Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 11. April 2017

Zacki Zack Ostereierei von Margareta Schenk

Ostereierei
Ein Austausch-Hase sorgt für Aufregung im Hasenland. Erst kommt er nicht rechtzeitig, dann verschwindet er wieder. Und auch beim Eier färben und verstecken - da ist er nur hinderlich. Wie wird das noch enden?
Ein Dieb im Hasenland
Max möchte seine Erfindung den anderen Hasen vorstellen. Aber - sie wird gestohlen. Zusammen mit seinen Freunden sucht Zack nach dem Dieb. Gelingt es ihnen, die kostbare Maschine zu finden und zurückzuholen?
PLUS Bastelanleitung für ein Memo-Spiel
Erhältlich bei Amazon




Der Austauschhase
 Zack zeigte seinen Freunden voller Stolz das Diplom der Hasenakademie. Er hatte es geschafft. Er war Osterhase!
„Morgen beginnen die Vorbereitungen für mein erstes Fest als Osterhase. Wir kriegen auch einen Austauschhasen aus dem Norden, einen Schneehasen. Sein Name ist Bodo. Morgen kommt er an. Max ist gestern schon abgereist.“
Leonie und Mathilde hörten aufmerksam zu und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Ein Osterhasentausch. Davon hatten sie noch nie gehört.
Am nächsten Morgen versammelten sich alle Tiere aus Wald und Feld in der Nähe des Bahnhofs. Es dämmerte und der erste Güterzug rollte langsam ein.  Ein paar Waggons wurden angehängt. Dann rumpelte der Zug wieder aus dem Bahnhof.
Doch wo war Bodo? Kein Schneehase weit und breit.


Ein Dieb im Hasenland
Zack tollte mit seinen Freunden auf der Hasenwiese. Sie spielten Verstecken und Fangen.
 Mathilde war am leichtesten zu finden. Sie konnte einfach ihren Schnabel nicht halten und gackerte auch in ihrem Versteck munter drauf los.
Bei Leonie war es schon schwieriger. Klein und wendig wie sie war, fand sie immer ein gutes Versteck. Vor lauter Neugier lugte sie aber immer wieder hervor, um zu sehen, wo Zack gerade suchte. So war es nicht verwunderlich, dass auch
sie bald gefunden wurde.
Mitten im Spiel tauchte Max auf.  Er hatte ein Talent, Dinge zu erfinden. Der kleine Hase hüpfte ganz aufgeregt herum, denn jemand hatte seine Eierwurfmaschine gestohlen.







Die Autorin:
Margareta Schenk, geb. 1952 im Saarland, lebt mit ihrer Familie in Bayern. Bereits als Kind erzählte sie ihren Geschwistern ihre erfundenen Geschichten. Später schrieb sie kleine Gedichte über alltägliche Begebenheiten.
Die ausgebildete Krankenschwester und Vorsitzende des Vereins „Future for children e.V.“ aus Schrobenhausen, hat  eigene Erlebnisse und fantasievolle Ideen in zahlreiche Geschichten und Märchen verwandelt.
Sie absolvierte ein Schreibstudium und veröffentlichte schon nach kurzer Zeit ihr erstes Märchenbuch Mias Traum. Die Fortsetzung Mias Abenteuer  ließ nicht lange auf sich warten.
Kurzgeschichten, Märchen und fantastische Erzählungen sind ihre bevorzugten Genres.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Zacki Zack Halloween von Margareta Schenk


Halloween

Ein Geist auf der Stange. Leuchtende Kürbisse. Spukgestalten, die Karotten erbetteln. Gespenster in der Scheune, die Leonie Angst machen. Die kleine Maus sucht bei ihrem Freund Zack einen neuen Schlafplatz.
Doch Leonie schnarcht. Zack kann nicht schlafen. Er beschließt, die Geister zu suchen und zu vertreiben.

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Der Geist auf der Stange
Voller Interesse hatte Zack die Kürbisernte verfolgt. Jetzt
fuhren die Traktoren mit ihren vollgeladenen Hängern
zurück zum Hof. Da machte sich Zack ebenfalls auf den
Heimweg.
Vor seiner Höhle stieß er fast mit Leonie zusammen. Die
hatte ihn im Dämmerlicht zuerst nicht gesehen. Sie wirkte
ganz aufgeregt.

„Zacki.“ Leonie schnappte nach Luft, musste eine Pause
einlegen. Dann sprudelte es nur so aus ihr heraus. „Im
Gemüsegarten ist ein Geist. Er sitzt auf einer Stange und
grinst mich immerzu an, egal von welcher Hausseite ich
komme.“
Zack horchte auf. Ein paar Tage vor Halloween ein Geist?
Noch dazu auf einer Stange? Das war sicher ein richtiges
Gespenst. Wie interessant! Das sehe ich mir auf jeden
Fall genauer an, dachte er sich.
Der Weg zum Gemüsegarten führte am Hühnerstall
vorbei. Sofort flog Mathilde herbei. „Wo geht ihr hin?“,
fragte sie neugierig. Als sie hörte, was los war, kam sie
natürlich mit.
Auch Hasso, der Hofhund, schloss sich ihnen an.
Gespensterjagen! Das mochte er nur zu gerne. Zack
wusste, dass Hasso es auch mit einem Geist auf der
Stange aufnehmen würde.
Um das Gespenst zu überraschen, teilten sie sich auf.
Hasso und Leonie schlichen sich um die eine Hausecke -
Mathilde und Zack um die andere.
„Es grinst schon wieder“, schrie Leonie erschrocken, als
sie um die Ecke stürmte.
„Kann gar nicht sein“, brüllte Zack zurück. „Es grinst in
unsere Richtung.“
In sicherer Entfernung blieben sie stehen. Der Geist saß
immer noch auf der Stange. Seine Augen funkelten und
in seinem Mund flackerte ein unruhiges Feuer...

Teil2:
Halloween
Zack hockte vor seiner Höhle und genoss den
wundervollen Herbstabend. Er war sehr zufrieden, denn
sein Wintervorrat war gut gefüllt.
Da flatterte Mathilde herbei. „Komm schnell! Leonie ist
schon wieder in Ohnmacht gefallen“, rief sie aufgeregt.
„Hat sie sich immer noch nicht an die Kürbisgesichter
gewöhnt?“ Zack lachte. Aber er folgte Mathilde sofort.
Auch wenn der Hauskater kein Interesse an Mäusen
hatte, weil er zu gut gefüttert wurde. - Man konnte ja nie
wissen.
Sie brachten Leonie in Zacks Höhle. Als sie aufwachte,
blickte sie ihren Freunden direkt ins Gesicht. „Danke
Mathilde, danke Zack“, flüsterte sie beschämt. „Diese
doofen Kürbisse. Jetzt erschrecke ich mich schon
tagsüber vor ihnen. Wenn die Bäuerin sie wenigstens
immer am gleichen Platz aufstellen würde, dann könnte
ich sie ja meiden. Aber so ...“ Sie seufzte.
Zack sah sie an und schmunzelte. „Leonie, wie willst du
das heute nur schaffen?“ Jetzt grinste er breit.
Fragend schaute Leonie ihn an.
„Dauerohnmacht? Heute ist Halloween. Da wird es richtig
gruselig. Da geistern nicht nur die Kinder, sondern auch
die Seelen der Verstorbenen um die Häuser.“
„Sei still, sonst trau ich mich nicht mehr raus.“ Leonie hielt
sich mit den Pfoten die Ohren zu.
„Vielleicht solltest du auch spuken?“
Zack und Leonie sahen Mathilde erstaunt an. „Machst du
dich lustig über mich?“, fragte Leonie beleidigt.




