Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 28. Januar 2014

Fiona, die kleine Fischprinzessin von Angelika Musold



Kurzbeschreibung:

Im Himbeermeer lebt die kleine Fischprinzessin Fiona. Vier treue Begleiter lesen ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Als ihr eines Tages alles zu viel wird, schwimmt sie alleine auf und davon. Durch eine zufällige Begegnung mit einer Glitzerschnecke erkennt Fiona die Bedeutung wahrer Freundschaft.
Fiona, die kleine Fischprinzessin ist ein Vorlesebilderbuch für Kinder ab 2 Jahren.


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In den Weiten des Meeres lebt die kleine Fischprinzessin Fiona. Ihre winzigen Schuppen leuchten rosa und sie trägt eine kleine, glitzernde Krone auf dem Kopf. Fiona lebt an einem besonderen Ort: dem Himbeermeer. Es schmeckt süß und fruchtig – wie frisch gepresster Himbeersaft. Und weil Fiona eine richtige Fischprinzessin ist, hat sie vier treue Begleiter...


Leserstimme:
„Fiona, die kleine Fischprinzessin, ist eine wunderschön erzählte Geschichte über Freundschaft! Besonders gefallen haben uns Fionas treue Begleiter, allen voran Nono der Clownfisch. Die Bilder sind sehr schön und die Geschichte wird durch die liebevollen Details (das Himbeermeer etc.) richtig lebendig! Vielen Dank für dieses schöne Buch!“


Dienstag, 21. Januar 2014

Planet Gorsian von K. A. Winter




Im Jahr 2096 reist der elfjährige Milas mit seinen Eltern zu dem neu entdeckten Planeten Gorsian, der 19.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Milas ist alles andere als begeistert. Denn auf dem unwirtlichen Planeten leben nicht nur Menschen, sondern auch die Ureinwohner - die Gorsianer. Geheimnisvolle echsenartige Wesen, über die niemand so genau Bescheid weiß.

Nach kurzer Zeit trifft Milas auf einen dieser Außerirdischen. Doch dieses Treffen war nie vorgesehen...

Erhältlich bei Amazon.

DIE ERDE 
23. JUNI 2096


Zwei Wochen nach meinem elften Geburtstag sagte mein Vater mir, dass wir die Erde verlassen müssten. Wir würden auf den neuen Planeten Gorsian-79 ziehen und dort in der Kolonie wohnen. Und das nicht irgendwann in ferner Zukunft, nein, schon in dieser Woche.
Ich wusste, dass das Leben auf Gorsian-79 total anders und um einiges schwerer werden würde als das Leben auf der Erde, aber was mich genau erwarten würde, darüber war ich mir nicht im Klaren. Mal abgesehen vom Ferienresort auf dem Mond war die Kolonie auf Gorsian-79 die erste menschliche Siedlung auf einem anderen Planeten.
Ich betrachtete meinen Computer, der nutzlos auf meinem Schreibtisch stand. Die letzte Überschwemmung hatte die Elektrizität in unserem Haus endgültig lahm gelegt und weil es Sommer war und die Tage lang, hatten meine Eltern beschlossen mit der Reparatur bis zum Herbst zu warten. Jetzt würde wohl nichts mehr repariert werden, jedenfalls nicht von meinen Eltern. Und wer würde schon in unserem Haus wohnen wollen, nachdem wir ausgezogen waren?
Unser Haus lag im Überschwemmungsbereich. Nach jedem Regenguss stand das Wasser bis zu den Knien in der unteren Etage und das meist für mehrere Wochen, bevor der Wasserspiegel wieder sank. Ich kann mich gar nicht mehr so genau daran erinnern, wann das Erdgeschoss das letzte Mal trocken war. Das muss noch vor meiner Einschulung gewesen sein und die ist schon einige Jahre her. Mein Vater versuchte immer, so gut es ging, die Schäden wieder zu beseitigen aber machen wir uns nichts vor. Allein in den letzten zehn Jahren war der Meeresspiegel um einige Zentimeter angestiegen und in den nächsten zehn Jahren würde unser Viertel wahrscheinlich vollständig im Wasser versinken. Meine Eltern verdienten nicht genug Geld, um in den oberen Stadtbereich umzuziehen, dort, wo es trocken war, und sie hatten auch keine Lizenz um ganz woanders hinzuziehen, außer nach Gorsian-79. Dort wo keiner hin wollte. Ich auch nicht.

