Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 27. November 2012

Auf wilder Jagd nach den Krokodildieben von Antje Bärnthol



Klappentext:
Es regnet mal wieder und Sophie, die bei ihren Großeltern zu Besuch ist, ist es langweilig. So kramt Oma Gertrud das alte Fotoalbum aus der Schublade und fängt an, vom letzten Urlaub von Sophies Eltern zu erzählen…
Und plötzlich ist das Mädchen mitten in Australien und wer ist denn das? Kiru, das Känguru, braucht dringend die Hilfe der kleinen Sophie, um nach seinem verschwundenen Krokodilfreund Jack zu suchen, der in großer Gefahr zu sein scheint. Auf der Jagd nach den Entführern reisen die beiden quer durch das ganze Land und erleben viele spannende Abenteuer auf dem australischen Kontinent, bis sie am Schluss sogar selbst noch in Gefahr geraten …
Zielgruppe: abenteuerlustige Mädchen und Jungen im Alter von 8 bis 12 Jahren. Erhältlich bei amazon als E-Book oder BoD.



Auszug aus Kapitel 4: Begegnung mit dem Dingo auf Fraser Island

...
Am Zelt angekommen, richten sie sich gemütlich ein. Peter hat ihnen noch etwas Feuerholz und einen Picknickkorb mitgebracht. Er verspricht, morgens pünktlich zurück zu sein und wünscht ihnen eine gute Nacht.
Die Sonne ist mittlerweile vollständig untergegangen. Sophie und Kiru zünden das Feuer an und machen sich dann hungrig über die Sachen aus dem Korb her: herzhafte Steaksemmeln, saftige Tomaten, würzige Gemüsespieße und als Nachspeise noch ein paar typisch australische Kuchen.
Plötzlich hören sie hinter sich ein Knacken im Gebüsch. Kiru bleibt der Bissen im Halse stecken. Zitternd wendet er sich Sophie zu.
„Ha a a st du d d d das auch ge e e hört?“, stottert er.
Auch Sophie hat aufgehört zu essen und blickt sich um, doch es ist nichts zu sehen. Gerade als sie wieder in ihre Steaksemmel beißen will, knackt es erneut. Dieses Mal ist das Geräusch schon viel näher. Nun wird auch sie unruhig.
„Was mag das nur sein, Kiru?“
Fest umklammert sie ihre Taschenlampe und leuchtet ins Gebüsch, doch es ist nichts zu erkennen. Das Knacken wird immer lauter. Beide sind ganz nah aneinander gerückt.
Von Kiru hört man sogar die Zähne klappern, so sehr zittert er: „W w was ist d d d das n n nur?“
Sophie nimmt all ihren Mut zusammen und ruft laut: „Wer auch immer da ist, zeig dich und höre auf, uns Angst einzujagen!“
Dann schieben sich langsam die Zweige des Gebüsches auseinander und zähnefletschend taucht ein schmales Tier auf vier Pfoten auf. Es sieht aus wie ein Hund.
Da erinnert sich Sophie an Peters Warnung vor den Dingos, den Wildhunden, auf der Insel. Mutig spricht sie das Tier an: „Wer auch immer du bist, wir sind zu zweit und du allein, also sei vorsichtig. Du kannst gerne mit uns essen, aber wenn du uns etwas Böses willst, dann können wir uns wehren. Das hier ist nämlich Kiru, ein Kampfkänguru. Er macht jeden Gegner platt.“
Kiru blickt sie entsetzt an und meint leise zu sich selbst: „Was erzählt sie denn da? Ist sie jetzt völlig verrückt geworden?“
Doch der Bluff scheint gewirkt zu haben.
Der Dingo nähert sich mit eingezogenem Schwanz: „Ist ja schon gut, ich wollte euch nur ein wenig Angst einjagen. Eigentlich tue ich niemandem etwas, aber ich habe Hunger, dürfte ich vielleicht auf dein Angebot mit dem Essen zurückkommen?“
Nachdem sie sich einander vorgestellt haben, setzt sich der Dingo zu den beiden und verspeist genüsslich das ihm angebotene Fleisch. Kiru ist zwar noch etwas misstrauisch, aber nachdem der wilde Hund, der sich als Tim vorgestellt hat, keine Anstalten macht, ihnen etwas zu tun, entspannt auch er sich.
„Warum hat uns Peter vor euch gewarnt, du scheinst ja ganz nett zu sein?“, fragt ihn das Känguru.
„Die Warnung ist schon richtig, wenn wir im Rudel, also in einer großen Gruppe unterwegs sind, können wir ganz schön ungemütlich werden. Dann will jeder zeigen, dass er der Beste und Stärkste ist. Wenn man uns aber näher kennenlernt, sind wir ganz zahm und lieb. Wir sind nur nicht gerne hungrig, dann werden wir auch mal etwas aggressiv.“
Das kann Kiru verstehen, wenn er Hunger hat, ist er auch immer schlecht gelaunt.
„Und bist du wirklich ein Kampfkänguru?“, fragt Tim, der von Kiru noch respektvoll Abstand hält.
„Klar“, plustert dieser sich auf, „das sieht man doch.“
Und er zeigt Tim seine dünnen Ärmchen.
Sophie kann sich das Lachen kaum verkneifen, um abzulenken, bittet sie den Dingo, etwas von der Insel zu erzählen.
Dieser lässt sich nicht lange bitten und beginnt: „Wir leben hier auf der größten Sandinsel der Welt, das habt ihr ja schon mitbekommen. Die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, nennen das hier in ihrer Sprache Paradies. Für uns ist es das auch, wenn nur nicht immer so viele Touristen kämen. Hier gibt es ganz viele Süßwasserseen, in denen man toll baden kann. Im Meer würde ich aber nicht schwimmen, die Strömungen sind ganz schön heftig und außerdem gibt es viele Haie, die ganz nah an den Strand kommen. Am Strand liegt ein altes Wrack, das ein Zyklon, also ein heftiger Wirbelsturm, hier …“
„Ein Wrack?“, unterbricht ihn Kiru, „Genau das suchen wir doch, darum sind wir hier! Wo ist es, können wir jetzt sofort dorthin gehen?
„Was wollt ihr denn von der alten Maheno?“, fragt Tim erstaunt.
Und dann erzählen ihm Sophie und Kiru ihre ganze Geschichte und Tim hört gespannt zu. Gemeinsam beschließen sie aber, bis zum Morgen zu warten, um sich bei Tageslicht das Wrack einmal genauer anzusehen. Sie hoffen, dort weitere Hinweise zu finden, was Tim allerdings sehr bezweifelt.
Satt und zufrieden setzen sie sich an das Feuer und kuscheln sich in ihre Schlafsäcke. Da die Nacht so schön warm ist, haben sie beschlossen, draußen zu schlafen. Über ihnen erstrahlt ein wunderschöner Sternenhimmel. Im Gebüsch hört man die Geckos hin und her flitzen. Kiru und Sophie schließen die Augen und lassen sich von dem Knacken des Feuers und dem leisen Säuseln des Windes in den Schlaf wiegen. In der Ferne hört man das Meer rauschen und hier und da das Jaulen eines Dingos. Aber sie wissen ja nun, dass diese sehr nett sein können, außerdem haben sie Tim dabei, der sie im Notfall beschützen kann. 

