Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 15. Dezember 2015

Davie und der geheimnisvolle Mister Atnas von Brigitte Endres




Ein Weihnachtsmärchen in New York

Klappentext
Davie ist gar nicht weihnachtlich zumute. Warum war Mum nach der Scheidung auch nach New York gezogen? Er vermisst seinen kleinen Hund, den er in Wisconsin zurücklassen musste. Dad hatte jetzt eine neue Frau und einen neuen kleinen Jungen. Davie denkt nicht daran, Weihnachten mit ihnen zu verbringen. So wie Mum noch nicht den richtigen Partner gefunden hat, hat auch Davie hier noch keine Freunde, seine Klassenkameraden halten ihn für ein Landei. Deshalb vertreibt er sich die Zeit oft damit, durch sein Fernglas aus dem 20sten Stock in die Wohnungen gegenüber zu sehen.
Auch an dem grauen Dezembertag, an dem die Geschichte beginnt, sitzt Davie wieder am Fenster. Als er aus purer Langeweile das Fernglas umdreht – stutzt er. Klar und deutlich erkennt er einen alten bärtigen Mann mit einer Pudelmütze, der ihm von einem Dach in der City aus zuwinkt. Davies Neugier ist geweckt, er macht sich auf die Suche und findet ihn schließlich.
Wie diese Begegnung Davie Trost und Hoffnung schenkt, aber auch die Aussicht auf eine neue Familie, erzählt dieses berührende Weihnachtsmärchen.
Für Kinder ab 8 Jahren.
Erhältlich bei Amazon