„Sieh es mal so”, sagte mein Vater, während er auf meinem Bett saß und auf seine Schuhe blickte. „Auf Gorsian-79 haben alle die gleichen Chancen, wie in Amerika vor zweihundert Jahren. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Das ist doch was.”
Ich betrachte sein dünnes Haar, das fast bis zu den Schultern reichte. Er sah mich nicht an. Wir wussten beide, dass er Blödsinn redete.
„Was ist mit den Gorsianern?”, fragte ich. Den Außerirdischen, den Monstern, fügte ich in Gedanken hinzu.
Mein Vater schwieg. Ich drehte meinen Kopf zum Fenster und sah auf die Straße. Das Brackwasser schlug in leisen Wellen an die Mauer des Hauses gegenüber. Unser Nachbar kämpfte sich durch die trübe Brühe. Seine grüne Gummihose reichte ihm bis zur Brust. Auf der linken Schulter balancierte er drei Balken. Hinter ihm ging mein Kumpel Rick. Er schleppte auch zwei Balken. Die beiden wollten ein Hochbett für Rick bauen, dass hatte er mir in der Schule erzählt. So dass seine Matratze nicht mehr bei jeder Überschwemmung nass werden würde. Die beiden führten ein richtiges Männerleben. Ricks Mutter war schon lange getürmt.
Mein Vater seufzte. „Mach es uns doch nicht so schwer, Milas.” Er blickte mich mit müden Augen an. „Wir werden in den Kuppeln leben und von den Gorsianern gar nichts zu sehen bekommen.”
„Was sagt Mama dazu?”
„Sie freut sich. Sie ist schon beim Packen.”
Er log. Er log wie gedruckt. So wie man es macht, wenn man verzweifelt ist und keine andere Wahl hat.



Dienstag, 14. Januar 2014

Die Väter-Casting-Liste von Eva Markert

Klappentext:
Patricks und Hannahs Vater ist schon vor langer Zeit gestorben. Eines Tages stellen die beiden fest: „Wir wünschen uns einen Vater!“ Also planen sie, einen netten Mann für ihre Mutter zu finden. Wunschkandidaten, über die sie eine ausführliche Väter-Casting-Liste führen, gibt es genug: den geschiedenen Vater von Patricks bestem Freund, einen neuen Nachbarn, einen sympathischen Hundebesitzer, Patricks Englischlehrer oder den freundlichen Mann, den Hannah regelmäßig im Bus trifft. Schade nur, dass es völlig unmöglich scheint, ihre Mutter mit einem von ihnen zusammenzubringen. Die Geschwister geraten in so manche verzwickte Situation. Wird ihre Suche erfolgreich sein? Oder kommt am Ende alles ganz anders, als sie gedacht haben?
Erhältlich bei Amazon.


Leseprobe:

                                    Kapitel 1

„Tschüss, ihr zwei, ich muss los!“ Frau Berggrün hatte ihren Mantel schon angezogen. Sie gab den Kindern einen hastigen Kuss. Einer landete auf Hannahs Ohr und einer auf Patricks Nase. „Bis heute Abend. Wahrscheinlich komme ich später. Im Augenblick ist viel zu tun in der Firma.“
Kurz darauf knallte die Haustür.
Patrick schaute seine Schwester an und zuckte die Schultern.
Hannah seufzte. „Ich wünschte, wir würden im Lotto gewinnen. Dann müsste Mama weniger arbeiten.“
„Und wir könnten in einer Villa mit Garten wohnen ...“
„Umziehen möchte ich nicht“, fiel Hannah ihm ins Wort. „Das fände ich schrecklich. Weißt du noch, wie traurig die Zwillinge und ihre Mutter waren, als sie raufkamen, um uns auf Wiedersehen zu sagen? Außer dir haben wir alle geheult, sogar Mama. ‚Ich werde dich schrecklich vermissen‘, hat sie zu Lauras und Marens Mutter gesagt. Ich bin auch immer noch traurig, dass meine besten Freundinnen jetzt in einer anderen Stadt wohnen.“
„Na, das kommt doch prima hin! Wenn du eh im Moment keine Freundin hast, ist es egal, wenn wir woanders hinziehen.
„Was faselst du da! Natürlich habe ich Freundinnen! Zum Beispiel Lisa. Nur habe ich im Moment eben keine besten Freundinnen. Außerdem ist es schön, dass Oma eine Wohnung im selben Haus hat wie wir. Nein, ich will hier nicht weg.“
„Oma nehmen wir natürlich mit in unsere Villa. Stell dir vor: Wenn wir ein Haus für uns hätten, könnten wir so viel Krach machen, wie wir wollen. Das wäre cool!“
„Schon, aber ich möchte auf keinen Fall in eine andere Schule gehen. Und ich will meine Klassenlehrerin behalten.“
Patrick schnaufte durch die Nase. „Bist halt noch ein Baby“, stieß er verächtlich hervor.
„Selber!“
Wütend starrten sie sich an. Plötzlich brach Patrick in Gelächter aus. „Vergiss nicht“, prustete er, „bisher haben wir noch nicht im Lotto gewonnen.“
Da hatte er natürlich Recht. Hannah musste auch lachen.
Sie räumten den Frühstückstisch ab, wie sie es jeden Morgen taten.
„Trotzdem wäre es super, wenn Mama weniger Arbeit hätte“, kam Hannah auf das ursprüngliche Thema zurück.
„He, warte mal!“ Mit einem Rums setzte Patrick das Marmeladenglas ab, das er gerade vom Tisch genommen hatte. „Mir kommt da eine Idee ...“
Gespannt schaute Hannah ihren Bruder an. Der starrte mit gerunzelter Stirn vor sich hin.
„Nun sag schon.“
„Ach nee.“ Patrick hockte sich vor den Kühlschrank und stellte das Glas hinein. „Das kann überhaupt nicht klappen. Wie sollten wir das anstellen?“
„Patrick! Sag mir auf der Stelle, wovon du sprichst!“
„Ich dachte nur ...“ Patrick drehte sich um. „Ich fände es toll, wenn Mama wieder heiraten würde. Papa ist schon so lange tot ...“
„Ich erinnere mich gar nicht an ihn“, warf Hannah ein.
„Geht mir fast genauso. Ich weiß kaum noch was. Nur, dass er mich abends oft ins Bett gebracht hat. Oder dass ich auf seinen Schultern durch die Wohnung reiten durfte. Und wie die Polizei kam und Mama erfuhr, dass er einen Unfall hatte. Sei bloß froh, dass du zu klein warst, um davon was mitzukriegen.“
Hannah schwieg. Sie konnte sich sehr gut vorstellen, wie furchtbar das gewesen war.
„Einmal waren wir alle im Zoo“, fuhr Patrick fort, „und ein Affe hat durch das Gitter gepackt und Papa die Brille von der Nase gerissen. Das war komisch!“
„Es muss herrlich sein“, meinte Hannah sehnsuchtsvoll, „wenn eine Familie was zusammen unternimmt. Mama macht zwar ab und zu was mit uns. Aber ich habe oft das Gefühl, dass sie denkt, sie müsste eigentlich was Wichtigeres tun.“
„Als Papa noch lebte, war Mama bestimmt glücklicher“, fügte Patrick nachdenklich hinzu. „Nicht so hibbelig und immer gleich auf 180, wenn was schiefgeht.“
„Und für uns wäre es unheimlich schön, wenn wir einen Vater hätten.“
Hannah wünschte sich schon lange einen Vater. Der sie ab und zu in den Arm nahm und der sie tröstete, wenn sie traurig war oder Angst hatte. So einen lieben wie zum Beispiel Lisas Papa.
„Einen Vater hätte ich auch gern“, erwiderte Patrick. „Aber da können wir wohl nichts machen. Einen Mann muss Mama sich schon selbst aussuchen.“
„Wie ich sie kenne, hat sie dafür zu wenig Zeit“, bemerkte Hannah mit einem grollenden Unterton in der Stimme.
Patrick warf einen Blick auf die Uhr. „Himmel, unser Bus kommt gleich!“
Hastig warfen die Kinder ihre Anoraks über, griffen nach ihren Rucksäcken und sprinteten zur Haltestelle.


