Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 16. Oktober 2012

Halloween im Werraland von Wolfgang Schwerdt






                                    Zusammenfassung/Klappe
Nein, in diesem Buch ist nicht die Rede vom amerikanischen Kürbisfest mit Gruselsuppe und Horror- Disneyland. Samhain heißen die keltischen Unzeiten des winterlichen Jahreswechsels, der Zeiten, in der unsere Welt und die Anderswelt eines werden. Da geht es nicht um einen Tag oder eine Nacht. Der heidnische Zeitenwechsel entwickelt sich langsam, über Tage. Es sind die Vorzeichen, die phantastischen Ereignisse, die merkwürdigen Augenblicke, die auf einen Höhepunkt zusteuern und die in den Folgetagen langsam wieder abklingen. Wann, wenn nicht in den Tagen um Samhain kann man, für wenige Augenblicke nur, die Elfen in der tiefstehenden Sonne tanzen sehen, im Nebel wandernde Wälder beobachten und der wilden Holl begegnen, die in der Nacht mit ihrem Gefolge heulend durch die Täler jagt. In solchen Zwischenzeiten sind die hier niedergeschriebenen Geschichten vom Wiekenhus und dem tapferen Bauern Fridolin entstanden, die in den vergangenen Jahren Gegenstand so manches Halloween-Lagerfeuers im Werraland waren.  


Taschenbuch: 90 Seiten mit 13 s/w Illustrationen. Amazon Create Space Independent Publishing 
E-Book: 71 Standardbuchseiten. Mit 9 Illustrationen. Amazon KindleE-Book-Edition


