Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren
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Dienstag, 3. Oktober 2017

"Schatzsuche im Spaßbad" von Veronika Aretz

Klappentext: Zu ihrem siebten Geburtstag wird Jana von ihrer Familie mit einem Ausflug ins Spaßbad und einem goldenen Schlüssel überrascht. Irgendwo im Spaßbad ist eine Truhe versteckt, die Jana nur mit diesem Schlüssel öffnen kann. Zusammen macht sich die Familie auf die Suche. Dazu müssen Vulkan- und Wasserrutsche genommen und auch Wildwasserbahn und das Wellenbad durchforstet werden. Eine aufregende Suche beginnt ... Einige Baderegeln sind in dieser Geschichte versteckt. Schau mal, ob du sie finden kannst!
Erhältlich bei VA-Verlag und Amazon

Geschafft!
Wir fahren los!
Endlich sitzen wir im Auto. Anna und ich haben einen Platz ganz hinten. Wir überlegen, was wir wohl alles im Spaßbad erleben werden. Wie gut, dass wir beide schon unser Seepferdchen haben und jetzt für das bronze-Abzeichen üben!
Leon und Max sitzen vor uns, sie flüstern und lachen die ganze Zeit. Ob sie etwas aushecken? Brüdern kann man ja nie trauen.
„Oma Inge kann euch beiden bestimmt noch eine Menge Übungen im Wasser zeigen“, sagt Papa zu uns. „Sie ist früher Wettkämpfe geschwommen und kennt sich richtig gut aus. Vielleicht ist sie in Wirklichkeit sogar eine Wassernixe.“
Da lacht Oma Inge laut. „Ja, aber eine, die zu viel Kuchen gegessen hat!“



Es dauert sehr lange, bis wir den Parkplatz erreichen. Von dort müssen wir zu Fuß weiter. Das Spaßbad hat eine große Kuppel, aus der sich eine blaue und eine rote Rutschbahn schlängeln. Ich höre viele Leute lachen und rufen.
Die Frau an der Kasse lächelt. „Und du bist das Geburtstagskind? Dann hast du heute freien Eintritt.“ Sie reicht mir einen goldenen Schlüssel. „In diesem Gebäude ist ein Schatz versteckt. Nur du allein kannst die Truhe öffnen!“
Nun bin ich sprachlos. Auch Anna strahlt. Das wird ein tolles Abenteuer!



Schnell ziehen wir uns um. Dann gehen wir ins Spaßbad. Auf den ersten Blick ist es wundervoll. Wir laufen eine ganze Runde, damit wir alles kennenlernen. Es gibt viele Pflanzeninseln und jede Menge Wasserläufe. Palmen und Bäume wachsen bis zur Decke. Von dort höre ich Vögel zwitschern, kann aber keinen von ihnen entdecken. Über eine Hängebrücke können wir über die Anlage laufen. Draußen sind weitere Becken. Dort wachsen auch viele bunte Blumen.



„Und wo finde ich jetzt den Schatz?“, frage ich. Den Schlüssel habe ich an mein Handgelenk gebunden.
Papa zuckt die Schultern. „Das weiß ich leider auch nicht. Wir müssen ihn suchen.“

Erste Aufregung
„Zuerst müssen wir duschen“, erinnert uns Oma Inge.
„Aber ich bin sauber!“, ruft Max.
Papa lacht. „Unser Schweiß klebt trotzdem auf der Haut. Wenn sich die Leute nicht richtig duschen, muss der Schwimmmeister mehr Chlor ins Wasser schütten.“
„Chlor?“, frage ich. „Ist das nicht das Zeug, das immer so in den Augen brennt?“
„Stimmt!“, sagt Oma Inge. „Und es muss noch mehr Chemie ins Wasser, wenn jemand ins Wasser macht.“
„Ihhh“, rufen Anna und ich. Auf jeden Fall duschen wir jetzt gründlich, seifen uns ordentlich ab und gehen vorher noch mal zur Toilette.



