Leseproben für kleine Schmökerratten
- Kinderbücher von Indie-Autoren

Dienstag, 4. November 2014

Benji, der Braunbär von Sebastian Görlitzer

Klappentext: Die entzückende Geschichte von Benji und seinem Freund, dem Hasen und ihre gemeinsamen Erlebnisse.
Ein Buch zum Vorlesen oder für die ersten eigenen Leseabenteuer. Bei den Illustrationen ist ein Anmalen unbedingt erwünscht.
Erhältlich als Printbuch über den Karina Verlag oder Amazon.



    1. Kapitel   Benji lernt den Hasen Jambor kennen  
  
In einem Wald fern aller Moderne, wo stattdessen Ruhe und Harmonie im Einklang aufeinander treffen, wo die Natur so vielseitig ist wie sonst nirgendwo und Flüsse sich kilometerlang hinziehen, wohnen die verschiedensten Lebewesen. Große, kleine, gefährliche, schüchterne und welche, die sich zu ihrem eigenen Schutz gelegentlich verstecken.

Manche leben in der Luft, andere im Erdboden, davon viele auf dem Boden und andere im Wasser. Gerade ist der Winter vorübergezogen, und die Pflanzen erholen sich von der kalten Jahreszeit, um in voller Pracht neu zu erblühen.

Neue Lebewesen erblickten das Licht der Welt. Darunter auch ein kleiner Braunbär namens Benji. Ein Neugeborenes, welches neugierig seine Umgebung erforschte und sich mit seinen Vorder- und Hinterpfoten bemühte, sich vorsichtig vorwärts zu bewegen. Es würde nicht lange dauern und er würde sich sicher und ohne ständiges Stolpern fortbewegen können. 

Seine Lebendigkeit bewies er in seinen zwar tollpatschigen, aber schnellen Bewegungen und er erkundete mit seinen schwarzen und runden Augen die Umgebung. Nun weckte ein Stein, rund und mit Moos bedeckt, sein Interesse. Er schnupperte und leckte daran. Anschließend kratzte er mit seinen Pfoten das grüne unbekannte Gewächs zur Seite. Weil Moos nicht allzu interessant ist, wurde auch der Stein schnell uninteressant. Also trottete er immer weiter in den Wald hinein.

Von seiner Mutter weit entfernt, drangen verzweifelte Schreie an sein Ohr. Sie klangen wie die eines fremden Tieres. So beschloss er, den Rufen zu folgen. Dabei waren es nur wenige Meter, die er hinter sich ließ, bis er an einen Baum kam, an dem ein Netz hing. Er untersuchte es. Und ein weiterer Hilferuf erklang. Benji wich erschrocken zurück. Es war ihm nicht geheuer. 

„Ist da jemand?“ Benji stutzte, denn ungewollt hatte er gerade seine Stimme entdeckt. Erfreulich, wie er fand. Denn die würde er sicher benötigen, um irgendwann mit anderen Tieren zu sprechen. Er überlegte kurz, ob Netze vielleicht reden konnten und kam zu dem Schluss, dass dies gar nicht möglich war. Es musste sich demnach um ein hilfloses Wesen handeln, welches sich auch gleich zu Wort meldete.

„Ich bin in diese Falle getappt, weil ich nach Futter gesucht habe, und kann mich nicht befreien“, kam die Antwort unerwartet aus dem Netz. 

Dabei sah Benji, wie die Äste anfingen zu wackeln, als ob sich das Tier darin bewegte.
„Kannst du versuchen, mich zu befreien?“, wurde Benji gebeten. Er wusste allerdings nicht, wie er das fremde Geschöpf befreien konnte. „Wie soll ich das alleine schaffen? Ich bin nur ein kleiner Braunbär“, entschuldigte er sich.

„Bitte, nur einen einzigen Versuch“, wurde er angefleht. Er schritt um den Baum, sah sich um und betrachtete die Falle genauer. Er versuchte, die Stricke, die das Netz zusammenhielten, mit seinen Tatzen auseinanderzureißen.
Es geschah nichts, außer dass er sich an seiner Pfote verletzte, die nun blutete. Doch er gab nicht auf, wo er doch gerade seinen Mut entdeckt hatte. 

Aus der Ferne hörte er plötzlich jemanden immer näher kommen. Schritte. Sie hörten sich an wie die eines Menschen. Es hieß, achtsam sein und eigentlich sich in Sicherheit zu bringen. Doch Benji wusste, wenn ihm die Rettung nicht glückte, würde mit dem unbekannten Geschöpf sicher etwas Furchtbares passieren. Also nahm er alle Kraft zusammen und versuchte sein Glück ein weiteres Mal. Schließlich biss er in eines der unteren Seile, riss mit einer Stärke daran, wie es nur ein Bär schaffen konnte und ließ dabei nicht los. Er gab nicht nach, dafür gab aber der Druck nach. Anders als geplant, krachte der Ast zu Boden. Benji war überrascht, hörte die Schritte, die nun viel näher waren als zuvor, und vor seinen Füßen raschelte es unvorhergesehen. Denn ein kleiner Hase befreite sich und schüttelte die Restfetzen des Netzes von sich. Denn genau an der Stelle, an der Benji vorher mit seinen Zähnen gezerrt hatte, riss er offensichtlich ein Loch in das Netz. Und der kleine Hase konnte sich aus seiner misslichen Lage befreien.

„Ich danke Dir!“, meinte dieser zu dem kleinen Bären. Jedoch war es nicht der richtige Zeitpunkt, darauf einzugehen. Stattdessen forderte Benji auf, von hier zu verschwinden.

„Bald wird dieser Wilderer da sein. Hörst du die Schritte?“, wies Benji auf ihre gefährliche Lage hin. Der kleine Hase richtete die Ohren in die Höhe und lauschte. Er vernahm die Geräusche von Schritten ebenfalls. „Ja, jetzt höre ich es auch. Wir sollten uns in Sicherheit bringen.“ Benji nickte und eilte als Erster davon. Der kleine Hase, der mit dem Tempo des Bären problemlos mithalten konnte, rannte neben ihm her. 

„Mein Name ist übrigens Jambor“, stellte er sich Benji während ihrer gemeinsamen Flucht vor. Nun verriet Benji dem kleinen Hasen auch seinen Namen und lächelte ihn dabei liebenswürdig an. Jambor versprach Benji für seine Rettung treue Freundschaft,die der Bär auch dankend annahm.


     

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