Über die Autorin:

Margareta Schenk, geb. 1952 im Saarland, lebt mit ihrer Familie in Bayern. Bereits als Kind erzählte sie ihren Geschwistern ihre erfundenen Geschichten. Später schrieb sie kleine Gedichte über alltägliche Begebenheiten.
Die ausgebildete Krankenschwester und Vorsitzende des Vereins „Future for children e.V.“ aus Schrobenhausen, hat eigene Erlebnisse und fantasievolle Ideen in zahlreiche Geschichten und Märchen verwandelt.
Sie absolvierte ein Schreibstudium und veröffentlichte schon nach kurzer Zeit ihr erstes Märchenbuch Mias Traum. Die Fortsetzung Mias Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten.
Kurzgeschichten, Märchen und fantastische Erzählungen sind ihre bevorzugten Genres.

Dienstag, 11. Oktober 2016

Zacki Zack - Feuer und Eis von Margareta Schenk

Ein gemeiner Scherz, das Spiel mit dem Feuer und Freunde, die in der Not zusammenhalten.
Zack lernt, wie wichtig es ist, Freunde zu haben, auf die man sich verlassen kann.
Doch auf Zack ist auch Verlass. Er lässt niemanden, der in Not geraten ist, im Stich.
Dabei vergisst er nur manchmal, auf sich zu achten und bringt sich damit in Gefahr.
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe 1:
Kein Rauch ohne Feuer
Zack studierte schon seit geraumer Zeit in der Akademie, da geschah etwas Unglaubliches.
Man warf ihm vor, absichtlich einen falschen Alarm ausgelöst zu haben, und deshalb für Panik und Verletzte verantwortlich zu sein.
Vor Aufregung zitternd stand Zack vor Meister Lampe, der ihn aufgebracht anschnauzte. „Du hast mich schwer enttäuscht.“ Mit zusammengekniffenen Augen musterte er Zack. „Du wirst die Akademie verlassen.“
„Aber wieso?“, stammelte Zack. „Ich habe doch nichts getan“, verteidigte er sich.
Die Augen des Oberhasen verengten sich zu Schlitzen.
„Das nennst du nichts?“ Sein Ton war leise, fast drohend. „Du schreist lauthals „FEUER“ und wunderst dich, wenn Panik ausbricht im Turnsaal?“ Seine Stimme wurde lauter. „Du kannst von Glück sagen, dass es nur ein paar leichte Verletzungen gegeben hat bei dem Durcheinander.“
Dann entspannte Meister Lampe sich etwas. Auf einmal sah er müde und alt aus. „Was hast du dir


nur dabei gedacht? Das hätte schlimm enden können.“ Damit drehte er sich um und ließ Zack stehen. Er gab ihm keine Gelegenheit, sich zu verteidigen.
Niedergeschlagen verließ Zack die Akademie. Die anderen waren im Unterricht, nur er durfte nicht mehr dabei sein. Mit Schimpf und Schande jagte man ihn davon.
Immer wieder ging er durch, was am Vortag passiert war. Er hätte fast die Dekoration fallen lassen, die er gerade in einer Saalecke anbringen wollte, als plötzlich jemand in seiner Nähe
„FEUER“ geschrien hatte. Gesehen hatte er nicht, wer es war, da sofort alle wild durcheinander gerannt waren. Sie hätten ihn dabei um ein Haar von der Leiter gestoßen.
Zack wartete im Feld bis es dunkel wurde. Dann schlich er sich nach Hause. Er wollte nicht gesehen werden und auch mit niemandem reden.
Seine Freunde warteten bereits und versuchten, ihn zu trösten.
„Wir haben es schon gehört“. Die Maus Leonie sah Zack mitleidig an.

Leseprobe 2:
Else in der Eisfalle
„Aufwachen!“ Leonie stürmte in Zacks Höhle und packte den schlafenden Hasen bei den Löffeln.
„Aua!“ Zack setzte sich auf und blickte verwundert zu Leonie.
Die kleine Maus hüpfte durch seine Höhle, fuchtelte mit den Armen in der Luft herum und rief dabei immer wieder: „Else ist im Teich festgefroren. Du musst ihr helfen.“
„Blödsinn, Enten frieren nicht am Eis fest.“ Damit wollte Zack sich wieder hinlegen.

 „Else schon.“ Leonie gab keine Ruhe. „Du musst mitkommen und helfen. Wir schaffen es nicht allein.“
Endlich bequemte sich Zack, ihr zu folgen. Er glaubte Leonie aber immer noch nicht. Draußen war es kalt. Ein eisiger Wind pfiff ihnen ins Gesicht, als sie die Höhle verließen. Trotz des warmen Winterfells fror Zack. Missmutig tappte er Leonie hinterher.
„Else ist ganz früh aufs Eis gegangen und an einer dünnen Stelle eingebrochen“, erzählte die Maus. „Mit ihrem kaputten Flügel konnte sie nicht hochfliegen, schaffte es deshalb nicht mehr auf die Eisfläche. Ihr Geschnatter hat zunächst auch keiner gehört. Jetzt ist der Teich noch weiter zugefroren und sie sitzt fest.“
Klaus, Max und Mathilde standen bereits am Ufer und überlegten, was zu tun sei. Klaus hatte sich schon auf das Eis gewagt, doch als es unter seinen Füßen zu knirschen begann, war er schnell wieder umgekehrt.
Da hatte Zack eine Idee. Er bat Mathilde, Stroh aus dem Hühnerstall zu holen. Das sollten die Hühner dann auf dem Eis verteilen und damit eine Straße zu Else bauen. Er selbst suchte in der Zwischenzeit am Waldrand nach einem langen Ast mit einer Astgabel.
Als er damit zurückkam, war das Stroh schon ausgebreitet.
Ein paar Hühner umkreisten Else und hackten einen Ring aus Löchern ins Eis.

