Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Freitag, 24. April 2015

"Amos bekommt einen Papa. Gute-Nacht-Geschichten für die Kleinsten" von Eva Markert


Klappentext: 
Amos’ Mama hat den netten Herrn Baldur geheiratet und sagt Hendrik zu ihm. Amos weiß nicht, wie er Herrn Baldur nennen soll, deshalb bleibt er fürs Erste bei „Herr Baldur“.
Mit ihm hat Amos jede Menge Spaß. Herr Baldur hat einen sprechenden Wellensittich und das längste Taschentuch der Welt. Jeden Abend bringt er Amos mit ins Bett. Er kitzelt ihn durch oder denkt sich lustige Geschichten mit ihm aus. Und er ist immer da, wenn Amos Hilfe braucht.
Deshalb weiß Amos eines Tages, dass Herr Baldur nicht einfach nur Herr Baldur ist, sondern sein neuer Papa. Und zwar der beste auf der ganzen Welt! 

15 kurze Geschichten zur guten Nacht für die Kleinsten
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Leseprobe:

Von Sandmännern und Monstern
„Gute Nacht, träum süß“, sagt Amos’ Mama.
„Schlaf gut, du Schlitzohr“, wünscht Herr Baldur.
Mama geht schon mal hinunter, Herr Baldur kitzelt ihn wie jeden Abend noch eben durch.
„Weißt du, was die Meike im Kindergarten mir erzählt hat?“, sagt Amos, als er wieder Luft bekommt. „Ihr Papa erzählt ihr abends vor dem Einschlafen immer eine Geschichte.“ Dabei guckt er Herrn Baldur erwartungsvoll an.
Der grinst. „Und gleich wirst du mich fragen, ob ich dir auch eine Geschichte erzähle.“
Amos nickt.
Herr Baldur setzt sich aufs Bett. „Hm“, sagt er und kratzt sich am Kopf. „Ich bin aber nicht gut darin.“
„Das ist egal“, meint Amos. „Erzähl irgendwas. ,.Hauptsache, du bleibst noch ein bisschen bei mir.“
Herr Baldur überlegt. „Als ich so alt war wie du“, beginnt er, „habe ich vor dem Zubettgehen immer eine Sendung im Fernsehen gesehen. Die hieß Sandmännchen. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Geschichten, die das Sandmännchen mitbrachte.“
„Dann erzähl mir doch von diesem Männchen“, schlägt Amos vor.

„Es trug einen roten Mantel und eine runde, rote Mütze. Es hatte weiße Haare, die unter der Mütze hervorschauten, und einen spitzen, weißen Bart.“
„Warum hieß es Sandmännchen?“
„Weil es ein Säckchen mit Sand dabeihatte.“
„Wozu?“
„Um den Kindern Sand in die Augen zu streuen.“
„Warum?“ Amos ist ganz entsetzt. Automatisch reibt er sich die Augen.
„Damit sie besser einschlafen können. Manchmal findet man am nächsten Morgen noch ein Körnchen davon in den Augenwinkeln.“
Amos möchte keinesfalls, dass ein Mann mit einem Sandsack an seinem Bett erscheint, und er will auch keinen Sand in den Augen haben. „Das ist bloß ein Märchen, oder?“, erkundigt er sich beunruhigt.
Herr Baldur lacht. „Keine Bange. Du bist bisher noch immer ohne Sandmann eingeschlafen.“
„Wenn so ein Sandmann zu mir will, lässt du ihn doch nicht rein, oder?“, bohrt Amos nach.
Herr Baldur streichelt seine Wange. „Nein. Du brauchst keine Angst zu haben.“
„Ich finde Sandmänner nämlich unheimlich“, setzt Amos hinzu.
„Wenn ich es mir genau überlege, hast du recht“, stimmt Herr Baldur zu. „Ich verstehe gar nicht, wie man auf die Idee kommen konnte, Kindern zur guten Nacht vom Sandmann zu erzählen.“
„Erzähl mir lieber was von Monstern“, bittet Amos. „Vor denen habe ich keine Angst.“
Und da erzählt Herr Baldur ihm von den Sandmonstern. „Wie man schon am Namen hört“, beginnt er, „leben Sandmonster im Sand.“
„Am Strand?“, hakt Amos nach.
„Ja, auch“, bestätigt Herr Baldur, „und in Sandkästen.“
„In meinem Sandkasten im Garten?“, erkundigt sich Amos.
„Auch da“, bestätigt Herr Baldur. „Tagsüber vergräbt sich das Sandmonster tief im Sand und schläft. Und nachts tut es nichts anderes, als Sand zu fressen.“
„Wieso ist dann noch Sand in meinem Sandkasten übrig?“, will Amos wissen.
„Das kann ich dir erklären. Weil das Sandmonster gar keinen Sand aus deinem Sandkasten nötig hat. Es lauert nämlich auf Sandmänner. Und sobald einer vorbeikommt, springt es hervor, schnappt sich den Sandsack und frisst den ganzen Sand darin auf.“
„Jetzt kapiere ich!“, ruft Amos. „Deshalb war noch nie ein Sandmann an meinem Bett!“
„Genau. Wozu soll er mit einem leeren Sandsack an deinem Bett aufkreuzen? Das macht keinen Sinn.“
„Ich möchte das Sandmonster mal sehen“, ruft Amos. „Hilfst du mir morgen beim Buddeln?“
„Das brauchen wir gar nicht erst zu versuchen“, erwidert Herr Baldur. „Ein Sandmonster kann man nicht finden. Es versteckt sich gut, und es entwischt immer im letzten Augenblick.“
„Schade. Aber ich bin froh, dass in meinem Sandkasten ein Sandmonster wohnt.“
Amos setzt sich auf. „Weißt du, was ich am liebsten sein möchte?“, sagt er. „Ein Cremehütchen-Monster. Dann könnte ich den ganzen Tag Cremehütchen essen.“
Herr Baldur lacht. „Könntest du dich damit abfinden, ein Pfefferminzkügelchen-Monster zu sein?“, erkundigt er sich.
Amos denkt, dass er das kann.
Herr Baldur gibt ihm drei aus der Dose in seiner Hosentasche und nimmt sich selbst auch drei. Sie lutschen gemeinsam, und als die Pfefferminzkügelchen aufgelutscht sind, sagt Herr Baldur Amos endgültig gute Nacht. „Schlaf gut, du kleines Monster!“, wünscht er.
Amos denkt noch ein Weilchen an den Sandmann und das Sandmonster, dann schläft er ruhig ein.

Eva Markert lebt in Ratingen bei Düsseldorf. Von Beruf ist sie Studienrätin mit den Fächern Englisch und Französisch. Außerdem besitzt sie ein Zertifikat für Deutsch als Fremdsprache und ist staatlich geprüfte Übersetzerin. In ihrer Freizeit arbeitete sie viele Jahre als Lektorin und Korrektorin in einem kleinen Verlag mit.
Zahlreiche Kurzgeschichten und Kindergeschichten von Eva Markert wurden in verschiedenen Hör- und Printmedien veröffentlicht. Ihre Kinder- und Jugendbücher sowie Romane und Kurzgeschichtensammlungen für Erwachsene sind bei Amazon und anderen Händlern erhältlich.

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