Leseprobe: Die Samhainnacht

Zur Zeit, in der diese Geschichten spielen, da war es Brauch, dass die jungen Männer des Ortes Am Tage vor der Samhainnacht droben auf dem Johannisberg – so jedenfalls wird er heute genannt - einen großen Holzstapel aufschichteten, um ihn bei Beginn der Dämmerung zu entzünden. Das Feuer sollte die Geister und Dämonen abschrecken, die in dieser Nacht aus der Anderswelt auf die Erde quellen und je-dem, der so unvorsichtig ist und sich zwischen Abend- und Morgendämmerung außerhalb seiner vier Wände aufhält schreckliches Unglück bringen und Leid zu-fügen. Und wenn der Holzstapel so richtig brannte und seine Funken in den Himmel stoben, dann nahmen die tapferen Männer brennende Holzscheite aus dem Feuer und trugen sie in jedes Haus, damit diese in den Kamin gelegt werden konnten, um das Haus in der dunklen Jahreszeit, die nun begann, vor Unheil zu schützen.
Natürlich waren auch die jungen Burschen in Gefahr, von den Feen und Dämonen angegriffen und so-gar getötet zu werden. Daher war es Brauch, dass sich die jungen Männer selbst als Dämonen und Geister verkleideten, sich Felle umhängten große furchterregende Masken aufsetzen und lärmend und schreiend mit dem Feuer durch die Gegend von Haus zu Haus zogen. Man sagte sich nämlich, dass die echten Dämonen dadurch entweder Angst bekamen oder einfach dachten, dass hier bereits so viele ihres Volkes herumtobten, dass sie sich lieber einen anderen Ort suchten, um dort ihr Unwesen zu treiben. Und meistens funktionierte das auch.
So mutig die jungen Männer auch waren, das Feuer zu Fridolins Hof zu bringen, trauten sie sich trotzdem nicht, zu unheimlich und gespenstisch war dieser Weg schon in normalen Nächten. Also musste sich Bauer Fridolin das Feuer jedes Jahr selbst holen. Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, machte er sich normalerweise bereits vor Einbruch der Dämmerung auf den Weg auf den Berg. Und er kehrte mit dem schützenden Feuer in der Hand noch vor Ende der Dämmerung und vor Einbruch der Nacht zurück, zu einer Zeit, in der die Andersweltwesen noch nicht gar so mächtig waren wie in der nächtlichen Finsternis.
Auch in diesem Jahr war Fridolin wieder rechtzeitig aufgebrochen. Als er auf dem Berg ankam, tanzten und lärmten bereits zahlreiche der Jungen Männer um das Feuer herum. Es waren diesmal sogar besonders viele und ihre Kostüme wirkten heute besonders furchterregend, ja beinahe echt. Und wilder als sonst waren sie. Fridolin kam überhaupt nicht an den Holzstapel heran, um sich einen Scheit zu greifen, immer wieder wurde er rücksichtslos und recht derb weggestoßen. Es war wirklich keine schöne Geste der jungen Burschen, schließlich wussten sie um Fridolins Situation, dem langsam aber sicher begann, die Zeit davon-zulaufen. Die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden und die Dämmerung lag in den aller-letzten Zügen. Er würde sich gewaltig sputen müssen, um vor Einbruch der Dunkelheit wenigstens den gefährlichen Rückweg antreten zu können.
Fridolin wurde wütend. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass noch keiner der Burschen einen Holz-scheit gegriffen und mit ihm zum Ort gelaufen war. Ihm war auch nicht aufgefallen, dass die Burschen, die dies versuchten, genauso wie er von den anderen immer wieder beiseite gestoßen wurden. Fridolin war einfach nur wütend und wenn Fridolin wütend wurde, dann war mit ihm nicht zu Spaßen. Mächtige Hiebe teilte er nach allen Seiten aus und kämpfte sich ans Feuer. Und schließlich gelang es ihm auch, sich einen brennenden Holzscheit aus dem Stapel zu ziehen.
Wie er nun so dastand, und seinen Holzscheit triumphierend in die Höhe hielt, da beruhigten sich die Burschen ein wenig und bildeten, ihn offensichtlich bewundernd, einen Kreis um ihn. Fridolin blickte sich um und bemerkte, dass es nun gänzlich finster geworden war. Und als die Turmuhr des Ortes drunten im Tal bereits die zehnte Stunde läutete, da wusste er, dass er den Rückweg nicht mehr ohne Gefahr für Leib und Leben antreten konnte.
„Hört zu, ihr wilden Burschen“, rief er in die Runde, „ihr habt nun Euren Spaß mit mir gehabt und wenn ihr nicht ganz ohne Mumm seid, so ist es nur recht und billig, wenn ihr mich nun nach Hause begleitet, damit mir kein Unheil wiederfährt.“
Nun, viele der Burschen hatte offensichtlich der Mut verlassen. Sie stahlen sich aus der Meute, griffen sich nun, da gerade niemand auf sie achtete schnell einen Holzscheit und rannten – möglichst ohne einen Laut von sich zu geben - davon.
Die anderen aber, die mit den so echt wirkenden Kostümen und Masken gaben zu Fridolins Verwunderung zustimmende Grunzlaute von sich. Und ehe Fridolin sich´s versah, hatten sie ihn an den Armen gegriffen und jagten mit ihm wie eine wilde Meute den Berg hinunter, hinein in die unheimlichen Auen.
Längst hatte Fridolin seinen schützenden Holzscheit verloren  und je weiter die grunzende und lärmende Meute mit ihn zog, ihm immer wieder Hiebe oder Tritte versetzte, desto bewusster wurde ihm: Das waren keine Burschen aus dem Ort, das waren die Andersweltwesen, die sich bereits oben am Feuer unter die jungen Burschen gemischt hatten.
Der Bauer machte sich nichts vor. Wenn die Dämonen ihren Spaß gehabt haben und ihr Interesse an ihm verloren hatten, dann würde sein letztes Stündlein geschlagen haben, dann würden ihn morgen irgend-welche Leute totgeschlagen im Gebüsch, aufgehängt an irgendeinem Baum oder ertränkt am Flussufer finden.
Plötzlich hielt die wilde Meute an. Zwei von Ihnen stießen Fridolin zu Boden, sodass er auf die Knie fiel. Kichernd wiesen sie mit ihren Fingern auf irgendetwas das sich vor dem Bauern in der undurchdringlichen Finsternis befand. Fridolin konnte nichts erkennen, aber er vernahm aus der Richtung, in die die Dämonen wiesen ein tiefes, ständig lauter werdendes Grollen. Und noch ganz in der Ferne zuckten Blitze aus dem schwarzen Himmel. Die Meute wurde immer erregter, es musste da etwas ganz besonderes auf sie zukommen, etwas, das mit Fridolin etwas machen würde, an dem die Dämonen besonderen Spaß haben würden.
Ein kräftiger, weitverzweigter Blitz, begleitet von gewaltigem Donnergrollen tauchte die Umgebung in ein helles Licht. Und nun konnte Fridolin es sehen. Ei-ne riesige Gestalt mit gewaltigen Widderhörnern, halb Mensch halb Tier saß auf einer knorrigen Weide, ein Pooka, jenes schreckliche Geschöpf von dem die Menschen auf den britischen Inseln zu berichten wissen, das aber auch in unseren Breiten immer wieder in den Anderszeiten auftaucht.
„Hallo Fridolin“, säuselte das Ungeheuer mit meckernder Stimme, „schön, dass wir uns einmal treffen. Möchtest du mich nicht ein Stück mitnehmen?“ sprachs und sprang dem armen Fridolin unter schallendem Gelächter der Dämonen auf den Rücken.
„Na los, kleiner Bauer“, meckerte der Pooka, „wenn du es schaffst, mich bis vor deine Haustür zu tragen, so schenke ich dir dein Leben.“
Zunächst wollte Fridolin den Pooka abschütteln und das vergnügte Kreischen und Lärmen der Dämonen erreichte eine Lautstärke, gegen die das Lärmen der jungen Burschen gerade mal ein Flüstern gewesen wäre. Aber der Pooka ließ sich nicht abschütteln, wie festgeschnallt hing er auf Fridolins Rücken, der sich nun unter Aufbietung aller Kräfte erhoben hatte und mühsam begann, Schritt für Schritt voranzugehen. Fridolin war ein kräftiger Kerl, aber er wusste, er würde den Pooka nicht lange tragen können, nach Hause würde er es nie und nimmer schaffen. Und die Dämonen taten noch ein Übriges. Immer wieder stellten sie dem Bauern ein Bein oder schubsten ihn, so dass er wieder und wieder hinfiel und mehr kroch als ging.
Aber Fridolin gab nicht auf. So sehr ihm auch sämtliche Glieder schmerzten, sich der Rücken anfühlte, als stecke er in einer Schraubzwinge, die mehr und mehr angezogen wird, immer wieder stemmte er sich vom Boden hoch um dann vielleicht gerade einmal ein oder zwei Schritte voranzukommen.

Ob Ihr es nun glaubt oder nicht. Irgendwann hatte Fridolin die Pferdekoppel erreicht, von der aus es nur noch ein paar hundert Schritte zu seinem Hause waren. Es hätten auch hunderttausend Schritte sein können, Fridolin jedenfalls war am Ende seiner Kräfte. Er würde es nicht schaffen und der Pooka und die Dämonen frohlockten lautstark . . .



Leserstimmen:

Was dem Bauern Fridolin und seinen Lieben in dieser Geschichtensammlung widerfährt, lässt den Leser immer wieder staunen und gebannt Zeile für Zeile verschlingen.” 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen