Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 7. Februar 2012

Pünktchen, das Pony von Annette Paul



Immer diese Menschen
In der 2. Auflage mit vielen Bildern von Krisi Sz.-Pöhls

Ein Goldhamster, ein Wellensittich, eine Katze, ein Pony, ein Hund und ein Frosch erzählen aus ihrem Leben. Nicht immer sind sie von ihren Menschen begeistert. Manchmal reißen sie auch aus und erleben Abenteuer.

Kinderbuch für Kinder ab 7 Jahre. Sechs Tiergeschichten für Leseanfänger.

Immer diese Menschen ist bei amazon, itunes erhältlich.


Pünktchen, das Pony

Warum lässt der Chef immer diese schlechten Reiter auf mich los? Dieser Junge wird es wohl nie schaffen, den Sattel vernünftig auf meinen Rücken zu kriegen. Ich drehe meinen Kopf zu ihm und schaue ihm eine Weile zu. Er zieht und zerrt vergeblich an dem Sattel. Obwohl der Sattel noch immer nicht richtig liegt, versucht er, den Gurt unter meinen Bauch durchzuziehen. So ungeschickt wie er ist, wird er gleich hinfallen. Und ich bekomme wieder die Schuld. Wie immer. Wenn er wirklich aufsteigt, fällt er mit dem Sattel herunter. Jetzt reicht es mir. Vorsichtig, um ihn nicht zu treten, mache ich einen Schritt zur Seite. Habe ich doch recht gehabt. Das Kerlchen liegt im Stroh und brüllt wie am Spieß. Meine armen Ohren. In der Nachbarbox tänzelt Sunny, die hübsche Stute, nervös hin und her. Und als ein paar Leute gelaufen kommen, tritt sie auch noch gegen die Wände der Box.
„Das Tier ist viel zu gefährlich für meinen Sohn", ruft eine Frau mit einer so schrillen Stimme, dass Sunny in ihrer Box herumspringt. Sie hat sich noch nicht daran gewöhnt, in einem Reitstall mit Schulpferden zu stehen. Da braucht man eben mehr Geduld als anderswo.
„Pünktchen ist so ein geduldiges Pony, bei dem passiert schon nichts", beschwichtigt der Chef die Frau. Dann klopft er mir auf die Schulter, hebt den Jungen hoch und fragt, was geschehen ist.
„Der hat mich getreten!", lügt dieser Kerl.
Empört puste ich Luft durch meine Nüstern.
„Wo denn?"
Darauf weiß der Kerl keine Antwort. Gemeinsam satteln sie mich jetzt. Das heißt, der Chef sattelt mich ganz langsam und erklärt dem Kleinen noch einmal ganz genau, wie er es machen muss und wie die einzelnen Teile heißen. Dann zeigt er ihm, wie er den Zügel halten muss und wo er stehen muss, wenn er mich führt.
Ich habe es schon so oft mitgemacht. Manche Kinder sind ungeduldig, andere ungeschickt. Manchmal tun sie mir weh, wenn sie mich pflegen oder wenn sie mich reiten. Dabei meinen sie es doch gut, deshalb bin ich auch ganz geduldig und sage nichts dazu. Wenn es zu toll wird, trete ich eben einfach einen oder zwei Schritte zur Seite.
Als letztes Paar kommen wir in die Halle. Die anderen Pferde zwinkern mir zu. Die sind froh, dass ihre Reiter schon etwas besser sind. Bei mir dürfen immer die Anfänger ran. Wenn sie dann etwas können, dürfen sie auf den anderen Tieren, den größeren, reiten. Das finde ich ungerecht. Ich möchte auch ab und zu einen guten Reiter auf meinem Rücken haben.
Als wir mitten in der Halle alle in einer Reihe stehen, sitzen die Reiter auf. Alle, bis auf meinen Kleinen. Der bekommt erst seinen linken Fuß kaum in den Steigbügel und anschließend das rechte Bein nicht über meinen Rücken. Gelangweilt warte ich, dass er fertig wird. Die anderen Pferde werden unruhig.
„Nun beeil dich doch schon“, sagt das Mädchen neben mir.
Warum kann der Junge das Aufsteigen nicht in der Turnhalle an irgendeinem Holzpferd üben? Warum muss ich immer als Übungsgerät herhalten? Vielleicht sollte ich mich doch einmal beim Chef beschweren.
Aber er kommt schon und hilft dem Jungen in den Sattel. „Das musst du noch üben. Am besten zu Hause auf einem hohen Stuhl.“
Erst laufen wir Schritt. Natürlich kann der Junge nicht reiten. Er gibt mir lauter widersprüchliche Befehle. Seine Schenkel sagen etwas anderes als sein Körper und seine Hände sind sowieso nur in meine Mähne gekrallt. Das ist gut, sonst würde er sicher am Zügel reißen und mir am Maul wehtun. Die komischen Befehle von den Anfängern kenne ich schon. Also laufe ich brav hinter den anderen her. Das wird schon richtig sein.
Bild von Krisi Sz.-Pöhls

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