Endlich können wir ins Wasser. Wir finden ein Becken mit künstlichen Palmen. Unter ihren Blättern wird Wasser durch Rohre in offene Kokosnüsse geleitet. Sobald genug Wasser in die Nüsse hineingeflossen ist, kippen sie zur Seite. Danach rutschen sie zurück und werden wieder mit neuem Wasser befüllt. Man kann nie wissen, wann sie sich entleeren.
Das Wasser im Becken ist kalt. Es reicht mir nur bis zu den Knien, ich zittere aber trotzdem.
„Dann hast du vorhin nicht kalt geduscht“, sagt Oma Inge. „Deshalb frierst du. Am besten bewegst du dich mal!“
Daraufhin versucht sie mich zu fangen. Ich kreische auf und verstecke mich hinter Papa. Der flüchtet hinter den Kübel, wo Leon und Max stehen. Gleich erwischt mich Oma Inge – doch eine Kokosnuss öffnet sich genau über ihr und das Wasser plätschert auf ihren Kopf. Sie lacht laut und schüttelt sich wie ein begossener Pudel – und ich habe noch einmal Glück gehabt!



Vita:
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit mehreren Jahren als Selbstständige. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt sie in der Nähe von Aachen. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
www.va-verlag.de, www.kinder-lernen-schwimmen.de

Dienstag, 8. August 2017

Schwimmen macht Spaß - Jana im Schwimmbad von Veronika Aretz

 Endlich hat Jana das Seepferdchen! Natürlich möchte sie jetzt so oft wie möglich schwimmen gehen – am liebsten zusammen mit Ben, der mit ihr in die erste Klasse geht. Denn er hat schon das Gold-Abzeichen und kann ihr bestimmt eine Menge beibringen. In der Schwimmhalle zeigt sich Ben jedoch von einer ganz anderen Seite … In dieser Geschichte sind einige Baderegeln versteckt. Schau mal, ob du sie finden kannst! Mit tollen Spielen, die man nachmachen kann!

Erhältlich bei Amazon und im VA-Verlag.

Kinder 5 - 10 Jahre






 Geschafft!
Zuletzt fragt Petra die Baderegeln ab: „Dürft ihr im Schwimmbad rennen?“
Ich sage: „Nein, weil der Boden nass ist und wenn wir rennen, können wir hinfallen und uns verletzen!“
Auch die anderen Fragen beantworten wir richtig. Schließlich überreicht uns Petra die Abzeichen. Nach dem Umziehen laufe ich zu Papa, der draußen auf mich wartet. Lachend halte ich ihm das Abzeichen vor die Nase.



„Wow, Jana, du hast es geschafft!“, sagt er. „Wollen wir das in der Eisdiele feiern?“
„Jaa!“, rufe ich und schon fährt Papa los. Unterwegs erzähle ich ihm: „Ich wollte beim Schwimmen aufgeben. Aber Petra hat mir Mut gemacht. Sie ist die beste Schwimmlehrerin der Welt!“

In der Eisdiele bestelle ich ein Biene-Maja-Eis und Papa trinkt einen Kaffee.
„Von jetzt an gehe ich immer alleine schwimmen“, sage ich. „Ich kann das ja jetzt!“
„Hm“, macht Papa. „Weißt du, im großen Becken kann es schon noch sein, dass du beim Spielen plötzlich nicht mehr kannst, und dann gehst du unter. Du musst erst noch mehr üben, bevor du alleine ins Schwimmbad darfst.“
Da kommt Ben aus meiner Klasse zu uns herüber. Auf dem Schulhof steht er immer alleine am Rand guckt gelangweilt, aber jetzt sieht er sogar ganz nett aus.



