Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 11. Juni 2013

Prinzessin Feuerrose und die Tintenrosenelfen, Rosenelfengeschichten, Band 4 von Eva Markert



Klappentext:
Auch im letzten Teil der Rosenelfengeschichten ist wieder eine Menge los.
Prinzessin Feuerrose und die anderen Rosenelfen feiern auf ganz besondere Weise das Sternschnuppenfest. Am Tag darauf begegnet ihnen die hochnäsige Prinzessin Tintenrose. Obwohl niemand sie ausstehen kann, helfen sie ihr doch aus einer Klemme.
So lernen sie die blauen Rosenelfen kennen, die in einem Schlosspark leben. Dort treibt ein Gärtner mit Giftspritze sein Unwesen und seltsame Ungeheuer bevölkern den Schlossteich.
Außerdem verliebt sich der immermüde Dorno bis über beide Ohren, die Elfen müssen kranke Rosenstöcke gesund pflegen und nicht zuletzt ihr Winterlager vorbereiten.
Die Zeit wird knapp, denn der Sommer neigt sich rasch seinem Ende zu und der langeWinterschlaf steht bevor.
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Leseprobe:


5
Die Rosenelfen waren gerade dabei, Nachfliegen zu spielen, als Dorno plötzlich Mund und Augen aufsperrte. „Na so was!“, rief er.
Die anderen blickten in dieselbe Richtung wie er, um zu sehen, was es da so Aufsehenerregendes gab.
„Seht ihr, was ich sehe?“, fragte Blütelia. „Oder spinne ich jetzt schon, so wie Dorno?“
„Wieso spinne ich!“, protestierte der aufgebracht. „Ich sage nur, dass bei den Tannen eine blaue Rosenelfe herumfliegt.“
„Blaue Rosenelfen? Die gibt es nicht“, wandte Schneeweißchen ein.
„Die Behauptung, blaue Rosenelfen gäbe es nicht, stimmt nur so lange, bis jemand eine blaue Rosenelfe sieht“, belehrte Samtian sie. „Und weil wir im Augenblick eine blaue Elfe sehen, gibt es seit heute welche.“
„Sagte der Klugschwätzer“, murmelte Dorno vor sich hin.
„Ich finde, sie ist eher lila“, bemerkte Stängel.
Ausnahmsweise hatte Rosanna eine andere Meinung als ihr Freund: „Es sieht nur so aus, als ob die Elfe blau wäre, weil es bei den Tannen ziemlich dunkel ist.“
„Mir ist es vollkommen schnurz, ob sie dunkel, lila, blau oder meinetwegen kohlpechrabenschwarz ist. Ich möchte wissen, woher sie kommt und was sie hier will“, warf Stachel ein.
„Vielleicht sucht sie was.“ – „Sie hat sich verirrt.“ – „Sie will uns ausspionieren.“ – „Sie fliegt spazieren.“ So schallte es durcheinander.
„Und was meint ihr?“, wollte Duftine von den Prinzessinnen wissen.
„Ich fliege einfach mal zu ihr hin und frage sie.“ Damit machte sich Feuerrose auf den Weg.
Als die fremde Elfe die Prinzessin heranschwirren sah, landete sie auf einem Tannenzweig. „Au!“, schrie sie. „Ich muss schon sagen, ziemlich unbequem habt ihr es hier. Diese Nadeln pieksen fürchterlich.“
Feuerrose grinste. „Selbst schuld, wenn du dich auf einen Tannenzweig setzt, ohne aufzupassen.“ Sie ließ sich vorsichtig neben ihr nieder. „Schön, dich kennen zu lernen.“
Die dunkle Elfe guckte sie von oben bis unten an. „Ich heiße Tintenrose. Man kann es im Augenblick zwar nicht sehen, aber ich bin eine Prinzessin. Die Prinzessin der Tintenrosenelfen. Ich erwarte also Bewunderung.“
„Bewunderung?“, fragte Feuerrose erstaunt. „Wofür?“
„Das sagte ich bereits. Weil ich Prinzessin bin. Ich trage nur im Moment kein Krönchen.“
