen ihre Mutter. Aber wenn deine Eltern einverstanden sind, darfst du das Kätzchen in zwei Wochen abholen.“ Laura strahlte über das ganze Gesicht, die Eltern würden es sicher erlauben. „Darf ich dich ab und zu besuchen und lernen, wie man diese Verbände macht oder auch Kräutertränke?“ „Ich würde mich freuen, ich bekomme selten Besuch“, Roona ging zur Sitzecke hinüber und legte Nick die Hände auf die Stirn. „Ich wollte gerade Tee trinken, leistet mir Gesellschaft, wenn ihr mögt. Oder hast du immer noch Angst vor mir?“ Der Junge schüttelte den Kopf. „Nein, du bist eine gute Hexe.“ „Ja, solche muss es auch geben“, lächelte Roona. Sie füllte duftenden Kräutertee in drei Tassen und verteilte Apfelkuchen auf die Teller. Das schmeckte. Nach dem Essen holte Roona eine Pfeife aus der Rocktasche, stopfte sie mit Tabak und paffte friedlich vor sich hin. „Es wird langsam Zeit für euch, sonst machen eure Eltern sich Sorgen“, sagte sie plötzlich. „Und übrigens, Nick, ich wohne wirklich nur nicht im Wald, weil es zu weit für mich zum Einkaufen wäre.“ Sie lächelte verschmitzt, als sie die überraschten Augen des Jungen sah. Die Kinder verabschiedeten sich. „Vielen Dank, Roona“, sagte Nick. „Darf ich mir später auch ein Kätzchen aussuchen?“ „Wir werden sehen, junger Mann“, antwortete Roona. ,Und ich weiß auch schon, welches du auswählen wirst’, dachte sie und sah den Kindern lächelnd nach, bis sie nur noch zwei kleine Punkte in der Ferne waren. Dann ging sie zurück in ihr Haus und schloss die grüne Tür sorgfältig hinter sich.
 
©byChristine Erdic

Dienstag, 18. Februar 2014

Nepomucks Abenteuer von Christine Erdic


Nepomuck will eigentlich nur dem Weihnachtsmann beim Kisten packen helfen, doch plötzlich findet er sich selbst als Weihnachtsgeschenk bei Familie Liliental wieder. Damit beginnt ein grosses Abenteuer für den kleinen Kobold, der sich schnell in seiner neuen Umgebung einlebt. Er verbringt ein aufregendes halbes Jahr bei seiner Gastfamilie, bis diese ihn in den Sommerferien zurück nach Norwegen bringt und so ihrerseits einen Einblick in das Leben der Kobolde gewinnt.
Erhältlich bei Amazon. 