„Hallo Jana!“, sagte er.
„Ich habe gerade mein Seepferdchen-Abzeichen gemacht!“, rufe ich.
Ben winkt ab und sagt: „Das ist doch kinderleicht! Ich habe schon das Gold-Abzeichen!“
„Wirklich?“, fragt Papa erstaunt.
Ben nickt. „Mein Vater sagt, ich bin ein Naturtalent. Meine Mutter nennt mich Wasserfloh.“
„Dann kann ich ja morgen mit Ben in die Schwimmhalle gehen“, sage ich zu Papa. „Er kann mir helfen, wenn ich nicht mehr schwimmen kann.“
Doch Papa schüttelt den Kopf. „Das besprechen wir erst einmal mit Mama. Die wartet übrigens schon auf uns.“

Am nächsten Tag
Mit meinem großen Bruder Max gehe ich zusammen zur Schule. Im Park rieseln plötzlich lauter eklige Blätter auf uns herab.
„He!“, rufe ich. „Was soll denn das?“
Auf dem dicken Ast einer großen Eiche über uns sitzt Ben. Er hat einen Karton bei sich. Jetzt greift er hinein und wirft Laub auf mich herunter.
„Lass den Quatsch“, rufe ich. Ich schüttle mich und der Dreck fliegt aus meinen Haaren. Max lacht. „Das ist nicht lustig“, schimpfe ich.



„Wie bist du denn da raufgekommen?“, ruft Max zu Ben hinauf.
„Och“, winkt Ben lässig ab. „Das ist doch ganz einfach!“
„Pass bloß auf, dass du nicht runterfällst“, sagt Max. „Ich wette, das ist verboten!“
Da lacht Ben und wirft noch mehr Blätter runter.
Endlich sind wir auf dem Schulhof angekommen.
„Ich finde es gemein, dass du über mich gelacht hast!“, sage ich zu Max.
„Sei nicht so empfindlich“, antwortet er. „Das war doch gar nicht schlimm.“ Und damit geht er zu seinen Freunden.
Da kommt Ben zu mir. „Dein Bruder ist ja ziemlich blöd“, sagt er.



Vorhin fand ich Ben auch ziemlich blöd. Aber es ist trotzdem ziemlich cool, dass er so hoch auf den Baum raufgeklettert ist. Das würde sich Max nicht trauen. Aber ich schon. Vielleicht zeigt Ben mir ja mal, wie man auf Bäume klettert? ...

Vita:
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit mehreren Jahren als Selbstständige. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt sie in der Nähe von Aachen. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
www.va-verlag.de, www.kinder-lernen-schwimmen.de

Dienstag, 23. Mai 2017

Schwimmen macht Spaß! Von Veronika Aretz



Klappentext

Schwimmen macht Spaß! – Wie Jana ihre Angst vor dem Wasser verliert

Die fünfjährige Jana hat Angst vor dem Wasser. Selbst die tolle Rutschbahn im Freibad kann sie nicht dazu bringen, ihre Furcht zu überwinden. Als ihre Mama sie zu einem Schwimmkurs anmeldet, glaubt Jana nicht daran, dass sie das Schwimmen jemals lernen wird. Doch dann ist der Kurs viel cooler, als sie es für möglich gehalten hätte …

Eine Geschichte darüber, wie aus einem Angsthäschen eine kleine Wasserratte wird.

Link zum Taschenbuch Amazon: https://www.amazon.de/dp/3944824644


Leseprobe (ab Seite 12):

Endlich ist es soweit: Zusammen gehen wir zur neuen Wasserrutsche. Viele Leute stehen dort schon Schlange.
„Na, wer will denn mal mit mir rutschen?“, fragt Papa unternehmungslustig.
„Ich!“, ruft Max sofort.
Ich zögere. Mama sieht es und lächelt. „Ich schau mir erst einmal an, ob ihr heil unten ankommt. Bleibst du bei mir, Jana?“
Ich nicke und bin froh, dass ich noch nicht rutschen muss.