Dienstag, 7. Januar 2014

Auf und weg! von Pebby Art



Klappentext:
Emmas Papa ist abgehauen. Und Auf und weg! sind dann auch Emma und ihr lebendig gewordenes Stoffpferd Floh. Im Räuberwald sind die beiden gelandet. Doch während Floh hier nach Emmas Papa sucht und zusätzlich noch gerne einen Schatz finden würde, sucht Emma aus einem ganz anderen Grund den Schutz des Waldes auf. Sie versteckt sich dort, denn sie ist sicher, dass auch ihre Mama sie verlassen wird. Da haut sie lieber selbst ab.
Unheimlich wird es, als sie merken, dass sie nicht die Einzigen sind, die sich im Räuberwald herumtreiben.
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Wo ist Papa?

„Wo ist Papa?“
Emma reibt sich die Augen. Verschlafen torkelt sie in die Küche. Papa sitzt morgens immer am
Küchentisch, immer hinter seiner Zeitung. Und seine braun-verschmierten Nutella-Finger legen
sich um den Rand der Zeitungsblätter. Papa liebt Nutella.
Heute steht kein Nutella auf dem Tisch. Kein Nutella klebt an Papas Fingern, denn Papas Finger
sind nicht da. Papa fehlt. Nur die Zeitung liegt zusammengefaltet auf dem Tisch. Unbenutzt sieht
sie aus, wie Klopapier auf der Rolle.
Mama sitzt am Tisch und lässt Sonnenblumenkerne auf ein Brot mit Honig plumpsen. Der Honig
pappt durchs Brot. Das wird wieder eine Schmiererei geben, nachher in der großen Pause. Und die
Sonnenblumenkerne pieksen immer im Mund. Hauptsache es ist gesund, sagt Mama immer.
Emma verzieht das Gesicht und fragt noch mal: „Wo ist Papa?“
Endlich schaut Mama auf. Emmas Bauch zieht sich zusammen. Mamas Gesicht sieht so anders
aus, so … so ... Emma weiß nicht genau wie. Anders halt.
Und anstatt auf ihre Frage zu antworten, winkt Mama sie zu sich. Emma wird noch mulmiger
zumute. Was hat das alles zu bedeuten? Schließlich macht sie drei Schritte auf Mama zu. Dann
bleibt sie stehen.
„Emma, jetzt komm mal her.“
Mamas Stimme klingt komisch. Vorsichtig nähert sich Emma. Sie darf sich auf Mamas Schoß
setzen. Das kommt selten vor. Schließlich ist sie schon groß, ein Schulkind, da sitzt man nicht
mehr auf anderer Leute Beinen, sagt Mama immer. Jetzt darf sie. Das ist seltsam.
„Papa ist weg“, sagt Mama.
Emma versteht nicht.
„Wie ‚weg‘?“, fragt sie.
Mama schluckt. „Er ist ausgezogen.“
Emma sackt zusammen. Das kann nicht stimmen. Nie würde ihr Papa sie verlassen.
„Du lügst!“, schreit Emma und rennt die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Wie kann Mama so
etwas Gemeines behaupten?
Emma liegt auf ihrem Bett und weint. Emmas Kissen ist ganz feucht, so als hätte jemand ein
ganzes Glas Apfelsaft auf die Bettdecke gegossen. Nur schmeckt es nicht so süß. Und klebrig ist
es auch nicht. Aus der Ferne, von der Matratzenecke her, schaut Floh aus mitleidsvollen, dunklen
Knopfaugen zu ihr herüber. Dort hat Emma ihn eben achtlos hingeschleudert. Floh ist Emmas
Lieblingsstofftier, ein gelb-beiges Pferdchen mit langer, dunkler Mähne und dünnen hellen
Streifen, die in der Sonne glitzern. Heute türmt sich die Mähne in einem Wust aus Knoten und
Zöpfen an seinem Hals auf. Emma will Friseurin werden, später, wenn sie groß ist. Wenn Emma
Kummer hat, kuschelt sie Floh immer ganz fest in ihre Arme. Nur jetzt nicht. Ihr Kummer ist zu
groß. Sie hat Floh ganz vergessen.
Mama kommt herein und setzt sich zu Emma aufs Bett. Sie erlaubt ihr sogar, heute zu Hause zu
bleiben. Schule schwänzen. Das hat Mama noch nie erlaubt! So furchtbar ist das alles, dass sie
Schule schwänzen darf! Das kann nur bedeuten, dass sie ihren Papa nie, nie mehr wiedersehen
wird. Und Mama erklärt ihr nicht, warum Papa verschwunden ist und wo er hin ist. Da will Emma
auch nicht zu Hause bleiben, und sie packt ihre Schultasche. Vielleicht weiß Lena Rat. Schließlich
ist Lena ihre beste Freundin. Jeden Tag gehen sie zusammen zur Schule. Am Ende der Straße
unter der großen Kastanie, da treffen sie sich immer – jeden Morgen.
Ein schrecklicher Vormittag
Lena steht bereits unter der Kastanie. Emma sieht sie schon von Weitem. Sie kickt einen Stein hin
und her. Typisch Lena, denkt Emma. Lena ist begeisterte Fußballerin und sie kann richtig gut
spielen. Oft ist sie die Heldin ihrer Mannschaft. Manchmal kann Emma das gar nicht leiden. Alle
reden dann nur noch von Lena. Lena hier, Lena da. Alle umkreisen Lena, alle interessieren sich
für Lena. Emma steht dann am Rand. Und sie kriegt Bauchschmerzen. Doch das sagt sie Lena
nicht. Lena soll ihre beste Freundin bleiben.
Gleich wird sie Lena alles erzählen. Sie wird auf Lena zugehen und Lena wird sofort merken,
dass etwas nicht stimmt. Das ist so bei besten Freundinnen. Mit besorgter Miene wird Lena
fragen, was los sei. Und dann wird Emma mit der schockierenden Nachricht herausplatzen: Papa
ist weg!
Doch es kommt ganz anders. Lena hatte gestern ein wichtiges Fußballspiel, und als sie jetzt
Emma entdeckt, läuft sie ihr jubelnd entgegen. So ein Mist! Lena ist viel zu gut drauf für
schlechte Nachrichten.
Und so ist es auch: Lena hat gestern das entscheidende Tor geschossen, erfährt Emma gleich
als Erstes. Ein Tor in allerletzter Sekunde. Dabei ist sie vorher noch gefoult worden, ganz böse,
und der Schiedsrichter hat nicht gepfiffen, nichts gesehen hat der, sagt Lena. Diese Niete. Doch
dann hat Lena sich den Ball zurückerobert und zu einem Superschuss ausgeholt. Lena ist so
begeistert, dass sie gar nicht mitkriegt, wie Emma mit hängendem Kopf und hängenden Schultern
neben ihr herschlurft.
Und da ist auch schon die Schule. Jetzt ist es eh zu spät. Jetzt braucht Emma Lena nichts von
ihrem Kummer erzählen. Jetzt würden alle anderen es mitkriegen, weil sie bestimmt weinen
müsste. Wütend tritt Emma gegen einen dicken Stein. Autsch! Auch das noch. Der Stein liegt
noch an derselben Stelle, doch Emmas Zeh fühlt sich an, als hätte gerade jemand mit einem
Hammer zugehauen. Schon spürt Emma, wie ihr eine Träne die Wange herunterkullert. Weitere
Tränen drängeln sich zwischen ihren Wimpern hervor. Schnell wischt Emma sie mit dem
Jackenärmel weg.
„Du machst das auch ganz falsch“, sagt Lena, „du musst das mit dem Seitenrist machen. Hier
… so.“