Leserstmme;

"(...) Die Geschichte handelt an verschiedenen Orten Australiens. So gibt es Abenteuer zu bestehen in Sydney, Byron Bay, Fraser Island, dem tropischen Nordosten am Riff, in Adelaide, dem roten Zentrum und Darwin. Im Text selbst wird immer wieder darauf eingegangen wie Sophie und ihr Känguru sich orientieren, es ist also eine richtige Reisegeschichte. Für Kinder, die gerne unterwegs sind, sind diese Passagen ganz reizvoll. Ein anderes Element, das eingestreut wurde, sind Geschichten über Kängurus und Krokodile wie sie die Ureinwohner erzählen.(...)"

...
 
 

Dienstag, 20. November 2012

Die Kinder - Weihnachtsbackstube von R.D.V. Heldt

Wenn nun Weihnachten vor der Tür steht, könnt ihr mit Hilfe dieses Buches die schönsten Plätzchen selbst herstellen, denn ihr werdet Schritt für Schritt angeleitet.
Stellt euch einmal den bunten Teller am Weihnachtsabend vor - und ihr ward die Weihnachsbäcker.
Natürlich müsst ihr nicht alles allein machen. Auch eure Eltern werden Spass beim Helfen haben. 



R.D.V. Heldt wünscht all ihren kleinen Lesern frohe Weihnachten und viel Spass beim Backen.



 Erhältlich bei Amazon als Ebook und Taschenbuch.



Schneebälle

Was passt besser zum Winter und zur Weihnachtszeit als Schneebälle. Ihr müsst aber nicht nach draußen in die Kälte um Schneebälle zu machen.
Wir machen sie einfach in der warmen Küche und was das Schönste ist, ihr könnt sie hinterher essen.

Die Schneebälle sind mit wenig Aufwand aber dafür mit viiiiiiiiel Genuss verbunden.

An Zubehör benötigt ihr nur:

1 Schüssel (groß)
1 Schüssel (mittelgroß)
1 Küchenwaage
1 Mixer (mit Rührstangen)
1 Gefäß für die Sahne
1 Teller

vielleicht:
1 kleines Messer
1 Dosenöffner

Vom Einkaufszettel braucht ihr folgende Mengen der aufgeführten Lebensmittel:

1Biskuitboden
200 ml Schlagsahne
2 Päckchen Vanillin-Zucker
1 Päckchen Sahnesteif
100 Gramm gemahlene Haselnüsse

Mögt ihr die Schneebälle anstatt mit Nüssen lieber etwas fruchtig, öffnet die Dosen mit Mandarinen oder Ananas, gießt den Fruchtsaft ab und verkleinert die Früchte noch etwas, indem ihr sie mit dem Messer in ungefähr 1 cm große Stücke schneidet. So vorbereitet können wir nun anfangen.
Ungewöhnlich beginnen wir schon (dass heißt, dass man es normal nicht macht). Wir zerbröseln nämlich den schönen Biskuitboden mit den Händen in die Schüssel, bis es feine Krümel sind und fast so aussehen wie Paniermehl.

In diese Kuchenbrösel streuen wir entweder die gemahlenen Haselnüsse oder geben die Fruchtstückchen hinzu. Egal was ihr nehmt, es muss alles kurz miteinander vermischt werden. Dann stellen wir die große Schüssel erst einmal zur Seite und kümmern uns erst einmal um die Sahne, die geschlagen werden muss.

Gebt also die Schlagsahne in das dafür vorgesehene Gefäß (Schüssel oder Mixbecher), schüttet die zwei Päckchen Vanillin-Zucker hinein und beginnt die Sahne mit dem Mixer zu schlagen. Damit sie etwas steifer wird, schüttet ihr, während ihr aber immer weiter mixt, das Sahnesteifpulver dazu. Im Nu habt ihr eine schöne feste Schlagsahne.
Jetzt habt ihr die letzte Gelegenheit, von dieser schönen Sahne zu naschen, denn sie bleibt nicht in diesem Zustand.

Holt die Schüssel mit dem zerkrümelten Biskuitboden wieder vor und gebt die geschlagene Sahne dazu.

Was nun kommt, erklärt den Ausdruck Schneebälle.
Ihr dürft nicht nur, sondern müsst sogar mit den Händen alles verbinden was in der Schüssel ist. Greift also so lange hinein, bis es eine Masse ist.
Stellt euch vor, in der Schüssel ist Schnee und ihr wollt Schneebälle machen. Genau so nehmt ihr einen Teil der Kuchenmasse in die Hände, knetet und formt sie so lange, bis eine Kugel entstanden ist.

Wir haben jetzt die Form eines Schneeballs, aber noch nicht das Aussehen, denn die Schneebälle sind weiß. Also wälzen wir die Bälle in den Kokosraspeln. Diese schüttet ihr in die mittelgroße Schüssel, legt die Kuchenbälle hinein und dreht sie ein paar Mal in den Raspeln herum.
Auf dem bereitgestellten Teller könnt ihr die fertigen Schneebälle ablegen.

Aus dieser Zutatenmenge formt ihr etwa 8 Schneebälle (bei kleineren Händen vielleicht auch mehr).

Aber bitte, mit diesen Schneebällen keine Schneeballschlacht machen.
Die einzige Richtung in die ihr sie werfen könnt, ist in euren Mund.
 

 
Leserstimmen:

"(...) klasse beschrieben und mit viel liebe zusammengestellt!!! mehr davon bitte!!!"