Papa und Max kommen aus der Rutsche gesaust und platschen ins Wasser. Das Wasser spritzt bei ihnen besonders hoch. „Noch mal!“, ruft Max begeistert. Er zerrt Papa an der Hand.
Ich drehe mich weg, mir ist gar nicht gut.
„Wir Frauen gehen erst einmal im Kinderbecken planschen“, sagt Mama.

Doch beim Kinderbecken wartet eine böse Überraschung auf uns: Es ist gesperrt!
Enttäuscht sehe ich Mama an.
„Macht nichts“, sagt sie. „Ich zieh dir die Schwimmflügel an und wir gehen in das große Becken.“
Damit bin ich einverstanden. Doch da pfeift der Schwimmmeister und sagt: „In das Schwimmerbecken dürfen nur Kinder, die schon schwimmen können!“
Ich schaue mir die Kinder im großen Schwimmbecken an. Sie planschen, toben und springen. Manche werfen sich einen Ball zu. Alle haben Spaß.
Mama guckt ratlos. „Jana, du musst endlich mal Schwimmen lernen!“, sagt sie.
Aber mir reicht es jetzt. „Ich will nicht! Schwimmen ist doof!“, schreie ich.
Mama schüttelt ratlos den Kopf und geht mit mir zurück zu unserem Platz.




Vita:
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit mehreren Jahren als Selbstständige. Mit ihrem Mann und den drei Kindern lebt sie in der Nähe von Aachen. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
www.va-verlag.de, www.kinder-lernen-schwimmen.de


Freitag, 25. September 2015

Sarah und die schwarze Burg von Veronika Aretz



Klappentext:
Geheimnisvolle Dinge geschehen in Sarahs Nähe, ihre Familie macht sie dafür verantwortlich. Auch in der Schule hat sich anscheinend jeder gegen Sarah verschworen – soll sie wirklich dem Rat ihrer verhassten Lehrerin folgen und so werden wie sie?
In Mirathasia kann Sarah aufleben – doch das Land wird von einer schwarzen Burg bedroht, zu der nicht einmal die Programmierer einen Zugang finden. Als dann auch noch Virusbomben einschlagen, findet Sarah zusammen mit ihren Freunden einen Weg ins Innere der Burg, doch dort wartet eine böse Überraschung auf sie …
Erhältlich bei Amazon und beim Verlag.