Über die Autorin:

Margareta Schenk, geb. 1952 im Saarland, lebt mit ihrer Familie in Bayern. Bereits als Kind erzählte sie ihren Geschwistern ihre erfundenen Geschichten. Später schrieb sie kleine Gedichte über alltägliche Begebenheiten.

Die ausgebildete Krankenschwester und Vorsitzende des Vereins „Future for children e.V.“ aus Schrobenhausen, hat eigene Erlebnisse und fantasievolle Ideen in zahlreiche Geschichten und Märchen verwandelt.

Sie absolvierte ein Schreibstudium und veröffentlichte schon nach kurzer Zeit ihr erstes Märchenbuch Mias Traum. Die Fortsetzung Mias Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten.

Kurzgeschichten, Märchen und fantastische Erzählungen sind ihre bevorzugten Genres.
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Dienstag, 23. August 2016

Zacki Zack - Das Casting von Margareta Schenk



 Die Castingwelle rollt. Jetzt hat sie das Hasenland erreicht.
Zack will Osterhase werden, doch er hat nicht genug Karotten-Schulgeld für die Hasen-Akademie. Da kommt das allererste Hasen-Casting gerade richtig.
Zacks Freunde, die Maus Leonie und das Huhn Mathilde unterstützen ihn.
Wird er es schaffen?
Erhältlich bei Amazon und bei Thalia.
Das Casting
Es war einmal ein kleiner Feldhase, der hatte die Hasenschule mit Auszeichnung bestanden. Ganz aufgeregt erzählte er, dass er Osterhase werden wollte.
Die Henne Mathilde schüttelte skeptisch den Kopf und gackerte wild drauflos: „Osterhase willst du werden? Ja weißt du denn nicht, wie schwer die Ausbildung ist. Die nehmen nicht jeden und umsonst ist die Osterhasenakademie ja auch nicht. Da studieren nur die Hasen, deren Eltern einen großen Wintervorrat an Möhren angelegt haben.

Das schaffst du nie.“
Das machte die Maus Leonie wütend. „Also Mathilde, bist du nun unsere Freundin oder nicht? Wir sollten lieber überlegen, wie wir Zack helfen können.“
Mathilde gackerte unbeeindruckt weiter. „Mein Freund Zack, der Osterhase. Das hört sich schon gut an.“ Sie hob den Kopf und stolzierte durch den Hof, als wäre sie der Hahn. „Aber wie soll er das schaffen?“ Mitten im Hof blieb sie stehen.
Zack und Leonie, die hinter ihr hergelaufen waren, stießen mit ihr zusammen. Alle drei purzelten wild durcheinander.
„Was macht ihr denn für einen Unsinn?“ Karl, der Kartoffelkäfer brachte sich gerade noch neben einem Kieselstein in Sicherheit, sonst wäre er von den herumkullernden Freunden überrollt worden. „Habt ihr es schon gehört?“, schrie Karl, da Mathilde immer noch lauthals krakeelte.
„Was denn?“ Zack hatte sich als Erster beruhigt.
„Dieses Jahr gibt es ein Osterhasen-Casting. Die besten drei bekommen ein Stipendium für die

Hasenakademie. In einer Stunde geht es los.“
Da wurde es plötzlich ganz still.
„Keine Aufnahmeprüfung? Kein Karotten-  Schulgeld?“ Zack war sprachlos. Das war seine Chance. Sofort machte er sich auf den Weg zur großen Schulwiese, wo das Casting stattfand. Je näher er der Wiese kam, umso langsamer wurde er.
„Was ist los, hast du etwa Angst?“ Leonie stupste Zack an und kitzelte ihn.
„Hör auf damit.“ Nervös wehrte Zack Leonie ab und schubste sie zur Seite.
„Du hast Angst!“, beharrte Leonie. Dabei stellte sie sich vor Zack auf ihre Hinterpfoten, damit sie größer wirkte. „Du wirst der weltbeste Osterhase, ganz sicher. Du steckst alle in die Tasche. Die werden sich noch wundern.“
Zack musste lachen, weil Leonie sich so in Rage redete. „Schon gut, ich probiere es. Wäre ja dumm, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde.“
Nachdem sich Zack mit den anderen Hasen zum Casting angemeldet hatte, mussten sich alle in einer Reihe aufstellen.
Meister Lampe, der Oberhase, kontrollierte, ob die Kandidaten auch ihr Fell ordentlich gepflegt hatten. Zerzauste Osterhasen waren nicht gern gesehen. Sie hatten immerhin einen guten Ruf, den sie nicht verlieren wollten. Das war auch der Grund weshalb er sich dieses Jahr für ein Casting entschieden hatte. Die Akademie war nämlich voll von Möchtegern-Osterhasen, die es sich jahrelang auf der Schulbank bequem machten. Sie fielen ihren Eltern zur Last, die für die Ausbildung schufften mussten. Es gab immer weniger ausgebildete Osterhasen.

Die Arbeit häufte sich und war kaum mehr zu schaffen. Jetzt sollten die neuen Anwärter erst einmal beweisen, dass sie das Studium verdienst hatten.
Die Jury bestand aus Meister Lampe und zwei betagten Osterhasen.
Bald war die Wiese voll mit Casting-Teilnehmern und ihren Freunden. Zwei Klopfer trommelten mit ihren Pfoten, sofort kehrte Ruhe ein.
Meister Lampe erklärte die erste Aufgabe. „Ihr müsst Ostereier verstecken. Jeder bekommt die gleiche Menge Eier. Wichtig ist, dass die Verstecke nicht sofort gefunden werden. Es darf aber auch nicht zu schwierig sein, sie aufzustöbern. Die fünf von euch, die dafür zu lange gebraucht haben, scheiden sofort aus. Danach wählen wir fünf weitere Hasen aus, die zu schwere Verstecke ausgesucht haben oder zu schlampig waren. Für die ist der Wettbewerb dann auch vorbei.“
Jeder Hase bekam fünf Eier und ein Stück Wiese am Waldrand zugeteilt.
„Das ist ja kinderleicht.“ Klaus Schlappohr rümpfte seine Nase. Mitleidig sah er auf Zack hinunter, der einen ganzen Kopf kleiner war als er. „Das wirst du vielleicht noch hinkriegen“, meinte er gönnerhaft, „aber dann kannst du dich schleichen. Der Rest ist zu schwer für dich.“
Zack hörte gar nicht zu. Er hatte genug damit zu tun, sich Verstecke zu überlegen.
Auf ein Zeichen des Oberhasen ging es los. Die Teilnehmer hoppelten kreuz und quer über die Wiese und versteckten die Ostereier. Nur Klaus gab sich keine Mühe. Er schlurfte zum Waldrand und warf die Eier achtlos ins Gebüsch. Danach schlenderte er zum Sammelplatz zurück.
Nachdem sämtliche Verstecke begutachtet und beurteilt worden waren, warteten alle gespannt auf das Ergebnis. Zuerst wurden die Hasen aufgerufen, die sofort ausscheiden sollten.
Klaus war vollkommen überrascht darüber, dass auch er gehen musste. „Meine Eltern haben ganz viele Karotten gesammelt“, tobte er. „Die werden mir schon einen Platz zahlen. Wenn ihr mich nicht aufnehmt, solltet ihr alle in Zukunft vorsichtig sein.“ Damit verschwand er im Unterholz, gefolgt von den vier schon ausgeschiedenen Hasen.
Meister Lampe beruhigte die übrigen Teilnehmer und machte sofort mit der nächsten Aufgabe weiter. „Um den zweiten Wettbewerb zu bestehen, müsst ihr vom Hühnerhof zwei schöne Eier bringen, ohne dass der Bauer etwas merkt.“
Er sah sich um. Bei insgesamt zehn Hasen, würde es gar nicht so leicht sein, unbemerkt an zwanzig Eier zu kommen. „Ihr habt dieses Mal eine Stunde Zeit. Wer es in der angegebenen Zeit nicht schafft oder nur ein Ei mitbringt, der scheidet aus.“
Die Hasen bildeten Dreiergruppen. So war die Aufgabe leichter zu bewältigen. Zack wurde von keiner Gruppe angenommen, blieb also übrig.

„Du kannst ruhig hierbleiben. Du passt nicht zu uns und fliegst ja doch raus. Oder der Hofhund zerreißt dich in Stücke“, erklärten sie hochnäsig. Dann machten sie sich auf den Weg zum Hühnerhof.
Zack blieb zurück. Aber er dachte gar nicht daran, aufzugeben. Er würde es schaffen und Osterhase werden! In Begleitung von Mathilde und Leonie machte sich Zack ebenfalls auf den Weg. Sie näherten sich dem Hof von der Rückseite. Hier lag Hasso vor seiner Hundehütte und schlief.
Als Mathilde an ihm vorbeimarschierte hob er nur gelangweilt ein Augenlid. Ein Huhn im Hühnerhof. Daran war nichts Besonderes.
Mathilde beeilte sich, in den Stall zu kommen, packte ein Ei und lief zu ihren Freunden zurück. „Das zweite Ei bekommst du auch gleich“, beruhigte sie Zack. Sie schob die Freunde ein Stück von sich weg, begann zu gackern und - legte ein Ei.
Von dem Lärm wachte Hasso auf, sprang aufgeregt hoch und sah die anderen Hasen, die sich in den Hof schlichen. Mit wütendem Gebell jagte er sie davon. Danach legte er sich zufrieden in seine Hütte.

Zack und seine Freunde erreichten inzwischen wohlbehalten den Sammelplatz.
Nur acht Hasen hatten es geschafft und Eier mitgebracht. Einer von ihnen hatte nur eins dabei und so schieden drei weitere Teilnehmer aus.
„Jetzt kommt die schwerste Aufgabe.“ Meister Lampe musterte die restlichen Kandidaten. Da sahen ein paar ganz schön zerzaust aus.
Er räusperte sich. „Ihr sollt eure mitgebrachten Eier färben, aber nur mit Naturfarben. Lasst euch was einfallen. Holt euch Tipps bei euren Freunden aber vergesst nicht: In zwei Stunden bringt ihr mir das Ergebnis.“


Über die Autorin:
Margareta Schenk, geb. 1952, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sie lebt in Bayern. Die Vorsitzende des Vereins  „Future for children e.V.“, der Kindern und armen Familien in Sri Lanka hilft, ist eine begeisterte Krimi- und Märchenleserin. Mit der Zeit entstand daher der Wunsch, selbst ein Buch zu verfassen. So begann sie 2012 mit einem Schreibstudium. Bereits während des Studiums vollendete sie ihr erstes Märchenbuch „Mias Traum“. Es folgten „Mias Abenteuer“  und die Kurzgeschichtensammlung „Der Riss“. Zwei Märchen und eine Kurzgeschichte wurden bisher in Anthologien veröffentlicht.

Freitag, 11. September 2015

Mias Traum von Margareta Schenk


Die siebenjährige Mia träumt sich mit ihrem Teddy Tapsi ins Märchenland. Damit Tapsi dort bleiben kann, muss Mia eine Aufgabe erfüllen. Sie freut sich darauf und hat auch ein wenig Angst. Doch dann erfährt sie: das Märchenland ist in Gefahr. Mia will bleiben und helfen. Aber sie hat sich zu viel vorgenommen und droht zu scheitern. Wird sie Hilfe erhalten? Oder wird sie endgültig scheitern?
Erhältlich als E-Book bei Amazon, Weltbild, Ciando und Thalia und als Taschenbuch.


Tapsi will ins Märchenland 

Mia sitzt auf dem Fensterbrett und schaut auf die belebte Straße. Autos fahren hin und her, Menschen hasten vorbei und laufen zur Bushaltestelle. Kinder mit Schultaschen bevölkern das Wartehäuschen. Über allem liegt der Lärm der Großstadt: Hupen, das Geräusch quietschender Bremsen, Rufen und Lachen.
Hinter den Fensterscheiben im zweiten Stock hört man alles nur gedämpft.
Neben Mia sitzt Tapsi, ihr geliebter Teddy. Mit ihm redet sie über alles, was sie bedrückt oder freut. Er begleitet sie überall hin und am Abend erzählt Mia ihm die Märchen von Oma Elli.
Jemand zwickt Mia ins Bein. Erschrocken sieht sie sich um, doch außer ihrem kleinen Bären ist niemand in der Nähe.
„Warst du das?“, fragt sie ungläubig.
„Ja, du träumst. Ich will nach draußen! Spielen!“
Mia nimmt ihren Bären auf den Arm, hüpft die Treppe hinunter und läuft in den Garten. Zwischen bunten Blumenbeeten und Rasen hängt eine Schaukel an einem alten Kastanienbaum. Fröhlich fängt sie an zu schaukeln, höher und immer höher.
„Halt!“, ruft ihr Teddy. „Nicht so hoch. Ich habe Angst.”
Mit beiden Pfoten hält er sich die Augen zu.
„Du Angsthase!“ Mia lacht, aber sie lässt die Schaukel langsam auspendeln.
„Ich bin ein Bär und kein Vogel“, erklärt Tapsi trotzig.
Flink springt Mia von der Schaukel und läuft zur Gartenbank, die in einer Ecke des Hinterhofs unter einer efeubewachsenen Pergola steht.
„Bald komme ich in die Schule“, erzählt sie ihrem Teddy. „Dann lerne ich lesen und schreiben und kann dir alle Märchen selbst vorlesen.“
Erstaunt bemerkt sie, dass ihr kleiner Begleiter traurig den Kopf hängen lässt.
„Freust du dich nicht darüber?“, fragt sie verwundert.
„Du wirst mich vergessen“, stellt Tapsi traurig fest.
„Werde ich nicht!“, widerspricht Mia, noch bevor ihr Freund fortfahren kann.
„Doch! Du wirst in der Schule neue Freunde finden und immer weniger Zeit haben. Ich lande irgendwo in der Ecke, auf einem Stuhl oder Regal. Wenn ich Glück habe, werde ich verschenkt. Oder…“
„Oder?“, fragt Mia neugierig.
“Oder ich lande im Müll. Und da will ich bestimmt nicht hin“, fährt der kleine Bär mit seinen Überlegungen fort.
Mia nimmt ihn fest in den Arm und versucht ihn zu trösten. „Das wird nicht passieren. Ich verspreche dir, dass ich immer Zeit für dich haben werde.“
„Versprich es lieber nicht. Du wirst älter, dann glaubst du nicht mehr an Märchen und kannst mich auch nicht mehr verstehen. Erwachsene reden nicht mit Puppen und Teddys.”  Tapsi seufzt. “Und dann muss ich hierbleiben“, setzt er nach einer kurzen Pause hinzu.
„Was heißt das? Du musst hierbleiben? Wo willst du denn hingehen?“, fragt Mia erstaunt.
„Ins Bären- und Märchenland“, erklärt der Teddy mit einem sehnsüchtigen Blick.
„Und wieso kannst du dort nicht hin?“, will Mia wissen. Jetzt ist sie neugierig geworden.
„Ein Kind muss mich begleiten und mir helfen. Sonst kann ich nicht im Märchenland bleiben.“
„Ich begleite dich.“ Vor lauter Aufregung bekommt Mia rote Bäckchen.
„So einfach ist das nicht!“ Der kleine Bär überlegt. „Du must eine Aufgabe erfüllen. Schaffst du es nicht, musst du dort bleiben, aber ich werde zurückgeschickt. Das ist viel zu gefährlich!“
„Ich will aber.“ Mia stampft mit dem Fuß auf den Boden. „Ich will! Ich will! Ich will!“
„Was willst du?“, fragt Mias Mutter, die gerade vom Einkaufen zurückkommt.
„In die Schule gehen“, sagt Mia schnell.
Ihre Mutter lacht. „Da must du dich noch ein bisschen gedulden. Ich bin ja mal gespannt, ob du nach der ersten Schulwoche noch genauso begeistert bist. In einer halben Stunde gibt es Essen!“, ruft sie Mia noch zu, bevor sie den Garten verläßt und ins Haus geht.
„Du sollst doch nicht schwindeln.“
Tapsi sieht Mia vorwurfsvoll an.
„Das war nicht geschwindelt. Ich will ja in die Schule gehen“, erklärt Mia. „Allerdings habe ich das jetzt nicht gemeint“, fährt sie kleinlaut fort. „Aber meine Oma sagt immer, wenn man etwas ganz doll will, dann kann man das auch!“
Mia nimmt ihren Teddy auf den Arm, tanzt mit ihm durch den Hof und singt dabei:
“Juppheidi und Juppheida, Märchenland wir sind gleich da!“
Tapsi freut sich. Aber er ist auch ängstlich, weil er keine Ahnung hat, was Mia im Märchenland tun soll.
„Wie kommen wir jetzt dorthin?“, unterbricht das Mädchen ungeduldig seine Gedanken.
„Im Traum!“, erfährt sie sofort. „Wir müssen beide dasselbe träumen, dann schaffen wir es.“
„Woher soll ich denn wissen, was du gerade träumst?“
Mia ist enttäuscht. Das hat sie sich einfacher vorgestellt.
Nach dem Abendessen wird Mia gebadet. Mama Steffi rubbelt noch ihren kurzen Blondschopf trocken. Dann bringt sie ihre Tochter ins Bett, deckt sie zu und gibt ihr einen Gutenachtkuss. Meistens schläft Mia danach sehr schnell ein.
Doch heute ist alles anders. Sie liegt noch lange wach und überlegt.
Schließlich drückt sie ihren Teddy fest an sich und flüstert ihm ins Ohr: „Wir könnten von einem Picknick auf einer Wiese am Waldrand träumen. Was meinst du?“
„Probieren können wir es ja“, murmelt Tapsi schlaftrunken, während er sich in die Arme des kleinen Mädchens schmiegt.