Dienstag, 13. November 2012

Sommerabenteuer in Dobberdau von Anja Blum

Klappentext:
Die vier Kinder Charli, Ole, Jens und Vivian verbringen ihre Sommerferien in Dobberdau, dem kleinen beschaulichen Dorf am See. Hier gibt es noch einen Kuhstall und sogar ein Storchennest. Wenn du jetzt denkst, die Ferien müssen ja stinklangweilig sein, wirst du in der Geschichte der 4 eines Anderen belehrt. Dass jeder Tag spannend ist, dafür sorgt Resi, das kleine braune Kälbchen genauso, wie der Angelspaß im See. Erfahre im Buch, was mit Vivian passiert und ob sie aus dem See gerettet werden kann. Nach 6 Wochen gehen auch für die Kinder in Dobberdau die erlebnisreichen Sommerferien, die scheinbar so blöd begannen, zu Ende.
Erhältlich bei Amazon als Create Space und E-Book.



 Leseprobe

»Kommt, lasst uns zu August gehen. Ich glaube, da ist ein neues Kälbchen geboren worden.« Ole hatte es ganz wichtig. Von seiner großen Schwester Nele, die schon 16 war, hatte er die Neuigkeit erfahren. Und nun wollte er natürlich nichts schneller, als mit seinen Freunden das Kälbchen anzuschauen. Vielleicht konnten sie das kleine Tier mal streicheln, das wäre echt toll.
»Oh ja, ein Kälbchen, wie schön.« Charli hüpfte gleich hellauf begeistert auf der Stelle auf und ab. Jens stimmte fröhlich ein. Als die drei losliefen, fiel ihnen zum Glück ein, dass Vivian ja noch da stand.
»Komm, Vivian, los!«, rief Charli. Vivian trottete hinterher. Sie war überhaupt nicht wild darauf, in einen dreckigen und stinkenden Kuhstall zu gehen. Aber was sollte sie schon machen?
»Guten Tag, Herr August«, begrüßten die Kinder August freundlich. Sie spürten, dass er heute nicht so mies gelaunt war. Sicher lag das an dem kleinen neuen Kälbchen. Der August hatte schon graue Haare, die unter dem braunen Hut hervorschauten. Der Hut schien auf seinem Kopf angewachsen zu sein, denn ohne dem kannten die Kinder den August nicht. Genauso, wie die blauen Arbeitshosen, die der August ständig trug. Nur das Hemd schien er ab und an zu wechseln. Der August hatte tiefe Falten in seinem gebräunten Gesicht. Am tiefsten war die Falte zwischen den Augen, über der Nase. Die ließ ihn bedrohlich grimmig aussehen. August hatte breite Schultern, überhaupt war er ganz schön stark. Was der alles schleppen konnte! Da staunten die Kinder oft.
»Wollt ihr wieder Limonade?«, fragte er.
»Ja... Nein... Eigentlich wollten wir das neue Kälbchen anschauen«, stotterte Ole etwas rum und rückte seine Brille zurecht.
»So, so, das neue Kälbchen. Habt ihr also schon davon gehört?«
Die Kinder schauten August erwartungsvoll an.
»Und wen habt ihr heute noch mitgebracht, ein richtiges kleines Fräulein?«
Vivian wurde rot. Was wollten bloß dauernd alle von ihr? Es reichte doch schon, wenn es hier überall so stank.
»Das ist meine Cousine Vivian«, erklärte Charli. »Sie ist den Sommer bei uns zu Besuch.«
»Soso. Na dann kommt mal mit.« August machte eine einladende Hand­bewegung und schlurfte in seinen schwarzen Gummistiefeln in den Stall.