Leseprobe

Zweites Kapitel
Doch an diesem Abend kam Davies Mutter, Mrs. Donegal so bedrückt von der Arbeit heim, dass Davie die Sache mit dem magischen Fernrohr völlig vergaß.
„Davie“, sagte sie mit belegter Stimme. „Dein Vater hat bei mir im Büro angerufen. Er möchte, dass du mit ihm und seiner neuen Familie Weihnachten feierst.“
Davie schoss augenblicklich das Blut in den Kopf. „Aber das will ich nicht“, rief er ganz außer sich. „Das kannst du ihm ausrichten! – Und überhaupt … Warum lassen wir Weihnachten dieses Jahr nicht einfach ausfallen?“
„Aber Davie“, entgegnete seine Mutter erschrocken. „Weihnachten kann man doch nicht einfach ausfallen lassen.“ Sie nahm ihn in den Arm. „Wir machen es uns auch zu zweit gemütlich.“ Sie fuhr ihm übers Haar. „Alles wie immer. Okay? Baum, Geschenke, Truthahn …“
Davie versteifte sich. „Nichts ist wie immer.“
Mrs. Donegal sah ihren Sohn betroffen an. Wo war ihr fröhlicher, unbeschwerter Davie geblieben? War er wirklich dieser Junge mit dem mürrischen Gesicht? Sie ließ das Thema ‚Weihnachten‘ erst einmal auf sich beruhen.
Trotzdem war an diesem Abend der Wurm drin.
Nach dem Essen legte Davies Mutter das Besteck beiseite. Davie sah ihr an, dass sie etwas loswerden wollte, etwas das ihr anscheinend ziemlich auf der Seele lag.
„Davie, ich möchte dir was sagen … Ich hab da jemanden kennengelernt …“
Davie starrte sie an. „Schon wieder?“
Seine Mutter fuhr zurück. „Sei nicht gemein, Davie! Es ist eben nicht jeder Erstbeste Mister Richtig.“
„Ist es jeder Viertbeste?“, schoss Davie patzig zurück und sprang auf. „Willst du mich deshalb an Weihnachten zu Dad verfrachten?“
„Davie!“, die Stimme seiner Mutter überschlug sich vor Schmerz und Enttäuschung. „Denkst du das wirklich?“
Aber da war Davie schon in sein Zimmer gerannt.
Er warf sich aufs Bett. Dad hatte sie verlassen und danach hatte Davie Dad verlassen. Er wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Sollte er glücklich werden mit der Neuen und dem neuen Kind. Mum und er brauchten ihn nicht. Normalerweise sprachen sie nicht mal über ihn.
Das Jahr vor der Trennung war ein schlimmes Jahr gewesen. Mum hatte später gesagt, sie hätte Dad nie heiraten dürfen. Aber sie hatte es eben doch getan. Seinetwegen, Davies wegen. Mum war mit achtzehn schwanger geworden. Dad und sie kannten sich damals noch nicht sehr lang. Davie wusste nur, dass Mum das Baby, also ihn, unbedingt haben wollte. In New York wäre das kein Problem gewesen. In einem kleinen Städtchen in Wisconsin aber war es ein Problem. Oma und Opa mussten ziemlich Ärger gemacht haben, und dann hatte sich auch noch der Pastor eingemischt. Heiraten sollten die jungen Eltern, damit alles seine Ordnung hatte. Und schließlich heirateten sie tatsächlich. Mum sagte mal, sie habe Dad zwar gemocht, aber Liebe sei es nicht gewesen. Doch sie habe gehofft, dass die Liebe mit der Zeit käme.
Davie verschränkte die Arme hinter dem Kopf und fixierte die Schatten an der Zimmerdecke.
Liebe. Die beiden passten einfach nicht zusammen. Ihm war das lang gar nicht aufgefallen. Für ihn war ja auch alles in Ordnung. Er stromerte draußen herum, spielte mit Groovy und Steve und besaß ein schönes großes Zimmer mit allem, was ein Junge so brauchte. Auch als Mum ins Gästeschlafzimmer zog, hatte er sich noch keine Sorgen gemacht. Dad ging an den Wochenenden oft mit ihm zum Fischen oder ins Stadion, wenn die Brewers spielten. Aber ganz allmählich wurde das immer seltener. Und dann waren Mum und er oft allein an den Abenden und an den Wochenenden. Wenn Dad jedoch mal da war, gab es nichts als Streitereien. Eines Tages zog Dad schließlich aus. Davie hatte am Fenster gestanden und zugesehen, wie er zwei große Koffer in den Jeep warf. Erst dachte Davie, dass er bald wieder heimkommen würde. Aber da hatte er sich getäuscht. Als Mum nämlich erfuhr, dass Dad mit einer anderen Frau ein Kind erwartete, reichte sich die Scheidung ein.
Davie krampfte es heute noch den Magen zusammen. So leicht war das also. Man besorgte sich einfach eine neue Familie, wenn es mit der alten nicht klappte. Aber das Schlimmste war, dass Davie oft dachte, dass er an allem schuld war. Ohne ihn hätten die beiden nie geheiratet. Ohne ihn wäre Mum sicher viel glücklicher geworden. Dad konnte ihm gestohlen bleiben. Davie ging nie ans Telefon, wenn sein Vater ihn sprechen wollte und er weigerte sich bis heute standhaft, ihn zu besuchen.
Fast ein Jahr lebten Mum und er noch in dem weißen Häuschen mit der Veranda. Dann zog Mum den Schlussstrich. So hatte sie das damals genannt. Sie verkaufte das Häuschen und bewarb sich um die Stelle in New York. Davie verstand ja, dass sie neu anfangen wollte. Aber für ihn war es einfach schrecklich gewesen. Er fühlte wieder diese dunkle, trostlose Traurigkeit hochsteigen, die seither immer in ihm lauerte.
Noch beim Frühstück am nächsten Morgen herrschte dicke Luft. Es kam selten vor, dass Davie und seine Mutter sich nicht vertrugen. Aber jeder von ihnen knabberte noch an dem Streit von gestern.
Nach der Schule machte sich Davie nicht sofort auf den Heimweg. Es wartete ja niemand auf ihn. Die seltsame Fernglaserscheinung von gestern zog ihn in die Innenstadt. Er wollte wissen, ob das gestern eine Fata Morgana gewesen war. Und wenn nicht – was es dann gewesen war.
Ein Gutes hatte New York, wenn man die Hauptrichtungen kannte, konnte man sich kaum verlaufen. Fast alle Straßen waren wie auf einem Schachbrett angeordnet. Entschlossen bog er in die 40ste Straße West ein.
Es war ein grauer Tag, nasskalt und ebenso trüb wie seine Stimmung. Eisiger Wind zog durch die Häuserschluchten. Davie rieb sich die Hände. Verdammt, warum hatte er seine Handschuhe daheim liegen lassen? Gut, dass er wenigstens eine Mütze mithatte. Seine Nase tropfte.
Die Leute hetzten an ihm vorüber. Hier in New York hatten es immer alle eilig. Daran hatte er sich auch erst gewöhnen müssen. Alles hier war schneller, lauter, größer, greller. Alles war irgendwie übertrieben.
In den Schaufenstern glitzerte und blinkte es. Gold und Silber, Grün und Rot. Sterne, Engel, Zwerge – und natürlich Weihnachtsmänner. Schnarchende, singende, beleuchtete, welche mit und ohne Rentier.
Und dann, vor dem Eingang von Macys: ein Weihnachtsmann aus Fleisch und Blut. Er bimmelte in einem knallroten, weiß abgesetzten Samtkostüm mit einer Glocke.
Peinlich, dachte Davie. Sein Bart sieht so billig aus! Nicht mal ein Blinder würde darauf reinfallen.
„Hoho!“, grölte der Mann im Kostüm, als Davie an ihm vorbeikam. „Fröhliche Weihnachten.“ Mit aufgesetztem Grinsen hielt er ihm einen Korb mit Werbegutscheinen unter die Nase.
Davie schüttelte den Kopf und ging weiter. Der falsche Weihnachtsmann zog eine beleidigte Grimasse, aber das bekam Davie nicht mehr mit.
Als die 40ste auf die Park Ave stieß, schwenkte Davie nach rechts. Er war sich fast sicher: Das Hochhaus mit dem grünen Türmchen musste irgendwo in der Nähe des Hauptbahnhofs stehen. Inzwischen durchbohrte in die Kälte wie Nadelstiche, sein Ärmel war vom vielen Nasewischen widerlich feucht. Aber bis zum Bahnhof war es jetzt nicht mehr weit. Schon von Weitem sah er den Bahnhofseingang mit den griechischen Säulen. Allerdings musste er auf die andere Seite, zu dem hohen Teil des Gebäudes, in dem früher einmal die Verwaltung untergebracht war.
Der Wind pfiff hier noch ärger. Davie zog die Mütze tief in die Stirn und begann zu rennen. Tatsächlich wurde ihm dabei wärmer. Nach einem ordentlichen Dauerlauf war er endlich am Ziel. Einem schnaubenden Drachen gleich, quoll ihm weißer Dampf aus Mund und Nase. Puh, jetzt hatte er auch noch Seitenstechen! Er war ja völlig aus dem Training! Steve hätte ihn wahrscheinlich um Längen abgehängt und dabei kein bisschen Seitenstechen gehabt. Davie atmete ein paarmal tief durch. Dann reckte er den Kopf.
Das Gebäude, das er suchte, musste eines von den höheren sein. Aufmerksam ging er die Park Ave hinauf. Hier stand ein Hochhaus am anderen. Eine Backsteinkirche mit verschnörkelten Verzierungen an den Fenstern kauerte wie ein verschüchtertes Kaninchen inmitten der hochragenden Konkurrenz.
Und dann blitzte in Davies Kopf plötzlich der Funke des Erkennens auf.
Das da vorn konnte es sein! – Das da vorn war es!
Er wechselte auf die andere Straßenseite, um das Gebäude besser betrachten zu können. Der imposante Bau ragte weit nach oben und besaß nicht ein, sondern zwei Türmchen, die den Abschluss einer größeren Plattform bildeten. Von dieser Plattform aus musste der Mann ihm zugewinkt haben.


