Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 9. April 2013

Jetzt wird es aber Zeit - Sieben phantastische Gute-Nacht-Geschichten von Thomas Endl


Was für eine Woche!
Eines Sonntagabends taucht im Kinderzimmer von Katharina die quirlige Trubeljule auf. Und die entführt Katharina von nun an jeden Abend an unglaubliche Orte. In sieben phantastischen Reisen erleben die beiden die Wunderkammer von Ambras, die Geister von London, die Wasserspiele in Hellbrunn, einen Goldmacher in Prag, ein königliches Festmahl in München und den ersten Ballonflug der Welt in Versailles. Im nächtlichen Venedig tanzt Katharina gar mit dem Mond! Da müssen das Bett und sogar Katharinas Teddy Edi Schmusebär erst einmal warten ... (Aber du kannst ja mitreisen! :-))
Die Erlebnisse von Katharina und der Trubeljule wurden im Kinderprogramm des Bayerischen Rundfunks eine Woche lang als Gute-Nacht-Geschichten gesendet.
Zum Vorlesen, ab 3  (Mit 11 Abbildungen und bibliophil gestalteten Vor- und Nachsatzseiten)
Erhältlich bei Amazon.



Leseprobe

Edi Schmusebär kann es kaum glauben: Gerade will er zu Katherina ins Bett klettern, um sie in den Schlaf zu kuscheln, da taucht ein wirbeliges Wesen im Kinderzimmer auf. Die Trubeljule! Noch ehe Edi Schmusebär sich seine kleinen, braunen Bärenaugen reiben kann, ist die Trubeljule mit Katharina auch schon verschwunden.
Als Katharina zurückkehrt, hat sie vor Aufregung gerötete Wangen. Schnell hebt sie Edi Schmusebär zu sich ins Bett und erzählt ihm von zauberhaften Orten und merkwürdigen Begebenheiten.
Ja, Edi Schmusebär kann es kaum glaubendenn sieben Abende lang geht das nun so. Was für eine Woche!


Eine Nacht in Venedig
Sonntag



Wenn abends Mama in Katharinas Zimmer ruft: „Jetzt wird es aber Zeit“, dann geht es erst richtig los. Denn dann erscheint die Trubeljule. Mindestens so alt wie Katharinas Großmutter, aber höchstens so groß wie ihre Schultüte, steht sie auf dem Bett und kräht: „Genau: Jetzt ist es Zeit … für Venedig, die geheimnisvollste Stadt Italiens!“
Und schon schwankt das Bett. Es hat sich in eine Gondel, ein schmales, elegantes Boot verwandelt und gleitet leise über nächtliche Wellen.
„Ja, hier in Venedig sind die Gassen voller Wasser“, sagt die Trubeljule. „Die ganze Stadt ist auf viele kleine Inseln im Meer gebaut.“
Katharina staunt. Die Gassen sind schmal, und hinter jeder Biegung taucht eine neue Brücke auf. Zu beiden Seiten erheben sich die Fassaden vornehmer Häuser. Drinnen funkeln hell Kerzen in Lüstern. Auf einem Balkon steht eine Frau, die aussieht wie ein üppig dekoriertes Geburtstagsgeschenk. So bunt und mit Schleifen verziert ist ihr Kleid.
„Venedig ist die Stadt des Karnevals“, juchzt die Trubeljule, und die Frau auf dem Balkon wirft Katharina eine Kusshand zu.
„Alles aussteigen und verkleiden“, ruft die Trubeljule da schon. Sie setzt sich eine Mütze mit vielen Zipfeln auf. An jedem Ende baumelt ein Glöckchen. Für Katharina hat sie eine goldene Maske mit Sonnenstrahlen an den Rändern.
„Ohne Maskerade kein Kostümball. Aber pass auf, dass du sie nicht verlierst!“
Klingelnd hüpft die Trubeljule aus der Gondel. Von der Anlegestelle aus geht es nur ein paar Stufen nach oben zum Portal eines prächtigen Palastes. Orchestermusik schallt ihnen entgegen, als die Tore geöffnet werden. In einem Saal, der viel größer ist als die ganze Wohnung, in der Katharina mit ihren Eltern lebt, wogen tanzende Paare hin und her.
Eine Dame, ganz in türkisenen Tüll gehüllt, trägt einen Hut in Form einer Gondel. Ein Herr in dunklem Umhang führt sie durch den Saal. Ab und zu verheddert sich die überlange Hakennase seiner weißen Maske in ihrem blauen Stoff. Frauen in violetten Fransenkostümen tanzen mit Männern in blassrosa Rüschen. Goldene Rüstungsträger eilen scheppernd mit silbern geschminkten Mädchen übers Parkett.
Die Ballgäste, die vom Rande der Tanzfläche aus das Treiben beobachten, tuscheln, schwatzen, lachen. Einige sehen besonders geheimnisvoll aus. Blau wie die Nacht schimmern ihre Gewänder und Masken. Sternengleich sind ihre Halskrausen: gelb und in viele Richtungen spitz abstehend.
Gerade so, als ob sie Katharina den Weg frei machen wollten, weichen die Sternenmenschen zurück. Und mit einem Mal erkennt Katharina, wer sich hinter ihnen verbirgt. Seine Halskrause erstrahlt silbern und mächtig: der Mond. Schweigend reicht er Katharina die Hände, und zum Takt der Musik beginnen sie sich zu drehen. Sie tanzen zwischen den Sternen, und die Trubeljule wackelt fröhlich mit dem Kopf, dass ihre Glöckchen klingeln. So schnell dreht sich Katharina mit dem Mond, dass sie im Schwung die Maske verliert. Aber sie lacht. Sie lacht und lacht ― bis sich alles um sie herum verwandelt. Allein tanzt sie nun durch ihr Zimmer, und der Mond hängt draußen am Himmel vor dem Fenster.
„Jetzt ist es aber wirklich Zeit“, sagt Mama und kommt zu ihr herein. Katharina nickt, kichert und läuft schnell ins Bad. Die Streifen der Zahncreme sind so blau wie eine Nacht in Venedig.
Edi Schmusebär wird staunen, was Katharina ihm alles zu erzählen hat!


 Leserstimmen:
 "Auf den Flügeln der Fantasie entführt der Autor seine kleinen und - jawohl - auch seine großen Zuhörer in ferne Orte und Zeiten. (...) Das Buch ist wunderschön geschrieben und komponiert. Es würde mich sehr wundern, wenn Kinder es nicht auf Anhieb lieben und sich zukünftig noch sorgfältiger und regelmäßiger die Zähne putzen. Warum? Das müssen Sie schon selbst herausfinden in dieser kleiner Perle der Kinderliteratur."

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