Da stand es nun, auf ganz wackeligen Beinen. Ein kleines braunes Kälbchen mit ein paar vereinzelten weißen Flecken und ganz großen schwarzen Augen. Es war mit seiner Mama in einer mit Holzbrettern eingezäunten Box und drängte sich ganz arg an sie.
»Och ist das niedlich. So klein. Wie heißt es denn?«, wollte Charli wissen.
»Es hat noch keinen Namen. Von mir aus könnt ihr ihm einen geben«, brummelte August. Er freute sich auch sehr über das Kälbchen, konnte es aber gar nicht richtig zeigen.
»Wie wollen wir es nennen?«, fragte Ole.
»Lassen wir doch Vivian einen Namen aussuchen«, schlug Jens vor, der dabei einen verstohlenen Blick auf Vivian warf. Ihre langen blonden Zöpfe gefielen ihm. Und Vivians Augen waren blau wie das Meer. So richtig hübsch, fand Jens. Charli wollte sich beschweren, hielt dann aber doch ihren Mund. Jens setzte sein Basecup ab, fuhr sich durch seine schulterlangen Haare, setzte die Mütze wieder auf und fragte Vivian »Magst du einen Namen für das Kuhbaby finden?«
Vivian zuckte mit den Schultern. Sie wusste nicht so recht, fühlte sich aber ganz schön geschmeichelt, dass Jens sie gefragt hatte. Sie überlegte schnell und sagte dann »Resi, nennen wir es doch Resi.«
»Resi gefällt mir.« Jens war sofort einverstanden. Ole und Charli schauten sich an, zogen beiden die Augenbrauen hoch, nickten dann aber zustimmend mit dem Kopf.
»Na da habt ihr ja Glück, dass es sich um ein Kuh­mädchen handelt. Da passt Resi zufällig«, entgeg­nete August.
»Resi, Resi komm mal her«, lockte Charli das Kälbchen. Resi hatte zwar Angst, aber die Neugierde siegte und so kam sie zu den Kindern. Sie versuchte gleich, irgend­etwas zum Saugen zu finden und erwischte die Hand von Charli, die sie über den Holzverschlag hängen ließ. Sofort fing das Kälbchen kräftig mit saugen an. Zschlüz, zschlüz, zschlüz schmatzte es kraftvoll. »Hui ist das ein komisches Gefühl, hihihi«, kicherte Charli und streichelte den Kopf von Resi mit der anderen Hand.
»Lass mich auch mal!«, forderte Ole und schob Charli fast bei Seite.
Jens wollte das Kälbchen natürlich auch streicheln und langte über den Zaun. Vivian stand mit ihren Lackschuhen im Stallmist. Am liebsten wäre sie weggelaufen, aber ein klein wenig wollte sie auch das Kälbchen sehen. Völlig entsetzt sah sie zu, wie Charli die Finger in das Maul des Kälbchens steckte. Wenn die Resi in die Finger beißt?
»Magst du auch mal?«, fragte Jens, der inzwischen bei Resi zum Streicheln kam.
»Nee, die beißt mir doch die Finger ab«, antwortete Vivian kopfschüttelnd.
»Das Kälbchen kann dich nicht beißen«, erklärte August, der den Kindern zusah. »Seine Zähne sind noch nicht da. Es will nur saugen. Kleine Kälber haben nämlich immer Hunger.«
Vivian wollte das nicht so richtig glauben, was der alte Mann da sagte. Aber trotzdem wagte sie sich etwas näher an Resi heran. Sie lehnte sich an den Holzverschlag und streckte zögernd ihre Hand aus. Resi sah ihre Chance und wollte gleich bei Vivian saugen. Das erschreckte sie so sehr, dass sie ruckartig zurücksprang. Dabei blieb sie mit ihrer Bluse am Holz hängen, es machte Ratsch und die schöne weiße Bluse hatte einen Riss. Vivian bemerkte es und die Tränen stiegen ihr in die Augen. Die anderen drei sahen, was passiert war, aber keiner lachte Vivian aus.
»Das kann man bestimmt flicken«, tröstete August das Mädchen. »Das nächste Mal ziehst du dir einfach etwas an, was besser in den Stall passt.«
Vivian war schockiert, die schöne Bluse war kaputt. Und dann auch noch die schleimige Zunge von dem Kalb. Das hatte an ihrer Hand gesaugt. So etwas hatte Vivian noch nie erlebt. Igitt war das ekelig. Vivian erfasste ein Schüttelschauer, der sie den Kopf zwischen ihre Schultern ziehen ließ. Das Kalb ließ sich davon nicht beirren und versuchte aufdringlich, irgendetwas von Vivian zu erwischen, um daran zu saugen. Das sah putzig aus. Eigentlich total süß. Dieses kleine Kuhkind hatte offensichtlich einen Narren an Vivian gefressen.  Aber das interessierte Vivian im Moment gar nicht. Sie wollte nur weg hier.