Vita:
Brigitte Endres hat Grundschulpädagogik, Germanistik und Geschichte studiert. Heute arbeitet sie als Kinderbuchautorin für Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie für den Bayerischen Rundfunk. Ihre Bücher wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt.  www.brigitte-endres.de


Dienstag, 1. Dezember 2015

Die Weihnachtszeitmaschine von Brigitte Endres



Klappentext
Diesmal verläuft das Weihnachtsfest für die Zwillinge Joschi und Laura sehr enttäuschend, keiner ihrer Herzenswünsche wird erfüllt. Jetzt erst erfahren sie: Der Vater hat seinen Job verloren. Noch am selben Abend geraten die Kinder in den Sog einer magischen Spieluhr, die sie in die Vergangenheit katapultiert. Als sie zurückkommen, wissen sie, um was es an Weihnachten wirklich geht …

Eine berührende Geschichte über Liebe, Hoffnung und Zusammenhalt. Zum Vorlesen und Selbstlesen für Kinder ab 8 Jahren.
Erhältlich bei Amazon 



Leseprobe
Die Spieluhr bringt die Zwillinge zunächst ins Jahr 1905, wo sie die gleichaltrige Luise  und das schwerkranke Minchen kennenlernen. Als sie schließlich versuchen, in ihre Gegenwart zurückzukehren landen sie zu früh, nämlich 1945.

6. Kapitel
„Mist!“, stieß Joschi aus.
Lara sah sich erschrocken um. „Aber der Zeiger hat sich doch nach vorn gedreht!“
„Anscheinend nicht lange genug“, erwiderte Joschi gepresst, während er versuchte, sich in dem schlecht beleuchteten Raum zu orientieren.
Lara schnüffelte. „Mann, riecht das hier muffig! Ich glaub, wir sind in einem Keller gelandet!“
Nur durch zwei matte kleine Fenster unterhalb der Decke, von denen eines einen dicken Sprung hatte, der notdürftig mit Fensterkitt geklebt war, fiel etwas Licht herein. Ganz allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. In einer Ecke lagen zwei Matratzen, darauf zerschlissenes Bettzeug, daneben zwei schäbige Koffer und ein Gestell mit einer Waschschüssel. Ein kleiner Tisch, ein Hocker, zwei Stühle, ein wackliges Regal auf dem ein wenig Geschirr und Kochgerät abgestellt waren, bildeten die Einrichtung. An der Wand stand ein alter gusseiserner Ofen. Das Ofenrohr führte durch ein behelfsmäßig mit Lappen ausgestopftes Loch ins Freie.
Lara stöhnte auf. „Wo sind wir bloß diesmal gelandet?“
Joschi schob einen Stuhl unters Fenster und kletterte hoch. „Du lieber Himmel!“, rief er.
Lara holte sich rasch den zweiten Stuhl. Fassungslos sahen sie hinaus. Gegenüber stand die vertraute Kirche, doch waren die schönen alten Buntglasfenster mit Brettern vernagelt. Am Straßenrand türmten sich schneebedeckte Schutthaufen von Steinen und Ziegeln. Es sah aus, als habe ein Erdbeben alles dem Boden gleich gemacht und nur die Kirche verschont.
Völlig unerwartet öffnete sich die abgeblätterte Tür, ein Junge kam herein. Lara und Joschi drehten sich erschrocken um. Der Junge schleppte ein Bündel kurzer Bretter, das er schwungvoll vor den Ofen warf. Dann kniete er nieder und hantierte an der Feueröffnung. Lara sprang vom Stuhl.
Erschrocken richtete sich der Junge auf. Er trug eine kurze Hose, darunter lange Strümpfe, die selbst gestrickt und rau wirkten. Seine Füße steckten in abgewetzten Schuhen. Aus der Jacke war er ganz offensichtlich herausgewachsen, darunter spitzte ein geringelter Pullover hervor.
Der Junge gaffte die Zwillinge feindselig an. Nach dem ersten Schreck nahm er mit funkelnden Augen ein Stück Holz vom Boden und richtete es drohend gegen die Eindringlinge. „He, was macht ihr hier! Raus mit euch!“
Lara war leichenblass geworden. Sie klammerte sich an ihren Bruder, der ebenfalls vom Stuhl geklettert war.
Aber Joschi, der es gar nicht mochte, wenn ihm jemand so kam, blaffte sofort zurück. „Reg dich ab! Wir sind schließlich nicht freiwillig hier.“
Der Junge, er war nicht viel älter als die Zwillinge, fuhr sich mit der freien Hand unschlüssig durch die braunen Haare, während er mir der anderen noch immer das Holz umklammerte. „Ihr wollt uns doch nur beklauen“, sagte er barsch.
„Beklauen?“, Joschi blickte sich kopfschüttelnd um. „Hier? Was könnte man denn hier schon klauen?“
„Heutzutage können die Leute alles gebrauchen – zum Beispiel was zum Anziehen.“ Stirnrunzelnd musterte er die Zwillinge, die in Nachthemd und Schlafanzug vor ihm standen.
Lara sah verlegen an sich herab. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen. „Hör mal, was uns passiert ist, ist eine total verrückte Geschichte …“ Damit begann sie, dem verdutzten Jungen die Sache mit der Weihnachtszeitmaschine zu erzählen. „Und das hier ist mein Zwillingsbruder Joschi, und ich heiße Lara“, beendete sie ihren Bericht.
Der Junge warf das Brett zu den anderen und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Das ist wirklich eine verrückte Geschichte“, sagte er. „Ich bin übrigens Karl. – Und das soll ich euch glauben?“
Joschi zuckte mit den Schultern. „Glaub, was du willst! Aber sag mal, welches Datum haben wir heute?“
„Heute ist Weihnachten“, sagte Karl. „Der 24. Dezember 1945.“
Lara seufzte. „So ein Mist, dann sind wir um Jahrzehnte zu früh gelandet.“ Sie zeigte zu den Fenstern. „Was ist denn da draußen los, war das ein Erdbeben?“
Karl lachte bitter. „So kann man es auch nennen! Wisst ihr das wirklich nicht?“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. „So was macht der Krieg – die Bomben! Kapito? Alles ist futsch. Von unserem Haus steht nur noch der Keller. Wir sind völlig ausgebombt. Das hier“, er deutete niedergeschlagen auf die wenigen Habseligkeiten, „ist alles, was wir noch haben.“ Er senkte den Kopf. „Aber das ist nicht das Schlimmste!“
Lara konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was es noch Schlimmeres geben könnte, als allen Besitz zu verlieren.
„Vater wird vermisst“, fuhr Karl leise fort. „Er ist noch nicht zurückgekommen. Dabei ist der Krieg schon seit Mai zu Ende. Mutter und ich warten auf ihn, jede Stunde, jeden Tag, seit Monaten.“
„Ist er Soldat?“, wollte Joschi wissen.
Karl nickte. „Was dachtest du denn?“ Er wendete den Kopf ab. Die Zwillinge bemerkten trotzdem, dass er mit den Tränen kämpfte. „Es sind so viele gefallen, mein Onkel auch. Wir haben seit Monaten keine Nachricht von Vater. Wir wissen gar nichts. Vielleicht ist er in Gefangenschaft, aber vielleicht ist er auch …“ Karl sprach nicht weiter.
Karls Schmerz machte auch den Zwillingen das Herz schwer. Lara dachte an Luise und Minchen und an die wundersamen Dinge, die sie erlebt hatten.
„Aber an Weihnachten geschehen manchmal die wunderbarsten Dinge“, sagte sie.