„Wie du siehst, bin ich ebenfalls eine Prinzessin“, erwiderte Feuerrose. „Aber mich braucht man deswegen nicht zu bewundern. Wo ist denn dein Krönchen?“
„Wenn ich das wüsste!“ Auf einmal sah die Elfe gar nicht mehr so hochnäsig aus, sondern eher betrübt. „Das Krönchen ist wie vom Erdboden verschluckt. Ich habe überall danach gesucht und bin schon sehr weit von zu Hause weggeflogen. Aber ich kann es nirgendwo finden.“ Sie brach in Tränen aus. „Wenn ich kein Krönchen habe, bewundert mich doch niemand.“
„Ich könnte dir als Ersatz ein Gänseblümchenkränzchen schenken“, bot Feuerrose an. „Es ist noch eins übrig von unserem Sternschnuppenfest. Es sähe bestimmt hübsch aus auf deinen blauschwarzen Haaren.“
„Was soll ich damit?“, schluchzte Tintenrose. „Ich will mein Krönchen wiederhaben! Aber ich bin furchtbar müde, und ich habe entsetzlichen Hunger und Durst. Außerdem ist mein Heimweg schrecklich weit! Ich müsste ewig lange in die Richtung fliegen, in der die Mittagssonne steht.“
„Wohnst du in einem Garten?“, erkundigte sich Feuerrose.
„Garten?“ Tintenrose schaute sie von oben herab an. „Nein, wir leben in einem herrlichen Park, der zu einem riesigen Schloss gehört.“
„Aha.“ Feuerrose war nicht sonderlich beeindruckt. Sie überlegte. „Wir haben genug Blütenstaub und Rosennektar, um dir etwas abzugeben. Und wenn du willst, kannst du bei uns übernachten.“
Das tröstete Tintenrose kaum. „Und mein Krönchen?“, jammerte sie.
„Morgen helfen wir dir suchen“, versprach Feuerrose. „Jetzt hat es keinen Zweck mehr, es wird bald dunkel.“
„Ach, wie furchtbar! Ach, wie entsetzlich! Wie schrecklich!“, klagte Tintenrose.
„Du wirst sehen, es ist kein bisschen furchtbar, entsetzlich und schrecklich“, versuchte Feuerrose sie zu beruhigen. „Unser Nektar und Blütenstaub schmecken gut, unsere Rosenblüten sind gemütlich, und wir sind sehr nett.“
Die Feuer-, Honig- und Schneerosenelfen sahen Feuerrose zurückkommen und waren sehr gespannt, wen sie da im Schlepptau hatte.
„Es ist tatsächlich eine blaue Rosenelfe“, sagte Rosarose beeindruckt. „So wie sie würde ich auch gern aussehen. Weil Blau meine Lieblingsfarbe ist!“
„Mir ist es schnuppe, wie sie aussieht“, warf Samtian ein. „Hauptsache, sie ist nett. Aber ich finde, sie sieht ziemlich eingebildet aus. Und schlecht gelaunt.“
Die Rosenelfen umringten Feuerrose und ihren Gast. Es zeigte sich schnell, dass Samtian sie richtig eingeschätzt hatte. Nichts konnte Tintenrose zufriedenstellen. Feuerrosennektar war ihr zu feurig, Honigrosenblütenstaub zu süß, Schneerosennektar zu milde und Rosarosenblütenstaub schmeckte ihr zu stark nach Rosen. Und wo sollte sie übernachten? An jeder Blüte hatte sie etwas auszusetzen. Begonien lehnte sie von vornherein ab, die roten Rosen waren ihr zu eng und die gelben zu weich. Schließlich wählte sie eine unbewohnte Rose am Feuerrosenstrauch aus. Noch lange hörte man sie stöhnen und klagen über das unbequeme Lager, das schlechte Essen und das große Unglück, dass sie ihr Krönchen verloren hatte.
„Ich hoffe, dass diese aufgeblasene Schwebfliege morgen auf Nimmerwiedersehen verschwindet“, brummte Samtian vor sich hin, aber Tintenrose hatte ihn trotzdem gehört. „Darauf kannst du Gift nehmen“, fauchte sie. „Sobald ihr mir beim Suchen geholfen habt, seht ihr mich nie wieder.“