Dienstag, 6. November 2012

Oh, wie hässlich! – Eine Geschichte vom Anderssein von Evelyn Sperber-Hummel, Coverbild von Krisi Sz.-Pöhls



 
Inhaltsangabe:

Die Krokodilseltern Krokelia und Krokus warten ungeduldig darauf, dass auch ihr letztes Kind aus dem Ei schlüpft. Doch als es dann endlich aus dem Ei krabbelt, sind sie entsetzt, denn dieses Krokodilsbaby sieht ganz anders aus als ihre anderen Kinder. Es ist nicht grün, sondern schwarz, es hat einen roten Borstenbüschel auf dem Kopf und eine breite Schnauze. Die anderen Krokodilskinder finden ihr neues Geschwisterchen potthässlich. Und Vater Krokus verbietet ihnen, mit diesem „Ungeheuer“ zu spielen. Nur Krokelia kümmert sich  um ihre seltsame Tochter, und weil sie so glänzend schwarz ist, nennt sie sie Lackschuh.
Lackschuh ist anders als ihre Geschwister. Und weil Vater Krokus sie für ein Ungeheuer hält, darf sie nicht bei den Krokodilen wohnen. Aber sie möchte auch geliebt und geknuddelt werden. Krokelias Herz gewinnt das kleine pfiffige Persönchen schnell. Lackschuh hat viele Fragen, Krokelia beantwortet sie alle. Nur auf eine Frage weiß sie keine Antwort. Lackschuh möchte wissen, wer sie ist. Denn eines steht fest: Ein Krokodil ist sie nicht. Wird sie deshalb immer allein sein müssen? Die Antwort darauf gibt diese Geschichte vom Anderssein. Und diese Geschichte endet glücklich.
Erhältlich bei Amazon.


     
 Leseprobe
Ein seltsames Baby schlüpft aus dem Ei
"Immer noch nichts?" Krokodilsvater Krokus runzelte die Stirn.
Mutter Krokelia schüttelte den Kopf und starrte auf das Ei, das in der Sandkuhle vor ihr lag. Alle anderen  Babys waren inzwischen geschlüpft, dieses Ei rührte sich nicht. Ein paar Mal hatte sie es vorsichtig mit ihrer großen Schnauze hochgehoben in der Hoffnung, das kleine Krokodil im Innern aufzuwecken. Vergebens. "Ich mache mir langsam Sorgen", sagte sie.
Vater Krokus klopfte vorsichtig gegen die schwarz gepunktete dunkelgrüne Eierschale. "Soll ich ein bisschen nachhelfen?", fragte er.
"Ja, vielleicht." Krokelia seufzte. Noch nie hatte ein Kind so lange auf sich warten lassen.
Krokus schlug  vorsichtig gegen die Schale. Er legte sein Ohr ans Ei und horchte. "Du, da drin bewegt sich was", sagte er.
In dem Moment knackte es, ein feiner Riss zog sich über die Eierschale, und kurz darauf wurde ein großes Stück herausgebrochen. Ein Köpfchen kam zum Vorschein, schmal, glänzend und mit winzigen Knopfaugen, die neugierig umherspähten.
"Das ist ja entsetzlich!" Krokus sprach aus, was Krokelia zur gleichen Zeit wie er dachte. "Das ist ja entsetzlich", wiederholte er und starrte auf das schwarz glänzende Figürchen, das aus dem Ei kroch.
Das Figürchen stellte sich auf die kurzen Hinterläufe, reckte sich und ließ ein wohliges "Aaaaaah!" ertönen. "Hallo", sagte es.
Als niemand antwortete, fügte es hinzu: "War ganz schön eng in dem Ding da." Dabei zeigte es auf die zerbrochene Eierschale. "Sagt mal, hat es euch die Sprache verschlagen? Ihr habt doch sonst pausenlos gequasselt, manchmal konnte ich kaum schlafen, und jetzt schweigt ihr und tut so, als sei euch ein Ungeheuer begegnet."
Bei diesen Worten zuckten Krokus und Krokelia zusammen. Ein Ungeheuer! Das war es. Ein schwarzes Ungeheuer. Abwehrend streckten beide ihre Vorderpranken aus.
"Hey, was soll das denn? Wollt ihr mich nicht umarmen? Ich bin ein Baby, und Babys wollen gekuschelt werden." Das kleine Ding trippelte auf die Krokodilseltern zu.
Krokus und Krokelia wichen zurück, erst langsam, dann immer schneller und schließlich rannten sie davon, so schnell ihre Beine sie tragen konnten. Erstaunt schaute das schwarze Wesen ihnen nach.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Kleiner Held vom Fensterbrett von Birgit Böckli mit Illustrationen von Andreas Koch


Zwei Bildergeschichten zum Lesen und Vorlesen
Für Kinder von 5 bis 8 Jahren, erhältlich bei Amazon.