* * *
Auf einer Picknickdecke, umgeben von hohem Gras, erwacht Mia. Träumt sie? Hat sie verschlafen?
Die Sonne leuchtet am wolkenlosen Himmel und wärmt Mia mit ihren Strahlen. Ein Korb mit Würstchen, Kartoffelsalat und Apfelsaft steht für das Picknick bereit. Suchend schaut sich Mia um. Sie kann Tapsi nirgends entdecken, auch nicht, als sie aufsteht und über das hohe Gras hinweg den Hügel hinabschaut.
An ihrer linken Seite, ein Stück hinter ihr, erstreckt sich ein dunkler Wald mit riesigen Bäumen. Wenige Meter neben ihr geht es steil bergab in eine Schlucht, aus der das Rauschen von Wasser zu hören ist.
Am Waldrand ruht eine riesige Bärin. Als diese Mia entdeckt, erhebt sie sich und trottet gemächlich auf das Mädchen zu. Mia fürchtet sich und will schnell wegrennen, doch ihre Beine versagen ihr den Dienst. Und wohin soll sie auch flüchten?
„Hab keine Angst“, ruft ihr die Bärin mit freundlicher Stimme zu.
Zitternd bleibt Mia stehen, bis die Bärin vor ihr, nein, über ihr auftaucht.
Ein leises, beruhigendes Brummen erklingt, als sie den Kopf senkt und Mia in die Augen schaut.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Wirklich nicht.“ Die Bärin versucht Mia zu beruhigen. „Mädchen, die kleine Bären ins Märchenland begleiten, darf niemand etwas tun: kein Bär, kein Wolf, kein Zauberer, keine Hexe, niemand!“
„Ich bin im Märchenland?“ Mia klappert noch immer mit den Zähnen. „Aber wo ist mein Teddy? Ich kann ihn nirgends sehen?“
„Aber er muss da sein, sonst wärst du auch nicht hier!“ Jetzt sieht sich auch die Bärin um. „Komm raus Kleiner, hier tut dir niemand was.“
Langsam bewegen sich die Grashalme. Dann teilen sie sich und Tapsi krabbelt auf die Decke. Vorsichtig blickt er zu der Bärin hoch.
„Bist du jetzt meine Mama?“, fragt er schüchtern.
Die Bärin nimmt ihn behutsam hoch und betrachtet ihn genau. Dann schmunzelt sie, dreht sich auf den Rücken und legt den Teddy auf ihren Bauch.
„Was muss ich jetzt tun?“, fragt Mia in die Stille.
„Ohhh! Das hätte ich vor lauter Freude beinahe vergessen!“
Die Bärin setzt sich wieder und Tapsi nimmt zwischen ihren großen Tatzen Platz.
„Kind, du sollst für deinen kleinen Freund zwei Geschichten erfinden, die er später seinen Kindern erzählen kann. Märchenbären haben immer zwei Kinder, deshalb auch zwei Märchen. Es müssen aber neue Geschichten sein, selbst ausgedachte!“
Mia strahlt: „Das kann ich. Ich hab‘auch schon eine Idee!“
- - -
Es ist 7 Uhr morgens, als Mias Mutter ins Zimmer kommt, um ihre Tochter zu wecken. Mia umklammert im Schlaf ihren Teddy. Unruhig dreht sie sich hin und her.
Fürsorglich beugt sich Mama Steffi über sie.
„Mia, aufwachen!“
Das Mädchen reagiert nicht. Vorsichtig legt Mama Steffi ihre Hand auf Mias Stirn. Die ist ganz heiß. Besorgt ruft sie den Hausarzt an und verständigt auch Mias Vater, der schon zur Arbeit gefahren ist.
Nach einer gründlichen Untersuchung schüttelt der Arzt den Kopf. Er stellt Mias Mutter noch einige Fragen, die sie jedoch alle verneint.
„Ich schreibe ihnen ein Medikament gegen das Fieber auf, und geben Sie ihr viel zu trinken“, erklärt er der verstörten Mutter. „Sollte es nicht besser werden, rufen Sie mich wieder an.“
An der Wohnungstür dreht er sich noch einmal um. „Sie können mich jederzeit anrufen, auch nachts!“
* * *
Mia will anfangen zu erzählen, aber die Bärin unterbricht sie.
„Du musst einen Augenblick warten … und nicht erschrecken!“, fügt sie augenzwinkernd hinzu.
Dann reißt sie ihr riesiges Maul auf und ein markerschütterndes Gebrüll dröhnt durch das Tal. Mia und Tapsi suchen erschrocken unter der Decke Schutz.
„Kommt wieder raus!“ Die Bärin hebt schmunzelnd die Decke hoch. „Gleich sind alle da.“
Erstaunt betrachtet sich Mia die vielen Gestalten, die auf sie zukommen. Einige davon kennt sie: Rotkäppchen, Hans im Glück, Rapunzel und Schneewittchen. Dann sind da noch Gnome, Trolle, Monster, Elfen, Hexen, Zauberer und was sonst noch im Märchenland lebt. Sie laufen, hoppeln, springen und fliegen zur Wiese, die immer voller wird. Es gibt ein Drängeln und Schubsen, sodass Mia Angst kriegt. Jeder will ganz vorne sitzen.
Die Bärin erkennt die Gefahr, da einige der Schlucht beängstigend nahe kommen und brüllt so laut sie kann. Sofort kehrt Ruhe ein und jeder nimmt Platz, wo er gerade steht. Anschließend bittet sie Mia auf ihren Rücken zu steigen, damit jeder das Mädchen sehen und hören kann.
Mia folgt ihrer Bitte, macht es sich bequem und beginnt, mit beschwörender Stimme zu erzählen:

Das Mädchen und der Zauberer


Als Sahiri aufwachte, war es dunkel, so dunkel, dass sie nicht einmal ihre Nasenspitze erkennen konnte. Es roch muffig und der Boden war kalt und hart.
 „Bist du wach?“, fragte eine zittrige Stimme in ihrer Nähe. Es war die Stimme eines Mannes.
„Ja“, erwiderte sie leise und voller Furcht. „Wo bin ich?“
 „Du bist im Gefängnis. Was hast du getan?“
 „Ich weiß es nicht. Meine Eltern sind beide tot. Ich bin drei Tage und Nächte gegangen, um in die Stadt zu kommen und Arbeit zu suchen. Vor dem Stadttor bin ich unter einem Baum eingeschlafen“, erzählte sie.
„Darum also! Herumlungern ist bei Strafe verboten“, entgegnete ihr der Unbekannte.
Als ein paar Mondstrahlen durch ein winziges Fenster in der Decke fielen, konnte sie den alten Mann in der anderen Zelle sehen, gerade so lange, bis eine Wolke den Mond wieder verdeckte.
„Schlaf ein wenig“, flüsterte der Greis. „Morgen wirst du vor den König gebracht. Vielleicht hast du Glück und er lässt dich gehen.“
Sahiri hörte es nicht mehr. Sie war bereits vor Erschöpfung eingeschlafen.
„Steh auf!“, schnauzte sie plötzlich jemand an. „Steh endlich auf! Der König wird dir den Kopf abreißen, wenn du nicht sofort mitkommst.“
Gehorsam stand Sahiri auf und folgte eingeschüchtert dem Wärter, der sie grob vor sich hertrieb.
„Schneller!“, befahl er und gab ihr einen kräftigen Stoß.
Sie stolperte und fiel hin, direkt vor die Füße des Königs.
Dieser sah sie lange an und sprach: „Du kannst gehen! Heute ist ein Trauertag für mich. Mein Sohn, Prinz Mahmud, wurde entführt und niemand weiß, wo er ist. Ein böser Zauberer hat ihn gefangen. In zehn Tagen  ist Vollmond, da muss ich den Zauberer zum König krönen, sonst stirbt der Prinz.“
„Ich werde ihn suchen“, schlug Sahiri vor, ohne lange zu überlegen. Der König tat ihr leid.
„Das würdest du tun?“ Ungläubig blickte der König sie an. „Wie willst du es schaffen, wenn selbst meine Soldaten nichts ausrichten konnten?“
„Das weiß ich selber noch nicht“, antwortete sie ehrlich. Dann kam ihr eine Idee.
„Darf ich den weisen, alten Mann mitnehmen?“, fragte sie. „Einen Greis und ein Mädchen wird der Zauberer wohl nicht als Gefahr ansehen. Vielleicht schaffen wir es zusammen?“
„Bring die beiden in die Küche“, befahl der König dem Wärter. „Sie sollen sich stärken und genügend Proviant mitnehmen.“
Dann sah er Sahiri nachdenklich an.
„Dir und deinem Begleiter wünsche ich viel Glück. Ihr seid meine einzige Hoffnung.“
Damit ließ er sie stehen.
Nachdem sie sich in der Küche gestärkt hatten, machten sich Sahiri und Aldo, so hieß der alte Mann, auf den Weg.
Eine klapprige Eselskarre war das einzige Transportmittel, das sie finden konnten. Bis zu den Bergen, wo der böse Zauberer wohnte, war es nicht weit. Doch je näher sie den Bergen kamen, umso weiter schienen sich diese zu entfernen
„Es ist, als ob wir rückwärts gingen. Obwohl wir die Berge vor uns sehen, werden sie mit jedem Schritt kleiner.“
Sahiri klang verzweifelt.
„Nur nicht so schnell aufgeben. Du bist nicht nur hübsch, sondern auch mutig und klug. Du wirst es schaffen“, meldete sich Aldo zu Wort.
Sahiri überlegte lange, während sie weitergingen. Ab und zu warf sie einen Blick auf die Berge.
„Vielleicht sollten wir uns umdrehen und wirklich rückwärtsgehen“, dachte sie laut und sprang dabei aus dem Wagen.
Aldo folgte ihr und sie führten den Esel, während sie selbst rückwärtsgingen. Sie waren einige Stunden gelaufen, als der Esel abrupt stehen blieb.
Mitten auf der staubigen Straße lag ein Löwe mit einer großen, stark blutenden Wunde. Er war schon sehr schwach und Sahiri hatte Mitleid mit ihm. Sie lief zu dem verletzten Tier, verband seine Wunde und gab ihm Wasser. Der Löwe erholte sich und folgte humpelnd dem Gespann. Ab und zu trank er das Wasser aus den Kokosnussschalen, die Sahiri ihm hinstellte. Am vierten Tag verschwand der Löwe.
Sahiri und Aldo liefen immer noch rückwärts, als der Esel zum zweiten Mal anhielt.
„Was ist denn jetzt schon wieder“,  rief das Mädchen ungeduldig und drehte sich um. Erstaunt und ungläubig starrte sie auf die Felswand, die sich steil und unbezwingbar vor ihr erhob.
„Wir sollten eine Pause machen, es wird schon bald dunkel”, schlug Aldo vor.
Sahiri hatte Tränen in den Augen: „Wie sollen wir da bloß hinaufkommen?“, fragte sie verzweifelt.
„Es gibt einen Weg, aber man muss zum richtigen Zeitpunkt hier sein, sonst sieht man ihn nicht“, hörte sie Aldos ruhige Stimme.
„Woher weißt du das?“ Sahiri war neugierig geworden.
„Ich war schon einmal hier, aber das ist sehr, sehr lange her.” Er klang traurig. „Wenn du den Weg findest darfst du niemals vergessen, was du vorhast, egal wie zauberhaft es auf der anderen Seite ist. Vergiss nicht, was du dem König versprochen hast, sonst wird der Zauberer gewinnen!“, fügte er beschwörend hinzu.
Die Nacht war kalt und Sahiri hatte schreckliche Träume, von Felsspalten, die sie einquetschten; von Schluchten, in die sie hinabstürzte; von einem Löwen, der sie fressen wollte und von einem giftgrünen Monster, das beim richtigen Wort mit einem Knall zerplatzte.
Schweißgebadet wachte sie auf und sah einen kleinen, zierlichen Affen, der eine Banane stahl und in den Büschen verschwand. Vorsichtig folgte sie ihm und konnte gerade noch sehen, wie er in eine Felsspalte schlüpfte.
Plötzlich drang ein durchdringendes Kreischen laut und unheimlich aus der dunklen Spalte. Sahiri zögerte, doch dann folgte sie dem Äffchen, um ihm in seiner Not zu helfen.
Langsam tastete sie sich an der glatten Felswand entlang. Der Spalt war groß genug, um aufrecht gehen zu können. Die Wände waren kalt und rauh. Sahiri hatte Angst. Nach ein paar Windungen konnte sie einen schmalen Lichtstreifen erkennen und hörte ein Rauschen und Brausen, das mit jedem Schritt lauter wurde.
Sie trat aus dem dunklen Gang und stand unter einem Felsvorsprung, über den die Wassermassen mit Getöse in die Tiefe stürzten. Es war rutschig, und sie folgte vorsichtig dem schmalen Pfad. Geschützt durch eine dichte Baumkrone, trat sie hinter dem Wasserfall hervor. Staunend blieb sie stehen. Prächtige Blumen, grüne Bäume und zahlreiche Früchte wuchsen in einem friedlichen Tal. Der tosende Wasserfall sammelte seine Massen und strömte in einen silbrigglänzenden See. An dessen Ufer lag ein Dorf mit zahlreichen bunten Häusern.
Hier würde sie gerne leben.
Langsam kletterte Sahiri den steilen Pfad nach unten, als es im Dorf laut wurde. Menschen schrieen durcheinander und liefen wild umher. Sahiri duckte sich, als ein Pfeil nahe an ihrem Kopf vorbeipfiff.
,Vergiss nicht warum du hier bist’, hörte sie Aldos Stimme und sah sich suchend um. Sie war allein und auf einmal erkannte sie den Grund der Aufregung. Ein verletzter Löwe lief durch das Dorf und die Meute verfolgte ihn.
Nein, nicht alle. Zwei Wächter mit Speeren standen vor einem Haus. Sie gingen ein paar Schritte hinter den Verfolgern her.
Das Mädchen nutzte die Gelegenheit und schlüpfte durch den Eingang, in einen langen Flur mit unendlich vielen Türen. Es waren so viele, dass sie nur jede siebte Tür öffnete, und sie hatte Glück. Als sie zum dritten Mal die siebte Tür öffnete, gelangte sie in einen großen Saal. In der Mitte stand regungslos der junge Prinz.
Schnell rannte sie auf ihn zu und erschrak. Vor ihm tauchte plötzlich das grüne Monster aus ihrem Traum auf.
„Bleib wo du bist!“, rief ihr der Prinz zu. „Es ist blind, reagiert aber auf Bewegung. Nur wenn du ruhig stehen bleibst, kann es dich nicht finden. Sonst frisst es dich!”
„Ich habe das Monster im Traum gesehen“, sprudelte es aus Sahiri heraus. „Es platzt, wenn man das richtige Wort sagt.“
„Dann sag es, schnell“, stöhnte der Prinz. „Ich kann nicht mehr lange ruhig stehen.“
„Ich habe es vergessen“, schrie Sahiri verzweifelt. „Was machen wir jetzt?“
Mit einem Krachen flog die Eingangstür auf und der Löwe war mit einem Satz im Saal. Das Geschrei hinter ihm verstummte, keiner traute sich ihm zu folgen. Vor dem Monster mit seinen vielen Armen hatten alle Angst. Nur der kleine Affe schlüpfte schnell durch die Tür. Affe und Löwe sprangen hin und her, um das Monster zu verwirren. Prinz Mahmud und Sahiri bewegten sich langsam zum Ausgang, während das grüne Monster abgelenkt war.
Sie hatten die Tür fast erreicht, als der Zauberer eintrat. Er kam direkt durch die Wand und lachte böse.
„Das kann ich nicht zulassen. Es ist noch nicht Vollmond.“ Dann wandte er sich an den Prinzen: „Du hast meine Gastfreundschaft nicht verdient. Deshalb werdet ihr alle sterben“, zischte er ihm ins Ohr.
Im gleichen Augenblick fing das Haus an, zu stöhnen und zu jammern. Die Wände vergossen Tränen und krümmten sich, als ob sie Schmerzen hätten.
Schadenfroh rieb sich der böse Zauberer die Hände.
 „Ich werde dem Monster die Augen wiedergeben. Morgen bin ich König und erhalte unbegrenzte Macht. Ihr seid bis dahin alle tot.“
„Noch ist deine Macht nicht unbegrenzt“, tönte es vom Dach des Hauses.
„Aldo“, flüsterte Sahiri erschrocken.
Der Zauberer wurde wütend. „Ich werde dich auch dieses Mal von hier vertreiben! Du solltest dich in Acht nehmen“, brüllte er und verschwand.
„Achtung, das Monster hat seine Augen wieder!“, rief in diesem Moment der Prinz.
Löwe, Affe, Prinz und Mädchen versuchten, den Armen des Monsters zu entrinnen. Schlagartig hatte einer der langen Arme den Löwen erwischt und umwickelt. Wie eine Krake zog das Monster ihn langsam zu seinem riesigen Maul.
Als wären sie festgewachsen blieben alle stehen und schauten dem grausigen Schauspiel zu. Flink warf das Monster seine Arme nach ihnen aus. Der Prinz, das Äffchen und das Mädchen waren eingefangen und eingewickelt. Sich zu befreien war unmöglich.
„Dinosaurier, Kakerlake, Kuckuck,Huidibuh!“, schrie Sahiri verzweifelt. „Warum fällt mir das blöde Wort nicht ein?“
„Mach dir keine Vorwürfe“, versuchte der Prinz, sie zu trösten. „Danke, dass du…“ Weiter kam er nicht.
Mit einem Donnerschlag zersprang das Monster in Tausende von grünen Smaragden und Perlen.
„Was war das denn?“, erklang die Stimme des Löwen.
„Danke! Das war das Wort! Wie konnte ich das nur vergessen“, rief Sahiri erleichtert.
Sie bahnten sich einen Weg zur Tür, um Aldo bei seinem Kampf mit dem Zauberer zu helfen. Sahiri war als Erste an der Tür und lief schnell durch den langen Flur zum Ausgang.
Vor dem Haus stand der Zauberer und dirigierte mit seinem Zauberstab eine Liane, die sich wie eine Schlange um Aldos Körper wand.
„Ich platze nicht!“, rief er dem Mädchen gehässig zu, als Sahiri atemlos vor ihm stehen blieb. „Bei mir genügt ein einfaches Wort nicht“, erklärte er und lachte schadenfroh. „Du musst schon einen Grund haben, um dich zu bedanken, und den hast du nicht!“
„Lieber Zauberer“, entgegnete ihm Sahiri und lächelte ihn an. „Ich bin ja so froh, dass du uns nicht sofort getötet hast.“ Und nach einer kurzen Pause fügte sie laut hinzu: “Danke!“
Kaum hatte Sahiri es ausgesprochen, löste sich der Zauberer in schwarzen Rauch auf.
Der Boden begann zu schwanken, Häuser stürzten ein und bauten sich von selbst wieder auf.



