Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Montag, 13. Februar 2012

Teufelspakt von Sigrid Wohlgemuth

Auf seiner Wanderschaft trifft Alexandrus auf Arabella, die Kräuter sammelt. Sie erzählt ihm, dass die Kinder, des Landes bei Nacht spurlos verschwinden. Obwohl Alexandrus meint, es sei ein Hirngespinst, bietet er ihr und den restlichen Kindern, die sich mit einer Hexe, in einer Höhle versteckt halten, seine Hilfe an. Kann Alexandrus den König dazu bringen, den Pakt mit dem Teufel zu lösen?

Teufelspakt ist ein Märchen für Kinder ab 6 Jahre, erhältlich bei Amazon .



Teufelspakt

Es war einmal ein junger Mann, der hieß Alexandrus. Eines Tages begab er sich auf die Wanderschaft. Müde vom langen Marsch suchte er einen geeigneten Platz zum Rasten und ließ sich auf einem gelbblühenden Teppich aus Löwenzahn nieder. Einen Laib Brot, Butter und Speck wickelte er aus dem bunten Tuch, in dem er seine Mahlzeit aufbewahrte, und biss genüsslich in den Kanten. Mit dem Hemdsärmel wischte er den Mund ab, streckte sich aus, verfolgte das Spiel der Wolken am Himmel und fiel in einen friedlichen Schlaf.

„Herr, Ihr könnt hier nicht ruhen!“ Alexandrus öffnete die Augen und erkannte einen Jungen, der über ihn gebeugt stand. Er setzte sich auf.

„Steht auf, Herr, und begebt Euch schnell hinfort“, sagte der Junge.

„Ich habe es nicht eilig.“ Alexandrus reckte sich.„Sag, Junge, ist es noch weit bis zum Schloss?“

„Zum Schloss?“, fragte der Junge mit erschrockenem Blick, drehte sich um und rannte geschwind davon.

„Bleib stehen!“, rief Alexandrus ihm hinterher und schüttelte verwundert den Kopf. Er stand auf und begab sich auf den Weg zum Anwesen von König Wilhelm. Zu später Stunde, am Rande des Flusses, erfreute er sich einer weiteren Brotzeit und legte danach die müden Glieder zur Nachtruhe auf ein Bett aus Moos.

Am frühen Morgen erwachte Alexandrus durch lieblichen Gesang. Er horchte, aus welcher Richtung die Stimme erklang. Nicht weit von ihm entfernt kniete ein Mädchen auf dem Gras und pflückte Löwenzahn.

„Sei gegrüßt“, rief er ihr zu. Das Mädchen erschrak und sprang auf um fortzulaufen.„Bleib stehen, ich tue dir nichts!“ Sie drehte sich um. Ihre langen blonden Haare fielen sanft auf die Schultern.

„Herr, Ihr habt mich erschreckt.“ Sie machte ein paar Schritte auf ihn zu.

„Komm, setz dich zu mir. Ich würde dich gerne etwas fragen“, sprach Alexandrus. Sie ließ sich in einigem Abstand von ihm nieder. „Befinde ich mich auf dem richtigen Pfad zum Schloss?“ Das Mädchen sprang auf. Er beugte sich nach vorne und konnte sie im letzten Moment an ihrem Rocksaum festhalten. Fast wäre sie gefallen.

„Bleib und erkläre mir, warum läuft jeder davon, wenn ich nach dem königlichen Anwesen frage?“

„Lasst mich los, Herr!“ In ihren Augen schimmerten Tränen.

„Hab keine Angst. Bitte, erzähl mir, was euch ängstigt“, bat Alexandrus.

„Gehört Ihr zu denen?“ Ihre Stimme zitterte.

„Denen?“

„Die auf dem Schloss leben.“

„Ich bin ein fahrender Geselle und befinde mich auf der Wanderschaft. Meine Taler neigen sich dem Ende zu. Ich suche eine Arbeit, um später weiterziehen zu können.“ „Begebt Euch nicht in des Herrschers Nähe!“ Mit dem Kleidersaum wischte sie sich die Tränen vom Gesicht.