„Ein Wunder …?“ Karl zuckte mit den Schultern. Dann gab er sich einen Ruck. „Dass ihr hier seid, ist allerdings tatsächlich eines. Was mach ich jetzt bloß mit euch? Mutter wird sicher nicht über euren Besuch begeistert sein, das Essen reicht kaum für uns.“
„Mach dir keine Gedanken, außer dir kann uns wahrscheinlich keiner sehen!“, beruhigte ihn Joschi. „Und hungrig sind wir nicht. Aber wir müssen unbedingt bis zur Christmette hier bleiben, sonst funktioniert die Weihnachtszeitmaschine nicht. Wir werden euch ganz bestimmt nicht stören.“
Noch ehe Karl antworten konnte, knarrte die Tür und eine junge, schmale Frau mit einem Kopftuch und einem schweren Lodenmantel kam herein.
Ohne von den Zwillingen Notiz zu nehmen, band sie das Tuch ab und schüttelte es aus. „Es schneit schon wieder! Muss dieser Winter denn so kalt sein? Sind wir nicht schon gestraft genug?“
Mit einer müden Bewegung nahm sie einen grünen Stoffrucksack vom Rücken und zog den nassen Mantel aus. „Gott, bin ich erledigt!“, stöhnte sie und blickte sich suchend um. „Warum stehen denn die Stühle da drüben?“
Karl lief los und schob die beiden Stühle zum Tisch zurück. Seine Mutter setzte sich und zog ächzend die Schuhe aus. „Meine Füße sind die reinsten Eiszapfen. Keine Ahnung, wie viele Kilometer ich heute gelaufen bin – bis Kleinteuersdorf. Die Bauern werden immer unverschämter. Jetzt sind wir auch noch Großmutters Silberarmband los – für sechs Eier, ein bisschen Butter und Mehl.“ Sie sah zu Karl hin, der sich am Ofen zu schaffen machte. „Und du hast Holz beschafft?“
Karl nickte stolz. Emil und ich haben in der Bismarckstraße eine Ruine gefunden, wo noch was zu holen ist.“
Die Mutter, die sich die Füße rieb, sah erschrocken hoch. „Passt bloß auf mit den Blindgängern! Was ist, wenn so eine vergessene Bombe losgeht?“
„Mach dir keine Sorgen, Mutter, wir passen schon auf!“ Damit zündete Karl das Feuer an.
Während das Feuer nun anheimelnd prasselte und durch die Fugen des alten Ofens ein warmroter Schein in den düsteren Raum sickerte, packte die Mutter ihre Schätze aus dem Rucksack.
„Für die Lebensmittelmarken kriegt man kaum noch was. Dafür kann man dann auch noch stundenlang anstehen. Dass wir Städter ums Betteln und Hamstern gar nicht herumkommen, wissen die Bauern leider zu gut, sie werden immer unverschämter. Aber zum Glück gibt es auch gute Seelen. Schau!“ Die Mutter packte eine kleine Wurst aus. „Die hat mir eine Bäuerin geschenkt, weil Weihnachten ist.“
Karl machte einen Freudensprung. „Eine Rotwurst!“
„Die Feiertage sind gesichert“, sagte die Mutter lächelnd. „Heute backe ich Pfannkuchen und morgen gibt es Kartoffeln und Wurst. Was hältst du davon?“
„Eine ganze Menge!“, rief Karl begeistert. „Aber ich hab auch eine Überraschung!“ Er ging vor die Tür und kam mit einem großen Fichtenzweig wieder zurück. Dann kramte er stolz ein paar Kerzen aus der Jackentasche.
Über das Gesicht der Mutter flog ein freudiges Strahlen. „Wo hast du das nur alles her?“
Karl grinste geheimnisvoll. „Emil und ich sind eben auch gut im Organisieren.“
Allmählich wurde es dunkel. Die Mutter knipste das Licht an. Eine schwache Glühbirne, die verloren an der Decke hing, spendete wenig ungemütliches Licht. „Gott sei Dank“, seufzte sie. „Wenigstens haben wir heute Strom.“
Dann schickte sie Karl hinaus, einen Eimer Wasser zu holen. Als er wiederkam, hatte sie aus einem der alten Koffer ein sauberes Hemd herausgesucht. „Wasch dich und zieh dich um.“
Karl goss etwas Wasser in die Waschschüssel und wusch sich Gesicht und Oberkörper. Dann kämmte er sich die Haare mit einem nassen Kamm. Wie frisch gegelt glänzten sie jetzt.
Seine Mutter betrachtete ihn. „Gut siehst du aus. Du wirst deinem Vater immer ähnlicher.“ Sie stockte und begann ganz plötzlich zu schluchzen.
Karl nahm sie in den Arm. „Nicht weinen Mutter! Heute ist doch Weihnachten.“ Er sah zu Lara und Joschi hinüber, die beklommen auf einer Matratze saßen. „Vielleicht geschieht ja ein Wunder“, flüsterte er.
Seine Mutter drückte ihn fest an sich. „Ein Wunder?“, wiederholte sie tonlos und schluckte ihre Tränen hinunter.
„Komm, jetzt schmücken wir unseren Fichtenzweig“, entschied Karl.
Seine Mutter nickte tapfer. Sie schleppte einen alten Keramikkrug herbei und stellte den Zweig hinein. Mit etwas Draht befestigte Karl die Kerzen daran. Dann kramte er aus einer abgeschabten Lederschultasche ein paar Strohsterne und hängte sie dazu.
„Die haben wir im Unterricht gebastelt“, sagte er.
Seine Mutter zog ein sauberes Kleid an und steckte sich die Haare hoch. Als sie fertig war, zündete Karl die Kerzen an und knipste das elektrische Licht aus.
Die Mutter legte den Arm um ihn. „Schön ist er, unser kleiner Christbaum. Fröhliche Weihnachten, Karl!“ In ihren feuchten Augen spiegelte sich der Lichterglanz.
Karl sah scheu zu ihr hoch. „Fröhliche Weihnachten, Mutter!“
Dann schwiegen sie, standen nur da und ihre Gedanken schienen weit, weit weg zu sein.
Durch den warmen Luftstrom der Kerzen bewegt, warfen die Strohsterne bizarre Schatten an die Kellerwand. Im Ofen knisterte das Feuer, ein alter Wecker auf dem Regal tickte gleichmäßig.
Die beiden auf dem Matratzenlager beobachteten Karl und seine Mutter voller Mitgefühl. Lara dachte darüber nach, was der Großvater gesagt hatte. Wie sehr sie Karl und seiner Mutter jetzt ein Wunder wünschte!