Leseprobe:
Anhand des Tellerklapperns hörte Sarah genau, dass es bald Zeit für das Abendessen war. Ihr Vater Peter kam regelmäßig um siebzehn Uhr von der Arbeit, und bis auf wenige Ausnahmen – meistens, wenn ihr Stiefbruder beim Fußball war – aßen sie gemeinsam zu Abend. An diesen Tag würde Georg wieder fort sein, dann würden die Gespräche bei Tisch sehr viel entspannter sein und Gezanke gab es auch nicht. Auf diese Zeit freute sich Sarah, und von ihr aus konnte Georg ruhig jeden Abend zum Training gehen.
Als sie jedoch in die Küche kam, um ihrer Stiefmutter Tina bei den Vorbereitungen zu helfen, traf es sie wie ein Schlag: Georg lehnte am Fenster, die Hände in den Hosentaschen vergraben, und grinste sie an.
Er grinste immer so. Sarah wusste genau, dass er meist dann diesen Gesichtsausdruck zeigte, wenn er irgendwas gefunden hatte, womit er sie bei Tina und Peter anschwärzen konnte. Sie biss die Zähne zusammen, denn es gab tatsächlich genug, dass einen handfesten Krach heraufbeschwören würde. Aber konnte er von ihren geheimen Internetausflügen wissen? Hatte er vielleicht durch das Fenster beobachtet, wie sie nach den Englisch-Nachhilfestunden den Computer ihres Lehrers benutzte?
Wut stieg in Sarah hoch. Georg musste alles kaputt machen, was sie mochte. Nein, sogar noch mehr: Er sorgte dafür, dass sie diese Dinge nie wieder ausüben konnte. Obendrein waren die Strafarbeiten schon vorprogrammiert, denn ganz egal, was sie machte, irgendwas war immer falsch.
Doch dann durchströmte eine Welle des Glücks ihren Körper. Sie erinnerte sich an Flocke und Micha, an Mirathasia und all die vielen Dinge dort. Und da wurde ihr klar: Egal, was Georg wieder vorhatte, diese Erinnerung konnte er ihr nicht nehmen, diese Gefühle waren nur für sie bestimmt. Und auch wenn sie nur einmal in der Woche dort hingelangte, diese Welt dort war ihre richtige Heimat – für immer.
Es gelang ihr ein Lächeln. „Nanu?“, fragte sie. „Bist du nicht zum Fußballtraining?“
„Nee, heute nicht.“ Georg runzelte die Stirn, anscheinend missfiel ihm Sarahs Freundlichkeit.
„Warum denn nicht?“, bohrte Sarah nach.
„Das geht dich gar nichts an!“, fauchte er zurück.
Sarah schaute zu Tina, die gerade dabei war, das Fleisch in der Pfanne zu wenden. Sie hatte Georgs Antwort und seinen unmissverständlich frechen Ton gehört – und doch sagte sie nichts.
„Oh prima!“, lachte Sarah. „Dann kannst du ja auch mal helfen, den Tisch zu decken!“
„Pff!“, machte Georg nur, blieb aber weiterhin mit den Händen in den Taschen am Fenster gelehnt stehen.
„Das könntest du wirklich“, sagte da Tina, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen. „Sarah, du hobelst am besten schon mal die Gurken.“
„Klar, mach ich gerne.“ Sarah machte sich sogleich an die Arbeit. In der Küche kannte sie sich aus, sie hatte genug Strafdienste hinter sich und wusste daher genau, wo alle Geräte standen und die Vorräte gelagert wurden. Sie ging zur Schublade und zog sie auf.
KRACH!
Das Glas mit Bohnenschnippel, das nicht weit von ihr gestanden hatte, lag auf dem Boden. Es war in viele Teile zersprungen und die Bohnenstücke lagen weit verstreut.
„Sarah!“ Tinas Stimme donnerte ihr entgegen, begleitet von einem wütenden Blick. „Kannst du nicht aufpassen?“
„Aber ich war doch nicht mal …“, stammelte Sarah.
Doch Tina fuhr ihr gleich dazwischen: „Was sollen wir denn jetzt essen, wenn du das Gemüse auf den Boden schmeißt? Mach das sofort sauber!“
Den Putzlappen hatte Sarah bereits in der Hand, und dass sie die Schweinerei wegwischen sollte, brauchte Tina überhaupt nicht zu betonen. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Das Glas hatte viel zu weit weg gestanden, als dass sie es hätte umstoßen können. Und doch war außer ihr niemand sonst in der Nähe gewesen.
Aus der Besenkammer holte sie sich einen Eimer und tapste vorsichtig durch den Bohnenmatsch zur Unfallstelle. Zuerst wollte sie die Glasscherben aufsammeln, danach den Rest aufwischen. Während sie die Splitter in den Eimer warf, beugte sich Georg zu ihr herunter.