„Ich heiße Alexandrus. Verrätst du mir deinen Namen?“ „Arabella.“

„Arabella, sprich, warum soll ich mich vom Palast fernhalten?“ Sie sah ihm in die Augen, holte tief Luft und sprach: „Der König hat einen Handel mit dem Teufel gemacht. Bei Nacht kann er sich die Kinder des Landes holen. Und bekommt für jedes Kind eine scharfe Paprika, die der König bevorzugt, um seine Därme anregen. Ansonsten leidet er bei fettem Essen unter starken Schmerzen.“ Herzzerreißend fing sie zu weinen an. Alexandrus stand auf und schloss sie tröstend in die Arme.

„Wer verbreitet solch einen Aberglauben?“, fragte er.

„Es ist die Wahrheit!“ Sie schnäuzte und befreite sich aus der Umarmung.

„Erzähl mir die Geschichte.“ Geduldig wartete er, bis Arabella sich gefasst hatte.

„Vor einem Jahr fing es an. Die Kinder trauten sich damals bis vor die Stadtmauer zum Spielen. Hin und wieder vergaßen sie die Zeit beim Herumtollen und begaben sich erst bei Dämmerung zurück. Mädchen und Jungen, die sich nicht sputeten, verschwanden in der Dunkelheit. Die Eltern suchten die Gegend ab, doch niemals wurden sie gefunden.“ Sie zerpflückte unruhig eine Butterblume mit den Fingern.

„Sprich weiter.“

„Vor drei Monaten beobachtete ein Späher, der sich am Abend auf die Lauer gelegt hatte, dass die Kinder von einer dunklen Gestalt verschleppt wurden. Er folgte ihren Schatten, die ihn zum Schloss führten. Ganz nah schlich er an eine Öffnung im Mauerwerk des Königlichen Gemachs und lauschte den Worten, die gesprochen wurden.“ Sie griff eine weitere Blüte. Alexandrus sah, wie ihre Hände dabei zitterten.„Sprich.“

„Er vernahm die folgenden Worte: ‚König, seht, ein strammer Bursche, er wird mir gute Dienste leisten.’ Seine Majestät antwortete: ‚Was habe ich bloß getan, dass ich Euch Teufel die Kinder meines Landes versprach!’ ‚Nur Gutes’, sprach die böse Gestalt. ‚Der Thron ist Euch geblieben. Habt Ihr vergessen, ich habe Eure beiden Brüder und Widersacher aus dem Weg geschafft. Der Lohn dafür waren die Kinder’.“ Arabella verstummte.

„Das sind Hirngespinste!“ Alexandrus lächelte.

„Glaubt Ihr mir nicht? So kann ich weiter Kräuter sammeln, damit die Kinder ein Mahl zubereiten können.“ Sie stand auf.

„Warte. Du sammelst Kräuter?“

„Wir leben davon, was die Natur uns gibt.“ Erst jetzt fiel Alexandrus auf, wie ausgeprägt ihre Gesichtszüge waren und sie nicht nur wie eine junge, reife Frau, die er auf neunzehn Jahre schätzte, sprach, sondern auch aussah. Sein Herz schlug schneller. Sollte sie ihm die Wahrheit erzählt haben?

„Wo befinden sich die Kinder?“, fragte er.

„Verzeiht, das kann ich Euch nicht verraten. Nicht einmal die Eltern wissen, wo sie sich aufhalten, sondern nur, dass sie in Sicherheit sind.“

„Vielleicht kann ich euch helfen.“

„Die Hexe hat sich mit uns verbündet, doch ihre Kräfte reichen nicht aus, um den Teufel zu vernichten.“

„Es gibt keine Hexen!“

„Ihr seid zu ungläubig. Lebt wohl!“, sprach sie und lief davon.






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