Vita:
Brigitte Endres hat Grundschulpädagogik, Germanistik und Geschichte studiert. Heute arbeitet sie als Kinderbuchautorin für Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie für den Bayerischen Rundfunk. Ihre Bücher wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt.  www.brigitte-endres.de

Dienstag, 25. August 2015

HILFE, BERNHARDINER GEERBT! von Brigitte Endres



Tierarztpraxis Bärental/Band 1

Klappentext:
Durch ein Erbe kommt Familie Vogelsang sehr überraschend auf den Hund. Doch nicht genug damit. Neben dem Bernhardiner Bernhard und der resoluten Haushälterin Mathilde, hat Dr. Vogelsang auch noch eine Tierarztpraxis in Bärental geerbt. Außer Linchen, der Jüngsten, ist keiner der Vogelsangs davon begeistert, von der Stadt aufs Land ziehen zu müssen. Vor allem Antonia und Felix hadern schwer damit. Was die Vogelsangs in Bärental erwartet, und wie sie sich allmählich mit den Herausforderungen ihres neuen Lebens anfreunden, erzählt dieser turbulente erste Band der Reihe, in dem es viel zu lachen gibt.

Eine warmherzige Geschichte um „tierische“ und menschliche Probleme.
Für Tierfreunde ab 8 Jahren


Link zum E-Buch:
Das Buch erschien in der Erstauflage im Herder-Verlag und ist bereits vergriffen. Jetzt ist es als Kindle-Ebook wieder zu haben.


Leseprobe:
(Kaum in Bärental angekommen, wird Dr. Vogelsang schon gebraucht. Mathilde und Linchen begleiten ihn.)

Als der Jeep auf den Hof rollte, raste ihnen, aus Leibeskräften kläffend, ein halbhoher Mischlingshund entgegen.
Mathilde griff nach einer großen braunen Tasche und stieg aus. „Ist ja gut! Bist ein prima Hofwächter, Zottl!“, lobte sie den Hund. Zottl hörte sofort auf zu bellen und begrüßte sie freudig.
Linchen sprang entzückt aus dem Auto. Das war ja ein echter Bauernhof, genau wie in ihrem Bilderbuch! Hühner pickten unter einem Apfelbaum, eine Katze strich am Haus entlang. Die Stalltür stand offen, süßlicher Stallgeruch erfüllte die Luft.
Ein kleiner kräftiger, sonnengebräunter Mann erschien im Türrahmen. „Gut, dass ihr gleich gekommen seid, Mathilde“, sagte er erleichtert und reichte dann Dr. Vogelsang die Hand. „Und Sie sind also der neue Doktor?“
Herr Vogelsang nickte beklommen, während er den herzlichen Händedruck Haslers entgegen nahm.
„Die Babsi plagt sich jetzt schon über eine Stunde mit den Presswehen“, sagte der Bauer, „aber sie kommt einfach nicht weiter.“
Er ging voran. In einer Box lag auf einer sauberen Strohschüttung eine hübsche braune Kuh. Ein kleiner Junge, etwa in Linchens Alter, kauerte hinter ihr und hielt ihren Schwanz hoch.
Mathilde stellte die Tasche ab. „Na Maxl, hilfst du der Babsi?“
„Die Füße haben schon rausgeschaut, aber dann sind sie wieder reingeschlüpft“, antwortete der Kleine.
„Das Problem ist, das Kalb ist recht groß“, erklärte Bauer Hasler. „Wenn’s nicht ihr erstes wär, würd ich’s ja selber holen. Aber mir ist schon lieber, wenn Sie das machen Doktor.“
In diesem Moment ging eine gewaltige Anspannung durch den Körper der Kuh, ihre Flanken zitterten. Für einen Moment konnte man tatsächlich die Vorderbeine des Kälbchens sehen.
Linchen staunte. „Unterm Schwanz kommt das Kalb raus?“
Der kleine Maxl bemerkte Linchen erst jetzt. Er grinste. „Wo denn sonst?“
„Also, mein …“, Mathilde stockte, „mein Dr. Vogelsang. Was schlägst du vor?“
Herr Vogelsang hatte die ganze Zeit fieberhaft überlegt, was er über Zughilfe beim Kalben gelernt hatte.
„Zugbänder um die Mittelhand und dann mit den Wehen ziehen“, antwortete er.
„So und nicht anders!“, sagte Mathilde zufrieden und kramte geschäftig die Zugbänder aus der Tasche.
Maxl machte den beiden Platz, und stellte sich neben Linchen. Neugierig beäugten sich die Kinder.
Mathilde und Dr. Vogelsang warteten auf die nächste Wehe, dann schlangen sie die Bänder um die Fesselgelenke des Kalbes. Der Leib der Kuh presste sich mit aller Kraft zusammen.
„Jetzt!“, rief Mathilde.
Beide zogen an. Für einen Moment erschien das Maul des Kalbes. Doch als die Wehe vorbei war, rutschte es wieder zurück. Einige Male ging das so. Endlich drang der Kopf mit den Vorderbeinen durch.
„Komm Babsi, mach zu!“, ermunterte Mathilde das Muttertier. „Jetzt hast du’s gleich!“
Durch die Kuh ging ein Ruck, sie presste noch einmal ordentlich. Mathilde und Dr. Vogelsang zogen wieder an – und der restliche Körper des Kälbchens flutschte heraus. Erschöpft sah sich Babsi nach ihrem Kind um. Ganz nass vom Fruchtwasser und fast leblos lag es da.
„Ui, ist das süß!“, rief Linchen.
Mathilde strich mit einer geübten Handbewegung über die Nase des Kleinen, um die Nasenlöcher vom Schleim zu befreien. Dann massierte sie mit einem Bündel Stroh den Brustkorb des Kalbes.
„Warum machst du das?“, fragte Linchen.
„Damit sein Kreislauf in Gang kommt“, erklärte ihr Mathilde.
Inzwischen hatte der Bauer eine große Schüssel Wasser für Babsi geholt. Gierig trank sie alles aus. Dann schleppte er das Kalb vor zum Kopf seiner Mutter. Babsi betrachtete es verwundert, so, als könne sie selbst kaum glauben, dass dieses niedliche Kälbchen ihr eigenes war. Sie begann, es trocken zu lecken. Dabei muhte sie, dunkel und samten, mal lauter, mal leiser. Das Junge hob den Kopf und sah sie vertrauensvoll an. Es wusste jetzt, wie das Muh seiner Mutter klang, es würde ihre Stimme unter tausend anderen heraushören.
Niemand im Stall sagte ein Wort. Es lag etwas Feierliches, Berührendes in diesem Augenblick. Linchen starrte, den Finger in der Nase, fasziniert auf das Mutterglück. Sie verstand, ohne dass man ihr das sagen musste, dass man die beiden jetzt nicht stören durfte.
„Papsili, darf ich das Kälbchen morgen besuchen?“, flüsterte sie Dr. Vogelsang zu.
„Au ja“, rief Maxl freudestrahlend. „Und dann spielen wir zusammen.“ ...