6
Am nächsten Morgen zog Tintenrose ein sehr mürrisches Gesicht. „Man sieht dir an, dass du schlecht geschlafen hast“, sagte Honigrose.
„Außerdem hat man es die ganze Nacht gehört“, setzte Feuerrose spitz hinzu.
Tintenrose antwortete nicht darauf. „Ich will möglichst schnell nach Hause“, sagte sie und klatschte in die Hände. „Auf, auf! Macht euch an die Arbeit!“
Die Elfen, die gerade beim Frühstück auf der Gänseblümchenwiese saßen, beachteten sie nicht. Die meisten schauten in eine ganz andere Richtung.
„Seid ihr taub?“, fuhr Tintenrose gereizt fort. „Ich habe euch einen Befehl gegeben.“
„Du hast uns gar nichts zu befehlen“, erwiderte Dorno mit vollem Mund.
Tintenrose warf ihm einen wütenden Blick zu. „Was fällt dir ein, so mit mir zu reden? Schließlich bin ich eine Prinzessin.“
„Na und?“ Samtian nahm sich noch ein Schälchen mit Rosennektar. „Wenn hier einer befiehlt, dann höchstens unsere Prinzessinnen. Aber die befehlen fast nie, sondern sprechen sich mit uns ab.“
„Halt den Mund!“, kreischte Tintenrose.
„Halt du lieber deinen!“
„So behandelt man keine Prinzessin!“ Tintenrose stampfte mit dem Fuß auf. „Ihr sucht jetzt auf der Stelle mein Krönchen.“
Einige Elfen wurden nervös, aber Samtian ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Erst mal frühstücken wir gemütlich zu Ende“, entgegnete er. „Und wenn du dann ganz brav ‚bitte, bitte‘ sagst, lassen wir uns vielleicht dazu überreden, unseren Garten nach deinem Krönchen abzusuchen.“
Tintenrose schnappte nach Luft. Ehe sie etwas erwidern konnte, zog Feuerrose sie ein Stück beiseite. „Lass gut sein“, riet sie ihr. „Nur wenn du nett zu ihnen bist, sind sie auch nett zu dir.“
„Ihr seid wirklich komische Elfen.“ Verwundert schüttelte Tintenrose den Kopf. „Bei uns ist es genau umgekehrt. Da müssen die Tintenrosenelfen nett zu mir sein, damit ich nett zu ihnen bin.“
„Und? Sind sie nett zu dir?“, erkundigte sich Feuerrose.
„Natürlich. Wenn sie nicht höflich zu mir wären, würde ich sie bestrafen. Sie müssten beim Spielen zugucken und die Nacht ohne Abendessen auf dem Rasen verbringen.“
„Ich habe nicht gefragt, ob sie höflich sind, sondern ob sie nett zu dir sind.“
„Wo liegt da der Unterschied?“
„Ich will wissen, ob sie tun, was du sagst, weil sie Angst vor dir haben oder weil sie dich mögen“, erklärte Feuerrose geduldig.
„Ich habe keine Ahnung, ob sie mich gernhaben.“ Tintenrose starrte nachdenklich in die Ferne.
„Arme Tintenrose“, ging es Feuerrose durch den Sinn. „Aber sie ist ja selbst schuld.“
Honigrose und Schneerose erschienen. Sie hatten die Prinzessin der rosa Elfen in ihre Mitte genommen und hielten sie beim Fliegen fest. „Wir haben die Elfen gebeten, loszufliegen und nach dem Krönchen Ausschau zu halten“, berichteten sie. „Das tun sie gerade. Nur bei den dunklen Tannen will keiner suchen. Das ist ihnen zu unheimlich.“
„Gut.“ Feuerrose spreizte ihre Flügel. „Den Teil des Gartens übernehmen wir.“
„Was?“, rief Tintenrose entsetzt. „Ich soll eine Arbeit tun, vor der einfache Elfen sich drücken?“
In dem Moment kam Samtian rufend und winkend angeflogen. Und als sie ihn anschauten, brachen sie lautes Gelächter aus. Er sah wirklich zu komisch aus mit dem zierlichen Krönchen, das völlig schief auf seinem Kopf saß.
Tintenroses Miene verhieß nichts Gutes. „Gib das sofort her!“, fuhr sie Samtian an. „Was für eine Unverschämtheit, mein Krönchen einfach aufzusetzen!“
„Ja aber ... ich dachte du freust dich, dass du es wiederhast“, entfuhr es Feuerrose.
Tintenrose streckte ihre Hand aus. „Her damit, aber ein bisschen plötzlich!“
Doch Samtian dachte gar nicht daran, das Krönchen abzunehmen. Er drehte wild Kreise über ihren Köpfen und rief: „Seht her! Hier kommt Seine Hochwohlgeboren, der edle Prinz Samtian, Herrscher über das gesamte Elfenreich. Verneigt euch! Werft euch in den Staub vor mir!“
Tintenrose sah aus, als würde sie im nächsten Augenblick vor Wut in die Luft gehen.
„Nun gib ihr schon das Krönchen“, rief Feuerrose Samtian zu.
Der riss es sich vom Kopf und warf es Tintenrose vor die Füße.
Mit einem Schrei stürzte sie sich darauf. „Vorsicht! Du machst es ja kaputt!“ Hastig drückte sie es sich ins Haar und wirkte auf einmal viel größer als vorher.
„Wie wäre es, wenn du dich bei Samtian bedanken würdest?“, schlug Schneerose vor.
Tintenrose zog die Augenbrauen hoch. „Pff“, machte sie.
„Pff“ äffte Samtian sie nach und flog davon.
„Das soll einer verstehen!“ Feuerrose schüttelte den Kopf. „Du warst so verzweifelt, dass du dein Krönchen verloren hattest. Da müsstest du Samtian doch riesig dankbar sein.“
„Wieso?“, erwiderte Tintenrose. „Er hat nichts Besonderes geleistet. Außerdem – woher soll ich wissen, dass er das Krönchen nicht vorher gestohlen hat?“
Nun platzte Feuerrose endgültig der Kragen. „Samtian ist kein Dieb!“
„Woher soll ich das wissen?“, gab Tintenrose schnippisch zurück.
„Du bist wirklich unausstehlich!“
„Allerdings“, stimmten die anderen Prinzessinnen zu.
„Wenn ihr so von mir denkt, kann ich ja gehen“, gab Tintenrose beleidigt zurück.
„Bestimmt wird dich niemand aufhalten.“
„Pff“, machte Tintenrose wieder. Ohne danke oder auf Wiedersehen zu sagen, flog sie davon.

Lesermeinung:
Meine Tochter liebt diese Geschichten von den Elfen,
und liest sie immer und immer wieder!
Zwei davon hat sie schon, die anderen Beiden werde ich ihr dann
als kleine Überaschung für den Urlaub holen.

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