„Du stellst auch nur Unsinn an“, sagte er. Dann warf er den Deckel des Bohnenglases in den Eimer.
Noch bevor sie überrascht aufschauen konnte, berührte er ihre Hand.
„Ahhhrg!“, brüllte er, fuhr erschrocken auf und wich entsetzt von ihr fort. „Spinnst du? Hast du einen Elektroschocker dabei, oder was? Du hast mir voll eine gezockt!“ Dabei hielt er sich seine rechte Hand und krümmte sich vor Schmerz.
Tina fuhr erneut herum. „Mein Gott, was soll das denn jetzt wieder!“, schrie nun auch sie. Angewidert starrte sie Sarah an. „Kannst du das nicht mal sein lassen? Georg wollte dir beim Aufräumen helfen, falls du das nicht gemerkt hast!“
Was sollte sie sein lassen? Sarah sank in sich zusammen, griff mechanisch nach dem Lappen und wischte die Bohnen auf. Sie vergaß jedoch, dass Glassplitter dabei waren, und als sie ihre blutigen Finger sah, war es bereits zu spät.
Was war hier nur los? Sie hatte dieses verdammte Glas nicht umgeworfen, da war sie sich sicher! Und dass Georg ihr helfen wollte – niemals! Der würde sich eher eine Hand abhacken!
„Oh Mann!“, jammerte er auch sofort. „Das wird jetzt voll rot! Guck mal, was du angerichtet hast!“
Nicht nur Sarah schaute nun auf. Georg hielt bereitwillig seine Hand vor, damit vor allem Tina eine pflaumengroße gerötete Stelle an der Hand bewundern konnte. Als Sarah sie betrachtete, schüttelte sie nur den Kopf. Dafür sollte sie verantwortlich sein? Wie kam er darauf?
„Halt dich von Georg fern!“, keifte Tina sie an. „Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“
„Aber ich …“, begann Sarah, da flog die Küchentür auf.
Sarahs Vater blieb gleich im Türrahmen stehen, als er die Misere sah. Er schaute verwundert von einem zum anderen, dann auf Georgs Hand. Sarahs Herz machte einen Hüpfer. Endlich kam jemand, der sie nicht gleich anbrüllen würde.
„Geh das mal schnell kühlen, bevor es schlimmer wird“, sagte er zu seinem Stiefsohn.
„Ach nein!“, winkte Georg ab. Er lehnte sich wieder an den Fensterrahmen und tat so, als sei er der Held, der wahnsinnige Schmerzen verkraften konnte.
Peter ging hinüber zu Tina und begrüßte sie mit einem Kuss in den Nacken. Das mochte Sarah an ihm, er blieb selbst in einer Krisensituation ruhig. Sie wandte sich ihrer Arbeit auf dem Boden zu, ließ die Reste von dem Putzlappen in den Eimer gleiten und erhob sich, um ihn am Waschbecken durchzuspülen.
KRACH!
Die Glasschüssel, die neben ihr gestanden hatte, lag auf dem Boden. In einzelne Teile zersprungen, das war ja klar. Sarah sah zuerst auf den Scherbenhaufen, dann rüber zu Tina und Peter. Tinas Gesicht war verzerrt. Obwohl sie diesmal nicht herumbrüllte, wusste Sarah, dass die Grenze der Toleranz bei ihrer Stiefmutter bereits überschritten war. Peter hingegen runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf.
„Ich glaub, du gehst jetzt lieber in dein Zimmer“, sagte er. Mit großen Schritten stapfte er zum Becken, an dem sie wie erstarrt stand.
„Aber ich hab doch …“, begann sie wieder. Ihre Hände waren noch immer leicht erhoben, sie hielten den Putzlappen, über den das Wasser aus dem Hahn lief. Erkannte denn niemand, dass sie die Schüssel nicht umgestoßen hatte?
„Versuchst du uns jetzt weiszumachen, dass du das nicht warst?“, fragte Tina. Ihre Stimme klang gefährlich böse, es schien, als würde sie sich arg zusammenreißen. „Wer sonst sollte es denn gewesen sein? Du standest dort, genau wie bei dem Bohnenglas!“
„Aber …“
Mehr sagte Sarah nicht. Tina hatte recht, das erkannte sie in dem Moment, als ihr Vater den Wasserhahn zudrehte und sie beiseite schob.
„Geh jetzt in dein Zimmer, bevor noch Schlimmeres passiert“, sagte er. Sie hörte deutlich, wie enttäuscht er war. Hatte er vergessen, dass sonst immer sie es war, die an Tinas Seite stand und ihr half? Dass sie die Einkäufe erledigte, die Wäsche faltete und seit Kurzem sogar bügelte?
„Och, Mama“, säuselte da Georg. „Ich bin ja noch da! Trotz der Schmerzen werde ich dir helfen. Ich deck schon mal den Tisch.“
„Danke, du bist der Beste!“, murmelte Tina.