Vita:
Brigitte Endres hat Grundschulpädagogik, Germanistik und Geschichte studiert. Heute arbeitet sie als Kinderbuchautorin für Verlage in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie für den Bayerischen Rundfunk. Ihre Bücher wurden in viele verschiedene Sprachen übersetzt.  www.brigitte-endres.de

  

Dienstag, 7. Juli 2015

Australien – Barnabas und Konrad retten die Tierkinder von Codename Kolibri



Leseabenteuer mit Barnabas

Klappentext:
Band 1 einer lustigen und spannenden Kinderbuchreihe für junge Leser, die die Welt entdecken möchten – empfohlen ab 8 Jahren

Bisher führen die Freunde Barnabas und Konrad ein ganz normales Leben wie du und ich. Doch das ändert sich schlagartig, als eines Tages ein geheimnisvoller Brief ins Haus flattert und das Leben der beiden Freunde völlig auf den Kopf stellt. Das Schreiben kommt aus Australien - Absender ist Barnabas’ Onkel Thaddäus Rosenstengel. Er hat sich zum zwölften Geburtstag seines Neffen etwas ganz Besonderes einfallen lassen, und zwar eine Einladung für die Jungs, die anstehenden Ferien auf seiner Farm im australischen Busch zu verbringen. Klar, dass die Freunde dieses verlockende Angebot nicht ausschlagen. Voller Hoffnungen auf ein großes Abenteuer machen sie sich auf die Reise. An der Seite des Aborigine-Jungen Mandu erleben die Stadtkinder aufregende Wochen im Outback, und der Wunsch nach einem atemberaubenden Abenteuer kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz ...
Erhältlich bei Amazon.

Leseprobe:
1. Kapitel
Reisefieber
Ich konnte mein Glück kaum fassen, es war einfach unglaublich.
Mein sehnlichster Wunsch, die große weite Welt zu erkunden, war in Erfüllung gegangen.
Zusammen mit meinem besten Freund Konrad saß ich im Flugzeug … wir waren auf dem Weg nach Australien. Bereits in wenigen Stunden sollten wir dort landen.
Mein Onkel Thaddäus hatte mich eingeladen, die Ferien bei ihm auf der Farm zu verbringen. Es sollte eine Überraschung zu meinem zwölften Geburtstag sein und Konrad durfte selbstverständlich auch mitkommen, wir beide waren eh unzertrennlich.