Die Familiensaga
In der Nacht gibt es ein Gewitter, und am nächsten Tag regnet es. Wir können nicht raus, weil die Lichtung matschig ist und langweilen uns im Zelt.
„Zum Glück ist das Ding wasserdicht.“, meint Vater. Ich schaue nach draußen. Es regnet Bindfäden, und die Kobolde lassen sich nicht blicken. Wie langweilig!
„Ich habe Hunger!“, murrt Lily verdrossen. Aber außer Keksen und Limonade ist nichts mehr im Zelt. Es hilft alles nichts, Vater muss zum Auto und Konserven aus dem Kofferraum holen.
Er kommt völlig durchnässt und mit zwei prall gefüllten Tüten zurück. H- Milch und Schokopulver hat er auch mitgebracht, sehr gut. „Du bringst den ganzen Matsch mit ins Zelt!“, ruft Mutter verärgert. „Na, meine Schuhe kann ich bei dem Regen aber nicht draußen lassen!“ Vater ist nun ebenfalls sauer und stellt die nassen Schuhe mitten im Weg ab. Unser Zelt besteht aus zwei Teilen, der vordere Teil dient zum Essen und Wohnen und die Kabine hinten zum Schlafen. Im vorderen Teil steht nur ein kleiner roter Tisch mit zwei daran befestigten Bänken. Alles aus Plastik und abmontierbar. Vater öffnet Konserven mit Rindfleisch, Mettwurst und Ananas. Dazu gibt es Zwieback und kalten Kakao.
Es kruschelt am Eingang und Nepomuck steckt seinen nassen Kopf durch die Öffnung.
„Dürfen wir reinkommen?“, fragt er höflich. Kurz darauf wimmelt das Zelt nur so von Kobolden, die ihre schlammigen Fußabdrücke überall hinterlassen. Mutter verdreht die Augen. Die kleinen Gäste verschmähen unser Dosenfutter und halten sich lieber an die Kekse. „Hoffentlich regnet es nicht tagelang.“, seufzt Vater missmutig. Nepomuck schüttelt den Kopf: „Nein, Dauerregen ist hier selten. Meist regnet es nur kurz mal ab. Ihr werdet sehen, bald scheint die Sonne schon wieder!“ Das klingt beruhigend und das Frühstück schmeckt gleich doppelt so gut. Das finden die Kobolde auch und krümeln mit vereinten Kräften den ganzen Zeltboden voll. Mutter stöhnt leise. Plötzlich fragt Nepomuck mit vollem Mund: „Weiß denn keiner eine Geschichte? Es ist so langweilig!“
Da meldet sich eine ältere Kobolddame mit Knubbelnase und einem flotten Knoten im schneeweißen Haar zu Wort. „Spricht sie denn kein Deutsch?“, frage ich Nepomuck enttäuscht. „Nöö, nur Koboldisch, Norwegisch und Rumänisch. Aber keine Bange, ich übersetze euch die Geschichte. Sie erzählt nämlich die Koboldsaga der Familie Karamio. Und sie ist meine Großmutter, müsst ihr wissen!“ Dann beginnt die Oma zu erzählen, und Nepomuck übersetzt:
„Also, vor langer Zeit einmal, da wohnten unsere Vorfahren in den Karpaten im wunderschönen Land Rumänien. Sie lebten in den tiefen dunklen Wäldern, in die nie ein Sonnenstrahl dringt. Dort verbargen sie sich in einfachen Erdhöhlen und ernährten sich bescheiden von den Früchten des Waldes. Ganz in der Nähe gab es jedoch ein düsteres altes Schloss, das von den Menschen des Dorfes gemieden wurde. Uns war das ganz recht, denn so hatten auch wir unsere Ruhe. Wir wussten, dass es keine freundlichen Menschen waren, die dort am Waldrand wohnten. Wir mochten das Schloss, und des Nachts flogen unzählige Fledermäuse um seine Türme. Das Schicksal wollte es, dass der Graf, der in dem Schloss wohnte, eines Tages durch unser Gebiet ritt und vom Pferd stürzte. Er fügte sich dabei eine furchtbare Wunde zu, und gutmütig wie wir Kobolde nun einmal sind, eilten wir ihm zu Hilfe. Wir haben immer spezielle Salben und Tinkturen für derartige Fälle zur Hand, müsst ihr wissen.
Nun, wir pflegten den Grafen also gesund. Ich war damals noch ein kleines Mädchen, aber ich kann mich ganz genau an alles erinnern. Der Graf bedankte sich und lud uns von da an immer öfter in sein prächtiges Schloss ein, wo er uns Kekse und edlen Wein servieren ließ. Bis dahin hatten wir uns hauptsächlich von Waldbeeren und Tannenzapfen ernährt.
Nun, eines Abends waren wir gerade wieder einmal zu Besuch im Schloss und knabberten unsere rotbraunen Kekse, sie waren ganz besonders knusprig und hatten einen leicht salzigen Geschmack, wirklich delikat, sage ich euch, da wurde es draußen plötzlich laut. Menschen, Hunderte von Menschen mit brennenden Fackeln in den Händen stürmten das Schloss. Wir mussten fliehen, denn sie steckten das Schloss in Brand. Mit Mühe und Not konnten wir entkommen.“ Die alte Dame sieht aus, als würde sie alles noch einmal erleben. Die Spannung knistert förmlich im Zelt und wir halten unwillkürlich den Atem an.
„Der Graf nahm uns mit, quer durch Europa ging unsere Flucht auf der Suche nach einer neuen Heimat. So kamen wir eines Tages auch nach Norwegen. Die schönen tiefen Wälder erinnerten uns so sehr an unsere alte Heimat, dass wir beschlossen, hier zu bleiben. Der Graf aber zog weiter in ein Land namens England. Dort wollte er nach Verwandten suchen. So trennten sich unsere Wege und wir haben nie wieder von ihm gehört. Aber etwas von ihm ist uns für immer erhalten geblieben.“ Sie lächelt verschwörerisch in die Runde und zeigt dabei zwei spitze Eckzähne. Mir läuft ein wohliger Schauer über den Rücken. „Ja, etwas ist uns geblieben aus unserer Zeit mit dem liebenswürdigen Grafen: unsere Vorliebe für Kekse. Auch wenn wir den speziellen Geschmack noch nicht ganz hinkriegen. Wir haben schon alle Früchte, die wir kennen in den Teig gegeben, aber es ist nie ganz derselbe Geschmack!“

Leserstimmen:
"(...)  Heraus gekommen ist ein wunderschönes Buch - nicht nur für Kinder sondern durchaus auch für Erwachsene geeignet, die noch Fantasie und ein junges Herz haben! (...)"

"(...) eine wunderschöne,knuffige weihnachtsgeschichte für groß und klein (...)"

"Das Lesen dieses Buches von Christine Erdic macht Freude und wird von den lustigen Zeichnungen unterstützt. (...)"