Kleiner Held vom Fensterbrett:
Die kleine Julia wünscht sich ein paar Zimmerpflanzen für ihre Fensterbank. Doch nach der ersten Begeisterung vergisst sie schon bald, ihre neuen Freunde zu gießen. Da beschließt der kleine Kugelkaktus, etwas zu unternehmen…

Die Schönheit der Hyäne
In der Savanne herrscht große Aufregung. Die Tiere wollen einen Schönheitswettbewerb veranstalten und stürzen sich mit Begeisterung in die Vorbereitungen. Als die hässliche Hyäne um Hilfe bittet, hat niemand Zeit für sie. Doch dann geschieht ein Unglück, mit dem niemand gerechnet hat.

 
Kleiner Held vom Fensterbrett

Am Rande einer kleinen Stadt lebte ein Mädchen namens Julia.
Julia liebte die Natur. Im Sommer lief sie barfuß über die grünen Wiesen, im Herbst ging sie mit ihren Eltern im Wald spazieren. Doch am allermeisten liebte sie die vielen bunten Blumen, die in den Vorgärten und an den Wegrändern blühten. Deshalb wünschte sie sich zu ihrem Geburtstag ein paar eigene Pflanzen für ihr Zimmer.

Von Papa und Mama bekam sie ein Usambaraveilchen mit hübschen violetten Blüten, von Onkel Theodor eine prächtige Begonie, die viele leuchtend rote Blüten trug und von Oma vier Kakteen, drei kleine grüne Kugeln und einen langen Gesellen, der aussah wie eine dunkelgrüne Spargelstange. Julia stellte all ihre Pflanzen auf die Fensterbank und kümmerte sich sorgfältig um sie. Oma hatte ihr gezeigt, dass sie mit den Fingern fühlen musste, ob die Erde zu trocken wurde, denn auch zu viel Wasser konnte für die Pflanzen schädlich sein. So bekamen die Begonie und das Veilchen reichlich zu trinken, die Kakteen nur ein wenig, denn sie brauchten nicht so viel.


 


Irgendwann jedoch verlor Julia das Interesse an ihren Blumen. Es war Mai, die Tage wurden immer wärmer, und sie spielte meistens draußen mit ihren Freunden. Immer öfter vergaß Julia, ihre Pflanzen zu gießen, und als der Sommer kam, kümmerte sie sich fast gar nicht mehr um sie.

Da standen sie nun, alle in einer Reihe in ihren hübschen bunten Übertöpfen, und warteten Tag um Tag auf Wasser. Eines Tages regnete es sehr stark, das Wasser strömte in köstlichen Bächen über die Fensterscheibe, und die Begonie, die bis jetzt immer stumm gelitten hatte, hielt es nicht mehr aus.
„Ist es nicht eine Schande?“ klagte sie mit ihrer klaren volltönenden Stimme. „Das viele Wasser dort draußen, und wir bekommen wieder nichts. Ich bin so durstig, dass meine Blätter schon ganz welk sind. Und alle meine Blüten habe ich verloren. Seht ihr, der ganze Boden ist voll davon.“
„Ich bin auch durstig“, seufzte das Veilchen. „Ich habe ganz schlaffe Blätter bekommen. Warum gibt uns Julia denn nichts mehr zu trinken?“
Da meldete sich ein kleiner Kugelkaktus zu Wort.
„Ihr Armen“, piepste der Kaktus. „Unsere großen Verwandten leben ja in der Wüste, wo es sehr selten regnet. Deswegen brauchen wir nur wenig Wasser. Aber so langsam wird es mir auch mulmig zumute. Ich glaube, Julia hat uns vergessen.“


 

Ende der Leseprobe