Verträumt schaute ich dem Spiel der Wolken zu. Es war die erste Reise ohne meine Eltern. Sie hatten einen wichtigen Arbeitsauftrag angenommen und befürchteten schon in den Ferien nicht genug Zeit für mich zu haben. Da war die Einladung von meinem Onkel gerade recht gekommen.

AUSTRALIEN – ein Hauch von Abenteuer lag in der Luft!

Was uns wohl dort erwarten würde? Ich versuchte mir auszumalen, wie viele aufregende Erlebnisse uns wohl in den nächsten Wochen bevorstanden.
 Erst vor zwei Tagen hatten wir von der Reise erfahren. Der Anruf aus Australien hatte meine Familie am späten Abend erreicht und alle in helle Aufregung versetzt. Nachdem meine Eltern Onkel Thaddäus’ Vorschlag nach einigen Bedenken zugestimmt hatten, war ich rüber zu Konrad gelaufen. Der war sofort Feuer und Flamme gewesen und dank meiner Unterstützung hatten wir seine Eltern schnell überzeugen können, dass er mich unbedingt begleiten musste.
 Man kann sich leicht vorstellen, dass wir völlig aus dem Häuschen waren!
Natürlich hatte meine Neugierde mich sofort dazu veranlasst, mehr über das fremde und unbekannte Land herauszufinden.
Also hatte ich beschlossen, anstatt in der Nacht zu schlafen, meine Nase lieber in ein Buch über den geheimnisvollen Kontinent zu stecken. Alles, was mir wichtig erschien, hatte ich versucht, mir zu merken.

  „Barnabas, kommt dein Onkel uns am Flughafen abholen?“ Konrad riss mich aus meinen Gedanken. Herzhaft biss er in einen der Hotdogs, die sich vor ihm auf seinem voll beladenen Teller türmten.
„Klar, hab ich doch schon hundert Mal erzählt. Die Farm liegt weit draußen im Outback, wir müssen erst noch ein paar Stunden durch die Wüste fahren.“
„Outback? Was ist denn das?“, wollte Konrad wissen und runzelte die Stirn.
 „Als Outback bezeichnen die Australier das Hinterland, in dem kaum Menschen wohnen“, protzte ich mit meinem neu erworbenen Wissen. „Es ist sehr trocken dort, der größte Teil besteht aus Wüsten und manchmal regnet es jahrelang nicht.“
„Klingt ja mächtig spannend! Aber gibt es dort nicht jede Menge Schlangen, Skorpione und riesige Spinnen?“, angeekelt verzog Konrad das Gesicht, wobei er das Tablett, das die Stewardess vorbeibrachte, um zwei weitere Hotdogs erleichterte.
„Sicher, in Australien leben die giftigsten Schlangen der Welt.“ Ich war stolz abermals mit meinen Kenntnissen glänzen zu können.
„Zum Donnerknispel, ich glaub’ mein Klingler weckelt! Ich hoffe nicht, dass die ausgerechnet uns über den Weg laufen werden, oder besser gesagt kriechen!“ Konrad schien beeindruckt und stopfte das nächste Brötchen mit Wurst in sich hinein.
Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass mein Freund Konrad immer hungrig war und Hotdogs mit viel Ketchup und gerösteten Zwiebeln über alles liebte?
Was man sonst noch wissen sollte? Er war der beste Kumpel, den man sich vorstellen konnte. Wir beide hingen ständig zusammen und natürlich gab es immer was zu lachen. Konrad war ein richtiger Quatschkopf und er liebte es, beim Quasseln die Buchstaben zu verdrehen, wobei dann die tollsten Wortkreationen entstanden.
Schon damals konnte man mich als etwas ruhiger und ernster beschreiben, aber so ergänzten wir uns ganz gut und kamen prima miteinander aus.
Die nächsten Minuten verbrachten wir schweigend nebeneinander, vertieft in Gedanken an unsere bevorstehenden Abenteuer, während der letzte Hotdog langsam aber sicher seinen Weg in Konrads Magen fand.




Autorenvita:
Die Autorin Marion David, geb. 1959, ist dreifache Mutter und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Aachen. Schon vor vielen Jahren hat sie damit begonnen, Geschichten für  ihre Kinder zu schreiben. Lange lagen die Manuskripte in der Schublade, bis im Jahr 2011 der Entschluss fiel, die Geschichten zu überarbeiten und diese als E-Book zu veröffentlichen. An der Entstehung der Buchreihe „Die Bücher des Barnabas Rosenstengel“ sind auch die beiden mittlerweile erwachsenen Töchter beteiligt, die ihre Mutter mit der Gestaltung der Bücher und den Illustrationen tatkräftig unterstützen. Die abenteuerlichen Tiergeschichten des Teams erscheinen unter dem Pseudonym „Codename Kolibri“. Nach dem großen Erfolg des ersten Bands „Die Reise zu den Weinenden Felsen“ setzte das kleine Familienunternehmen die Serie fort und brachte zeitgleich die Buchreihe „Leseabenteuer mit Barnabas“ für junge Leser auf den Markt.
Mittlerweile ist auch das erste Bilderbuch erschienen.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage:
http://www.barnabas-rosenstengel.de/