Sie tritt gegen den Stein und er jagt vorwärts, als wäre er ein richtiger Ball. Lena strahlt.
„Ist doch nicht so schlimm“, sagt Lena, als sie in Emmas trauriges Gesicht schaut. Sie legt
ihren Arm um Emmas Schulter und zieht sie mit ins Schulgebäude.
Und so kommt es, dass Emma Lena nichts erzählt, auch nicht auf dem Nachhauseweg.
Irgendwie fehlen ihr jetzt die Worte. Heute Morgen, da hatte sie sich alles zurechtgelegt. Aber
jetzt, jetzt ist es zu spät. Die Worte sind runtergerutscht, tief in ihrem Bauch bilden sie einen
Klumpen, der immer größer wird.
Als Emma zuhause ankommt, versucht Mama sie zu trösten, sagt, dass Papa sie besuchen komme
und bestimmt könne sie bald mal bei Papa übernachten. Doch Emmas Klumpen im Bauch wird
nicht weniger. Er wandert nur manchmal hin und her zwischen Magen und Hals. Besonders weh
tut er, wenn er im Hals sitzt. Dann tut jedes Spucke-Hinunterschlucken so weh, als würde jemand
ihren Hals würgen. Und natürlich hat sie gerade dann einen ganzen Bottich voll Spucke im Mund.
Papa ist abgehauen. Emmas Tränen laufen hinterher. Nicht mal „Tschüss“ hat er gesagt.
Einfach verschwunden ist er. Weggehext, nicht mehr da. Und Emmas Welt ist kaputt. Und das
Schlimmste ist, Emma weiß jetzt, warum er gegangen ist. Nicht sofort ist ihr das klar gewesen,
doch heute Vormittag hat ihre Lehrerin, Frau Günther, etwas von Frühlingsblumen erzählt. Da ist
Emma dieser furchtbare Gedanke durch den Kopf geschossen: Sie, Emma, ist schuld daran, dass
Papa nicht mehr da ist. Und das ist so schlimm, das tut mehr weh, als wenn jemand ihre
Lieblings-Barbie, die Rapunzel, in den Müll geschmissen hätte. Und für Rapunzel hat sie
wochenlang gespart. Und wenn Papa wegen ihr, wegen Emma, abgehauen ist, dann wird er sie
nicht sehen wollen. Dann wird sie ihn nie besuchen, nie bei ihm übernachten, nie mehr seine
Räubergeschichten hören, nie mehr an ihn gekuschelt bei ihrem Lieblingsfilm „Spirit“ mitfiebern
können. Und alles wegen der Schatzsuche und Mamas Blumen und Emmas Trotzkopf.
Emma starrt vor sich hin. Sie hat doch nicht ahnen können, dass es so enden würde. Und dann
kommt ihr noch ein Gedanke: Und wenn Mama nun auch …? Sie wagt gar nicht, das zu Ende zu
denken.
Ein Floh namens Heinz
Das Mittagessen schiebt Emma nur ein wenig auf dem Teller hin und her. Ihre Gedanken kreisen
um einen einzigen Satz: ICH BIN SCHULD. Emma schluckt. Mama fragt, woran sie denkt. Doch
das kann sie Mama nicht sagen.
Sie verkriecht sich in ihr Zimmer und schließt die Tür ab.
„Na endlich!“
Erschrocken dreht Emma sich um. Wer hat da gesprochen? Auf ihrem Bett liegen nur ihre
Kuscheltiere. Hat sich jemand in ihrem Schrank versteckt? Auf Zehenspitzen schleicht Emma
hinüber. Dann reißt sie die Schranktür auf. Ihre schräg aufgetürmten Gesellschaftsspiele verlieren
das Gleichgewicht und fallen ihr entgegen. Mist! Emmas Blick schweift erneut durchs Zimmer.
Alles ist ruhig. Nichts bewegt sich, keiner spricht. Hat sie sich das eben nur eingebildet? Ihr Blick
bleibt an ihrem Bett haften. War da gerade eine Bewegung unter ihrem Bett? Emma hält den