Mitten im See erhob sich strahlend ein weißes Schloss mit goldenen Dächern.
Löwe und Affe verwandelten sich. Vor Aldo, Sahiri und Prinz Mahmud standen der König und die Königin des kleinen Landes. Sie bedankten sich mit einem großen Fest für ihre Rettung. Sahiri und Prinz Mahmud wurden mit vielen Geschenken in ihre Heimat begleitet. Aldo blieb in seinem kleinen Tal.
Das ganze Land jubelte über die Rettung des Prinzen und der König hatte nichts gegen eine Hochzeit mit Sahiri einzuwenden.
Und so lebten sie glücklich und zufrieden in ihrem Märchenland.
Und wenn sie nicht gestorben sind…
* * *
Andächtige Stille liegt über der Wiese. Dann meldet sich Tapsi zu Wort: „Bitte noch ein Märchen!“
„Ja! Noch eins! Noch eins!“, klingt es von allen Seiten.
„Ich bin müde. Lasst mich ein wenig ausruhen, dann erzähle ich gerne weiter.“ Mia kuschelt sich erschöpft in das weiche Fell der Bärin und schläft sofort ein.
- - -
Die Eltern sitzen an Mias Bett. Papa Christian hält ihre Hand und Mama Steffi wischt ihr mit einem kühlen Tuch über die heiße Stirn. Löffelweise schiebt sie die Medizin zwischen ihre Lippen. Mia schluckt, das ist die einzige Reaktion. Ihren kleinen Bären hält sie immer noch krampfhaft fest.
Mittlerweile ist auch Mias Oma eingetroffen. Sie kocht Tee und hilft dabei, Mias verschwitzte Sachen zu wechseln.
Der Arzt ist schon wieder gegangen, doch er will bald zurückkommen. Er ist sehr besorgt, da er sich nicht erklären kann, was mit Mia geschehen ist.
* * *
Kaum hat Mia die Augen aufgeschlagen, wird sie von Tapsi mit der Nase angestupst.
Erwartungsvoll strahlt er sie an: „Gibt es jetzt noch eine Geschichte?“
Mia sieht sich erstaunt um. Alle haben gewartet und im Hintergrund kann Mia einen neuen Gast erkennen, ein großes, grünes Ungeheuer. Fragend schaut sie hinüber zur Bärin.
„Das ist das Ungeheuer aus deinem Märchen. Hier leben alle Märchen- und Tiergestalten weiter, so lange jemand von ihnen erzählt.”
„Das habe ich nicht gewusst.“ Mia ist beeindruckt.
Tapsi reicht ihr ein Kleeblatt, das er im Gras entdeckt hat.
„Das zweite Märchen bitte“, drängelt er und seine Augen leuchten wie Sterne in der Nacht.
Mia macht es sich wieder auf dem Rücken der Bärin bequem und während sie das Kleeblatt betrachtet, beginnt sie mit der zweiten Geschichte für ihren Teddy.


Über die Autorin:
Margareta Schenk, geb. 1952, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sie lebt in Bayern. Die Vorsitzende des Vereins  „Future for children e.V.“, der Kindern und armen Familien in Sri Lanka hilft, ist eine begeisterte Krimi- und Märchenleserin. Mit der Zeit entstand daher der Wunsch, selbst ein Buch zu verfassen. So begann sie 2012 mit einem Schreibstudium. Bereits während des Studiums vollendete sie ihr erstes Märchenbuch „Mias Traum“. Es folgten „Mias Abenteuer“  und die Kurzgeschichtensammlung „Der Riss“. Zwei Märchen und eine Kurzgeschichte wurden bisher in Anthologien veröffentlicht.