Autorenvita:
Ich möchte Werte vermitteln und Kinder der Randgesellschaft hervorheben, damit sie schließlich Großes bewirken“
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit 2001 als Selbstständige. Mit ihrem Mann lebt sie in der Nähe von Aachen, ihre drei Kinder sind zum größten Teil schon ausgezogen und studieren. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
Durch die Unzufriedenheit ihrer ältesten Tochter über schlechte oder wenig interessante Kinderbücher ist sie Anfang 2000 zum Schreiben zurückgekehrt. Seitdem hat sie mehr als 40 Sach- und Kinderbücher geschrieben.
Bisher veröffentlicht hat sie die „Verflixte-Buch-Serie im Editia Verlag und alle anderen im Eigenverlag (VA-Verlag), der Indie-Autoren mit E-Book und schönem Cover unterstützt. So sind dort auch alle Bücher der „Sarah & Nico-Reihe“ entstanden, ebenso die „Arbeitskarten für den Schwimmunterricht“, die hauptsächlich von Lehrern und Trainern genutzt werden.
Webpräsenz:  www.va-verlag.de
Kontakt: info@va-verlag.de

Dienstag, 8. September 2015

Nico und die schwarze Burg von Veronika Aretz



Seitdem Nico seine Beine nicht mehr bewegen kann, ist Mirathasia nach wie vor seine Zuflucht vor dem Alltag. Da wird das Land plötzlich von Virusbomben attackiert und auf der ehemaligen Dracheninsel wächst unaufhörlich eine tiefschwarze Burg heran. Niemand kann zu ihr gelangen, doch Nico macht sich trotz aller Warnungen auf den Weg dorthin. Eine äußerst gefährliche Mission beginnt …
In der Realwelt beschattet Nico einen Jungen, der von einer zwielichtigen Gang bedroht wird. Kurz darauf bekommt er die Chance, ihm zu helfen – auch hier bringt er sich selbst wieder in Gefahr …

Die fantastische Serie um ein Land, in das man nur durch das kindliche Sehen gelangen kann.
Erhältlich bei Amazon.


Leseprobe
Nico und sein bester Freund Levi sind in Mirathasia mit einem Kajak auf einem Fluss.