Atem an, schleicht zum Bett herüber. Schnell bückt sie sich, zwinkert mit den Augen, versucht,
unter dem dunklen Bett etwas zu erkennen. Eine alte Puppe liegt da und allerlei dies und das, was
beim Aufräumen halt darunter geraten ist. Aber sonst?
„Wen suchst du?“
Emma reißt ihren Kopf hoch. Der Bettpfosten bleibt, wo er ist und Emma knallt dagegen. Autsch!
Emma verzieht ihr Gesicht. Ihr Blick fällt auf Floh. Auf sein Gesicht und dieses Gesicht –
zwinkert ihr zu? Nein – nicht das Gesicht, aber das Auge, das eine, das hat ihr zugezwinkert,
oder? Emma reibt sich die Augen – und Floh schüttelt den Kopf. Da bleibt Emma die Spucke
weg. Das gibt es doch nicht!
„Floh?“
„Heinz!“, sagt Floh.
„Wie, Heinz?“ Emma rückt ganz nah an Floh heran.
„Ich heiße Heinz“, sagt Floh und schleckt ihr durchs Gesicht. Mit einer kleinen rosigen Zunge
schlabbert er eine letzte Träne ab.
„Die sind echt lecker.“ Jetzt schmatzt er.
„Warum kannst du sprechen?“
„Weil ich Heinz, der Besondere bin!“, erwidert Floh. „Und ich kann nicht nur sprechen, ich
kann hüpfen, springen, laufen.“ Schon hopst er auf dem Bett auf und ab, bis ihm der Knoten
seines Mähnenschopfes mit einem Schlag auf die Stirn ein K.o. verpasst.
„Ups“, gurgelt er, „befreie meine Mähne doch bitte von diesen blöden Knoten.“
„Das sind keine blöden Knoten, das sind Zöpfe“, sagt Emma und zupft vorsichtig die Bänder
aus der Mähne. Floh schüttelt sich.
„Warum bist du, bist du ... plötzlich lebendig?“
„Weil deine Tränen so lecker sind. Die musste ich kosten.“ Und er durchwühlt mit seinem
Maul das Kopfkissen. „Ich bin vorhin in deine Tränenpfütze gerutscht. Und jetzt kann ich mich
bewegen! Toll, was?“
Er schmeißt sich auf den Rücken und paddelt wild mit den Hufen in der Luft herum. Emma muss
ein wenig lachen. Doch dann fällt ihr ein, dass sie traurig ist und warum sie traurig ist.
„Weißt du denn, warum ich geweint habe?“, fragt Emma.
„Damit ich mich bewegen kann!“
„Nein.“ Emma muss trotz aller Trauer wieder ein wenig lachen.
Floh hört auf mit den Beinen in der Luft herumzuschlagen und schaut Emma an.
„Mein Papa ist weg“, sagt Emma leise.
„Oh“, meint Floh und dreht sich auf die Seite. „Hab‘ ich dir schon erzählt, was für einen
prachtvollen Vater ich habe? Einen echten Araberhengst, einen aus der Wüste.“
Floh springt auf seine Hufe und tänzelt elegant das Kopfkissen auf und ab.
„Mein Papa ist weg!“ Was interessieren Emma jetzt irgendwelche Pferde aus der Wüste? „Das
ist schlimm!“, ruft sie.


Leserstimmen:
 
"Die Handlung entwickelt sich sehr schnell und ohne große Längen, sodass keine Langeweile aufkommt.
Sehr süß sind auch die bunten Illustrationen, die nicht nur hübsch aussehen, sondern auch gut zum Inhalt passen. (...)
»Auf und weg!« ist ein süßes Kinderbuch zum Vorlesen und Selberlesen, das Kindern Sicherheit und Selbstvertrauen vermittelt, wenn die Beziehung der Eltern in die Brüche geht.(..)"

"(...).Die Geschichte ist einfach und lustig geschrieben und eignet sich zum Vor- und Selberlesen.
Sehr empfehlenswert!"

"Eine tolle Geschichte. Unsere Tochter ist begeistert."