… Sie schleppten das Kajak einige Meter zurück und ließen es an einer seichten Stelle ins Wasser. Nico setzte sich nach vorne, Levi dahinter.
Sein Freund zog ein rot-blau kariertes Tuch mit einem gelben Motorrad aus seiner Hosentasche. „Das ist mein Glückstuch, ich binde es dir jetzt um.“
Nico ließ es geschehen, mit ein wenig Herzklopfen, wie er gestehen musste. Dann stießen sie sich ab. Es war so anders, zu fahren, ohne etwas sehen zu können, sehr viel anders. Aber cool. Er hörte es rechts von sich stärker rauschen, bestimmt lag dort ein Stein. Vor ihm sprudelte das Wasser noch wilder, aber er wusste aus seiner Erinnerung, dass es noch einige Bootslängen bis zur Kaskade waren. Wenn sie nur nicht schon wieder gegen diesen Felsen prallen würden! Nico beruhigte sich, Levi war eindeutig der bessere Paddler, er sorgte schon dafür, dass sie nicht ins Wasser fielen.
„Rechts!“, kommandierte Levi.
Nico glaubte, viel schneller als vorher zu parieren, lag es daran, dass seine Sinne sich voll auf das Gehör konzentrierten? Er nahm die Geräusche intensiver wahr, hinten links war das Kajak gerade über einen unter Wasser liegenden Stein gerutscht. Ein paar Vögel stoben kreischend aus den Bäumen, ein warmer Windzug strich an Nicos Nase vorbei.
„Jetzt links!“
Nico konzentrierte sich mit aller Macht auf sein Gehör. Ja, jetzt musste die Kaskade kommen. Er wusste noch ungefähr, wie sie aussah, gleich nach der ersten Stufe mussten sie eine scharfe Rechtskurve nehmen. Wie mochte es für einen Blinden sein, wenn er den Weg überhaupt nicht kannte?
Nico spürte, wie die Bootswände vibrierten. Kaum einen Augenblick später rummste es so laut, dass er glaubte, jemand hätte genau vor ihm ein Loch in den Boden gesprengt. Er riss die Augen auf, aber das karierte Tuch ließ kein Licht hindurch. Das Boot wurde von der Spitze an senkrecht nach oben geschoben, die Wassermassen schossen von allen Seiten auf sie herein, drückten ins Bootsinnere, wie Nico an seinen nassen Füßen merkte. Vergeblich versuchte er, sich zu erinnern, ob sie vorhin eine ähnliche Situation erlebt hatten, aber da wurde das Boot schon von einer Urgewalt gepackt und wie ein Looping herumgewirbelt.
„Was …?“, brachte Nico gerade noch hervor.
Da bekam er auch schon einen Schwall Wasser in den Mund. Er würgte und spuckte und schnappte vergeblich nach Luft. Überall war Wasser, das in seine Lungen drang. Verzweifelt rang er nach Atem. Seine Beine wirbelten umher, wurden gegen einen Felsen geschleudert. Sein Knie und der rechte Arm schrabbten auf dem Boden entlang.
Längst war er aus dem Boot geschleudert worden, neben sich hörte er es krachen. Er versuchte die Augenbinde abzureißen, aber immer wieder wurde sein Arm zurückgedrückt, bis er plötzlich Boden unter den Füßen spürte. Schnell drückte er sich hoch, schoss aus dem Wasser wie eine Rakete. Er konnte wieder atmen! Seine Lunge brannte wie Feuer, er hustete und spuckte und ihm war speiübel. Als er Levis Tuch von seinen Augen zerrte, fand er sich einige Meter von der Kaskade entfernt im Wasser treibend, weit hinter der Brücke.
Aber wo war Levi?


Autorenvita:
Ich möchte Werte vermitteln und Kinder der Randgesellschaft hervorheben, damit sie schließlich Großes bewirken“
Veronika Aretz wurde 1963 in Aachen geboren, hat Grafik-Design studiert und arbeitet seit 2001 als Selbstständige. Mit ihrem Mann lebt sie in der Nähe von Aachen, ihre drei Kinder sind zum größten Teil schon ausgezogen und studieren. Seit dem Jahr 2000 trainiert sie ehrenamtlich Kinder im Schwimmverein ihrer Heimatstadt.
Durch die Unzufriedenheit ihrer ältesten Tochter über schlechte oder wenig interessante Kinderbücher ist sie Anfang 2000 zum Schreiben zurückgekehrt. Seitdem hat sie mehr als 40 Sach- und Kinderbücher geschrieben.
Bisher veröffentlicht hat sie die „Verflixte-Buch-Serie im Editia Verlag und alle anderen im Eigenverlag (VA-Verlag), der Indie-Autoren mit E-Book und schönem Cover unterstützt. So sind dort auch alle Bücher der „Sarah & Nico-Reihe“ entstanden, ebenso die „Arbeitskarten für den Schwimmunterricht“, die hauptsächlich von Lehrern und Trainern genutzt werden.
Webpräsenz:  www.va-verlag.de
Kontakt: info@va-verlag.de